Ich sehe das ehrlich gesagt ziemlich entspannt. Musik war, ist und wird immer Wandel sein.
Wenn man mal an die frühen Nullerjahre zurückdenkt, war Trance doch auch damals schon extrem breit aufgestellt. Da gab es poppigere und massentauglichere Nummern wie „All I Need“ oder „Something“, Acid-Sachen wie „The Second Trip“, Hard-Trance-Bretter wie DJ Isaac's „On The Edge“, die ganzen Cosmic-Gate-Nummern, aber eben auch sehr melodische Sachen wie Airwave oder Oakenfolds „Southern Sun“. Das war alles nicht ein einziger, sauber abgegrenzter Sound.
Für mich fühlt sich die Situation heute in gewisser Weise ähnlich an. Es ist wieder viel Bewegung drin, vieles vermischt sich, manches ist näher an Techno, manches an Hardtrance, manches an Uplifting, manches an Pop oder Neo-Rave. Und ganz ehrlich, ich freue mich über diese Breite. Gerade in Livesets mag ich musikalische Reisen. Auch früher war ein PvD-Set nicht immer 100 Prozent Trance nach Lehrbuch. Da konnte auch mal eine Techno-Nummer, Hard House oder sonst etwas dazwischen auftauchen, wenn es dramaturgisch gepasst hat. Wenn heute Uplifting, Techno, Acid, Hardtrance oder Neo-Rave sinnvoll verbunden werden, kann das enorm viel Energie freisetzen. Für mich ist eher entscheidend, ob die Reise funktioniert, nicht ob jeder Track perfekt in eine Schublade passt.
Natürlich kann ich komplett verstehen, wenn jemand lieber klar definierten Uplifting, Progressive oder klassischen Trance hören möchte. Geschmack ist Geschmack, und darüber lässt sich am Ende ohnehin nur begrenzt streiten. Ich persönlich finde es aber nicht so wichtig, alles bis ins Letzte zu labeln. Mir macht gerade die Breite elektronischer Musik Spaß, solange Herz, Energie und musikalische Idee dahinterstecken. Umso mehr freue ich mich, dass elektronische Tanzmusik gerade wieder Massentauglich ist ![]()