DJ Sets an abgelegenen Orten, alles für die Bilder, Tut das wirklich Not?

  • Hallöchen,


    seit Corona ist es vermehrt in Mode gekommen DJ's an besonderen und abgelegenen Orten auflegen zu lassen. Folgende Gedanken die mir hierzu spontan einfallen und die ich in den Raum werfe an Hand des Beispiels von Anjunadeep 16 - Mixed by James Grant & Jody Wisternoff (Live from Vietnam) [4K Sunset Mix]


    Also ich verstehe das es hier um die Bilder geht ABER warum dieser Aufwand Equipment vor Ort bringen, meist Stromerzeugung durch Generatoren, etc.. Deejaying mit moderner Technik ist recht simpel, gerade wenn man einen konservativen Stil bei den Übergängen hat. Es bleibt meisten nichts weiter zu tun als die Geschwindigkeit an zu passen, ca. 5 Minuten bis zum Ende des Tracks zu warten und die Fader bedienen. Bei den meisten Sets die an abgelegenen Orten arrangiert werden ist kein Publikum vor Ort, was die Interaktion eines DJ's etwas limitiert.


    Solche Set up's in Verbindung mit Elektronischer Musik wirken für mich immer etwas befremdlich, vor allem wenn es rein ums konservative Deejaying geht, bei dem "nur" Track A in Track B gefadet wird und fertig ist die Laube. Sind wir mal Ehrlich, das ist heut zu Tage nicht die große Kunst ^^


    Hinterfragen sich die Künstler bei solchen Ideen nicht selber? Macht das sinn, gibt es nicht besser Möglichkeiten Natur und schöne Bilder in die Sets ein zu bauen? Muss es unbedingt der abgelegene Fluss in in Indien ( Diplo - Live in Rishikesh, India (Full Set) ) oder die Wüste ( Rüfüs Du Sol Sunset Mix on the Desert ) sein, an dem ich mit Generatoren Strom erzeugen muss?


    Das Thema stell ich mal so in den Raum, evtl. habt Ihr dazu auch Gedanken.


    Gruß und Kuss :*

    Einmal editiert, zuletzt von Aiiwa (2. März 2026 um 10:53)

  • Wäre tatsächlich interessant wie es dazu kommt.

    Irgendwie muss sich das ganze ja lohnen für alle Beteiligten.

    Gibt auch ein Set aus einem Heissluftballon. War aber irgendein Techno DJ glaub ich.

    Müsste ich suchen.

    Generell ist es mir egal an welchen Ort der DJ auflegt, ich HÖRE bei Youtube die Sets an. Sehr selten dass ich dabei auch das komplette Video anschaue.

    Könnte also auch aus dem eigenen Keller kommen und wäre iO.

  • Also ich finde, man sollte sich hier bewusst sein, dass man heutzutage nicht mehr von 'klassischen DJs' sprechen kann - also im Sinne von handwerklichen DJs, deren Hauptaufgabe eben z.B. die Trackauswahl und das Mixing sind. Sicherlich gibt es diese DJs heute immer noch, aber die sind eher am Rand zu finden.

    Zweifelsohne sind es immer noch Künstler, Musiker, aber das künstlerische und das handwerkliche (z.B. Mixing Skills) tritt immer weiter in den Hintergrund. In den Vordergrund steht tatsächlich mehr das Produkt - in diesem Fall ein DJ-Mix mit ansprechendem Video. Von daher sind das alle eigentlich treffenderweise Content-Creator. Wer im Business mitspielen will, der muss einen kontinuierlichen Output haben und zwar in den von der breiten Masse bevorzugten Formaten. Bedeutet: Content-Häppchen in Form von Video-Reels und Short-Videos und längeren Content in Form von aufwendigen Live-Streams oder YouTube-Videos.

    Die Älteren werden sich erinnern: Vor gar nicht so langer Zeit gab es Diskussionen, warum die DJ Mag Wahl so gehypt wird. Und der Grund war der, dass Künstler mit höheren Rankings in der Wahl häufiger gebucht werden / die lukrativeren Gigs bekommen. Klingt plausibel. Und sehr ähnlich verhält es sich heutzutage mit dem eingangs erwähnten Aufkommen dieser aufwendigen Videos. Nicht nur Anzahl von Followern in Social Media Kanälen haben Einfluss auf das Buchen oder Nicht-Buchen eines Künstlers, auch wird darauf geschaut, wie deren Inhalte performen. Und da kommen diese Videos ins Spiel. Je aufwendiger und professioneller produziert, desto mehr Klicks generieren sie, desto größer ist die Reichweite, desto eher bekommen Künstler Bookings.

    Meiner persönlichen Einschätzung nach gibt es einfach zu viele Personen, die sich als Künstler (von mir aus als 'DJs') in Szene setzen wollen. Und die Einstiegsbedingungen sind ja so niedrig wie nie. Digitale Tracks kaufen kann jede/r und den Sync-Button drücken ist auch nicht schwer. Mit KI-Unterstützung wird es sogar noch leichter. Amateur-DJs und Profi-DJs liegen also dicht beieinander und es gibt einfach zu viele von ihnen. Allein das Aufkommen dieser ganzen 'Bikini-DJanes' ist heftig. Also muss man andere Stellschrauben bedienen, um sich von der Masse abzuheben. Und so werden dann in entlegenden Gegenden Equipment und Filmteam samt Drohnen geschickt. Und dann darf der Künstler ein Set lang so tun, als würde er live spielen, wobei man eigentlich ziemlich sicher sein kann, dass hier das meiste eher in der Post Production passiert.


    Aber um noch etwas versöhnliches zu schreiben: Ich mag DJ-Sets - von mir aus auch vorproduzierte Sets. Und YouTube ist eine meiner Hauptquellen. Mir geht es aber so wie Inxession: ich HÖRE mir die Sets an, dass da noch ein Video dabei ist, ist mir egal, ich schaue da kaum hin.

    Manchmal findet man ganz coole Videos. Ich mag die Videos von Marsh. Der hat z.B. mal ein Set im letzten Wagon einer altmodischen Bahn gemacht, während im Hintergrund die Highlands von Wales zu sehen waren. Oder das Tinlicker-Set aus der Küche. Nora En Pure hat auch immer schöne Natur-Videos.

    Schon eher unfreiwillig komisch fand ich dann z.B. die Album-Präsentation von Rinaly, irgendwo auf einem Feldweg in Japan. Oder ZOYA's Album-Präsentation im leeren Theater. Oder Darren Tate: der hat sogar live gespielt / live gesungen, aber in einem komplett leeren botanischen Garten. Aiiwa hat es eingangs 'befremdlich' beschrieben - dem schließe ich mich an.

  • Ich habe neulich ein Video von Lily Palmer gesehen, da stand sie mitten in der Wüste. Genau die gleiche Frage stellte sich mir da auch :D Mir ist es so was von Schnuppe, ob sie da zwischen Dünen steht, oder in einem Studio, ich schau mir beide Hintergründe nicht eine Stunde lang an und denke mir, wow wie beeindruckend. Es geht doch noch immer um die Musik und nicht um die Kulisse.