Henry Saiz "Madre noche EP"

  • N’Abend zusammen!


    Nach dem grandiosen Lamur-Remix für Guy J, mit dem Henry Saiz für meinen Geschmack einen der Tracks des Jahres geschaffen hat (mag da in den letzten zwei Monaten des 2009er-Jahrgangs noch kommen, was wolle), gibt es nun für alle Sympathisanten des genregrenzenausgrenzenden Klangspektrums des spanischen Produzenten wieder drei berechtigte Gründe zur Freude. Schließlich ist seit Anfang Oktober mit der Madre Noche EP ein ganz frischer 3-Tracker käuflich zu erwerben, mit welchem der aufstrebende Iberer erneut sein großes Talent unter Beweis stellt, sphärisch überaus dichte Strukturen in einer eleganten Mischung aus Progressive und Techhouse zu kreieren. Wer sich ebenso wie meine Wenigkeit von diesen vielfältigen Klanglandschaften überzeugen lassen möchte, sollte daher unbedingt bei nächster Gelegenheit bei dem vom zuständigen Traditionslabel Renaissance erstellten eFlyer vorbeischauen oder einfach den unten folgenden Links vertrauen. :yes:


    Madre Noche als Titeltrack der EP wird seiner Rolle für meinen Geschmack jedenfalls zu jedem Zeitpunkt vollkommen gerecht und stellt sich dem gemeinen Hörer als intensives Klangerlebnis vor. Bereits im subtil arrangierten Intro wimmelt es nur so vor zwielichtig anmutenden Melodieandeutungen, welche sich zunehmend zu einer flächigen Geschichte entwickeln und zusammen mit vom Himmel fallenden Tonhöhen schließlich effektreich das Drumming aus dem Hintergrund heraufbeschwören. Dieses fällt zwar recht techhousig-trocken aus, entfaltet mit seinen progressiven Bassline-Stakkatos allerdings einen unwiderstehlich nach vorn ausgerichteten Groove, auf dem nach einigen Momenten nicht nur einige schwurbelige Alternativtöne, sondern alsbald auch die ersten Bögen einer unwiderstehlich aufbegehrenden Melodielinie ihre Kreise ziehen. In Kooperation mit der stetig im Hintergrund brodelnden Flächenwand weist diese zudem eine spannende Wandlungsfähigkeit in Instrumentierung und Intensität auf, sodass die Hörerschaft hier hinter jeder Biegung eine neue Konstellation erwartet - dass dabei nebenbei auch die sphärische Entwicklung nicht zu kurz kommt, versteht sich natürlich von selbst. Unterbrochen wird der Trackfluss nur durch zwei kleine Breaks, in welchen allerdings bloß kurzzeitig durchgeatmet werden kann, ehe die herrliche Melodielinie in ihren zahlreichen Formen und Farben wieder auf den Plan tritt und die atmosphärische Dichte des Ganzen in ungekannte Höhen treibt und schließlich in einer Effektorgie explodiert. Zusammen mit dem Drumming schließt sich dann jeweils eine druckvoll-technoide Phase an, in der die Melodiefetzen nur äußerst sparsam und zudem fragmentiert auftreten und damit dafür sorgen, dass das Wörtchen „Abwechslung“ hierbei stets groß geschrieben wird. Alles in allem ein fast zehnminütiges Klanginferno, welches ich in meiner euphorischen Stimmung mit nicht weniger als 6/6 entlassen möchte. :D


    Für welche Rhinemaidens der zweite Track der EP als Hommage fungiert, konnte ich zwar nicht in Erfahrung bringen, jedoch müssen sich diese auf ein im Vergleich mit seinem Vorgänger etwas gedämpfteres Trackumfeld einstellen. Zu Beginn bedient sich das Ganze zudem einer überaus minimalen Ästhetik, welche sich in verzerrten Tonhöhen auf einem trocken schiebenden Beat widerspiegelt. Mit progressiven Basslinefetzen, welche sich langsam und dezent aus dem Hintergrund heranschleichen, ergreift den Track aber auch eine groovende Komponente, welche sich in Kooperation mit den nun zunehmend leicht sirenenartig ausgebauten Tonhöhen einstellt. Dazu schwofen gemütlich einige Effektwolken durch den Raum, während in einem sehr kurzen Break dann wieder die bekannten, verzerrten Tonelemente und ein knarziges Bassline-Pendant für Furore sorgen. Aus dem Untergrund bahnen sich im Folgenden weitere Melodieandeutungen ihren Weg nach vorne und sorgen schließlich mit einer groovenden Alternativmelodie im Gepäck in intensiv-quietschender Akustik für die interessanten Ecken und Kanten in diesem Stück. Während dann in einem zweiten Break diesen Alternativtönen eine kleine Solofahrt gegönnt wird, sind es im Anschluss doch wieder die nach Aufmerksamkeit heischenden Melodiesprengsel, welche sich an vorderster Front dieses dicht arrangierten Progressive-Tracks etablieren können. In sphärischer Hinsicht sicherlich nicht ganz so intensiv wie sein Vorgänger, mit 5,5/6 jedoch ebenfalls nicht von schlechten Eltern! ;)


    Hadal als Dritter im Bunde hat es dann ebenfalls faustdick hinter den Ohren, auch wenn er ohne die Unterstützung exaltierter Melodiespitzen auszukommen weiß. Stattdessen widmet er sich zunächst einer dezent plätschernden Klangwand, welche sich langsam aber sicher vom unscheinbaren Begleiter eines typisch Saiz’schen Drummings aus wüstenähnlichen Gefilden zum treibenden Element des Stücks mausert. Besonders das Laut-Leise-Schema wird dabei immer wieder vortrefflich bedient, während im Untergrund eine düster wabernde Basslinewand für die nötige Portion Groove sorgt und den gelungenen Unterbau für die sich aus dem hiesigen Tonplätschern entfaltende Melodielinie sowie ihr immer wieder aus dem Hintergrund hineingeworfenes, mystisch entrücktes Pendant bildet. Weitere Begleittöne ergänzen die sphärisch leicht neblige Aussicht des Ganzen und sorgen dafür, dass die Melodieebene sich stets in neuen Formationen zusammensetzt und dem gemeinen Hörer dabei ein zunehmend intensiveres Klangerlebnis offeriert. Die vielen kleinen Breaks, in denen sich immer wieder ein anderer Teil der Melodieebene in Szene setzen kann, unterstützen zudem den progressiven Fluss des Ganzen, welcher schließlich im letzten Drittel in das spannendste Kurzbreak des Stücks mündet, in dem die Bassline für einige Augenblicke als knarzige Unterstützung der vielschichtigen Melodieideen fungiert. Alles in allem ein herrlich verspulter Track, der sich meiner 5,5/6 sicher sein darf. :yes:



    Greetz,
    :: der hammer ::

  • Hallo,


    mensch Hammer deine Beschreibungen sind ja wirklich der Hammer. Du machst deinem Namen alle Ehre im positiven Sinn.


    So die EP ist eben legal geladen und läuft im Hintergrund. Ich habe mit "Hadal" angefangen und finde den Track schon ziemlich geil. Bin also sehr gespannt auf die beiden anderen Tracks.


    Greetings Maurice