Luke Chable "Foundation EP"

  • N’Abend zusammen!


    Kaum ist das neue Jahr ein paar läppische Tage alt, kann bereits die erste frohe Kunde für alle Progressive-Liebhaber hinausposaunt werden, denn niemand Geringeres als Luke Chable meldet sich in diesen Tagen mit einer neuen EP zurück. Nach gefühlt einer halben Ewigkeit, in der der australische Produzent, der die sicherlich nicht nur von mir in überaus guter Erinnerung bewahrte Progressive-Hochzeit in den Nullerjahren mit seinen Tracks und Remixen entscheidend mitgeprägt hat, aus meinem Blickfeld verschwunden war, stehen nun auf dem noch recht jungen Digitallabel Mesmeric Records drei taufrische Eigenproduktionen in den Startlöchern. Diese Zusammenarbeit kommt nicht von ungefähr, hat sich das im Dunstkreis von Proton Music angesiedelte Label doch ganz der Wiederauferstehung der zeitlosen Progressive-Klanggemälde von „damals“ mit den produktionstechnischen Mitteln von „heute“ gewidmet und bereits Künstler wie Lank, Shiloh oder Joel Armstrong für sich gewinnen können. An die Qualität der herausragend progressiven Schmankerl aus der guten alten Zeit, mit der sich die Foundation EP betitelte Trackzusammenstellung natürlich messen lassen muss, kommt das Paket zwar nicht ganz heran, zu verstecken braucht sich der Melbourner Produzent mit dieser überzeugend geratenen Veröffentlichung jedoch ebenso wenig. :yes:


    Mit dem Titeltrack Foundation ist Luke Chable für meinen Geschmack auf jeden Fall ein mehr als hörenswerter Einstieg in die EP gelungen, welcher den gemeinen Hörer zunächst jedoch erst einmal mit seinem minimalistisch-technoiden Klickeransatz genüsslich an der Nase herumführt. Mit dem baldigen Einsetzen einer überaus saftig arrangierten Kickdrum klingen schließlich im Hintergrund bereits die ersten verspielten Melodiefragmente an, während an der Oberfläche gezielt eingeworfene Effektwölkchen den progressiven Nährboden des Ganzen anreichern und im Folgenden in ein interessantes Kurzbreak münden, welches nicht nur alternative Melodieschnipselbewegungen, sondern auch die Entwicklung einer schön verschachtelt aufgebauten, aber angenehm groovenden Bassline parat hält. Das wahre Potenzial letzterer lässt sich allerdings erst in Kooperation mit dem herannahenden Klickeruntergrund erfassen, wenn der Track zum einen gehörig am Tanzbein kitzelt, andererseits aber auch in Sachen sphärischer Gefilde langsam aber sicher an Intensität gewinnt. Hierfür zeigt sich vor allen Dingen eine alsbald aus den Fängen des Drummings entrinnende Synthietonfolge verantwortlich, welche entgegen der von den restlichen Elementen an den Tag gelegten Rastlosigkeit mit Hilfe ihrer warmherzigen Flächenarbeit eine wunderbar beruhigende Stimmung als Kontrastpunkt im hiesigen Stück etablieren kann. Die Fortbewegung des Ganzen lässt sich in den nächsten Augenblicken daher am besten als „schwebenderweise dem Groove folgend“ charakterisieren und macht die mit jeder weiteren Sekunde an Sicherheit gewinnende Synthietonfolge zusammen mit den fragmentiert im Hintergrund rackernden Begleittönen zu einer stetig einflussreicher agierenden Melodieebene, die auch im anstehenden Break zunächst ihr hoffnungsvoll melancholisches Zusammenspiel fortführen darf. Angekündigt durch zunehmende Brodelaktivitäten zwischen der zu einem stakkatierten Offbeat-Anschlag geschrumpften Bassline wird hierin jedoch still und heimlich eine Revolution gegenüber der mittlerweile recht absolutistisch ausfallenden Herrschaft der Synthieflächen angezettelt, sodass nicht nur zunehmend Tonspitzen nach vorn gieren, sondern auf Basis zusätzlicher Flächenstücke im Hintergrund ein Lehrstück über eine effektvolle und variantenreiche Anschwellaktion heraufbeschwört wird. Wenn das Stück hieraus im Anschluss äußerst gestärkt hervorgeht und mitsamt einer enorm düster-knarziger gestalteten Basslinewand ein würdiges Finale beschert bekommt, in dem sich auch die Melodieebene noch einmal eindrucksvoll verdichten kann, weiß ich endgültig, warum Luke Chable in der Progressive-Szene solch eine Lücke hinterlassen hat. Chapeau für diesen unscheinbar beginnenden, aber mächtig aufdrehenden Track, welcher sich seine 5,5/6 imho redlich verdient hat. :D


    Eine vor allen Dingen die Instrumentierung betreffende, teilweise überaus ähnlich geratene Schiene befährt anschließend Substrate, welches in seinem kaum minder mitreißenden Aufbau allerdings denjenigen Pfad wählt, der progressive Qualitäten ohne großartige Break-Pflasterung zu entfalten gedenkt. Stattdessen eröffnet ein in Minimalismus badendes Klickerintro das Stück, bevor eine technoide Kickdrum die puristische Szenerie durchbricht und zudem schon recht zeitig zwei entscheidende, wenn nicht gar tragende Elemente des folgenden Progressive-Reigens in einem Kurzbreak der Öffentlichkeit vorstellt. Hierzu gehört zum einen ein herrlich waberndes Basslinefragment, welches in seiner im Untergrund des Ganzen herumwischenden Tätigkeit gehörig Düsternis aufsaugt und damit angenehm konträr zu einer schwebenden Synthiemelodiefolge – in ihrer Instrumentierung ihrer Schwester aus dem Vorgängertrack recht nahe kommend – ausgerichtet erscheint. Zusammen mit dem sich wieder dazugesellenden Drumming sowie einem arpeggierten Tonflirren im Hintergrund intensivieren sich die angesprochenen Gegensätze noch einmal – dies geschieht zwar stets nur stückweise, doch gerade die in wunderbar progressiver Manier auseinanderdriftenden und dennoch irgendwie zusammenhaltenden Elemente sind es eben, die den Reiz des hiesigen Tracks ausmachen und peu à peu verstärken. Davon abgesehen schlägt allerdings auch das Intensitätsbarometer des Ganzen aufgrund der stetig nachdrücklicher anmutenden Melodiefolgen immer weiter aus, während die Bassline im Untergrund sich als Gegenmittel vom Fragment zu einer durchgehend düster brummenden Wand entwickelt, um wiederum die Melodieebene anzustacheln, ihrerseits die Schar an begleitenden Flächen und alternativen Arpeggio-Zusatztönen zu erhöhen. Alles in allem gesehen schraubt sich das Stück dadurch in guter alter Progressive-Manier in anfangs nicht für möglich gehaltene Sphären voller dunkler, erhabener Schönheit, ehe im letzten Drittel ein milderndes Kurzbreak langsam aber sicher den anstehenden Rückbau einleitet und bereits am Horizont euphorisch beeinflusste 5,5/6 zu erkennen vermag.


    Cornerstone als Dritter im Bunde legt seinen Fokus im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern eine gute Schippe deutlicher in Richtung Peaktime, verpasst sich dafür statt sphärischer Ausschmückung lieber einen äußerst druckvollen Überzug aus dreckig-launischem Basslinewabern und kürt dieses dann auch sogleich zum tragenden Element des Ganzen. Zusammen mit einem minimaltechnoiden Untergrund ist es dabei vor allen Dingen die stetig an- und abschwellende Charakteristik der Waberbewegungen, mit welcher innerhalb des Tracks stetige Spannungswechsel generiert werden, während im Hintergrund immer wieder einige klickernde oder wolkenverhangene Effekte eingeworfen werden. Luke Chable ist dabei zwar stets bemüht, den Vorwurf der reinen (Club-)Funktionalität gegenüber dem hiesigen Stück abzustreifen, überzeugend gelingen will ihm dies jedoch zunächst noch nicht wirklich, auch wenn die Vorliebe der eingesetzten Elemente für die gesunde Portion Progressivität immer mal wieder durchzuscheinen imstande ist. Erst in der zweiten Hälfte, wenn sich aus dem Untergrund ein zunehmend flächigeres Echo sowie flirrende Alternativtonanleihen in die Zusammenarbeit mit der fast unablässig nach vorn drückenden Bassline begeben, ist das Ganze in der Lage, sich deutlicher von rein funktional funktionierenden Tracks abzugrenzen und eine interessante Verdichtung aufs Parkett zu legen, welche gekonnt den stetig an- und abschwellenden Charakter des aneckenden Basslinewaberns integriert und dessen Wirkung mit Hilfe mystischer Flächenfragmente als Begleitung sogar noch verstärken kann. Da die Hörprobe nicht ganz vollständig ist und an dieser Stelle ausfadet, geht meine Bewertung solider 4/6 mit der Hoffnung einher, dass sich die beginnende Hochphase noch etwas weiter auszudehnen weiß… ;)



    Greetz,
    :: der hammer ::

  • Ich bin begeistert, eine sehr tolle Nachricht zu Jahresbeginn Hammer ! ;)
    Das Comeback kann sich sehen lassen. "Foundation" und "Substrate" sind mal wieder richtig schön sphärische Tracks geworden. Musik auf die man sich einlassen muß , und lässt man sich drauf ein, kann man wieder eine wunderschöne Reise in eine andere Welt erwarten That´s Trance ,auch wenn es vielleicht als Progressive House gehandelt wird. Cornerstone geht überraschend technoid vor. Hätte ich so von Luke nicht erwartet aber hat auch was.


    Foundation & Substrate 6/6
    Cornerstone 4/6

  • Schön, dass Luke wieder was rausbringt.
    Insgesamt bin ich aber ein wenig enttäuscht. Nicht falsch verstehen... die Nummern sind schon gut und klingen auch nach Luke. Aber irgendwie hatte ich doch einen Tacken mehr erwartet :D
    Hoffe da kommt noch mehr!


    4,5-5/6 für die EP