That was number 13, baby!
Auch wenn die Nachwehen von 3 Tagen Festival in der in diesem Jahr fast durchgehend sonnenverwöhnten Pampa Sachsen-Anhalts noch mehr als deutlich in Körper und Geist stecken, will ich mich doch mal an eine hoffentlich nicht zu ausschweifend geratende Rezension des Melt! 2010 begeben. Denn auch wenn ich erst seit wenigen Stunden wieder in der westfälischen Heimat mein Unwesen treibe, möchte ich euch doch meine/unsere (Andru wird sich da sicherlich anschließen können) Höhepunkte des vergangenen Wochenendes nicht vorenthalten - dass unsere Auswahl von Jahr zu Jahr weniger elektronisch ausfällt, wie mir scheint, soll da nur eine Randnotiz bleiben, zumal wir uns hier ja hier im Subforum der Non-Trance-Events befinden. Der erste besteht in der profanen Tatsache, dass Ferropolis diesmal im Vergleich mit den letzten beiden Jahren endlich einmal von Petrus zur unwetterfreien Zone erklärt wurde und stattdessen eine Witterung vorherrschte, die auch des Nachtens das Tragen von T-Shirt und kurzer Hose erlaubte. So gab es auf dem Festivalgelände stets ein Schaulaufen der unterschiedlichsten Arten von Sonnenbränden, bei dem wir uns natürlich ebenfalls nicht die Blöße gaben… 
Der Freitag als traditionell der Tag mit dem größten Konditionspotenzial in der Wirbelsäule sollte uns in diesem Jahr ein Mammutprogramm bescheren, das es in sich hatte und zudem bereits anderthalb Stunden nach Ankunft am Gremminer See mit den indiefolkigen Schwerenötern von Midlake begann, deren melancholische Stücke bei gleißender Sonne und etwa 34 Grad im Schatten um 16:30 Uhr auf der Main Stage leider nicht ihr volles Ausmaß entfalten konnten, aber dennoch einen gelungenen Kontrast zum anschließenden, hyperventilierenden Punkzirkus von Bonaparte bildeten. Die bestens aufgelegten, schwedischen Indielieblinge der Shout Out Louds (überragend: „Impossible“) sorgten dann für den ersten Höhepunkt des Abends, doch auch der schweißtreibend tanzbare Auftritt des Two Door Cinema Club auf der intimeren Gemini Stage sorgte für allseits entzückte Gesichter. Dass im Anschluss an die nie enttäuschenden Tocotronic Sigur-Rós-Frontmann Jónsi (die schönste Falsettstimme auf diesem Planeten) und The xx (minimal gestalteter Darkroom-Electropop mit faszinierendem Boy/Girl-Gesang) im weiteren Verlauf auf der Main Stage eine Klasse für sich darstellen würden, war dagegen fast schon vorauszusehen, hier hätte sich imho nur noch das Publikum bei den fragilen Songmomenten etwas mehr aufs Zuhören konzentrieren sollen, dann wäre die Atmosphäre womöglich noch intensiver ausgefallen. Nicht zu vergessen, dass wir uns in der Umbaupause zudem noch etwas Yeasayer in der gemischten Massensauna des Intro-Zelts gönnten. Da Kele Okereke ohne seine Band Bloc Party allerdings leider fast nur noch in der Lage ist, dem gemeinen Hörer B- als A-Seiten vorzumachen (Ausnahme: „Tenderoni“), gab es für uns im Anschluss endlich Zeit zum Luftschnappen bzw. Lendenwirbeln-im-Sitzen-Entspannen, bevor die Indie/Mathrock-Kombo Foals einen würdigen Schlusspunkt des ersten Melt!-Tags bildete.
Trotz Unwettervorhersage sowie einiger bedrohlich wirkender Wolkenwände gegen Abend herrschte auch am Samstag vielfach eitel Sonnenschein und beglückte uns mit einer weiteren regenfreien Melt!-Nacht (kann man nie oft genug erwähnen nach den Erfahrungen der letzten Jahre). Den Anfang machten dabei die äußerst tanzbaren Franzosen von Jamaica auf der Gemini Stage, welche uns nicht nur mit ihrem wunderbaren Akzent, sondern auch mit Indiedisse-Krachern wie beispielweise „I Think I Like U 2“ zu überzeugen wussten, ehe wir uns im Anschluss zur „Entspannung“ die Blood Red Shoes auf der Main Stage gönnten. Wieder zurück in Gemini-Gefilden folgte im Anschluss schließlich ein Höhepunkt dem nächsten: zuerst die stilecht gekleideten Hurts aus Manchester, welche mit ihren eindeutigen New-Wave-Reminiszenzen und aparten Deutschkenntnissen („So viele Mädchen hier…!“) sicherlich bald über ihren bisherigen Geheimtipp-Status hinauswachsen, anschließend der großartige Kuhglocken-Postpunk der Friendly Fires inklusive fast hoffnungsloser Überfüllung des Floors und danach wiederum Miike Snow mit ihrem hittigen Electro/Indie/Pop-Konglomerat. Zum Abschluss ging es dann in das im Vergleich zum Vortag nicht ganz so aufgeheizte Intro-Zelt, wo wir zunächst der kraftvollen Indie-Ballermann-Sause der äußerst sympathischen Futureheads aus Nordengland beiwohnten und anschließend die Sterne ihrem Status als Institution der deutschen Musiklandschaft gerecht wurden. Hier gab es zwar viel Neo-Disco-Soul vom aktuellen Album zu hören, doch auch solch schöne Klassiker wie „Was hat dich bloß so ruiniert?“, „Universal Tellerwäscher“ oder „Aber andererseits“ waren mit von der Partie und zu allem Überfluss lief uns dann auch noch der Aiiwa hier über den Weg… 
Nach dem Stehplatzmarathon der vergangenen beiden Nächte wurde der Sonntag dann größtenteils auf den Treppen an Gemini und Main Stage - garniert mit dem unentwegt vorgetragenen Hinweis vom Andru, dass wir ja nicht mehr die jüngsten sind - im Sitzen verbracht. Bereits um 16 Uhr bildeten dabei die norwegischen Kings of Convenience um den sympathischen Vorzeige-Nerd Erlend Øye mit ihrem sommerlichen Singer/Songwriter-Akustikpop die perfekte akustische Kulisse für das nachmittägliche Sonnenbad und lieferten nebenbei auch gleich noch die Rezeptur dafür ab, wie man eine Menschenmenge trotz eher bedächtig anmutender Klänge ohne Wenn und Aber zum Tanzen bewegen kann. Da das Schwedenduo Johnossi für unseren Geschmack zumeist nur durchschnittliche Rock-Kost ablieferte, freuten wir uns im Anschluss umso mehr auf die stets überzeugenden Indie-Pathosfreunde von Get Well Soon sowie die Broken Bells (Danger Mouse und James Mercer von den Shins), welche zusammen mit einigen Gastmusikern nicht nur mit einem nicht enden wollenden Wechselspiel an den Instrumenten, sondern auch mit höchst groovebetonten Stücken auf sich aufmerksam machten. Erwartungsgemäß außerordentlich synthielastig fiel dann im Anschluss der Auftritt von Alison Goldfrapp aus, sodass dem Publikum die klebrigen Melodiebögen nur so um die Ohren geflogen kamen, ehe Massive Attack für einen furiosen Ausklang des Festivals sorgten. Die Trip-Hop-Vorreiter bauten hierbei auf eine gehörige Portion Gitarren- und Schlagzeugverstärkung, mit welcher ihr düsternisbehangener Klangkosmos noch wesentlich intensiver ausfiel als auf Platte und zudem durch gesellschaftskritische Visuals (u.a. abstruse Bild-Schlagzeilen und Großkonzern-Memory) ergänzt wurde - da bildeten auch solch großartige Klassiker wie „Teardrop“, „Inertia Creeps“ oder „Unfinished Sympathy“ natürlich alles andere als Ausnahmen. 
Dank geht raus an: den reinen Weltklasse-Corsafahrer Andru, unsere Sonnenschirme und -brillen, natürlich alle großartigen Künstler und Künstlerinnen, die uns mit ihrer Leidenschaft angesteckt haben, die noch einmal verbesserte Organisation des Festivals (Umzäunung des Campinggeländes, Shuttlebusse fast im Minutentakt, Müllpfand - aber warum nur Duschen mit gefühlt 3°C kaltem Wasser!?), unsere Stamm-Imbissbude in Niedergebra im Landkreis Nordhausen, das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (A38 jetzt endlich lückenlos befahrbar!) und - last but not least - die wie immer großartig illuminierte Schaufelradbagger-Landschaft. Peace!
