Petar Dundov "Stairway / The arch"

  • N'Abend zusammen!


    Führende Experten für das atmosphärische Gleichgewicht empfehlen, sich mindestens einmal pro Woche einer gesunden Portion Space Techno hinzugeben. In diesem Zusammenhang kommen insbesondere immer wieder die vielfältigen melodischen Auswüchse der Tracks und Remixe des kroatischen Ausnahmeproduzenten Petar Dundov zur Sprache, welcher es wie kaum ein anderer versteht, Progressive House, Detroit Techno und Trance im Sinne einer Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart elektronischer Musik derart gekonnt zu verkuppeln, dass seine Klanggebilde am Ende des Tages stets eine markante futuristische Note in sich bergen und auf den gemeinen Hörer zu übertragen wissen. Als überaus aktuelles Beispiel möchte ich euch mit diesem Thread daher ganz subtil auf den ganz frisch veröffentlichten Two-Tracker des guten Mannes aus Zagreb aufmerksam machen. Selbiger fungiert dabei nicht nur als adretter Vorgeschmack auf das sicherlich nicht nur von meiner Seite aus freudig erwartete neue Album, welches auf den Titel Ideas From The Pond hören und Ende März ebenso wie die hiesige Platte auf dem belgischen Traditionslabel Music Man Records erscheinen wird, sondern bohrt sich für meinen Geschmack auch noch näher an die ursprüngliche Bedeutung des Wörtchens Trance, als es ein Großteil der Stücke, die sich heutzutage mit diesem Etikett schmücken, je zu träumen gewagt hätte. Vorhang auf! :D


    Stairway liebäugelt dabei recht offensiv mit einem charakteristischen 80er-Retrosynthie-Klanggewand und schickt die geneigte Hörerschaft bereits im Intro in ein überaus markantes Flächenbad voller mystischer und zwielichtiger Momente, ehe alsbald eine herrlich flexibel tänzelnde Bassline initiiert wird, an der jedes Tanzbein seine wahre Freude haben sollte. Schuld daran trägt vor allen Dingen das unfassbare Groove-Potenzial, welches der Untergrund auszustrahlen weiß und die hiesige Bassline mehr und mehr zu einem Vertreter mit wahrhaftigem Vorbildcharakter für ihre Zunft macht. In Kooperation mit einer knochentrockener Kickdrum lassen sich die Synthieflächen zwar mehr und mehr wieder in den Hintergrund zurückfallen, dies eröffnet jedoch wiederum einer recht acidlastigen Effektwelle die einmalige Chance, sich an das Drumming heranzupirschen und dieses mit Hilfe seiner schön rollenden Fortbewegungsart sowie interessanten Klappeffekten im Gepäck düster-druckvoll zu verstärken. Diesen Zustand lässt die Melodieebene verständlicherweise nicht allzu lang fortbestehen, melden sich im Folgenden doch mehr und mehr überaus hell gestrickte Synthiespitzen zu Wort, um nicht nur die Kontraste im hiesigen Stück zu verschärfen, sondern auch die Intensität der sphärischen Komponente in angenehm progressiver Manier anzureichern. Von hier aus ist es zudem kein weiter Weg mehr bis zur Initiierung der nächsten Melodieschicht, welche dem aufmerksamen Hörer in Form einer geheimnisvollen Flächenwand einigermaßen bekannt vorkommen dürfte und den lieblich-melancholischen Tonspitzen in mehr als gelungener Art und Weise den Rückraum freihält. In dieser Formation scheinen sich vor allen Dingen letztere zunehmend in einen regelrechten Melodierausch zu spielen, welcher mit der Hinzunahme weiterer spannender Alternativtöne seinen atmosphärischen Höhepunkt erlebt, bevor die klanglichen Strukturen im Mittelteil des Ganzen langsam aber sicher komplett in sich zusammenfallen und den Blick erneut auf den wunderbar groovend gestalteten Untergrund freilegen, welcher simpel, aber äußerst effektiv den dunklen Gegenpol zur hoffnungsvollen Tonfolgenmanufaktur bildet. Der Plan zur Rückeroberung des Tracks ist in letzterer zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst geschmiedet, sodass es im weiteren Verlauf nicht wirklich verwundert, wenn die ersten arpeggierten, acid-inspirierten und flächigen Fragmente der Melodieebene sich Schub für Schub wieder mehr Gehör verschaffen und damit die Basis für die anstehende, zweite Verdichtung des Stücks legen. Hierbei scheinen die Synthiespitzen im Endeffekt sogar noch eine gute Portion vielfältiger in Konzeption und Ausführung zu agieren, wobei auch Alternativtöne, Flächenebene und Effektwelle sich parallel dazu ins sphärische Zeug schmeißen wie nie zuvor in diesem Track. Die Stimmungswogen extraterrestrischen Ursprungs hallen in meinen Gehörgängen jedenfalls noch nach, da befindet das Ganze längst auf der Zielgeraden mit eingebautem Bassline-Sololauf und ist sich seiner 5,75/6 so sicher wie Joachim Gauck in der Vorfreude auf seinen neuen Amtssitz im Schloss Bellevue… ;)


    Noch konsequenter in seiner 80er-Synthie-Herangehensweise ist dann im Anschluss The Arch geraten, welches zwar ebenfalls mit einem zum Bersten gefüllten Paket voller Melodielinien aufwartet, dieses meines Erachtens jedoch im Vergleich zum Vorgänger deutlich verspulter mäandrieren lässt und somit nicht ganz in der Lage ist, ein ähnlich sphärisch-intensives Klangfarbenschauspiel aufs Parkett zu legen. Zu Beginn sticht dabei vor allen Dingen ein markantes Bassrollen hervor, welches ebenso wie die alsbald dazustoßenden ersten Melodieanleihen äußerst uneindeutig einem analogen Synthesizer, wie ihn auch Kraftwerk benutzten, entstammen könnte. Zunächst wird dabei zumindest auch ein vergleichbar futuristisches Fass aufgemacht, wenngleich mit jeder weiteren hinzugeschichteten Melodiefolge sich das Ganze mehr und mehr nicht mehr sicher ist, in welche Himmelsrichtung es sich eigentlich entwickeln möchte. Dies markiert den Beginn der hiesigen Verspultheit, welche allerdings insbesondere innerhalb der ersten Trackhälfte keineswegs auf Momente, die mit dem gewissen Etwas ausgestattet sind, auskommen muss, sind es doch vor allen Dingen die immer mal wieder eingestreuten Phasen, in den die repetitive Haupttonfolge sich in angenehm freizügiger Manier alternativen Entwicklungen hingibt, die Dundovs feinsinniges Gespür für das ganz große Melodic-Space-Techno-Epos an den Tag legen. Im Mittelteil übernehmen dann schleichend die verspielteren Enden der Melodielinien das Regiment, sodass nun hauptsächlich die herrlich im Hintergrund agierenden und von Raum und Zeit fast gänzlich befreit scheinenden Flächenwellen die sphärische Arbeit übernehmen, ehe der Track sich im letzten Drittel glücklicherweise erneut an seine furiose Anfangsphase erinnert und mit den dort beheimateten, deutlich ausdrucksvoller zu Werke gehenden Synthiemelodietönen einen gelungenen Abschluss feiert. Insgesamt gesehen muss ich aufgrund des etwas überladenen Mittelteils zwar einen leichten Punktabzug in meine Bewertung einfließen lassen, aber sogar dieser schafft es nicht, die hiesige Klangarche unter absolut verdiente 5,25/6 zu drücken. :yes:



    Greetz,
    :: der hammer ::

  • Wow ! Danke an den Hammer für die Vorstellung dieses genialen Releases.
    Da schwinkt ja richtig der Zeitgeist der alten Pioniere mit, die schon vor meiner Geburt oder in meiner Kleinkinderzeit mit ihren herrlich spacigen Synthie-Sounds Planetarium-Musik schufen, von der sich heute so manches Trancestück inspirieren lässt. Ja Spätsiebziger oder 80 er ( wie der Hammer schon richtig erkannt hat). Jean Michel Jarre, Vangelis, Kraftwerk usw.....Wer unseren alten Trancehelden Cosmic Baby mochte, wird da sicher auch gefallen dran finden, weil er auch immer gerne aus dieser Inspiration Dancetracks schuf. Das Ergebnis war diesem gar nicht so unähnlich und das mag ich auch an Orkidea desöfteren.


    Stairway 5,5/6
    The Arch 6/6

  • In der Tat, ein sehr schönes Release!


    Der gute Herr Dundov schafft hier gekonnt den Spagat zwischen Trance, Progressive und ner ordentlichen Portion Oldschool.
    Beim Hören der beiden Stücke denkt man unweigerlich an die Anfangsjahre des Trance (J.M. Jarre, Orbital...).
    "Stairway" setzt vor allem auf progressiven Groove-Faktor, während "The Arch" eher aufgrund seiner doch recht fröhlichen, warmen Melodie in den Gehörgängen des geneigten Hörers hängen bleibt.
    Auf jeden Fall hinterlassen beide Tracks ein angenehmes Gefühl nach Ablauf der ca. 8 min., man möchte eigentlich unweigerlich auf Repeat drücken. :yes:


    Fazit: Man kann die beiden Tracks mit gutem Gewissen als EDM auf höchstem Niveau bezeichnen! 6/6 fürs Gesamtpaket.