Beiträge von hammer

    N’Abend zusammen!

    Experimentelle Electronicaklänge, druckvolle Technoanleihen und in guter Regelmäßigkeit alles andere als ängstlich im Umgang mit Melodien – beim britischen Produzenten Phil Kieran haben es wir mit einem Künstler zu tun, welcher in meinen Ohren geradezu prädestiniert erscheint für einen langwährenden Einzug in den Tellerrandbereich der hiesigen Tracksrubrik. Auch Qualitätslabels wie Cocoon, Soma, Yoshitoshi oder Tronic sind in den letzten Jahren immer mal wieder auf den vielseitig talentierten Herrn von der Insel aufmerksam geworden, wobei auf ersterem im Jahr 2009 sogar ein zu Unrecht in der Vielzahl an Veröffentlichungen untergegangenes Album („Shh“) das Licht der Welt erblickte. Um seiner überbordenden Kreativität noch mehr Raum zum Entfalten zu gönnen kann sich der Gute zudem seit kurzer Zeit nun als seinen eigenen Chef bezeichnen, schließlich dürfte Phil Kieran Recordings als wenig missverständlicher Name seines neuen Labels auch dem größten Brett-vor-dem-Kopf-Träger deutlich vor Augen führen, wie die Marschroute der verfolgten Veröffentlichungsstrategie aussah, aussieht und aussehen wird. Ans Herz legen möchte ich euch heute in diesem Zusammenhang die jüngst erschienene zweite Veröffentlichung, welche auf den frankophonen Titel Le Carrousel hört und eure Gehörgänge geschmeidig verführen möchte. :yes:

    Für den Original Mix existiert im Netz zur Zeit zwar nur eine zweieinhalbminütige Hörprobe, selbige verdeutlicht jedoch im sprichwörtlichen Handumdrehen, mit welch einer atmosphärischen Wärme dieses Stück ausgestattet ist. Die Gier des geneigten Hörers nach sphärischer Ausdrucksstärke wird hier auf jeden Fall auf Rosen gebettet, wenn aus allen Himmelsrichtungen Synthie-Tonfolgen heranströmen, welche sich in Form von Arpeggios, Flächenstücken sowie eines subtilen Hintergrundsirrens in einer überaus vielseitig gestalteten Melodieebene manifestieren. Angesiedelt irgendwo im Hexenkessel zwischen Melancholie und Leichtigkeit mag das Gesamtpaket zwar sicherlich für den ein oder anderen die gewisse Portion Dringlichkeit vermissen, da auch das Drumming sich im hiesigen Track stets recht bedeckt hält und vielmehr im Innern eines großen Wattebauschs seine Arbeit vollführt, mit Belanglosigkeit sollte diese Charakterisierung jedoch mitnichten verwechselt werden. Schließlich besitzt das Ganze vielmehr eindeutige Verweise auf die Anfänge elektronischer Musik und lässt sich wohl am ehesten als Hommage an Jean-Michel Jarre oder Kraftwerk beschreiben, welche mit einer ähnlich extraterrestrisch anmutenden Melodieverspultheit auftrumpfen können. Selbige riecht auch hier unverkennbar nach Herzblut, sodass die dazugehörige Retro-Electronica-Mischung sich – unter Vorbehalt (aufgrund der Unvollständigkeit der Hörprobe) – schon einmal auf stimmige 5,25/6 freuen darf. :D

    Zur Feier des Tages gibt es zudem noch einen Egbert Remix als Sahnestück obendrauf, wobei der aufstrebende niederländische Produzent Egbert van der Gugten alles andere als einen Unbekannten im Kieran-Umfeld darstellt, hat sich der Gute doch bereits mit einem exzellenten Remix von Never Ending Mountains empfohlen. Doch auch hier weiß der Kaaskop das melodieverliebte Original unnachahmlich zu veredeln, indem er die dortige atmosphärische Tiefe etwas reduzierter aufstellt, dafür jedoch das Drumming von seiner stillen Treppe holt und dem ganzen Thema somit deutlich mehr Druck nach vorn verleiht. Davon können bereits die ersten Augenblicke der Überarbeitung ein Lied singen, wird die gemeine Hörerschaft hier doch von einem minimalistisch geprägten Untergrund voller vieler kleiner Raffinessen abgeholt und in stetiger Manier mit klickernden Leckerlis bei Laune gehalten, ehe im äußersten Hintergrund alsbald die ersten vagen Andeutungen einer Tonfläche ausgemacht werden können, das Hauptaugenmerk jedoch erst einmal auf der Initiierung weiterer repetitiver Effekt- und Klangfetzen gelegt wird. Auch im folgenden Kurzbreak setzt sich dieses Schauspiel weiter fort, wobei die knisternde Atmosphäre mit Hilfe einer im Anschluss dazugekommenen, düster schiebenden Basslinewand weiter verstärkt wird und dabei einen mehr als gelungenen Vorlauf für die schleichende Integration der Originalmelodielinien bildet. Als Vorreiter fungiert in dieser Hinsicht das bekannte Hintergrundsirren, welches zunächst noch recht zaghaft die sphärische Ader des Tracks auf seine Fahnen schreibt, im weiteren Verlauf in Kooperation mit offensiver angelegten Alternativflächen allerdings mehr und mehr Sicherheit gewinnt, von welcher auch die schwurbelnd durch den Fleischwolf gedrehten Arpeggios profitieren können und in wunderbar schwebender Manier nun immer mal wieder die melodische Führerschaft übernehmen. Erst der Einsatz ätherischer Vocalflächen kann den Siegeszug der Melodiefolgen wieder etwas eindämmen, ehe nach diesem Intermezzo schlussendlich auch die Arpeggios in Originalbesetzung für einige wenige Momente vorbeischauen und die atmosphärische Gediegenheit zusammen mit den restlichen Melodieelementen auf der Zielgeraden ansprechend unterstützen dürfen. Geraten letztere dann allmählich wieder ins Hintertreffen, ist der Rückbau zwar zum Greifen nah, unter leicht euphorisch beeinflussten 5,5/6 prangt jedoch schon längst meine Unterschrift… ;)

    Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch der Wesley Matsell Remix erwähnt, welcher es für meinen Geschmack allerdings mit seiner Verspultheit etwas übertreibt, drummingtechnisch anscheinend nicht allzu viel geplant hat, um es mal vorsichtig zu formulieren, und somit auf mich eher wie eine Ambient-Skizze wirkt.


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Nachdem Kollege summer.sun die neueste Errungenschaft des Cattáneo-Labels Sudbeat ja bereits in ansprechend ausführlicher Manier vorgestellt hat, werde ich mich heute ausnahmsweise – und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich damit schwertun könnte – einmal kurz fassen in meinen rezensierenden Worten. Das impliziert jedoch keinesfalls, dass ich mich der Bewertungspunkteverteilung vorbehaltlos werde anschließen können, habe ich die Stärken dieser EP des mir ebenfalls noch nicht untergekommenen Ioan Gamboa doch nicht immer an denselben Stellen geortet. ;)

    Spiral als Titeltrack gehört jedoch nicht in diese Kategorie und verdient sich seine Vorschusslorbeeren auf jeden Fall zu Recht, offenbart dieser sich doch als druckvoll-progressives Machwerk vor dem Herrn, welches nicht nur gekonnt mit technoiden sowie trancigen Elementen anbandelt, sondern auch eine Spannungsdichte bereithält, welche in unkonventioneller Manier fast über die gesamte Spieldauer hochgehalten werden kann. Herrlich brummend aufgefahrenes Basslinewabern sorgt dabei zum einen für den gewissen treibenden Fortbewegungsdrang, ist jedoch auch imstande, zusammen mit allerhand mystischen Effektwolken und -fetzen die sphärische Komponente wunderbar düster zu gestalten. Verspulte Synthiemelodiebögen erheben das Ganze dann mehr und mehr aus seinem finsteren Sumpf und wachsen vor allen Dingen im Break sowie im Anschluss an dieses zusammen mit sporadischer Streicherbegleitung immer wieder zu epischer Größe an, während der wabernde Untergrund sich von dieser Entwicklung unbeirrt zeigt und kontrastreich in seiner druckvollen Raffinesse suhlt. Im Großen und Ganzen bleibt letzterer dabei zwar zumeist zweiter Sieger, aufgrund der Variabilität der repetitiven Melodiebögen (mal flächig-trancig, mal acid-lastig, mal schwurbelnd) kommt jedoch in keinem Moment dieses geheimnisumwobenen Stücks Langeweile auf, sodass schließlich überzeugende 5/6 den Besitzer wechseln. :yes:

    Ganz anders dagegen verhält sich die Sache im Hernán Cattáneo & Soundexile Remix von Spiral, welcher sich zwar enorm vom Original entfernt, diese Distanz jedoch nicht mit kreativen Momenten zu füllen weiß, sondern stattdessen ein wesentlich minimalistischer beeinflusstes Arrangement voller techhousiger Reminiszenzen anstrebt, durch welches die geneigte Hörerschaft leider ohne erkennbar erinnerungswürdige Phasen geschleust wird. Im Untergrund brodeln dabei stets einige bienenschwarmähnliche Flächenstücke, welche jedoch nicht wirklich aus ihrer Haut herausdürfen, sodass im weiteren Verlauf der Fokus lieber auf einen einsamen Ton gelegt wird, welcher meines Erachtens jedoch äußerst flachbrüstig aufgestellt ist und erst im Break mit einen Rückgriff auf die Synthiemelodiebögen aus dem Original kurzzeitig für eine sphärische Verdichtung dieser Überarbeitung sorgen kann. Verabschieden sich letztere in Kooperation mit dem Drumming im Anschluss dann wieder langsam aber sicher, sind der Ereignislosigkeit im letzten Drittel schließlich erneut Tür und Tor geöffnet, erst die vollständige Stille nach dem Verklingen des letzten Dezibels dieses Remixes lässt mich wieder erstaunt hochschrecken und wenig vorteilhafte 3,5/6 verteilen. :hmm:

    Gänzlich unbeeindruckt von der Bauchlandung seines Vorgängers entpuppt sich Hope als Dritter im Bunde schließlich als heimlicher Favorit der vorliegenden EP. Zunächst scheint der Track zwar einen ähnlich druckvollen Weg einschlagen zu wollen wie Spiral, wenn sich eine stakkatiert nach vorn schielende Bassline mit allerhand Effekteinsätzen paart und für den Aufbau einer mehr als gelungenen progressiven Basis sorgt, spätestens mit der Initiierung einer esoterisch schwebend geratenen Melodielinie ab 2:30 erhält das Stück jedoch eine ungeahnt sphärische Ausdruckskraft, welche mit zunehmender Dauer nicht nur den Track, sondern auch den gemeinen Hörer um den Finger wickelt und mit ihrer hypnotischen Ader auf eine ätherische Reise durch wunderbar synthiedurchfluteten Welten bugsiert. Vor allen Dingen das subtile An- und Abschwellen sowie die durchscheinende Melancholie haben es mir in diesem Zusammenhang angetan, klickernde Zusatzeffekte sowie sporadische Vocalfetzen tun ihr Übriges und wenn dann auch noch kurz vor Toreschluss einige dezente eingesetzte Alternativtöne durch den Raum geistern und die hiesige Atmosphäre in überirdische Gefilde verfrachten, komme ich schlussendlich nicht um eine Endnote oberhalb verdienter 5,75/6 herum. :D

    Ja, liebe Melt!-Freunde, auch die zweite Wagenladung an Bestätigungen für unser aller Lieblingsfestival zieht in diesem Jahr mit einer erstaunlichen Portion Verfrühung ins Lande, um dem gemeinen Musikconnaisseur mit einer wohldosierten Portion elektronisch dominierter Namen zu verpflegen. Und wie nicht anders zu erwarten offenbart sich bei der Begutachtung selbiger wieder einmal eine einmalige Genrevielfalt, welche vom israelischen Atmospheric-Techno-Fachmann Guy Gerber, der mir mit seinem herausragenden Set von der Nature One 2007 bis heute noch in meinen Gehörgängen liegt, über ein B2B-Set der nimmermüden Urgesteine Carl Craig und Radio Slave bis zur frickeligen IDM-Welt von Gold Panda reicht. Nicht vergessen werden dürfen in diesem Zusammenhang zudem natürlich die songorientierteren Bodi Bill sowie das Weilheimer Notwist-Gründungsmitglied Martin Gretschmann alias Console, welcher mit seinem Ende des letzten Jahres erschienenen neuen Album seinen Platz in der elektronischen Musikszene Deutschlands einmal mehr manifestiert hat. Mit den Junior Boys sowie den aufstrebenden Neuseeländern The Naked & Famous ist man zudem im stets umtriebigen Übergangsbereich namens Indietronica, Indielectro oder was auch immer erfolgreich aufgestellt, wohingegen die Crystal Fighters wiederum jeglichen Kategorisierungsversuchen die komplette Mittelfingerbreitseite ausgestreckt haben, hier hilft wirklich nur noch hören und spüren! Der meines Erachtens immer noch unterrepräsentierte Gitarrensektor hat sich zwar mittlerweile mit den doch recht bekannten Post-Punk-Gestalten der White Lies, der gniedelnden Schwedentruppe von Junip sowie den bisher an mir vorbeigegangenen Les Savy Fav verstärkt, dennoch schreit es mir hier doch geradezu aus allen Ecken und Enden "Ausbaupotenzial" entgegen. Da allerdings bisher gerade einmal etwa die Hälfte des späteren Line-Ups bekanntgegeben wurde, hoffe ich vor allen Dingen hinsichtlich letzterer Entwicklung noch auf einige Kracher, die elektronische Seite des Melt! lässt sich auf jeden Fall jetzt schon mit einem großen Ausrufezeichen versehen. Genauso wie der sehenswerte Trailer, welcher eine schmackhafte Mischung aus Hörbeispielen bereits bestätigter 2011er-Mitstreiter sowie visuellen Eindrücken der letztjährigen Sause an den Mann / die Frau bringen dürfte... ;)

    Erstaunlich, wie die Tracks vom Herrn Tegeler aus dem Ruhrgebiet doch immer deutlicher danach klingen, als kämen sie fast direkt aus der Feder eines gewissen deadmau5, auf dessen Label der gute Moguai (es sei ihm gegönnt) ja mittlerweile seinen dritten Frühling erlebt. Davon mal abgesehen haben wir es bei Optinuum mit einem überaus druckvoll nach vorn stampfenden Electrance-Ableger zu tun, welcher für meinen Geschmack mit der Höchstpunktzahl auf der nach oben nicht offenen TF-Bewertungsskala zwar nicht allzu viel gemein hat, mit seiner intensiv geratenen Mischung aus treibendem Basslinefundament und flächiger Melodiebeseeltheit dennoch in erhabener Manier das Tanzbein für sich zu gewinnen weiß. Schließlich schleichen sich bereits nach wenigen Momenten Einwirkzeit die ersten Andeutungen der Melodieebene in den Hintergrund des Ganzen, um sich im weiteren Verlauf nun peu à peu eine weitere Stufe nach vorn zu tasten, ehe in einem Kurzbreak auch ihre Anschwellqualitäten begutachtet werden dürfen, wenn diese mit Hilfe sirrender Alternativflächen markant verdichtet werden. Doch auch das Drumming war in der Zwischenzeit nicht untätig und zeigt sich bei seiner Rückkehr mit einer enorm nach vorn drückenden Bassline verstärkt, auf welcher sich die bekannte Tonfolge nun zunehmend heimischer fühlt, anhand ständiger Instrumentierungswechsel zudem ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellt und den Track in beeindruckenswerter Manier in den Ring peitscht. Erst ein langsam herannahendes Break kann dem Ganzen in diesem Zusammenhang kurzzeitig den Wind aus den Segeln nehmen, indem es den tiefen Subbässen eine Solofahrt und der geneigten Hörerschaft eine kleine Verschnaufpause gönnt, die Melodieebene lässt sich diese Ruheverordnung jedoch nicht allzu lang bieten und streut im weiteren Verlauf nicht nur einen Haufen weiterer Alternativflächen sowie einige pittoreske Spielkonsolenmelodietöne auf ihren langen Rattenschwanz, sondern erreicht damit auch die erhoffte sphärische Verdichtung. In dieser Konstellation ist in Kooperation mit dem treibenden Untergrund desweiteren sicherlich eine Charakterisierung als "episch" nicht mehr wirklich fehl am Platze, denn auch aus einem alsbald initiierten weiteren mystisch anmutenden Kurzbreak nimmt die Melodieebene einige neue Begleitflächen mit, sodass das Stück auf der Zielgeraden schlussendlich solch eine Energie entfaltet, dass der Eindruck entsteht, als ginge die hiesige Reise tätsächlich immer weiter und weiter. Nichtsdestotrotz ist jedoch auch Optinuum natürlich nicht vor einem Rückbau gefeit, fertigt ihn allerdings unter der Rubrik "kurz und schmerzlos" ab, um sich kurz darauf mit starken 5/6 aus dem Staub zu machen. ;)

    Mit Monkey Movin' haben wir es für meinen Geschmack zwar mit einem Track aus dem von mir stets sehr geschätzten Hause Eelke Kleijn zu tun, welcher nicht ganz so stark wie beispielsweise ein Großteil seines im letzten Herbst erschienen Albums ausfällt, dafür stellt der Gute mal wieder seinen enormen Facettenreichtum unter Beweis, wenn er mit dem hiesigen Track für seine Verhältnisse doch deutlich druckvollere Geschütze aufführt, welche sich wiederum sicherlich mehr als passend für die neue Mix-CD von Markus Schulz erweisen werden. Bereits zu Beginn scheint das Ganze dabei einen nebelverhagenen Atmosphärendschungel zu durchstreifen, welcher sich von düsteren Flächenschwaden untergraben lässt und mit Hilfe eines minimalistischen Untergrunds sowie eines subtilen Bassline-Relikts das Attribut "progressiv treibend" mehr als gelungen verkörpert. Sporadische Effektwolken und monoton hallende Begleittöne sorgen im weiteren Verlauf für die erwartete Verdichtung des Stücks, sodass alsbald kein Weg mehr an mystisch schimmernden Synthieflächen vorbeiführt, welche sich - mal mehr, mal weniger offensiv - durch das sphärische Dickicht vorarbeiten und schließlich in einem Quasi-Break eine herrlich knarzig inspirierte Bassline entdecken, die im Folgenden eine Anschwellaktion par excellence aufs Parkett legt. Selbige ist mit allen Wassern gewaschen, zeigt dem ganzen Moloch des einfallslos dahereiernden Rumgequietsches, welches heutzutage eine vergleichbare Funktion zu erfüllen versucht (und imho immer wieder wunderbar kläglich scheitert), was eine Harke ist und lässt auch in Kooperation mit dem restlichen Untergrund glücklicherweise nicht von dieser eindrucksvollen Intensitätsdemonstration ab. Erst als sich die zwischenzeitlich in Richtung eines äußerst flächig-elektroiden Arrangements entwickelnde Bassline überraschenderweise ein Acid-Intermezzo wünscht und auch sogleich ohne Kompromisse in die Tat umsetzt, setzt sich das dichte Hintergrundeffektrauschen wieder etwas, um sich ebenso wie die geneigte Hörerschaft dieses selten gewordene Schauspiel zu Gemüte zu führen. Drängen die mystischen Synthieflächen vom Beginn im Anschluss wieder in den Vordergrund, ist auch das zweite Kurzbreak nicht mehr allzu weit entfernt, in dem der Track noch einmal seine Anschwellqualitäten vollends ausschöpfen kann und schön treibend zu Ende geführt werden darf. Summa summarum eine runde Sache, welche sich mir nicht unter 5/6 davonstiehlt... ;)

    N'Abend zusammen!

    Auf der ersten Veröffentlichung des 2011er-Jahrgangs setzt das von Henry Saiz vor etwas mehr als zwei Jahren aus der Taufe gehobene Label Natura Sonoris zwar auf bewährte Kräfte, bringt es aber immer noch nicht übers Herz, mich auch nur ansatzweise in Richtung enttäuschter Gefühlswelten zu locken. Kurzum gesagt: Nicht nur die Platten vom Labelchef persönlich, auch die seiner treuen Gefolgschaft treffen hinsichtlich meines Geschmacks regelmäßig ins Schwarze, sodass sich nun auch der französische Produzent Cédric Arseau alias Damabiah mit seiner insgesamt dritten Erscheinung auf der „Natur des Klangs“ (frei nach Schnauze aus dem Lateinischen übersetzt) einmal mehr keine Blöße geben möchte und mit The Landscapes Dessinateur ein prachtvolles Klanggemälde in die weite intolerante Welt schickt. Angesiedelt irgendwo auf der grünen Grenze zwischen Atmospheric Techno und Progressive House knüpft das Ganze zwar an das Soundspektrum seiner beiden Vorgänger-EPs an, trumpft allerdings meines Erachtens mit solch einer verspielten Eleganz auf, dass ich mit meiner Sympathie für die hiesigen Stücke sicherlich bald nicht mehr allein dastehen werde… ;)

    Denn auch wenn das Arrangement im Original Mix teilweise recht deutlich dem der vorangegangenen Veröffentlichungen ähnelt, so darf keinesfalls verschwiegen werden, dass Damabiah hier immer wieder mit spannenden minimalistischen Entwicklungen liebäugelt, welche zusammen mit der atmosphärischen Ausdruckskraft seiner Melodiebögen den Rückgriff auf vertraute Klangschienen für meinen Geschmack mehr als wettmacht. Das beginnt bereits bei den ersten Momenten des Tracks, wenn sich mystisch angeraute Melodietropfen auf einer herrlich knochentrocken drückenden Kickdrum der Hörerschaft nähern und in Kooperation mit zaghaft schimmernden Flächenfragmenten eine äußerst subtile Fortbewegungsart an den Tag legen, welche von einer alsbald dazugeworfenen Alternativmelodiefolge allerdings nicht mehr so deutlich verfolgt wird. Vielmehr taucht in dessen Gefolge ein neuer Schub leicht episch geratener Alternativflächen auf, welche das Ganze im weiteren Verlauf schließlich mit einer groovend draufloslegenden Bassline sowie einer dominanten Cembalo-Tonfolge bekannt machen, sich selbst in dieser Zusammensetzung jedoch mitsamt der zuvor initiierten sphärischen Elemente wieder in den Hintergrund verschieben. Während die Hautpmelodie sich nun mehr und mehr flächig unterstützen lässt, steigert sich im Folgenden auch die Einsatzzeit der kurzzeitig vernachlässigten Melodietöne wieder, welche in Form einiger spannender Ausbrüche nach vorn schnappen, ehe im anstehenden Break ein Ritt auf der passend oktavierten Bassline ansteht. Von dieser Entwicklung zeigen sich zudem einige bisher noch nicht vernommene Synthietöne angezogen, mit welchen das Stück nach einem druckvollen Knarzausflug der Bassline in Zusammenarbeit mit dem Drumming endgültig die Vielschichtigkeit seiner Melodieebene im wahrsten Sinne des Wortes zelebriert. Hinter jeder Ecke versteckt sich hier in progressiver Manier eine neue Zusammensetzung der vielen verspielten Elemente, von der natürlich vor allen Dingen auch die sphärische Intensität stetig profitiert und in zahlreichen Zuspitzungen und Wendungen den Hörer um den Finger wickelt. Passend kontrastiert durch die immer mal wieder inszenierten Knarzausflüge der Bassline kann sich dieses abwechslungsreiche Szenario sogar fast bis zum Schluss aufrechterhalten und untermauert damit die mittlerweile unabkömmliche Bekrönung mit redlich verdienten 5,5/6. :D

    Ian O'Donovan's Skyscape Remix geht seine Sache im Anschluss dann noch eine gute Portion progressiver an, schreckt in seinem zehneinhalb-minütigen Epos jedoch keinesfalls vor einer nicht minder atmosphärisch geratenen Ausrichtung zurück. Schon die ersten sich schlierenartig durch Raum und Zeit schleppenden Flächen zeugen von dieser Entwicklung, nehmen sich zudem im Folgenden sogleich sowohl Cembalo-Melodielinie als auch Synthietöne aus dem Original vor die Brust und beschwören damit den ersten alles andere als intensitätsarmen Höhepunkt herauf, bevor das hiesige Drumming auch nur eine Nanosekunde entscheidend eingreifen konnte. Angetrieben von diesem Nachholbedarf lassen die ersten Andeutungen einer solchen im weiteren Verlauf die Melodieebene dann allerdings nicht nur langsam aber sicher zerbröseln, sondern weisen in der Manier des Türstehers vom Berghain zudem fast jegliche Wiederauferstehungsversuche ab, sodass das Ganze sich nun wesentlich reduzierter aufstellt. Einzig einige deephousig anmutende Alternativmelodietöne dürfen zunächst mit auf den druckvoll arrangierten Zug aufspringen, welcher von einem gelungen progressiv ausgerichteten Untergrund angetrieben wird und dabei mittlerweile in spannender Art und Weise von Melodieflut auf gediegenen Groove umgestiegen ist. Nichtsdestotrotz entpuppen sich die unterdrückten Melodieelemente als robuster als vorab vermutet, sodass diesen alsbald wieder einige Zugeständnisse verabreicht werden, von welchen auch prompt die bekannten Synthietönen Gebrauch machen und die sphärische Ader der Überarbeitung erfolgreich herausfordern. Dafür zeigt sich vor allen Dingen die vermehrte Anzahl an alternativen Melodieschüben verantwortlich, welche das Ganze mehr und mehr in Richtung mystisch-düsterer Gefilde lotsen und mitsamt flächigen Ausuferungen die Gehörgänge zu belagern wissen. Im anstehenden Break nehmen sich letztere zwar eine verdiente Auszeit, doch auch die deephousigen Flächenstücke haben es hier faustdick hinter den Ohren und lassen sich in Kooperation mit dem Drumming mit housig anmutenden Streicherfetzen sowie einer sirrenden Tonebene umgarnen, um einem weiteren Zwischenhoch entgegenzustreben. Ein zweites Break nimmt dann wiederum dieser Entwicklung die Luft aus den Segeln und schart stattdessen in einer Akkordfolge, welche man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt, erneut die Synthietöne sowie ihre verwirrten Begleiter um sich, sodass das letzte Drittel noch einmal eine gelungene sphärische Verdichtung erfährt, bevor der unvermeidliche Rückbau auf der Tagesordnung erscheint. Alles in allem eine hervorragende Remixarbeit, welche imho sogar das Original noch leicht toppt und damit nicht unter 5,75/6 davonkommt. :yes:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    N’Abend zusammen!

    Nachdem Australien in den letzten Wochen ausschließlich als ein von einer Naturgewalt nach der nächsten heimgesuchter Kontinent in den Medien auftauchte, ist die Zeit mehr als reif für positive Nachrichten aus „down under“. Verantwortlich dafür zeigt sich der Melbourner Produzent Robert Masterton, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Robsounds, welcher uns mit einer vor wenigen Tagen erschienenen 4-Track-EP einmal mehr sein beachtliches Taktgefühl im Umgang mit subtilen Melodieelementen in einem von progressiven sowie minimalen Strukturen geprägten Umfeld auf dem Silbertablett serviert und damit für meinen Geschmack als Kandidat für den Tellerrand der hiesigen Tracksrubrik geradezu prädestiniert erscheint. Mit seiner mehr als gelungenen Ligne Bleue EP aus dem letzten Jahr hat der Gute hier bereits seinen Einstand gefeiert - mit der Same In The Middle EP steht nun ein mehr als würdiger Nachfolger in den Startlöchern, der mit seinen entspannt-verspielten Klängen sicherlich nicht nur meine Wenigkeit akustisch verführen dürfte. Erschienen ist das Ganze auf jeden Fall bei Manual Music, einem aufstrebenden niederländischen Label, welches bereits seit geraumer Zeit mit seinen Veröffentlichungen stets eine überzeugende Gratwanderung zwischen technoiden, progressiven und trancigen Gefilde zu vollführen weiß. :yes:

    Same in The Middle als Titeltrack der EP präsentiert sich hierbei als luftig groovende Vorfrühlingsuntermalung, welche sich mit einer gehörigen Portion Melodiebeseeltheit durch ihren progressiven Mutterboden gräbt und auf einem recht minimalistischen Untergrund immer mehr in der subtilen Ausstrahlungskraft ihrer sphärischen Elemente verliert. Zu selbigen zählen nicht nur tröpfelnd ausgearbeitete Hintergrundtöne verschiedenster Couleur, sondern auch zaghafte Flächenandeutungen sowie eine stakkatierte Hauptmelodielinie, welcher in Zusammenarbeit mit allerhand fragilen Klickereien am deutlichsten die Spielfreude auf der herrlich wankenden Bassline anzusehen ist. Obwohl das Stück dabei die Zusammensetzung seiner Melodieelemente so unverhofft dezent wechselt wie ein Chamäleon seine Farbe, kann sich ein wunderbar entspannter Trackfluss entwickeln, welcher seine melancholischen Vorlieben in atmosphärischer Hinsicht mit der schleichenden Hinzunahme nicht minder überzeugender Alternativtöne zunehmend nicht mehr zu verstecken braucht, so passabel gerät die Verdichtung hierzulande vonstatten. Besonders das in der zweiten Hälfte anstehende Break sei hier als Paradebeispiel der hiesigen Melodieverliebtheit, welche sich gekonnt zwischen Tiefgang und Lockerheit zu bewegen weiß, angeführt. Insgesamt gesehen meines Erachtens ein hoffungsvoller Anwärter auf verdiente 5,25/6 von der Bewertungsstange. :D

    Die selbstzerstörerische Aufforderung Delete Me im Titel wäre für meinen Geschmack zwar wesentlich besser bei einem Großteil der Ergüsse der derzeit so polarisierenden Bigroom-Belanglosigkeit aufgehoben, funktioniert hier aber auch als selbstironische Referenz ganz gut. Schließlich zeigt sich der dazugehörige Track in einem kontrastierend wärmenden Klanggewand, welches sich von Beginn an in einer in Stakkato-Manier fragmentierten Melodiefolge widerspiegelt und alsbald in Form von einigen schwebend arrangierten Alternativtönen einen sphärisch unterstützenden Begleitkorso erhält. In dieser Formation trauen sich die Melodiefragmente sogar einige dezente Anschwellaktionen zu, mit welchen immer mal wieder das Intensitätspegel leicht herausgefordert wird, ehe im weiteren Verlauf sich langsam aber stetig weitere harmonische Flächen dazugesellen und das Stück noch etwas ausgeprägter in Richtung Schwebegefilde ziehen lassen. Zusammen mit den stetig an- und abschwellenden Flächenstücken vom Beginn wird in der zweiten Hälfte zwar kurzzeitig noch einmal etwas das Tempo angezogen, summa summarum ist mir das Endergebnis jedoch eine gute Portion zu lieblich geraten, sodass ich konstatieren muss, dass mit einigen zusätzlichen Ecken und Kanten sicherlich mehr als die soliden 4,5/6 zu verteilen gewesen wären. :hmm:

    Als hätte Cyanide meinen gerade geäußerten Wunsch in Windeseile erhört, schraubt sich das Stück vom Start weg mit einer düster wabernden Basslinewand in die Gehörgänge, welche trotz der recht gemütlichen Geschwindigkeit, die hier zugrundegelegt wird, einen mehr als passablen Groove zu entfalten weiß und alsbald zudem mit einer noch wesentlich tiefer gelegten Bassebene eine gelungene Basis für die ersten leicht verspielten Tonfolgenfragmente darstellt. Selbige gehen jedoch äußerst bedächtig vor, sodass sich erst in einem anstehenden Kurzbreak eine Melodielinie, welche den Namen auch verdient trägt, entfalten kann, im Folgenden mit zunehmender Verdichtung einen interessanten Kontrastpunkt zum düster glimmenden Untergrund aufzubauen versteht und desweiteren mit spannend synthielastig ausgelegten Ausflügen sowie einem stetig gongenden Begleitton die Melodieebene immer deutlicher als Hauptdarstellerin des Stücks etabliert. Auch auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung vergisst das Ganze jedoch seine progressive Heimat nicht und leitet sogleich einen schleichenden Rückbau der dominanten Tonfolge ein, um auch ihren treuen Gongtönen im letzten Drittel einen verdienten Soloausflug auf dem groovig schlurfenden Untergrund zu ermöglichen, welcher den Track nicht nur in gediegener Manier abrundet, sondern auch die feierliche Vergabe achtbarer 5/6 manifestiert. ;)

    Shlab Dubby als Letzter im Bunde trumpft dann nicht nur mit einem äußerst merkwürdig infantil anmutenden Titel, sondern auch mit einer wunderbar ästhetischen Melodiefolge auf, welche sich wie ein roter Faden fast durch den gesamten Track zieht und die überaus sphärisch geratene Ausrichtung des Ganzen einmal mehr von selbst erklärt. Anfangs steht zwar noch ein feinsinnig austariertes Drumming inklusive grummelnder Offbeat-Basstöne im Vordergrund, es dauert jedoch nicht allzu lang, bis sich die ersten wärmenden Schlieren der hiesigen Melodielinie aus dem Hintergrund schälen und mit durch den Raum schwebenden Flächenklängen hervorragende Vorarbeit für ihr im anstehenden Kurzbreak initiiertes Vorbild leisten. Zusammen mit einer überaus subtil angelegten Bassline steigt dieses nun aus den bisherigen Melodieelementen langsam aber stetig empor und erklimmt sogleich vorfrühlingshaft anmutende Gefilde, welche sich in Kooperation mit dem Drumming in Sachen sphärischer Intensität sogar noch eine gute Runde steigerungswürdiger präsentieren, wenn sich weitere Begleitflächen sowie -töne aus ihrer bisherigen Umklammerung lösen können und ein himmelhochjauchzendes Finale heraufbeschwören, welches glücklicherweise kurz vor der Kitschgrenze einen (durchatmen!) galanten Schlenker aufs Parkett legt. Das letzte Drittel zeigt sich dann wesentlich dezenter arrangiert und führt den Track schließlich mit einem Rückbau zum Niederknien im Schlepptau zu überdurchschnittlichen 5,25/6. :yes:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Kann mich den positiven Gedanken meiner Vorgänger nur anschließen, denn Christian Smith stellt mit diesen zwei überaus famosen Remixen von Carl Craigs At Les aus dem letzten Jahr nicht nur einmal mehr seine Klasse als Produzent unter Beweis, sondern spannt dabei zudem einen für meinen Geschmack überaus spannenden Bogen von Progressive House allerfeinster Couleur über deep-sphärische Melodieversatzstücke hinüber zu treibenden Technoklängen. Ich behalte den Guten nicht umsonst bereits seit geraumer Zeit im Auge, denn auch mit seinen herrlich groovenden DJ-Sets weiß er sich stets aus der grauen Masse hervorzuheben, wie mir mehrere im Netz verfügbare Mitschnitte mehr als deutlich zugeflüstert haben…

    Christian Smith's Tronic Treatment Remix stellt in diesem Zusammenhang die melodiebehaftetere Überarbeitung dar, mit welcher die gemeine Hörerschaft bereits in einem gelungen atmosphärisch geratenen Intro erfolgreich geködert wird und zwischen der leicht tröpfelnd daherschleichenden Melodielinie aus dem Original sowie gediegen schwebender Alternativflächenarbeit schon nach wenigen Momenten jede irdische Anziehungskraft über Bord wirft. Die wesentlich monotoner agierende kleine Schwester der überaus charakteristischen Tonfolge geht in diesem Umfeld zwar noch unter, in Zusammenhang mit dem herrlich progressiv-grummelnd geratenen Untergrund von Christian Smith darf sie jedoch im weiteren Verlauf immer mal wieder auch in etwas größere Rollen schlüpfen, wenn die Melodieebene auf kurze, aber intensive Fragmenteinwürfe reduziert wird. Umgarnt von der wabernden Düsternis der omnipräsenten Basslinewand sowie alsbald eingerahmt von passend eingesetzten Drummingspielereien mehren sich zwar stets die Andeutungen einer erneuten Rückeroberung der Hauptbühne durch die Melodieelemente, wodurch auch das Intensitätspegel zunehmend deutlicher nach oben ausschlägt, im Mittelteil entlädt sich die Ausdruckskraft der bekannten Flächen jedoch endgültig durch die Verwandlung der bisherigen Melodieführung in ein episches Meisterwerk in eruptiver Manier und flutet dabei regelrecht die Gehörgänge. Die Präsenz der Melodiefolge aus dem Original mitsamt ihres monotonen Pendants ist dadurch allerdings keinesfalls zum Scheitern verurteilt, beherrschen die beiden doch ein im Anschluss anstehendes Break nach Belieben, ehe anschwellende Flächen von einer weiteren dominanten Phase künden, in welcher diese sich erneut mit der wunderbar eiskalt drückenden Basslinewand ein kontrastreiches Duell auf Augenhöhe liefern. Eine schleichende Rückkehr der Flächen in den Hintergrund ermöglicht dann im letzten Drittel auch noch einmal ein atmosphärisch dichtes Zusammenspiel mit der tröpfelnden Melodielinie aus dem Original, mit welchem dieser mit verdienten 5,75/6 bekrönte Remix bestmöglich abgerundet wird. :yes:

    Eine gute Runde technoider geht es dagegen sein Kompagnon, namentlich Christian Smith's Hypnotica Remix, an, welcher sich zunächst darauf konzentriert, sein druckvolles Drumming mit Hilfe einer überaus subtil geratenen Hintergrundfläche sowie der sich langsam, aber stetig dazugesellenden kleinen Schwester der charakteristischen Melodiefolge aus dem Original als Bassline-Ersatz zu bestücken. In diesem Zusammenhang präsentiert sich das Ganze der minimalistischen Elementdichte zum Trotz zunehmend düster verdichtet, wobei dank der wunderbar progressiv beeinflussten Trackgestaltung zudem eine gewisse hypnotische Ader alsbald nicht mehr aufzuhalten ist, ehe in einem anschließend angedeuteten Break auch die tröpfelnde Originalmelodie endlich, wenn auch nur kurzzeitig, zugunsten der hiesigen sphärischen Entwicklung ins Geschehen eingreifen darf. Mit der Rückkehr des treibenden Untergrunds werden dann zwar im weiteren Verlauf erst einmal spannungsgeladen arrangierte Effektwolken, die sich in Zeitlupe fortzubewegen scheinen, sowie sporadisch eingeworfene Flächenfragmente bevorzugt behandelt, da sich diese jedoch augenscheinlich erst in Kooperation mit der Hauptmelodiefolge sphärisch zu entfalten wünschen, steht alsbald einem weiteren Siegeszug dieses tragenden Elements nichts mehr im Wege. Atmosphärisch wertvoll zeigt sich dabei insbesondere stets das kontrastreiche Zusammenspiel aus grummelndem, im Vergleich zum Vorgänger mit noch etwas mehr düsterer Schwere beladenen Untergrund sowie der melancholischen Tröpfelmelodie, aus welchem im Break schließlich ein Paradebeispiel einer exzessiven Anschwellaktion inklusive sirrend-wabernder Tonebene sowie prachtvoll aggressiven Subbässen erwächst. Letztere geben dem Untergrund dann im darauffolgenden letzten Drittel noch einmal einen passablen Schub nach vorn, ehe der Track sich mit einer gehörigen Portion Understatement zurückbaut und schlussendlich mit 5,5/6 unterm Arm in der dunklen Februarnacht entschwindet. :D

    Zitat

    Original von Clear_Blue
    Das war halt einfach wieder der FCB 2010/11, der einfach beschlossen hat, dass 45 Minuten Fußball reichen.

    In der Tat wieder einmal unsagbar dämlich, wie man solch ein Spiel noch aus der Hand geben kann, ich konnte diesmal beim Schlusspfiff nur noch auf Galgenhumor setzen ob des gesamten Spielverlaufs, welcher sicherlich nicht nur mir ein alles andere als angenehmes Déjà-Vu-Erlebnis beschert hat. Denn wie war das noch gleich in der Hinrunde beim Auswärtsspiel in Gladbach!? Immerhin gab's damals noch das 3:3 kurz vor Schluss, aber heute: Mülltonne auf, Spieltag rein! :autsch:

    N’Abend zusammen!

    Dass die Wahlspanier Dan Duncan und Igor Tchkotoua alias Pig & Dan in guter Regelmäßigkeit ihrer Vorliebe für atmosphärische Melodieversatzstücke in ihren ansonsten stets recht technoid gestalteten Tracks nachgehen, dürfte spätestens seit Mitte des letzten Jahrzehnts für den Szenekenner nicht mehr wirklich als Geheimnis betrachtet werden. So zeichnet dieser Umstand auch die vor wenigen Tagen erschienene neue Platte aus, auf welcher die beiden Frisurengegenpole allerdings im Vergleich zu vorherigen Veröffentlichungen nicht mehr ganz so deutlich den Backstein auf dem Gaspedal walten lassen und die beiden frischen Stücke stattdessen in grooviger anmutenden Gefilden untergebracht haben. Erschienen ist das Ganze dabei auf dem von den Herren neu gegründeten Label Balushi, welches – unter den Fittichen von Spielstaub Recordings – als Fortführung von Submission Records, ihres erfolgreichen Labels aus Anfangstagen, verstanden werden kann, wobei der Fokus dabei anscheinend nicht nur auf Eigenproduktionen, sondern auch auf die Förderung talentierter Nachwuchskünstler gelegt werden soll. Lassen wir uns diesbezüglich mal überraschen… :yes:

    Auch wenn die alles andere als kreative Titelwahl hier anderes vermuten lässt, der Love Song gewandet sich in der Tat nur phasenweise als ein solcher und verbringt sein erstes Drittel viel lieber mit einem angenehm schunkelnd geratenen Drumming, welches es sich mit einer wunderbar subtil geratenen Bassline mehr und mehr in techhousigen Gefilden gemütlich macht. Dem können auch alsbald sporadisch eingeworfene Ton- und Effekthappen überaus verworrener Natur nichts entgegensetzen, sodass sich das Ganze mit seinen gelungen oktavierten Basslinetönen erst mit einer flächiger gestalteten Rauschebene, welche verdächtig nach Field Recordings klingt, im weiteren Verlauf die Basis einer dunkelheitsaffinen Atmosphäre erwerben kann. Die von selbiger vollführte dezente Anschwellaktion offenbart sich im Anschluss zwar als Kamikazeaktion, glücklicherweise wird der dadurch freigewordene Raum bereits nach wenigen Momenten von melancholischen Synthieflächen erspäht, welche sich nun zunehmend mehr Präsenz erarbeiten und langsam aber sicher als herrlich kontrastreiche Melodieebene etablieren können. Besonders intensiv wird die Begegnung mit den fragilen Synthieklängen im anstehenden Break, in welchem diese eine anmutig-schwebende Hoffnungslosigkeit heraufbeschwören und in wabernder Manier stets von einer Ecke des Raums in die andere flüchten, während das Drumming sich dazu immer wieder selbst in den Reißwolf stürzt und in Form einer fragmentierten Mischpoke für die nötigen Ecken und Kanten sorgt. Schillernde Alternativtöne leiten schließlich den Anfang vom Ende der Melodieebene ein, welche sich infolge der Rückkehr des Untergrunds sanft und monoton aus dem Stück verabschiedet. Die restlichen Momente gehören dann wieder dem tiefschwarz besprenkelten Drumming, welches sich zunächst noch mit satanistischen Effektmotiven beschäftigt, im Folgenden jedoch angenehm perkussiv nach Hause groovt. Alles in allem sicherlich kein Stück, dass das Rad neu erfindet, überaus solide 4,75/6 dürfen hier aber auf jeden Fall ohne Reue angetastet werden. ;)

    Prism auf der B-Seite gerät dann wesentlich deutlicher in den Rausch melodiebeseelter Gefilde, schließlich tauchen hier bereits im Intro einige in Watte gepackt Melodieansätze auf, welche in einem Umfeld mit der gewissen minimalen Klickerattitüde herrlich mystische Pfade einschlagen und in unterschiedlicher Intensität und Instrumentierung die gemeine Hörerschaft schneller in ihren Bann ziehen als es ihr lieb ist. Der Übergang in ein äußerst reduziertes Drumming, welches trotz seiner simplen Struktur zusammen mit einer galant tröpfelnden Bassline die versprochene Portion Groove aus dem Hut zaubert, lässt jedoch vermuten, dass das hiesige Stück Größeres im Blick hat. Im Hintergrund lassen sich dazu im weiteren Verlauf schon wieder die ersten Anzeichen der charakteristischen Melodiefolgen vom Beginn ausmachen, welche in Kooperation mit sägenden Alternativflächeneinwürfen die sphärische Ader des Tracks mehr und mehr in seinen Grundfesten zu verankern wissen und schließlich in ein Break münden, welches die geheimnisvoll anmutenden Melodiekaskaden erstaunlich flächig mutieren lässt. Abwechslungsreichtum wird jedoch weiterhin großgeschrieben, sodass das zurückkehrende Drumming im Folgenden erst einmal wieder dem Minimalismus sowie dem wunderbar subtilen Groove der tröpfelnden Bassline frönt und sich statt der nun weggeschlossenen Melodieanleihen einigen Tribal-Percussions widmet, mit welchen es sich ebenfalls bestens herumexperimentieren lässt, wie die folgende Phase unverkennbar unter Beweis stellt. Auf einen weiteren Einsatz der sphärischen Glanzpunkte der spannenden Melodielinien hofft man dennoch nicht vergebens, in einem im letzten Drittel initiierten Kurzbreak ist es dann endlich soweit und die verspielten Tonfolgen manövrieren sich auf einer Effektwolke thronend noch einmal in den Mittelpunkt des Geschehens, um das Ganze – mal mehr, mal weniger zusammen mit der einsamen Kickdrum – in gelungener Outro-Manier abzurunden. Überdurchschnittliche 5,25/6 ist mir das Ganze auf jeden Fall wert. :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Meine ersten elitären Zehn in Zwanzigelf sind wie folgt gelistet:

    )01( Guy Gerber & Guti - The Man From Atlantis --- Supplement Facts
    )02( Ryan Davis - Roads --- Traum Schallplatten
    )03( Gai Barone - Samothrace --- Hyline Music
    )04( Petar Dundov - Distant Shores --- Music Man Records
    )05( Wade Bennett - Red Like Cherry --- Cinematique
    )06( Jorg Murcus - Jouissance [Eelke Kleijn Remix] --- Outside The Box Music
    )07( Robsounds - Same In The Middle EP --- Manual Music
    )08( Traumer - Euphoria --- Klangwelt
    )09( Gabriel Ananda - Hyperballet --- Basmati
    )10( Applescal - Forced Angel --- Traum Schallplatten

    :huebbel:

    Überzeugend zu Ende gedachter Progressive Trance mit der gewissen Portion atmosphärischen Tiefgangs ist ja mittlerweile leider Gottes zu einem äußerst raren Gut geworden, sodass ich es gar nicht gut genug heißen kann, dass der selbsterklärte König der Welt nach einigen meines Erachtens zuletzt etwas schwächer geratenen Veröffentlichungen mit dieser EP nun wieder elegant zu seinen düster ummantelten Wurzeln zurückfindet. Denn Boy Hagemann alias Rex Mundi kredenzt der gemeinen Hörerschaft hier endlich einmal wieder zwei wunderbar deep entrückte Stücke, welche sich einen feuchten Kehricht um sogenannte derzeitige Trends kümmern und stattdessen in formidabler Manier zeitlosen Coldharbour-Klängen frönen. Wenn ich beim letzten Two-Tracker von Mat Zo noch die ungewohnte Seelenlosigkeit bemängelt habe, hier versteckt sich auf jeden Fall jemand, der ihm den Weg aus diesem Irrgarten aus eigener Erfahrung weisen könnte... ;)

    Das herrlich druckvolle Sandstone erinnert mich zwar teilweise leicht an die progressiven Klangwelten der 16 Bit Lolitas, besitzt jedoch immer noch genug Eigensinn, um diesen Ähnlichkeitsvorwurf aus seiner negativ konnotierten Ecke hinauszulocken. Herausragende Arbeit kann hierbei in vielerlei Hinsicht vor allen Dingen den überaus stakkatiert auftretenden Tonfetzen attestiert werden, welche sich als roter Faden fast durch den gesamten Track ziehen und eine mehr als gelungene Entwicklung von einer anfangs noch recht techig anmutenden Instrumentierung zu herrlich düster-verschmitzten Sprenkeln vollziehen und dabei auch nicht vor einer zeitweise flächig-trancigeren Anleihen zurückschrecken. Schließlich erschleicht sich die hiesige Melodiefolge damit nicht nur einen vorderen Platz bei diversen Anschwellaktionen (insbesondere in den Breaks), sondern auch deutliche Pluspunkte in Sachen vielfältiger Intensitätsgestaltung, welche von einem trocken groovenden Untergrund inklusive herrlich verschleppter Stakkatobassline in gelungener Manier konterkariert wird. Der Einbau des vertrackten Mittelteils aus windschiefen Effekt- und Synthieschüben mag dabei für den ein oder anderen nicht nachvollziehbar erscheinen, stellt sich im Nachhinein jedoch als treibende Kraft heraus, welche die Rückkehr der wunderbar tröpfelnd geratenen Melodielinie noch weitaus sphärisch dichter geraten lässt als ihre erste prägende Phase. Summa summarum eine progressive Reise mit Ecken und Kanten, welche von meiner Seite mit nicht weniger als verdienten 5,5/6 überhäuft wird. :D

    Amazone dagegen packt die gute alte Tribalschublade aus und präsentiert sich in einem leicht hypnotisch geratenen Umfeld aus repetitiv orientierten Drummingspielereien, welche alsbald mehr und mehr von leicht böig hereinwehenden Tonflächen aufgelockert werden und dem Ganzen eine angenehm deepe Note zu verpassen wissen. Als Herzstück des Tracks offenbart sich dabei nicht nur das peu à peu intensiver geratende Break, welches vor allen Dingen mit der Initiierung charakteristischer Stammesgesang-Vocalfragmente sowie der kurzweiligen Mutierung der Flächenstücke zu einem brodelnden Ganzen aufwartet, auch die daran anschließende drummingunterstützte Phase, in welcher der Track in spannender Manier durch eine überhitzte Prärie voller exotischer Vocaleinspieler und Tonwellen getrieben wird, weiß durchaus zu überzeugen. Die sphärische Komponente pendelt in dieser progressiv-tribalesken Landschaft immer wieder zwischen angedeuteten Schwebephantasien und etwas dunkleren Gefilden, welche das Stück zwar zuweilen etwas ziellos wirken lassen, für meinen Geschmack allerdings immer noch genug Eigenständigkeit an den Tag legen, um mit der überdurchschnittlichen 4,75/6er-Marke ausgezeichnet zu werden. :yes:

    Lang hat's gedauert, sodass es bisweilen fast so schien, als ob die Qualitätsoffensive des Produzenten-Jungspunds von der Insel gar kein Ende finden würde, mit dieser soeben erschienenen EP beweist Mat Zo jedoch, dass auch er nur ein Mensch ist und tritt herzhaft in alle Fettnäpfchen, die das "klassische" Trance-Genre zur Zeit aufbieten kann. Kurzum: ein für meinen Geschmack sehr enttäuschender Two-Tracker, bei dessen Zusammenstellung ein regelrechtes Kreativitätsvakuum geherrscht haben muss und daher noch besser heute als morgen wieder vergessen werden sollte... :hmm:

    Back In Time erweist sich dabei frank und frei als Pseudo-Progressive-Track, welcher sich teilweise in überaus eindeutiger Art und Weise dem derzeitig grassierenden Bigroom-Geplärre anbiedert und damit auch die letzten Reste seines spärlich vorhandenen Potenzials in den Wind schießt. Zu Beginn ist jedoch glücklicherweise noch nicht allzu viel von dieser Entwicklung zu ahnen, tauschen sich dort doch dezent durch den Hintergrund geisternde Vocalflächenandeutungen mit einer saftig nach vorn stapfenden Kickdrum aus, welche nach einem ersten Kurzbreak in Form einer angenehm groovend gestalteten Bassline weitere druckvolle Unterstützung erhält. Leider werden die bisherigen sphärischen Elemente im weiteren Verlauf nun mehr und mehr durch stakkatiertes Tonleuchten ersetzt, welches zusammen mit dem Untergrund immer wieder einige kleine Anschwellaktionen initiiert, während im Hintergrund bereits eine standardtrancig arrangierte Melodie auf ihren Einsatz wartet und nach einem Intermezzo einiger interessanter Acid-Effekte schließlich ihr äußerst simpel gestricktes Nintendo-Arrangement ohne Kompromisse bis an vorderste Front des Stücks ausbreitet. Auch das anstehende Break will in dieser Hinsicht nicht entscheidend intervenieren, sondern ermutigt die Melodiefolge im Gegenteil noch, sich alle paar Meter hemmungslos ihrem Hang zum nervtötenden Bigroom-Gebrause hinzugeben, sodass vor allen Dingen die sphärische Komponente des Ganzen ein ständiges Auf und Ab erlebt, denn auch wenn zwischendurch immer wieder Phasen eingeschleppt werden, in denen die Melodielinie beruhigender agiert, so überwiegt doch eindeutig die Hingabe zu einem markanten Abwärtsstrudel. Erst die Rückeroberung des Tracks durch das Drumming lässt die geneigte Hörerschaft kurz durchatmen und den elektroid inspirierten Groove des hiesigen Fortbewegunsdrangs inhalieren, ehe alsbald die ersten Andeutungen der Melodieebene erneut den roten Teppich für die miefig abgestandenen Klänge der quietschig-prolligen Tonfolge aus dem Break hervorholen. Eine gähnend langweilige Anschwellaktion später befindet sich der Track schon im nächsten Break, lässt jene dort mit zusätzlich angeschafftem Flächenbrimborium noch einmal wiederholen und verschont sein Publikum nach kurzzeitiger Verschnaufpause auch in Kooperation mit dem Drumming nicht vor einem letzten, für Mat-Zo-Verhältnisse ungewohnt seelenlosen "Höhepunkt" der Melodieebene. Insgesamt gesehen komme ich hier trotz einiger passabler Ansätze jedoch nicht wirklich über müde 2,5/6 hinaus. :no:

    Millenia hat seine Hausaufgaben im direkten Vergleich dann zwar wesentlich sorgfältiger erledigt und verzichtet immerhin auf solch grauslich anbiedernde Melodieschübe wie sie noch im Vorgänger zu hören waren, zwischen den vielfältigen Zo'schen Großtaten der letzten Jahre und dem hiesigen Stück klafft jedoch meines Erachtens immer noch eine nicht unerhebliche Distanz. Angereichert mit zartbesaiteten Synthiewölkchen sowie charakteristisch echoverliebten Drummingspielereien und verträumt schimmernden Vocalfetzen kann das Ganze dennoch bereits nach wenigen Momenten eine wunderbar entrückte Atmosphäre entfalten, welche auch in Zusammenarbeit mit einem progressiven Gefilden entlehnten Untergrund mitsamt eines interessant wippenden Basslinefragments zunächst nichts von ihrer melancholischen Ader einbüßen muss. Erst trancige Alternativtöne sorgen für eine Umverlagerung innerhalb der Melodieebene und lassen sich im ersten Kurzbreak sogleich als Heilsbringer in einer im Vergleich zum Vorgänger etwas gediegener vorgetragenen Anschwellaktion feiern, bevor im weiteren Verlauf die bisher aus Einzelstücken bestehende Bassline zu einem dauerrollenden Zugpferd des Ganzen mutiert, auf dem sich die trancigen Töne zunehmend wabernder präsentieren und zusammen mit den Vocalfetzen vom Beginn sowie weiteren dezenten Flächenschwaden im Hintergrund weiter an ihrer fadenscheinigen Melodieentwicklung arbeiten. Selbige offenbart sich im nächsten anstehenden Kurzbreak schließlich endgültig als sphärisch einfühlsames Kleinod, welches aufgrund seiner verstaubt-standardisierten Instrumentierung allerdings erhebliche Intensitätsverluste zu erleiden hat, welche auch in Kooperation mit dem gelungen rollenden Untergrund nicht unter den Tisch gekehrt werden können. Immerhin tauchen in schemenhafter Manier nun immer mal wieder einige Synthiewolken sowie Vocalfetzen vom Beginn auf, während die Melodiebögen zunehmend energischer auftreten, glücklicherweise jedoch kurz vor der imaginären Bigroom-Grenze wieder kehrtmachen und schließlich ein letztes Kurzbreak einläuten, welches kurzzeitig sogar den wunderbar traurig gestimmten Tonwolken eine Solofahrt einräumt. Die sich im Anschluss langsam aber stetig wieder aufplusternde Hauptmelodiefolge fungiert dann nur noch als Abschiedsgruß der hiesigen atmosphärischen Arbeit, da ihr jäher Zusammenbruch nun nur noch eine Frage von Sekunden ist, ehe die rollende Bassline im Folgenden noch einmal das Drumming zurückholt, um dieses - garniert mit einigen Tonschüben - fast sofort wieder in Richtung Rückbau schwenken zu lassen und sich schlussendlich mit soliden 4/6 zufrieden zu geben. :yes:

    Zitat

    Original von Southern
    Watt ne geile Party.

    greetz West :sleep:

    Deine Beweisführung ist wirklich lächerlich, wenn du - wie behauptet - ein Mensch mit Ahnung wärst, wüsstest du, dass Markus Kavka traditionell der allererste Act auf dem Melt! ist und am frühen Freitagnachmittag das Festival sozusagen "anstößt". Schon mal andere Festivals zu solch "unchristlichen" Zeiten besucht...!? :no:

    reisi und Edik'ted: Wir verstehn uns. :D

    Westi, du bist wirklich drollig! Jedes Jahr, wenn die ersten Namen vom Melt!, welche nur einen Bruchteil des späteren kompletten Line-Ups ausmachen, im hiesigen Forum zur Sprache kommen, kommst du mit deiner Antipathie gegen dieses Festival angedackelt und lädst sie hier in äußerst uninspirierter (um das mal aufzufangen) Art und Weise wie einen Haufen Sondermüll ab - und das jedes Jahr in drastischeren Worten. Warum nicht einfach mal akzeptieren, dass Geschmäcker verschieden sind, anschließend seinen Hang zum Alles-so-schnell-und-undurchdacht-wie-möglich-Kommentieren runterschlucken und einen Bogen um diesen Thread machen!? Trolliges Verhalten gibt's im Internet leider schon zur Genüge...

    Und ach ja: Du wirst dieses imho stets umwerfende Festival nie verstehen... :p


    Edit: Unfassbar, wie du dich immer weiter mit deinen wirren Gedanken und nicht haltbaren Thesen hier veräußerst! Paul Kalkbrenner wurde übrigens schon 2001 beim Melt! gefeiert, lange bevor der "Hype" überhaupt begann...

    N’Abend zusammen!

    Ich war zwar etwas überrascht, in meinem Email-Postfach heute schon mit dem ersten Schwall an Bestätigungen für das diesjährige Melt! Festival konfrontiert zu werden, da in den letzten Jahren stets Mitte Februar dafür auserkoren worden war, aber warum nicht schon jetzt einige mehr oder weniger scheue Blicke gen Ferropolis riskieren!? Schließlich erwartet in 2011 nicht nur eine sicherlich erneut großartig illuminierte Schaufelradbaggerlandschaft inmitten eines zum Gewässer umfunktionierten ehemaligen Braunkohletagebaus im tiefsten Sachsen-Anhalt die traditionell bunt gemischte Zuschauerschaft aus halb Europa, auch die wiedervereinigten Pulp um Jarvis Cocker, welche mit ihrem eigenbrötlerischen Gitarrenpop in den 90ern ihre Blütezeit erlebten, sind bereits als erste Headliner gebucht. Dennoch wird die erste Welle diesmal überwiegend von Namen aus verschiedensten Genres der elektronischen Musik geprägt, wobei für meinen Geschmack vor allen Dingen der nach 2008 wieder auf einen Besuch vorbeischauende brasilianische Atmospheric-Techno-Spezialist Gui Boratto, die australischen Synthiepopper von Cut Copy, die nach dem Prinzip „Hauptsache Knaller“ arbeitende Electroschmiede von Robyn oder Mike Skinner mit The Streets ihrer Berufung als überaus reizvolle Vorboten des Melt!-Line-Ups mehr als gerecht werden. Natürlich dürfen auch die Kalkbrennerbrüder aus Berlin wieder einmal nicht fehlen und die Riege an DJs und Künstlern erweitern, welche die Gräfenhainicher Halbinsel im Gremminer See mittlerweile schon fast als Wohnzimmer betrachten können. Insgesamt also bisher eine recht erwartbare Zusammenstellung, welche mich zwar noch nicht vom Hocker zu reißen vermag, aber mehr als eine gute Grundlage für das, was da noch kommen mag, bildet. Schaun mer mal, ob die alten Gelenke vom Andru und meiner Wenigkeit wirklich einer vierten Melt!-Reise in Folge widerstehen können… ;)


    Vollständiges Line-Up [Stand: 30.06.2011]:

    A.T.O.L. | Addison Groove | Âme (live) | Anstam | Apparat Band | Architecture in Helsinki | Atari Teenage Riot | Azari & III (live) | Bag Raiders | Beady Eye | Bodi Bill | Gui Boratto | Boys Noize Bpitch @ Sleepless Floor: Ellen Allien, Kiki, Chaim & Skinnerbox | Brandt Brauer Frick Ensemble | Busy P | Carte Blanche | Clock Opera | Console | Carl Craig & Radio Slave B2B | Chase & Status | Cold War Kids | Crocodiles | Crystal Castles | Crystal Fighters | Cut Copy | DAF | Dadub (live) | Benjamin Damage & Doc Daneeka | Dananananaykroyd | Dial Records pres. Lawrence, John Roberts u. a. | Digitalism (live) | DJ T. | Andreas Dorau | The Drums | Edit Select | Editors | Errors | Everything Everything | Fake Blood (live) | Fieber-Tanzparty | FM Belfast | Foster The People | Fryzeit | Gold Panda | José González | Guy Gerber | Calvin Harris | Richie Hawtin | Housemeister | The Hundred In The Hands | Iron & Wine | Isolée | Is Tropical | Nicolas Jaar (live) | Junior Boys (live) | Junip | Fritz Kalkbrenner | Paul Kalkbrenner | Karrera Klub | Katy B | Markus Kavka | King Kong Kicks | The Knocks | The Koletzkis | Jacob Korn (live) | DJ Koze | Kuriose Naturale | Le Corps Mince de Françoise | Les Savy Fav | Little Dragon | Live at Robert Johnson @ Sleepless Floor: Roman Flügel, Arto Mwambe, Oliver Hafenbauer, Gerd Janson & Manuel Raven | Loco Dice | Lucy | M.A.N.D.Y. | MEN | Metronomy | Miss Fitz | Miss Kittin | Gadie Mizrahi | Modeselektor pres. Melt! Selektor | Monarchy | The Moroders | Mutter | The Naked And Famous | Tobi Neumann | Maayan Nidam | Noah & The Whale | No Regular Play | Nôze (live) | Ostgut Ton Special: Marcel Dettmann, Ben Klock, Marcel Fengler, Barker & Baumecker (live) | Phon.o | Planningtorock | Plan B | Proxy | Pulp | Radio & Fernseh | Christopher Rau | Retro Stefson | Revolver Club | Robyn | Rusko | SBTRKT (live) | Siriusmo | Sizarr (live) | Sizarr Soundsystem | Smallpeople aka Dionne & Julius Steinhoff | The Sound Of Arrows | The Streets | Swans | Team Recorder | Tensnake | These New Puritans | Total Confusion B2B2B - Tobias Thomas, Michael Mayer & Superpitcher | Totally Enormous Extinct Dinosaurs | Trashpop feat. Wolke und Timid Tiger | Albrecht Wassersleben | Voodoohop | We Have Band | When Saints Go Machine | White Lies | Patrick Wolf | Jamie Woon


    Da es für das Melt! 2011 entgegen der Vorjahre voraussichtlich weder Tages- noch 2-Tagetickets geben wird, hält sich zwar die Kostenübersicht in Grenzen, nicht jedoch die unvermeidbare Preissteigerung:

    3-Tagetickets gültig für Freitag/Samstag und Sonntag:
    EUR 104 zzgl. VVK-Gebühren und EUR 5 Müllpfand

    A U S V E R K A U F T

    Im Preis enthalten sind Camping und Parken (ab Donnerstag 14.07. 13.00 Uhr bis Montag 18.07. 15.00 Uhr).

    :shy:

    Greetz,
    :: der hammer ::

    Schon die ersten beiden Ausgaben stellten einen wahren Ohrenschmaus für alle Sympathisanten des vielseitig zwischen den progressiven Gefilden von House und Trance changierenden Klangspektrums des Anjunabeats-Sublabels dar, so versetzt allein die schiere Ankündigung der Veröffentlichung einer weiteren Folge (wiederum traditionell im Februar) einer der letzten spannenden Mix-CD-Reihen die Gehörgänge in einen reinen Glückszustand aufgrund der zu erwartenden positiven Ausstrahlung der von den beiden Silberlingen ausgehenden Schallwellen. Dem eingespielten Duo um James Grant und Jaytech, deren regelmäßiges Kapern der allsontagabendlich ausgestrahlten labeleigenen Internetradiosession namens Anjunabeats Worldwide für meinen Geschmack ebenfalls stets runtergeht wie Öl, ist auf jeden Fall zuzutrauen, dass sie für die Anjunadeep:03 zwei weitere geschmeidig-groovende Mixe zusammengebastelt haben und damit nahtlos an das hohe Niveau ihrer Vorgänger anknüpfen können. Davon zeugen bereits nicht nur solch illustre Namen wie Martin Roth, Komytea, Soundprank, Eelke Kleijn, Underworld oder Andrew Bayer, sondern auch die ersten auf der offiziellen Seite zur Verfügung gestellten Hörproben. Ich für meinen Teil werde jedenfalls wohl wieder einmal nicht um eine Anschaffung herumschiffen können... ;)

    Zitat

    Original von Edik'ted
    Gott ich find den Track einfach scheiße. Egal ob Tiesto drauf steht oder nicht. Es könnte auch genauso gut Afrojack oder was auch immer drauf stehen. Das ist das Problem. Es ist einfach der gleiche Rotz wie der ganze andere Kram, der zur Zeit angesagt ist. Und ich kann mit dieser Art von Musik nichts anfangen, da es für mich klingt wie hingekotzt ohne Innovation. Und da ich auf Events Erfahrung mit solcher Musik habe, kann ich sagen, dass er mir mit Sicherheit nicht mehr gefallen wird, wenn ich ihn live höre.
    Wenn er anderen gefällt, ok. Aber nicht anfangen zu argumentieren, dass die jenigen eh keine Ahnung haben wovon sie sprechen!

    Zitat

    Original von Martin F. Lizard
    Ich glaube jetzt nicht, dass Großevents meine Wertung erhöhen werden. In mancher Hinsicht mag das schonmal passieren, aber irgendwo ist die Grenze. Denke natürlich, dass es auf ner großen Anlage und mit gutem Publikum anders wirkt, dass ist dann aber wie gesagt nur dem Publikum, Event und der Lighshow zu verdanken. Wenn ein Track so etwas nötig hat, ist das schon eher arm. Die richtig guten Tracks sind die, die auch schon zu Hause gut klingen, deshalb sind die Wertungen ohne Event-Besuch hier auch oft die, die besonders realistisch sind.

    Ihr sprecht mir aus der Seele, Jungs! Dieses Paradebeispiel eines äußerst belang- und seelenlosen, einzig und allein auf Massenkompatibilität zusammengeschusterten Etwas', welches in schamloser Art und Weise auf einer derzeit (warum auch immer) in gewissen Lokalitäten äußerst erfolgreichen Quietscheschiene reitet, hat für meinen Geschmack nicht nur weniger mit der musikalischen Ausrichtung der hiesigen Tracksrubrik gemein als viele der von mir vorgestellten Stücke, sondern auch schon wieder viel zu viel unverdiente Aufmerksamkeit erheischen können. Bezüglich letzterer Entwicklung kann ich mich mit diesem Beitrag sicherlich nicht vor der Mitverantwortung stehlen und schwelge lieber daher nun lieber wieder in qualitativ wesentlich hochwertigeren Tracks wie folgendem... :p

    N’Abend zusammen!

    Warum beim heuer im Mittelpunkt stehenden Produzenten Traumer die erwarteten zwei Punkte über dem „a“ (in Wissenschaftskreisen auch Trema genannt) nicht den Weg in den Künstlernamen gefunden haben, lässt sich wohl schlichtweg daraus schlussfolgern, dass sich hinter dem Pseudonym ein Franzose versteckt, welcher sich bekanntermaßen mit deutschen Umlauten traditionell schwertut. Auf dem Geläuf atmosphärisch veranlagter elektronischer Musik mit der gewissen Portion Druck sieht das glücklicherweise gleich ganz anders aus, wie der in Paris Wohnhafte auf seinem jüngst auf dem aufstrebenden deutschen Qualitätslabel Klangwelt erschienenen 3-Tracker, welcher sich mit seiner stets leicht experimentell wirkenden Ader nicht nur alle Türen offen lässt, sondern zudem sowohl mit geraden als auch mit gebrochenen Beats bestens umzugehen weiß, in überzeugender Manier unter Beweis zu stellen vermag. Freunde von Ryan Davis, Max Cooper oder Henry Saiz dürften hier sicherlich auf ihre Kosten kommen, unke ich mal, doch auch der dadurch ausgeschlossene große Rest ist dazu aufgerufen, die Aufgeschlossenheit seiner Gehörgänge nicht zu unterschätzen… ;)

    In bestechender Form präsentiert dabei vor allen Dingen Euphoria, auch wenn das gute Stück seinem Namen nicht wirklich gerecht werden möchte und stattdessen in äußerst engagierter Art und Weise viel lieber in wesentlich dunkelheitsaffinere Ambiente einzudringen weiß. Das wird bereits im feinsinnig austarierten Intro deutlich, in welchem sich minimalistische Effekthappen auf durcheinandergewürfelten Drummingfragmenten ein spannendes Duell mit ersten tröpfchenartig stakkatierten Tonfolgenfragmenten liefern, sodass das Ganze schon vor dem Einsatz der alsbald dazustoßenden saftigen Kickdrum in Richtung zwielichtiger Klanggefilde abbiegt. Bis sich der Untergrund durch weitere Klickerelemente sowie eine herrlich nach vorn drückende Basslinewand im weiteren Verlauf komplettiert, stellen die entzückenden Melodieandeutungen zudem nicht nur ihr vielseitiges Arrangementspektrum, welches von elektrisierend nachhallenden Stakkato-Nadelstichen bis hin zu flächiger auftretenden Synthiewölkchen reicht, unter Beweis, sondern entpuppen sich auch zunehmend zu einem nicht mehr zu missenden Zugpferd des hiesigen Tracks. Ein erstes Kurzbreak setzt dann sogar noch zu einer weiteren Einflussvergrößerung der Melodieebene in Form von alternativen, nicht minder düster geratenen Alternativtönen an, sodass die Intensitätsskala bei der folgenden Kooperation mit dem treibenden Drumming erneut ihre sphärischen Karten hervorragend ausspielen kann, ehe das nächste Break schließlich die verspulten Melodietropfen vom Beginn wieder in offensiverer Manier ins Rampenlicht manövriert. Diese Chance, ein astreines Solo aufs imaginäre Parkett zu legen, lassen sich selbige natürlich nicht entgehen, sodass alsbald zusammen mit den sich dazugesellenden Alternativtönen eine mehr als gelungene Anschwellaktion angepeilt wird, auf dessen Höhepunkt der druckvolle Untergrund wie ein Inferno die reine Ekstase heraufbeschwört. Allzu lang „sonnen“ sich die Melodieelemente jedoch nicht in ihrem Erfolg, schließlich schwebt ihnen bereits der nächste Coup vor, welcher im folgenden und letzten Break in Form von bisher noch nicht vernommenen, trancigen Alternativtönen auf den geneigten Hörer wartet. Zudem probiert sich das Drumming hierbei kurzzeitig an einem Breakbeat-Intermezzo, ehe die initiierte Melodielinie mehr und mehr Fahrt aufnimmt und im Anschluss garniert mit knarzenden Subbässen ein mächtig verworren aufgeplustertes Intensitätsfinale erfolgreich auf den Weg bringt. Ein klickerndes Outro mit den ausfransenden Melodietropfen in der Hauptrolle rundet diesen nah an der Höchstbewertung rangierenden 5,75/6er-Track schlussendlich ab. :yes:

    Mit dem Dawad Hang On Remix wird dann zwar nicht annähernd ein so energiegeladenes Territorium der elektronischen Musik angeflogen, dafür zeigt sich die Überarbeitung des französischen Landsmannes wesentlich generöser mit experimentellen Soundcollagen, welche jedoch glücklicherweise auch die Melodiepfade des Originals nicht vollkommen außer Acht lassen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei zunächst auf einem trocken stapfenden Techhouse-Drumming, in dessen Hintergrund sanfte Alternativtonflächen schimmernd tätig sind, während der Effekteinsatz zunehmend dichter wird und schließlich in einem ersten Kurzbreak auch die Flächenwand in sphärisch beruhigend-subtiler Manier nach dem Rechten schaut. Diese Phase ist jedoch nur von kurzer Dauer, da schnell ein wischendes Basslinefragment mit dem gewissen Hang zum Loop störrisch dazwischenfunkt und alsbald zusammen mit dem restlichen Untergrund die mittlerweile ihr Heil im Wabern suchenden Tonflächen unterdrückt und nach einem angedeuteten Break mit der Unterstützung weiterer klickernder Elemente schließlich in Gänze aus dem Remix hinausekelt. Die freigewordene Stelle füllt nun stattdessen eine enorm elektroid-knarzend ausgerichtete Basslinewand, ehe im anstehenden Break endlich auch einmal etwas für die bisher zu kurz gekommene, sphärische Komponente getan wird, wenn einige leicht besänftigender gestaltete Überbleibsel der Melodietropfen aus dem Original auf den Plan treten und in geheimnisvoller Manier durch den leeren Raum staksen. In Kooperation mit enervierenden Flächenüberarbeitungen sowie allerhand wirrem Effekteinsatz lassen diese sich sogar von der Kickdrum nicht verscheuchen, müssen jedoch mit der Komplettierung des Drummings schließlich doch einsehen, dass ihnen hier leider nicht einmal eine kleine Nische gegönnt wird. Immerhin weiß sich die Flächenwand gekonnt durchzusetzen und türmt sich im letzten Drittel zu einem sphärisch wertvollen Fels in der Brandung auf, welcher erst während der totalen Destruktion am Ende des Ganzen überspült wird und solide 4,5/6 mit in den Tod nimmt. :p

    Eine verzerrte Weltanschauung kann man dem Abschlusstrack Distorted I Am dann allerdings nur hinsichtlich geradliniger „4-to-the-Floor“-Mentalität attestieren, schließlich fühlt sich selbiger in mystisch anmutenden Breakbeatgefilden wesentlich wohler in seiner Haut. Zu Beginn verliert sich das Ganze zwar in nebligen Synthieschwaden, welche sich zusammen mit verspult auftretenden Begleittönen unweigerlich die Gehörgänge als Testlabor für ihre bizarren Ausschweifungen auserkoren haben, erste Drumminganleihen versuchen sich jedoch schon nach wenigen Augenblicken Einwirkzeit daran, etwas mehr Struktur in die verwirrenden Soundeskapaden zu katapultieren. Zusammen mit mehrfach durch den Reißwolf geschobenen Effektfragmenten sowie einer stetig wachsenden Klangfülle innerhalb der vielfältig glimmenden Melodieebene verdichtet sich der Track nun zusehends, ehe eine in spannender Art und Weise immer wieder in sich zusammenbrechende Basslinewand das vorhandene Druckpotenzial des Untergrunds wieder ins Blickfeld rückt und in einem anstehenden Kurzbreak mit Hilfe einer dezenten Anschwellaktion weiter zu verdeutlichen imstande ist. Setzt sich im Anschluss dann eine flächige Alternativtonfolge im Herzen des Tracks fest, fühlen sich zudem die vogelwild durch Raum und Zeit geisternden Melodieschnipsel herausgefordert, sodass sich ein überaus interessant akzentuiertes Kontrastspiel etablieren kann, welches in seiner mystisch-düsteren Ader vom grimmig dreinblickenden Untergrund stetig bestätigt wird. Und auch wenn in einem weiteren Break heller arrangierte Synthietöne auf einer der zahlreichen Melodiefolgen thronen, in Kooperation mit dem herrlich knarzend geratenen Untergrund werden diesen schnell die Grenzen aufgezeigt, bevor das Stück schließlich auf seine Zielgerade einbiegt und in einem Outro langsam aber sicher mit verdienten 5/6 im Schlepptau am Horizont entschwindet. :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Der Brite Mike Foyle bzw. Statica gehört ja zu den wenigen klassischen Tranceproduzenten, welchen auch meine Wenigkeit immer noch ab und zu ihr Gehör schenkt und nicht nach wenigen Momenten wieder enttäuscht auf Durchzug schaltet. Mit dem hiesigen Beitrag für die letzte Coldharbour Selections kann der Gute für meinen Geschmack zwar nicht wirklich an vergangene Großtaten anbandeln, die Verknüpfung eines zwielichtigen Melodiestrangs mit einem mit der gewissen Portion Knarzkraft ausgestatteten Untergrund macht Headrush dennoch zu einem aus der grauen Masse hervorstechenden Track, welcher in der hiesigen Rubrik bisher zu Unrecht ein Schattendasein ohne eine einzige Antwort geführt hat. Zu Beginn konzentriert sich das Ganze dabei auf ein reduziert klackerndes Drumminggerüst, welches jedoch nicht allzu lang auf seine bestellte Portion Druck warten muss, schießt doch bald behände ein wunderbar lässig nach vorn schielendes Basslinefragment aus elektroid beeinflussten Klanggefilden aus dem Untergrund hervor, um dem Stück in unmissverständlicher Weise den Weg ins Tanzbein zu erläutern. Setzt ein erstes Kurzbreak noch auf eine interessant stakkatierte Offbeat-Anschwellaktion der Basstöne, so tauchen im Anschluss schnell die ersten schimmernden Andeutungen einer für Foyle'sche Verhältnisse recht vorhersehbaren, aber nichtsdestotrotz gekonnt sphärisch zusammengebastelten Melodielinie auf, welche nun zunehmend mehr Einsatzzeit für sich fordern, wogegen die knarzenden Basslinefragmente zunächst noch aufzubegehren versuchen, im weiteren Verlauf allerdings immer deutlicher einsehen müssen, dass ein kontrastreiches Zusammenspiel der sphärischen Komponente des hiesigen Tracks wesentlich besser aus dem Quark verhelfen könnte. Eine Anschwellaktion der flächig mutierenden Melodiefolge später erreicht das Stück dann das erste Break, welches die Melodieebene als Hauptdarsteller auserkoren hat und die stakkatierten Überbleibsel der Melodielinie vom Beginn dabei nun in bedrohlich anmutende Gegenden verschickt, in flächiger Manier mit einigen Alternativtönen verflechtet und dem Ganzen so zu einer gehörigen Intensitätssteigerung verhilft. Auch in Kooperation mit dem Untergrund setzt sich diese Entwicklung vorerst unbeirrt fort, wobei effektiert arrangierte Windböen die Instrumentierung der Melodieebene hinter der nächsten Biegung meines Erachtens schon fast etwas zu powertrancig gedeihen lassen, sodass die hörenswerten Ausflüge der Basslinefragmente erst während des kommenden Rückbaus wieder aufkeimen können. Dem für Foyle charakteristischen Melodiegeklimper wird in der Phase vor dem nächsten Break erneut nur eine untergeordnete Rolle zugestanden, schließlich steht dort bereits die nächste überaus ähnlich gestrickte Anschwellaktion auf dem Plan - mitsamt einiger sehnsuchtsvoller Streicherklänge ist die hiesige düstere Atmosphäre überraschenderweise aber in der Lage, sich dabei doch noch eine gute Prise intensiver zu präsentieren, ehe schlussendlich die letzten Sekunden für diesen Track der Marke 4,5/6 geschlagen haben. :yes:

    N‘Abend zusammen!

    Man mag es zwar kaum glauben, da die Kooperation der beiden folgenden Protagonisten einfach dermaßen folgerichtig wirkt, dass man nicht weiter darüber nachdenkt, jedoch sind der Magdeburger Produzent Sebastian Waack alias Ryan Davis und die Kölner Vinylschmiede Traum Schallplatten in der Tat erst jetzt, im Jahre 2011 nach was auch immer, zum ersten Mal auf Augenhöhe aufeinandergetroffen. Und wie sich zwei da gefunden haben! Bereits die erste kleinere Zusammenarbeit durch die Überarbeitung eines Tracks der letzten Traum-EP von Max Cooper entpuppte sich für meinen Geschmack als großartig geratener Ohrenschmaus, welcher mit der seit vergangener Woche käuflich zu erwerbenden Routes Of Life EP nun sogar noch in den Schatten gestellt werden kann. Den gewieften Hörer erwartet hierbei auf jeden Fall filigran ausgetüftelten sowie melodiebeseelten Atmospheric Techno, welcher nicht nur endlich ein gemeinsames erfolgreiches Kapitel in der (bisher getrennt verlaufenen) langjährigen Qualitätsgeschichte von Künstler und Label aufwerfen wird, sondern auch Balsam auf die Seele des hiesigen Tellerrands sein dürfte… ;)

    Den Vogel (im positiven Sinne) schießt dabei bereits das mit Roads betitelte erste Stück der EP ab, welches als sphärisch äußerst gehaltvolles Schmankerl voller winterlich anmutender Melodiestränge die Gunst der gemeinen Hörerschaft zu ergattern versucht. Gepaart mit erhabener Düsternis erwächst dabei von Beginn an ein kleines gehörgangumschmeichelndes Kunstwerk, wobei das Ganze zunächst noch in Subtilitäten schwelgt und zurückhaltende Flächenandeutungen mit Nadelsticheffekten in einem kurzen Intro in den Ring schickt, bevor das Drumming sich alsbald mehr und mehr zu komplettieren vermag und trotz recht minimalistischer Charakterzüge in gelungener Manier Fahrt aufnimmt. Im Schlepptau dieser Entwicklung zeigen sich zudem die ersten glockenspielartig hell instrumentierten Melodiefragmente, welche nicht nur die bedrohliche Szenerie der schimmernden Flächenstücke angenehm zu kontrastieren wissen, sondern im weiteren Verlauf langsam aber stetig deutlicher auf die Hauptrolle innerhalb der hiesigen Melodieebene schielen und sich für diesen Traum auch gern immer wieder in dezenten Tonfolgenveränderungen und Instrumentierungen üben. Unterstützung in diesem Unterfangen naht desweiteren in Form von mehr und mehr hineinwehenden Flächeneinwürfen, wohingegen dem Untergrund diese sphärische Übermacht allmählich etwas zu massiv grassiert und nach einem ersten Kurzbreak als Gegenentwurf schließlich eine herrlich elektroid grummelnde Basslinewand auf die Melodieebene loslässt. Nichtsdestotrotz fühlt sich letztere davon nur noch mehr angestachelt und spielt sich von nun an mit immer epischer anmutenden Melodielinien, welche ihre Kraft unverkennbar aus den bisherigen Tonfolgenvorlagen schöpfen, in einen wahrhaftigen Rausch. Besonders die hellen Tonanleihen tun sich dabei hervor und dürfen sich im Mittelteil als Belohnung sogar kurzzeitig aus der krakenartigen Umarmung der düsteren Flächenstücke befreien und eine überzeugende Soloeinlage aufführen. Im folgenden Kurzbreak stehen jedoch bereits wieder die restlichen Melodieelemente auf der Matte, sodass das Stück zusammen mit dem nach vorn grummelnden Untergrund im Anschluss noch einmal seine ganzen trancig-schwebenden Vorzüge ausspielen kann. Summa summarum haben wir es hier daher mit nichts anderem als meinem ersten lokalen Hochpunkt der elektronischen Musik in 2011 zu tun, welcher mir nicht unter 5,75/6 davonkommen wird. :yes:

    Auch wenn der Tracktitel diese Assoziation nährt, hinter Loophole verbirgt sich keinesfalls ein repetitives Moloch, vielmehr werden hier im Vergleich zum Vorgänger ähnlich atmosphärisch gehaltvolle Gefilde angepeilt. Dennoch sind die Melodiestrukturen hier weniger episch angelegt, sondern legen ihren Fokus lieber auf die Entwicklung eines wunderbar düsteren Stimmungsgelages, welches bereits im Intro von zögernd durch den Raum geisternden Melodiefragmenten sowie einer sirrenden Tonebene genährt wird. In Kooperation mit einem klickernden Drumming erhalten die spärlichen Melodieanleihen dann in Form eines grimmig dreinblickenden Basslinewaberns weitere sphärische Unterstützung, sodass sich alsbald auch die Intensität der bekannten Melodieschübe peu à peu zu steigern weiß, während parallel dazu aus dem Untergrund langsam aber stetig erste alternative Melodietröpfchen aufsteigen können und den Hang zur progressiven Trackentwicklung weiter forcieren. Überraschenderweise scheint die bisher recht subtil vorgetragene Entfaltung der Melodieelemente der Bassline nicht so recht zu schmecken, letztere hat Größeres im Sinn und schiebt demzufolge im weiteren Verlauf trocken groovende Subbässe gen Hauptbühne, welche dem Ganzen nun in gekonnter Manier eine Portion Pfeffer rektal einführen. Aller Bemühungen zum Trotz ist der Weg zu einem anstehenden Kurzbreak in dieser Phase nicht mehr weit, die kurze Verschnaufpause inklusive Rundflug über die vielschichtig mystisch schwebenden Melodieversatzstücke wird jedoch schnell wieder vom Drumming überrollt, sodass der Platz freigeräumt ist für eine interessante Zusammenarbeit zwischen der düster wabernden Bassline sowie neu hinzugewonnen Vocalflächen. Selbige präsentieren sich nicht nur erheblich nachtaktiver als ihre Vorgänger, sondern verfrachten diese auch sogleich in den Hintergrund – mit ihrer Kondition scheint es dagegen weniger gut auszusehen, da bis zum Ende des nächsten Kurzbreaks wieder Tontröpfchen und Melodiefragmenteinwürfe dominieren, erst da schleichen sich die Vocalflächen im Schlepptau der bekannten Subbässe ein weiteres Mal unter die geheimnisvoll-illustre Schar der Melodieelemente. Die sphärische Intensität bedankt sich jedoch recht herzlich für diesen letzten Höhepunkt, schließlich wartet hinter der nächsten Ecke bereits der schlussendlich gesunde 5,25/6 in Empfang nehmende Rückbau auf seinen Einsatz. :D

    Mit Sideways als Drittem im Bunde schlägt die hiesige EP zum Abschluss noch einmal ein leicht experimenteller wirkendes Kapitel auf, wobei im Falle eines Ryan-Davis-Tracks mit solch einer Ausrichtung dennoch ausgeschlossen ist, dass die gewisse Melodiebeseeltheit zu kurz kommen könnte. Schließlich dauert es auch hier wieder nur wenige Momente, bis sich zum lässig aufspielenden Minimaluntergrund mit seinen knarzig geratenen Basslinefetzen die ersten gluckernden Melodiesplitter gesellen und dezent, aber gezielt zu einer spannenden Tonkaskade avancieren, welche aufgrund ihrer abwechslungsreichen Verspieltheit mehr und mehr die Herzen der Hörer zu erweichen weiß. Als Kontrastpunkt wollen sich dabei die mittlerweile etwas breitflächiger agierenden Basslinefetzen etablieren, müssen jedoch schnell feststellen, dass sie der vielseitig tröpfelnden Melodieebene nicht wirklich gewachsen sind. Das ändert sich auch nicht, wenn letztere nach einem Kurzbreak etwas kürzer tritt und stakkatierte Synthietöne als (nicht wirklich würdiger) Ersatz einspringen, zumal die Option zur Rückkehr durch subtiles Melodiegluckern im Hintergrund von den Basslinefragmenten stets als Mahnmal wahrgenommen wird. Auf solch einer Basis kann dieses Duell natürlich nicht gewonnen werden, sodass im Folgenden nun zunehmend die Tonkaskaden wieder das Heft in die Hand nehmen und verspielter denn je die sphärische Unbeschwertheit zum zentralen Thema des Stücks bewegen. Aufgelockert durch nachhallverliebte Alternativtöne sowie zwielichtig wabernde Flächeneffekte bleibt auch das zwischenzeitig dezent eingeschobene Kurzbreak fast unbemerkt, einzig die flächig verstärkte Anschwellaktion zeugt von diesem, ehe im Anschluss zusammen mit den herrlich entspannt tröpfelnden Melodielinien noch einmal einige verquere Synthietöne sowie Flächenstücke das letzte gelungene Aufbäumen vorm anstehenden Rückbau verdeutlichen. Insgesamt gesehen dürfte jedenfalls auch hier die 5/6er-Marke nur über meine Leiche unterschritten werden… ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Wie nicht anders von Outside The Box Music zu erwarten weiß sich auch der mir bisher noch nicht untergekommene niederländische Produzent Jorg Murcus nur mit einer gelungenen EP auf dem Label von Eelke Kleijn einzureihen.

    Jouissance als Titeltrack erreicht zwar auch mit größter Mühe die Fünf-Minuten-Grenze nicht, muss sich jedoch keineswegs hinter dieser kurzen Spieldauer verstecken, verspricht das Stück, welches der geneigte Hörer mit der frankophilen Ader sicherlich am besten mit „Genuss“ übersetzen würde, doch melodiebeseelten Progressive House vom Feinsten. Von einem betulich geerdeten Trackaufbau hält das Ganze ebenfalls nicht viel, sodass zum einen von Beginn an deep wabernde Melodieversatzstücke im Dunstkreis einer kraftvoll agierenden Kickdrum für die ersten Akzente in der hiesigen Melodieebene sorgen und nach einer halben Minute Einwirkzeit bereits das erste Break mit Tragweite von der Kette gelassen wird. Während intensiv gefärbte Flächenstäbe hierbei in Richtung atmosphärischen Mystizismus deuten, probt die Tonfolge von Beginn derweil mittels einer ansehnlichen Anschwellaktion schon einmal den Ernstfall, bevor im Anschluss zusammen mit dem minimalistisch agierenden Untergrund die Elementdichte kurzzeitig wieder reduziert wird. Hinter der nächsten Ecke wartet jedoch schon die nächste gelungene Anschwellaktion, welche im weiteren Verlauf nicht nur die bekannten Flächenstäbe, sondern auch eine effektierte Alternativmelodielinie heraufbeschwört, welche sich mehr und mehr Raum im hiesigen Track erwirtschaften kann und in ihrer repetitiven Machart schließlich sogar zu einem treibenden Zugpferd des Ganzen avanciert. In Kooperation mit einer herrlich groovend gestalteten Bassline wird dabei nicht von Ungefähr gen Höhepunkt geschielt, ehe im Folgenden die Melodieebene wieder jäh in sich zusammenfällt und damit Platz freiräumt für ein weiteres Kurzbeak, in welchem sich zur Abwechslung mal wieder die deepen Versatzstücke vom Beginn in den Vordergrund spielen dürfen und natürlich nicht allzu lang ohne Anschwellaktion auskommen. Zusammen mit dem sich alsbald dazugesellenden Drumming sowie geheimnisvollen Toneinspielern gerät der Track jedoch erneut schnell zurück auf die atmosphärisch überaus erfolgreiche Bahn, welche sich kurz vor Toreschluss noch einmal mächtig aufplustert und Flächenstäbe und Melodielinien in ein höhepunktwürdiges Wechselbad der Gefühle schickt. Und auch wenn der anschließende Abgang für meinen Geschmack viel zu abrupt vonstatten geht, überzeugende 5,25/6 sind hier sicherlich in guten Händen untergebracht. :yes:

    Wesentlich deeper und nicht annähernd so temperamentvoll wie sein Vorgänger geht The Real dann seine Sache an und verliert sich auch sogleich in einem von undurchsichtigen Flächenstücken besiedelten Intro, ehe das anstehende Drumming die leicht morbide Grundstimmung etwas aus ihrer Lethargie zu hieven vermag. Die zunächst noch in wabernder Instrumentierung durch den Track geisternden Melodieandeutungen verschmelzen dabei nun immer mal wieder zu einer einzigen Tonfläche, während im Untergrund ein überaus zurückhaltend auftretendes Basslinefragment beizeiten einen subtil groovenden Charakterzug aufblitzen lässt, welcher sich zudem bestens in das im direkten Vergleich deutlich progressiver ausgelegte Trackgebahren einfügt. Auch die saubere Monotonie der Flächenstücke begreift in einem alsbald auf den Plan gerufenen Kurzbreak ihre Erweiterung um einige etwas hoffnungsvoller stimmende Melodietöne als Bereicherung, infolgedessen die sphärische Entwicklung des Ganzen im weiteren Verlauf nicht mehr nur auf die äußerst düsteren Nebelschwaden reduziert wird. Stattdessen probieren sich die Flächenstücke zusammen mit einigen in Zeitlupe zischenden Effekten im Folgenden sogar langsam, aber stetig anschwellend an einer Intensitätssteigerung, ehe im Anschluss zunächst wieder ein kleiner Rückfall in die Monotonie vom Beginn zu beobachten ist, welcher im nächsten Kurzbreak jedoch vor der Initiierung weiterer alternativer Tonflächenfragmente eindeutig als passend gesetztes Verschnaufintermezzo identifiziert werden kann. Die sphärische Ader des Ganzen dagegen legt einen astreinen Freudensprung aufs Parkett, als sie endlich erkennt, welch unfassbar dichte Qualität die zwischen nebliger Düsternis, melancholischem Schimmern und vereinzelter Lichtblicke changierenden Flächenstücke besitzen. So gerät das letzte Drittel zu einer wahren Odyssee durch kalte Winternächte, bevor das Stück sich schließlich ganz allmählich wieder bis auf sein Skelett zurückbaut und verdiente 4,75/6 abstaubt. :D

    Bei der Beurteilung der Überarbeitungen von Jouissance kann ich mich zum Abschluss meinen Vorgängern vor allen Dingen bezüglich des Eelke Kleijn Remixes vorbehaltlos anschließen, da selbiger es hier einmal mehr verstanden hat, die Essenzen des Originals herauszufiltern und in seiner fulminanten Progressive-House-Schmiede zu einem noch runderen Endergebnis zu verhelfen. Dazu zählen nicht nur die mehr als gelungen zu betrachtenden Alternativmelodielinien subtiler Natur, sondern auch die Begegnung mit einer herrlich nach von drückenden Basslinewand, welche sich elektroid windend unter die zahlreichen Melodieanbandlungen mischt. Zudem wird den unscheinbaren Toneinwürfen aus dem Original im ersten Drittel in galanter Manier eine Hauptrolle zugestanden, ehe im weiteren Verlauf dezent durch den Fleischwolf gedrehte Vocalsamples und euphorische Synthiebögen dem Ganzen eine ganz neue Ausrichtung verpassen. Wäre der Remix ein Bier, würde ich ihn als süffig beschreiben, summa summarum überaus geschmeidig-trancige Angelegenheit, welche meines Erachtens mit nicht weniger als 5,5/6 belohnt werden sollte. Während die deepen Melodieversatzstücke des Originals bei Eelke Kleijn fast vollständig auf Eis gelegt werden, setzt der Tim Wolff Remix dagegen auf eine vermehrte Rückbesinnung auf diese, wenn auch in deutlich fragmentierterem Format. Hektisch zusammengeschnitten und als nach vorn deutender Basslineverschnitt gedacht lässt sich hierbei jedoch ansonsten leider kaum ein Entwicklungsstrang heraushören, vielmehr konzentriert sich das Ganze auf seine Vorliebe für äußerst technoide Strukturen, welche zwar mit einigen sporadisch eingeworfenen Tonschnipseln sphärisch aufgelockert werden sollen, im Grunde genommen allerdings nicht über den Status eines monotonen Füllers hinauskommen. Vorhandenes Potenzial will ich der Überarbeitung sicherlich nicht abschreiben, doch allein mit der Präsentation dieser Ansätze kann die 4/6er-Grenze nicht wirklich übertreten werden… ;)

    Verfolge die musikalischen Auswüche vom Kollektiv Turmstraße ja ebenfalls bereits seit etlichen Jahren mit stets größtem Hörvergnügen, mit einem solch außerordentlich sphärisch betuchten, geradezu introvertierten Album hätte jedoch auch meine Wenigkeit nicht gerechnet. Sicherlich kamen die vielen überragenden Tracks wie beispielsweise Grillen im Park, Tristesse, Mondscheinprimaten oder Holunderbaum nicht ohne die Einbindung des gewissen träumerischen Elements aus und auch die Tanzfläche zählte nie zu den vorrangigen Beschallungslokationen der beiden Hamburger Produzenten Christian Hilscher und Nico Plagemann, mit der Rebellion der Träumer wagen sich die beiden jedoch noch eine gehörige Portion tiefer in den ambienten Dschungel und geben sich dabei vollends ihrem Hang zum stilvoll melancholisch umschwärmten Schwebezustand hin. Die Stolperfalle der Belanglosigkeit - bei solch downbeat-lastigen Ausflügen auf Albumlänge leider viel zu oft ein leidliches Thema - wird zudem glücklicherweise weiträumig umschifft, da die vielen ausgebufften Melodieversatzstücke und Drummingstrukturen anhand ihrer vielschichtigen Eindrücke nicht nur die sich darauf einlassen Hörerschaft, sondern auch Raum und Zeit widerstandslos für sich beanspruchen. Wer gegenüber gebrochenen Beats, wunderbar organisch geratenen Instrumentierungen, dezent eingesetzten Vocalsamples und einem Gros an atmosphärischem Tiefgang jemals auch nur halbwegs etwas Sympathie aufbringen konnte, sollte diesem Album daher unbedingt eine Chance geben. Auch ich war nach den ersten Hörproben zunächst skeptisch, die "Rebellion der Träumer" entpuppte sich jedoch als Grower vor dem Herrn, als wahrhaft kunstvolles Winteralbum par excellence - schon allein für die Betitelung der Interludes als "Dazwischen" gebühren dem Kollektiv Turmstraße dabei stehende Ovationen... :D

    Auch ich habe in den ersten Januartagen natürlich nicht davor zurückschrecken können, das Jahr 2010 musikalisch Revue passieren zu lassen. Unterteilt in Tracks und Songs ist dabei jeweils ein 52köpfiges Epos einer Liste zusammengekommen, aus welchem ich hier nur die ersten 15 Plätze zitieren werde - wer masochistisch veranlagt auch gern die volle Dröhnung meiner ganz persönlichen Jahrgangsbesten in Angriff nehmen möchte, ist jedoch herzlich dazu eingeladen, unter dieser Adresse die Chose in Gänze zu beurteilen... ;)


    :: Tracks des Jahres ::

    01. Apparat - Sayulita --- !K7 Records
    02. Robert Babicz - Remote Kiss --- Babiczstyle
    03. Luis Junior - BG --- Bedrock Records
    04. Henry Saiz - They Came From The Light --- Natura Sonoris
    05. Max Cooper - Enveloped --- Traum Schallplatten
    06. King Unique - 2000000 Suns --- Bedrock Records
    07. Manuel Sofia - An Endless Forest --- Sudbeat
    08. Ryan Davis - The Wolve [Max Cooper Remix] --- IRM Records
    09. Massive Attack feat. Hope Sandoval - Paradise Circus [Gui Boratto Remix] --- RCRD LBL
    10. Pryda - Emos --- Pryda Recordings
    11. Pantha du Prince - Welt am Draht --- Rough Trade
    12. Moonbeam - Land Of The Lost --- Traum Schallplatten
    13. Scuba - So You Think You're Special --- Hotflush Recordings
    14. Basti Grub & Komaton - Sick --- Cocoon Recordings
    15. Charlie May & Barry Jamieson - Homecoming [Sasha & Dimitri Nakov Remix] --- Mayhem


    :: Songs des Jahres ::

    01. Caribou - Odessa
    02. The National - Terrible Love
    03. LCD Soundsystem - Home
    04. The Unwinding Hours - Knut
    05. Crystal Castles feat. Robert Smith - Not In Love
    06. The Drums - Let's Go Surfing
    07. Arcade Fire - Ready To Start
    08. O.Children - Ruins
    09. The Hundred In The Hands - Commotion
    10. Trentemøller - Sycamore Feeling
    11. Interpol - Lights
    12. Fritz Kalkbrenner - Facing The Sun
    13. Vampire Weekend - Giving Up The Gun
    14. Beach House - Zebra
    15. Villagers - Becoming A Jackal

    :huebbel:

    N’Abend zusammen!

    Nach knapp 5 Wochen Winterwetter par excellence inklusive fast durchgängig geschlossener Schneedecke, weißer Weihnacht, inflationärem Gebrauch des Wortes „Chaos“ im Zusammenhang mit dem Wetter in den Medien sowie Reaktivierung des Kältewellen-Thread in der hiesigen Palaverecke steht ab morgen nun (imho leider) durchgreifendes Tauwetter auf der Tagesordnung. Ich wäre jedoch nicht der ausschweifendste Rezensent dieses Forums, wenn ich nicht auch zu diesem Anlass eine passende Platte parat hätte, zu der ich im Folgenden einige mehr oder minder weise Worte verlieren möchte. Schließlich ist mir erst kürzlich die hervorragende Time For A Change EP in die Gehörgänge geraten, mit welcher der von mir sehr geschätzte israelische Produzent Guy Gerber Ende Dezember standesgemäß die mittlerweile 25. (in Worten: fünfundzwanzigste) Veröffentlichung auf seinem Label Supplement Facts gefeiert hat. Frei nach der Devise „Klotzen, nicht kleckern!“ hat sich der Mittelmeeranrainer jedoch keineswegs in Solomanier an die Produktion dieses 3-Trackers gewagt, sondern in großzügiger Manier gleich eine ganze Armada guter Labelfreunde (Guti, Ryan Crosson, dOP, Greg Paulus und Varoslav), welche sich hinter den unscheinbaren „Various Artists“ verstecken, ebenfalls daran mitarbeiten lassen. Herausgekommen ist dabei ein vielseitiger Genre-Zwitter im Dreiländereck zwischen progressiven, techhousigen und trancigen Territorien, welcher sicherlich nicht nur der forumsbekannten Tellerrandmafia gefallen dürfte… ;)

    Aber beginnen wir doch lieber mit einer detaillierten Einschätzung des titelgebenden Stücks Time For A Change, an welchem sowohl Guy Gerber selbst als auch Guti, Ryan Crosson und Greg Paulus Hand anlegen durften. Ob die epische Länge von etwas mehr als 12 Minuten dabei der Anzahl der Produzenten geschuldet ist, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben, wesentlich greifbarer ist da schon die wunderbar entspannte Ader, mit welcher der Track von Beginn an das Nervenkostüm seines Hörers auf eine Schwebefahrt durch arpeggiert wabernde Tonkaskaden, zurückgelehnt aushallende Klavierfetzen und echoverliebte Effekteinwürfe schickt. Im Untergrund gewohnt techhousig-trocken arrangiert dürfen nach kurzer Einwirkzeit der beschriebenen Elemente auch einige betont sphärisch fragmentierte Vocalstücke mehr und mehr aus dem Hintergrund heraustreten und alsbald in Kooperation mit einer wunderbar lässig-groovend gestalteten Bassline die alles andere als verkrampfte Ausstrahlung des Ganzen verdichten. Weitere minimalistische Effekte unterstützen die eingeschlagene Richtung dabei in subtiler Manier zusehends, ehe im weiteren Verlauf die Elementdichte langsam aber stetig wieder reduziert wird und den fahrigen Vocalschwaden einige Solomomente auf dem trockenen Drumming gönnt. Überraschenderweise treten in dieser Phase nun zunehmend loungige Tompetenversatzstücke in das Geschehen ein und verleihen dem Track dabei nicht nur eine angenehm jazzige Komponente, sondern versetzen mit einer immer wieder an- und abschwellenden Tonfläche aus ihrem Handgepäck auch der sphärischen Dichte einen weiteren Schub nach vorn. Dass die Trompeten ebenso variationsreiche Fragmente ins Rennen schicken wie die Vocalsamples, kann dann im Folgenden bestens beobachtet werden, wenn sich daraus ein interessantes Privatduell entwickelt, welches auch in einem kurzen Break zunächst nicht entschärft werden kann; nimmt im Anschluss allerdings die nun wesentlich druckvoller nach vorn schauende Bassline das Zepter wieder in die Hand, bleiben nur noch äußerst zusammengeschrumpfte Andeutungen von dieser Entwicklung zurück. Davon profitiert wiederum kurzzeitig die sirrende Tonfläche, welche sich zwischen die nunmehr sporadischen Vocal- und Trompetenfragmente wirft und schlussendlich die finalen Meter des Stücks einläutet. Diese hätte man für meinen Geschmack zwar etwas straffen oder alternativ mit den Melodieelementen vom Beginn ausschmücken können, verdiente 5/6 sind zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in Stein gemeißelt. :p

    The Fire Within aus der Feder von Guy Geber, dOP und Varoslav versucht sich dann zwar ebenso an der magischen 10-Minuten-Grenze, überschreitet diese jedoch nur marginal - genug Zeit also zur Entfaltung einer herrlich einlullenden, repetitiven Struktur inklusive der gewissen progressiven Ader, dürretrockenen Beats und dezentem Melodietreiben. Wähnte sich der Vorgänger in einer recht positiv gestimmten Atmosphäre, überwiegt hier dagegen eine undurchschaubar neblige Charakterstärke, welche zu Beginn allerdings noch vom techhousig trabenden Drumming mit seinem leicht hektisch schlitternden Basslinefragment dominant zurückgehalten wird. Nichtsdestotrotz tauchen im Hintergrund alsbald die ersten Anzeichen einer gefangen gehaltenen Tonfolge auf, welche mit immer mal wieder eingeworfenen Vocal- und Effektspielereien einhergehen und mehr und mehr den Eindruck vermitteln, dass sich die Melodietöne langsam aber sicher aus ihrer Umklammerung befreien können. Das Drumming zeigt sich dabei stets ungerührt und rührt lieber weiter die Werbetrommel für eine knochentrockene Wüstensafari, während das mystisch angehauchte Melodieversatzstück in dezenter Art und Weise den hiesigen Track unterwandert und mit seiner irgendwo zwischen düsteren Kapitulationsgedanken und leichten Hoffnungsschimmern angelegte Atmosphäre den Hörer auf seine Seite zu locken weiß. Die Verdichtung des Stücks setzt sich auch im anstehenden Break fort, in dem sich zunächst einige fein austarierte Tonstücke (am ehesten noch mit Hundebellen bzw. Türquietschen zu assoziieren) an das depressive Melodiefragment heranpirschen, ehe die bekannten Vocalspielereien diesen Part kurzzeitig übernehmen und im Folgenden zudem das Drumming wieder heraufbeschwören. Die Nebenschauplätze im hiesigen Track präsentieren sich ab nun zwar verstärkt effektiert, der beruhigenden Wirkung des Melodiefragments tun dies jedoch keinen Abbruch, zumal sich im weiteren Verlauf auch die Tonstücke aus dem Break sowie weitere alternative Melodieandeutungen immer mal wieder in die Umgebung verirren und die leicht hypnotisch agierende Atmosphäre des Ganzen nicht unerheblich unterstützen. Kurz vorm letzten Drittel gönnt sich das Stück dann mittels einer Reduzierung auf sein Drumming noch eine kleine Verschnaufpause, welche besonders die Melodieelemente bald dazu nutzen, einmal ganz intim mit dem geneigten Hörer zu schwelgen, ehe die anschließende Verdichtung zu einer überzeugend geratenen Schlussoffensive inklusive interessantem Outro fortgesetzt wird. Insgesamt gesehen ein starkes Stück, welches mir hier nicht unter ansprechenden 5,5/6 wegkommt… :yes:

    Bei der digitalen Beigabe namens The Man From Atlantis hält sich die Produzentendichte dann ausnahmsweise einmal in Grenzen, da hier nur Guy Gerber und Guti als Verantwortliche ihren Mann stehen wollen. Herausgekommen ist ausgerechnet dabei der sphärischste Track der gesamten EP, welcher vor allen Dingen durch eine wunderbar verträumt geratene Melodielinie, welche entfernt an Akustikgitarrenklänge erinnert, Herz und Seele der gemeinen Hörerschaft zu erweichen weiß. Zunächst gehört die Aufmerksamkeit jedoch einigen plätschernden Melodiefetzen, welche sich zusammen mit nachhallenden Effekteinwürfen sowie einer alsbald initiierten Stakkatobassline mit dem gewissen subtilen Druck nach vorn einen Raum teilen, während im Hintergrund nun mehr und mehr die ersten Andeutungen der bereits hoch gelobten Hauptmelodie auszumachen sind. Ehe sich letztere dann endgültig durchsetzt, vergehen jedoch noch zahlreiche Momente des schleichenden Herannahens, bei denen zunehmend auch verspielte Alternativtöne in unterschiedlicher Intensität auf die Melodielinie einwirken. Nur unterbrochen von einigen Kurzbreaks darf sich die sphärische Hängematte dabei - mal mehr, mal weniger intensiv - an vorderster Front etablieren, wobei sich das dominierende Melodiefragment stets eine gewisse Portion seines zurückhaltenden Charmes behält, auch wenn - wie im mittigen Break zu genießen - sie sich mit charakteristisch gestreichelten Gitarrensaiten leicht aufreizend zu intensivieren mag. Kontrastreich überirdisch inszenierte Tonsprengsel sorgen im Anschluss in Kooperation mit dem mittlerweile noch etwas basslinegrooviger gestalteten Drumming allerdings sogleich wieder für eine außerordentlich traumhafte Sinnesentspannung, welche aufgrund ihrer Vielseitigkeit (erhaben klimpernd, loopartig verzerrt oder zart verwischt) zudem die sich bis zum Schlusspunkt nur noch im Hintergrund tummelnde Hauptmelodie fast vergessen macht. Alles in allem ein Track wie eine glitzernde Schneelandschaft im Licht der Abendsonne, ergo mit nicht weniger als überzeugenden 5,75/6 zu entlohnen. ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    N’Abend zusammen!

    Das hoffentlich erfolgreich gestaltete Hinüberrutschen ins neue Jahr darf bereits als Schnee von gestern betrachtet werden, letzterer schmilzt ebenfalls jeden Tag immer mehr zusammen, da wird es für meinen Geschmack doch höchste Zeit, einige darunter kurzzeitig festgefrorene Rezensionsleidenschaften wiederzubeleben und in die erste zeilensprengende Ausgabe anno 2011 zu investieren. Als Hauptdarsteller auserkoren habe ich dabei den kroatischen Produzenten Petar Dundov, welcher zwar schon seit Mitte der Neunziger Jahre aktiv elektronische Musik lebt, auf meinem Radar jedoch erst in den vergangenen Jahren mehr und mehr aufgetaucht ist. Vor allen Dingen für die oftmals wunderbar sphärisch geratene Koexistenz von hypnotischen Melodieanleihen und in Detroit ansässigen Drummingstrukturen werden die Tracks des aus Zagreb stammenden Dundov geschätzt, wobei auch Sympathisanten progressiver Trackaufbauqualitäten sicherlich stets auf ihre Kosten kommen dürften. Mit seinem im November erschienenen Distant Shores, welches ebenso wie seine zahlreichen Vorgänger das belgische Label Music Man Records seine Heimat nennt, hat der Gute sich auf jeden Fall mal wieder in äußerst überzeugender Manier all seiner beschriebenen Begabungen erinnert und ein Stück aus der Taufe gehoben, welches die (leider viel zu selten gewordene) Fähigkeit besitzt, den gemeinen Hörer sprichwörtlich mit auf eine Reise zu nehmen. Keine schlechte Voraussetzungen für die Vorstellung in einem Tranceforum, oder!? ;)

    Wer sich trotz der mehr als 12 Minuten Spielzeit nicht ohne die gewisse Portion Geduld an Distant Shores heranwagt, darf sich nicht wundern, dass allein der in einem Intro angesiedelten Einführung einer stakkatiert nach vorn tänzelnden Bassline bereits viel Zeit zugestanden wird. Ausgestattet mit dezenten Subbässen sowie einer leicht wabernden Instrumentierung wird hierbei jedoch schon in subtiler Herangehensweise in Richtung der späteren Hypnosequalitäten dieses Stücks gedeutet, wobei dem geübten Hörer zudem die ersten zaghaften Melodiefäden im Hintergrund des Ganzen nicht entgehen dürften, welche nach der Hinzunahme einer druckvollen Kickdrum langsam aber stetig aus ihrer gewohnten Umgebung heraustreten und zusammen mit effektierten Melodieflächenstücken ein erstes sphärisches Ausrufezeichen mittels einer dezent betriebenen Anschwellaktion setzen. Parallel dazu macht sich im Untergrund eine Verfinsterung bemerkbar, welche mit einer weiteren Druckverstärkung der Basstöne einhergeht und im weiteren Verlauf zunehmend zu einem optimalen Nährboden für mäandernde Melodieanleihen avanciert, sodass die sphärische Intensität nun fast zu einem Selbstläufer gerät, der in progressiver Manier vielfältige Entwicklungen parat hält. Dazu zählt beispielsweise auch ein Höhenflug der Flächenstücke, welche in einem Anflug von beständigem Aufwind der restlichen Melodieelemente in nicht für möglich gehaltene Höhen wirbeln, verschiedene Instrumentierungen durchlaufen und die mystische Ader des Ganzen erstmals unter Volldampf in die Gehörgänge teleportieren, ehe im Anschluss wieder eine deutliche Dichtereduzierung initiiert wird, durch die wiederum eine bisher zu Unrecht ein Schattendasein führende Tonfolge in progressiver Art und Weise nach vorn getragen wird. Zusammen mit dem mürrisch dreinblickenden Untergrund entfaltet der Track dabei seine ganz eigene Atmosphäre, welche irgendwo zwischen gänsehautfördernder Düsternis und leicht nebelverhangenen Hoffnungsschimmern anzusiedeln ist und sich somit bestens dazu eignet, dass man der Entführung seiner Sinne bereitwillig zustimmt. Hat sich die beschriebene Melodiefolge im Folgenden als Zugpferd der sphärischen Entwicklung etabliert, so steigt auch stetig der Mut zu alternativen oder verspielten Ausschweifungen, wobei sowohl das Drumming mit vermehrt auftretenden Paukenschlägen als auch die Melodieebene mit Synthieflächen-Unterstützung die sphärische Intensität des Ganzen immer weiter forcieren. Bemerkenswert präsentiert sich das Stück desweiteren nicht nur in dieser Phase dadurch, dass das Gefühl der Hörerschaft, dass jetzt aber endgültig der Höhepunkt erreicht sein dürfte, ständig positiv widerlegt wird und trotz einiger immer mal wieder eingebauter Entspannungsmomente im Anschluss stets die Melodieebene weitere spannende Finten ausheckt. So vergehen dann insgesamt auch die zwölfeinhalb Minuten Laufzeit, in dessen letztem Viertel die vielschichtigen Melodiefolgen noch die Husarenritt-Variante eines Rückbaus zelebrieren, wie im Flug. Minimalistische Tontupfer in einem kurzen Outro bestätigen mir schließlich, dass hier keine andere Bewertung als die vollen 6/6 verantwortlich wäre… :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Auch wenn die elitären Zehn im letzten Zwölftel des Jahres traditionell im Schatten der Jahrgangsbestenlisten stehen, sollen sie doch keinesfalls unerwähnt bleiben - einen guten Rutsch wünschen somit folgende Tracks:

    +01- Len Faki - Kraft und Licht --- Ostgut Ton
    -02+ Ryan Davis - Raindeers --- Natura Sonoris
    +03- Roman Flügel - How To Spread Lies --- Dial Records
    -04+ Extrawelt - My Stupid --- Break New Soil
    +05- Francesco Pico - The Confusion Grows [Arjuna Schiks Remix] --- Manual Music
    -06+ Booka Shade - Regenerate [Pysh Remix] --- Get Physical Music
    +07- Robert Babicz - Pink Trees --- Bedrock Records
    -08+ Julian Jeweil - Polaroid [Sébastien Léger Remix] --- Mistakes Music
    +09- Tensnake - Coma Cat --- Permanent Vacation
    -10+ Pryda - Glimma --- Pryda Recordings

    :huebbel:

    Ein Punkt, an dem der Andru und meine sture Wenigkeit schon seit Jahren auf keinen gemeinsamen Nenner kommen: Er plädiert leidenschaftlich für "der", ich dagegen für "das" Break (in fast jeder meiner Rezensionen nachzulesen), beides ist legitim - schön, dass wir das auch mal klären konnten... :p

    An den vorherigen Two-Tracker von Micha Mischer auf eurem Label reicht die naturverbundene Waldspaziergang EP zwar für meinen Geschmack nicht heran, nichtsdestotrotz werden der geneigten Hörerschaft auch hier wieder zwei überaus entspannungsfördernde Stücke geboten, welche nicht nur in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr als akustische Tagträume zu empfehlen sind. :yes:

    Einer Eule im Wald die Hauptrolle in einem deephousig beeinflussten Track voller sphärisch unaufgeregter Schwärmereien zuzuordnen hätte ich zwar bisher nur Naturbursche Dominik Eulberg zugetraut, doch Herr Mischer belehrt uns nun eines Besseren, indem er die charakteristischen Laute des titelgebenden Kauzes sanft in die hiesigen, dezent wabernden Flächenstücke einbettet. Dennoch legt die beruhigende Melodieebene ihr Hauptaugenmerk zunächst auf die Entfaltung subtiler Ton- und Effektspielereien, welche von synthetischen Gitarrenlauten über xylophonartiges Tröpfeln bis hin zu immer wieder eingeworfenen Melodieanleihen reichen und die bekannten schwebenden Flächen bestens zu ergänzen wissen. Hinter jeder Ecke lauert hierbei eine neue Zusammensetzung der vielfältigen Elementeschar, sodass trotz des überaus entspannt gehaltenen Charakters der sphärischen Komponente weder aufkommende Langeweile zu erspähen ist noch progressive Werte vernachlässigt werden, vielmehr stellt sich das Ganze im weiteren Verlauf nun zunehmend grooviger auf, da die bisher etwas unterschätzte Stakkatobassline mehr und mehr zum tänzelnden Polster der Melodieebene avanciert und in Kooperation mit einigen subtilen Klickereffekten ihren Weg unbeirrt durch den Untergrund des Stücks bohrt. Im Mittelteil reduziert sich die Anzahl der Melodiefragmente dann etwas, ehe auch das Drumming dieser Entwicklung folgt und alsbald mit dem ersten (und alles andere als letzten) Ruf einer Waldeule schließlich das Break eingeläutet wird, in welchem vor allen Dingen die wellenartig durch den Raum gleitenden Flächenstücke prägend auftreten. Zusammen mit einigen äußerst dezent gehaltenen Tonfragmenten verliert sich der Track dabei zwar kurzzeitig in seiner sphärischen Tiefenentspannung, Tröpfeltonunterstützung sowie der Wiederaufbau des Drummings wirken dem jedoch im Folgenden entgegen und ebnen dem Ganzen schließlich den Weg in die letzte groovende Phase, in der für einige Momente alle Elemente (fast schon zu) harmonisch im Einklang aufspielen. Gesunde 4,75/6 sind zu diesem Zeitpunk allerdings schon längst in trockenen Tüchern untergebracht... ;)

    Der zur jetzigen Jahreszeit eher rar zu beobachtende Marienkäfer geht es im Vergleich zu seinem Waldmitbewohner etwas forscher an, entfernt sich damit von der deephousigen Zurückgelehntheit des Vorgängers und umgibt sich viel lieber mit techhousigen Anleihen, welche nicht nur in seiner deutlich repetitiverem Machart, sondern auch im deutlich druckvoller agierenden Drumming zu erkennen sind. Zu Beginn noch recht minimalistisch ausgestattet finden sich nach einigen Augenblicken der Einwirkzeit die ersten Fragmente einer grooveaffinen Bassline im Untergrund des Ganzen wider, welche sich mit zunehmender Ausstaffierung des Hintergrunds mit Flächenandeutungen komplettierter präsentiert und alsbald als wunderbar schwofender Taktgeber des Stücks nicht mehr wegzudenken ist. Dadurch fühlen sich im weiteren Verlauf wiederum die dezenten Melodieflächen im Untergrund dazu aufgefordert, die Deutlichkeit ihrer Präsenz langsam aber sicher zu erhöhen, sodass in Kooperation mit einem wabernden Alternativton mit der gewissen Tribal-Nähe die gelungene sphärische Verdichtung des Tracks schließlich nicht mehr aufzuhalten ist. Geschielt wird dabei vor allen Dingen in Richtung hypnotisierend-monotoner Gefilde, welche von den mittlerweile recht housig inspirierten (Piano-)Flächenstücken jedoch meines Erachtens nicht zwingend genug umgesetzt werden. So werden letztere im anstehenden Break dann auch in dezenter Manier wieder in den Hintergrund gedrängt, während die Bassline dieses - ohne mit der Wimper zu zucken - durchgroovt, im Anschluss zusammen mit dem restlichen Untergrund erneut unmissverständlich zum Hauptdarsteller des hiesigen Stücks mutiert und die Flächenanleihen erst einmal in den Niederungen des Drummings ihr Tagwerk vollbringen. Da Micha Mischer jedoch kein Unmensch ist, dürfen sich kurz vor Toreschluss auch die Pianoflächen noch ein letztes Mal aus ihrem Nischendasein herausbewegen und mitsamt der Tribaltöne einen gelungenen sphärischen Schlussakkord setzen, welcher die finale Vergabe verdienter 5/6 manifestiert. :D

    Zitat

    Original von reisi1990
    Fröhliche Weihnachten! Esset, auf dass eure Mägen platzen mögen!

    Schon geschehen, dem Forum schöne weiße Weihnachten (ein Hoch auf die nicht in Gang kommende Westwindzirkulation!) und einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen lässt mein derzeitiger Zustand jedoch noch so gerade zu. In den Rezensionsalltag komme ich noch früh genug wieder, also genießt am besten die letzten Tage im sich zu Ende neigenden Jahr, in dem meine Schreibeslust sich traditionell immer ein paar Tage wohlverdienten Urlaub gönnt... ;)

    N'Abend zusammen!

    Mit einem leicht verfrühten Weihnachtsgeschenk beschert uns dieser Tage Eric Prydz, rundet der schwedische Produzent und DJ doch seit letzter Woche seinen ganz persönlichen 2010er-Jahrgang als Pryda offiziell mit einer taufrisch aus dem Studio entflohenen EP ab. Auch wenn in diesem Jahr nun insgesamt stattliche fünf Platten unter seinem bekanntesten Pseudonym auf dem gleichnamigen Label unters gemeine Volk geschickt wurden, dürfen sich die beiden hiesigen neuen Stücke für meinen Geschmack nicht ganz unberechtigt Hoffnung darauf machen, in die elitäre Riege der Höhepunkte dieser Trackschau aufzusteigen. Prydz mag zwar seine charakteristische Mischung aus progressiven, techhousigen und trancigen Versatzstücken mittlerweile in recht etablierte Gefilde geführt haben, weiß seine Stücke jedoch immer noch mit der gewissen Portion packender Melodiebeseeltheit oder tanzbeinanregender Groove-Affinität (im optimalem Fall auch in trauter Zweisamkeit) zu würzen, um sich deutlich aus dem grauen Mittelmaß hervorzuheben. So ist es auf jeden Fall nicht verwunderlich, dass er auch im hiesigen Forum zu einem stetigen Begleiter der Tracksrubrik geworden ist… :yes:

    Die bisweilen unverkennbar trancig inspirierte Ader von Pryda, welche bereits in solch euphorischen Herrlichkeiten wie Melo oder Emos zugegen war, findet nun in Illusions ihre verdiente Fortsetzung, auch wenn das Ganze sich hier weniger bombastisch orientiert präsentiert und stattdessen mehr Kohlen für eine gesunde Druckentwicklung aus dem Feuer holt. So stehen bereits zu Beginn einige monoton stakkatierte Melodieüberbleibsel auf dem Programm, welche in Kooperation mit einer dürretrockenen Kickdrum sowie sporadisch eingeworfenen Vocal- und Effektfetzen in Richtung techhousiger Territorien weisen und alsbald mit einer im Untergrund rumorenden Bassline fusionieren. Dass selbige in ihrer leicht elektroiden Montur jedoch nur ein Kurzbreak im Sinn hat, in welchem die bisherigen Melodietöne zunehmend in den Genuss der Gesellschaft einer bereits in dieser Phase intensiv aufspielenden Melodielinie mitsamt flächiger Begleitung kommt, mag zunächst überraschend wirken, bietet der geneigten Hörerschaft allerdings einen mehr als passablen Vorgeschmack auf die sphärische Ausdruckskraft, welche sich im weiteren Verlauf des Tracks unweigerlich in den Gehörgängen festsetzen wird. Immer wieder leicht anschwellend sowie angereichert mit einigen passenden Alternativsynthietönen lässt sich die Melodieebene auch nach der Rückkehr des Drummings nicht mehr zurückdrängen, sondern probiert sich vielmehr in gelungener Manier an einem groovenden Ritt auf dem rumorenden Basslinefragment, wobei sie sich mehr und mehr dem elektroiden Charakter ihres Taktgebers anpasst und somit im Mittelteil kurzzeitig sogar in einem äußerst druckvoll gehaltenen Stakkato nach vorn zeigt, bevor dezente Flächen aus dem Untergrund heranpirschen und den Track in ein weiteres Kurzbreak zwingen. Eine Solofahrt der monotonen Melodieandeutungen vom Beginn sowie ein Kickdrum-Intermezzo später darf sich die mit dem gewissen Etwas ausgestattete Hauptmelodie dann auch endlich vollends auf die sphärische Komponente des Stücks stürzen und inmitten einer progressiven Verdichtung inklusive flächiger Unterstützung sowie ihres elektroiden Pendants den Höhepunkt des Ganzen heraufbeschwören. Dass dieser auch in Kooperation mit Drumming und obskuren Vocalfetzen zunächst nicht abreißt, versteht sich fast von selbst; erst der subtile Rückbau, der schlussendlich in einem effektorientierten Outro endet, ist in dieser Hinsicht erfolgreicher. Alles in allem eine runde Sache, welcher ich meine 5,25/6 keinesfalls vorenthalten möchte. ;)

    Mit Glimma auf der B-Seite wartet dann ein nicht minder spannend ausgestalteter Track auf regen Zuspruch, welcher sich zunächst einmal das Privileg herausnimmt, in einem ätherischen Intro ein mystisch geratenes Schauspiel voller beschwörender Tribalvocals und winterlich anmutender Flächenstücke zu zelebrieren. Alsbald hinzugeworfene sowie durch den Vocoder gezogene Vocalfragmente komplettieren diesen überaus sphärisch inszenierten Eingang in das Stück, welches mit den ersten noch in Watte gepackten Beats und einer butterweich groovenden Bassline langsam aber stetig nun auch den Weg in Richtung einer ambitionierten Prog/Techhouse-Melange à la Pryda einschlägt. Im Moment der Übernahme durch das Drumming scheint zwar vorerst die letzte Stunde der Melodieebene geschlagen zu haben, da im Anschluss der Fokus unverkennbar auf dem simplen, aber auf den Punkt konzentrierten Untergrund liegt, dennoch bewegt sich das Ganze in der folgende Phase keineswegs unbeteiligt am Hörer vorbei, sondern spielt sich zunehmend in einen leicht hypnotisch anmutenden Rauschzustand, welcher nur von den immer mal wieder eingeworfenen Vocodervocals unterbrochen wird. Zudem macht sich im Hintergrund ganz unmerklich eine alternative Melodielinie zu schaffen, welche sich mit zunehmender Dauer als stakkatierter Bruder der Flächenstücke aus dem Intro entpuppt und diese im weiteren Verlauf im Schlepptau auch gleich mitbringt, ehe ein anstehendes Kurzbreak die Melodieelemente noch etwas deutlicher in den Vordergrund des Stücks rückt. Nicht unerwähnt sollen in diesem Zusammenhang die leicht durchgeknallt agierenden Subbässe in elektroider Ausstattung bleiben, welche innerhalb der sphärischen Geheimniskrämerei das Druckbarometer noch ein wenig ansteigen lassen und schließlich zusammen mit dem restlichen Drummig sogar die beschwörenden Vocals aus dem Intro kurzzeitig auf den Plan werfen. Das nächste Kurzbreak lässt jedoch nicht allzu lang auf sich warten, wobei nach anfänglicher Konzentration auf Vocalschwaden und Flächenstücke sogar noch einmal die stakkatierte Melodielinie im Mittelpunkt steht, welche hierbei urplötzlich nicht mehr für möglich gehaltene Kräfte offenbart, eine mehr als gelungenen Anschwellaktion heraufbeschwört und schließlich in wesentlich druckvollerer Instrumentierung den letzten Höhepunkt vor dem Rückbau inszeniert. Stellvertretend für den Track nimmt dann auch hier wieder ein Outro (mit der gewohnt zurückhaltender arrangierten Tonfolge) imho nicht minder überzeugende 5,25/6 in Empfang. :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Mit dem für die schlicht Fünf betitelte Ostgut-Ton-Labelcompilation produzierten Kraft und Licht ist es Len Faki in der Tat mal wieder gelungen, seine sphärische Ader äußerst eindrucksvoll in einem Track unterzubringen. Zu Beginn liegt das Hauptaugenmerk dabei zwar noch auf der bedachten Entfaltung eines subtil in Breakbeats schlingernden Drummings voller minimalistischer Schnörkel, es dauert jedoch nicht allzu lang, bis sich mit einer heranschleichenden Basslinewand die ersten düsteren Schwaden auf den Weg aus ihrem Schattendasein machen, nun zunehmend zum neblig-wabernden Antriebsmoment des hiesigen Stücks avancieren und auch die restlichen Drummingelemente immer mal wieder in geschmackvolle Effektschlenker lenken. Das erste Vocalsample mit dem Text "Radio Deutsche Welle" stellt im Anschluss dann die Weichen für die weitere sphärische Verdichtung des Ganzen, sodass sich alsbald eine trancig inspirierte Melodiefolge mehr und mehr aus der grummelnden Düsternis herauskristallisieren kann und in unterschiedlicher Intensität als sphärisches Druckmittel zum Tragen kommt, während der Sampleeinsatz im Hintergrund gleichzeitig ebenfalls deutlich zunimmt. Hierbei ist nunmehr nicht nur die erwähnte männliche Stimme mit ihrer Vorliebe für einen bestimmten Radiosender, sondern auch ein weibliches Pendant zu nennen, welches in fragmentierter Form immer mal wieder gern den Tracktitel zitiert, im weiteren Verlauf jedoch zunehmend deutlicher in gelungener Manier zur Mystifizierung der hiesigen Klangkulisse beiträgt. Der Vordergrund gehört allerdings mittlerweile unangefochten der räkelnden Melodiefolge, welche nicht nur mit sporadischen Klangeffekten konfrontiert wird, sondern auch mit der in progressiver Manier stattfindenden Komplettierung des Drumming die nötige Portion Druck, welche in einem anstehenden Break glücklicherweise nicht unter Tisch gekehrt wird, keineswegs ausspart. Der nach vorn züngelnde Charakter der Basslinewand kündigt dabei bereits eine im Anschluss initiierte Solofahrt der charakeristisch düster brummenden Basslinewand an, welche in Kooperation mit dem breakbeat-beeinflussten Untergrund noch einmal alle Register zieht, ehe eine alternative Tonfolge sich langsam aber stetig dazugesellt und im Folgenden auch die bekannten Melodietöne und Vocalsamples im Gepäck hat, um den Track überzeugend abzurunden. Insgesamt gesehen könnten meine 5,5/6 jedenfalls nirgendwo besser angelegt sein als hier... :D

    N’Abend zusammen!

    Kaum zu glauben, dass die umtriebige Produzentenlegende Robert Babicz mit ihrem auf der jüngst veröffentlichten Bedrock 12 Compilation zu findenden Welcome To The 90s eine Spanne von 20 Jahren beendete, in denen der Gute ausschließlich auf Labels außerhalb der britischen Inseln seine Tracks über den Äther schickte. Dies schien dem Kölner mit polnischen Wurzeln wohl selbst eine etwas zu große Lücke zu sein, sodass er mit einer mit zwei taufrischen Stücken garnierten EP nun gleich - selbstverständlich wieder auf Bedrock Records, dem seit vielen Jahren für seine progressive Vielfalt gelobten Kultlabel von John Digweed - nachlegt. Herausgekommen ist dabei ein Machwerk, das sich irgendwo zwischen progressiven, technoiden und trancigen Versatzstücken seine Heimat gesucht hat und sicherlich auch für den Tellerrand des hiesigen Forums eine mehr als ansprechende Bereicherung darstellt. :yes:

    Pink Trees präsentiert sich hierbei als überzeugend gelungener Vertreter des in den letzten Jahren etablierten Babiczstyle, mit welchem nicht nur mehr und mehr progressivere Gefilde erforscht werden, sondern in diesem Jahr auch sein neues Label betitelt wurde. Zu Beginn schnappen dabei charakteristische Bassfetzen in knarzender Bauart nach dem geneigten Hörer, während sich im Untergrund eine herrlich wabernde Bassline aus dem Schatten ihres Mitstreiters hervorschält und alsbald zusammen mit einer saftigen Kickdrum sowie ersten schimmernd akzentuierten Tonfragmenten zunehmend die gewisse Portion Groove heraufbeschwört. In dieser Konstellation beginnt nach kurzer Einwirkzeit der Untergrund zwar erneut bedrohlich zu brodeln, sodass sich aus dieser nebligen Umgebung im weiteren Verlauf zunehmend deutlicher eine simpel gestrickte Tonfolge an die Oberfläche des Tracks wagen kann, welche allerdings gerade aufgrund ihrer Vorliebe für entspannte Loops und der damit einhergehenden Zurückhaltung im Geschehen einen kongenialen Partner für die wunderbar schwofende Waber-Bassline mitsamt ihrer knarzenden Mitgift darstellt. Alternativtöne müssen sich in dieser Phase zwar noch in Geduld üben, da das Ganze zunehmend mehr Freude am Herauskitzeln seines hypnotischen Charakters findet, dennoch darf sich die Melodieebene sowie damit einhergehend die sphärische Komponente des Stücks in subtiler Manier irgendwann auch durch die Entfaltung zurückgelehnter Synthieflächen verstärken. Dass sich letztere schließlich klammheimlich bis an die Spitze der hiesigen Melodiebewegung schlängeln, dürfte dann auch ein Verdienst eines etwas draufgängerischer, weil quietschiger agierenden Synthie-Pendants sein, welches sich in all der progressiven Unbeschwertheit an die Fersen seines Vorbilds gehaftet hat und nun in verschmitzt-verspielter Naivität auf dem groovenden Untergrund seine Haken schlägt. Im letzten Drittel verstärkt sich in Kooperation mit einigen sommerlichen Pianosprenkeln im Hintergrund dieser Eindruck noch, ehe ein Kurzbreak allmählich den Rückbau des Ganzen forciert und schlussendlich die zurückgebliebenen, knarzenden Basslinefetzen meines Erachtens überaus verdiente 5,5/6 in Empfang nehmen dürfen. :D

    Percofonik auf der B-Seite geht es da im direkten Vergleich gleich etwas weniger euphorisch an, bewegt sich stattdessen etwas deutlicher in Richtung kühlerer Techhouse-Landschaften und kreuzt diese zudem mit einigen techig beeinflussten Melodietönen, welche bereits zu Beginn immer mal wieder durch den trommelnd ausgestalteten Untergrund hindurchquäken. Statische Bassline-Anleihen sowie ein rasselnd effektuiertes Kurzbreak unterstützen dabei die monotone Bauart des Stücks, welches sich im weiteren Verlauf von den zunehmend gehäufter sowie deutlicher nach vorn spähenden Tonanleihen jedoch keinesfalls ins Bockshorn jagen lässt, sondern diese vielmehr in einem anstehenden Break behutsam anschwellen lässt, sodass jene in der folgenden Kooperation mit dem Drumming mehr und mehr das Gefühl für sich entwickeln, in die Riege der nicht mehr aus dem Track wegzudenkenden Element aufgestiegen zu sein. Eine nach etwa dreieinhalb Minuten initiierte düster drückende Basslinewand bekommt dieses Prädikat jedoch in weniger als einer halben Sekunde aufgedrückt und erlaubt dem Stück nun, nicht nur eine gute Prise groovender durch seine technoiden Gefilde zu gleiten, sondern auch in sphärischer Hinsicht eine hörbare Schüppe zuzulegen. Zudem entpuppt sich der Untergrund durch die progressive Bauart der agilen Basslinewand, welche ständig in subtiler Art und Weise Intensität und Klangfarbe zu verändern weiß, als wahrer Taktgeber des Ganzen, sodass alsbald die techigen Tonfetzen nur noch eine Nebenrolle im Hintergrund einnehmen und dem geschäftigen Treiben der düsternisumrankten Basstonschlieren fast tatenlos zuschauen. In einem letzten Break winden sich letztere schließlich in einen durchdrogten Rausch, ehe die bekannten Tonanleihen noch einmal dezent anschwellen und im anschließenden Zusammenspiel sogar kurzzeitig einige tröpfelnde Alternativtöne heraufbeschwören, welchen ich im gesamten Track jedoch eine deutlich tragendere Rolle zugeteilt hätte. So pendelt sich das Ganze schließlich nur bei soliden 4,5/6 ein… :hmm:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Zitat

    Original von Trancefreak92
    Klaus Fiehe hat One Trick Pony am Sonntagabend bzw. Montagmorgen gespielt, dass Teil rockt wirklich :huebbel:...Ich war aber schon etwas überrascht, so etwas in Richtung dreckigen Dubstep von Deadmau5 zu hören...

    Schön zu lesen, dass es hier doch mehr Hörer der sonntagabendlichen Kultsendung von Klaus Fiehe bei 1Live gibt als ich dachte, zumal es dort ja immer wieder auch recht experimentell zugeht. Ich für meinen Teil könnte mir kaum einen besseren Wochenendausklang vorstellen, sodass ich letzte Woche ebenso zum ersten Mal in den Genuss der ansprechend dreckig geratenen Dubstep-Ausflüge der leblosen Maus aus Kanada gekommen bin. In seiner musikalischen Entwicklung auf der Stelle zu verharren - wie es bei den Großen der Tranceszene ja zunehmend zum "guten Ton" gehört - kann man Joel Zimmerman auf jeden Fall nicht vorwerfen, einen gesunden Hang zum Polarisieren sowie das regelmäßige Zusammenzimmern abwechslungsreicher Alben dagegen umso mehr. Zwar kann auch meine Wenigkeit nicht jedem Track auf 4x4=12 etwas abgewinnen, da vor allen Dingen mit Sofi Needs A Ladder (mit seinen grauenvoll nach Kesha-Sprechgesang klingenden Vocals), A City In Florida oder Bad Selection zu Beginn doch in etwas zu funktionaler Weise elektroid nach vorn geknüppelt wird, kaum minder energiegeladene, aber um eine gute Prise ausgereifter auftretende Stücke wie das groovende Animal Rights, das düster-monströse Ctulhu Sleeps oder das technoide I Said machen ihre Hausaufgaben in dieser Hinsicht jedoch wesentlich geschmackvoller. Die erbarmungslose Hürde, welche einem Track den Weg in den Kreis meiner Favoriten ebnet, kann ebenfalls teilweise mit Bravor überwunden werden, wobei vor allen Dingen die innovative Proghouse/Dubstep-Großartigkeit von Raise Your Weapon, welche einen unfassbaren Bogen von den frühen deadmau5-Klängen über ein episches Break à la Strobe hin zu einem äußerst bratzigen Dubstepgewitter zieht, zu nennen ist. One Trick Pony als weiterer Vertreter der druckvollen Dubstep/Grime-Schiene sowie der sphärische Schlusstrack Everything Before, welcher dem Stil des über den Jordan gewanderten Nagetiers aus "Faxing-Berlin"-Zeiten am nächsten kommt, sollen dabei jedoch keinesfalls unter den Tisch gekehrt werden. Insgesamt gesehen ein in meinen Ohren interessantes Genre-Potpourri, welches zwar manchmal etwas über die Stränge schlägt, mit Höhepunkten aber glücklicherweise nicht geizt. :yes:

    N‘Abend zusammen!

    Auch wenn sein Name dem unvoreingenommenen Hörer südlichere Gefilde vorgaukeln mag, Francesco Pico stammt in der Tat aus unserem leicht durchgeknallten westlichen Nachbarland mit den gelben Nummernschildern. Mit seiner Vorliebe für proghousige Klänge, welche er mal mehr mal weniger mit melodischen Ausrufezeichen ausstaffiert, ist der Gute auf jeden Fall schon einige Jahre in der Szene aktiv, konnte sich jedoch bisher noch nicht wirklich aus dem Schatten seines langjährigen Mentors Eelke Kleijn herausschleichen. Daran dürfte wohl auch seine aktuelle, im Oktober auf Manual Music erschienene EP namens The Confusion Grows sicherlich nichts geändert haben, bedient er doch im gleichnamigen Titeltrack (hier nachzuhören) erneut recht solide, aber alles andere spektakulär eine Nische irgendwo zwischen techhousiger Zweckmäßigkeit und progressiver Groove-Verliebtheit, welche sich ihre sphärischen Gedanken ausschließlich im Break auszusprechen traut. Gute Ansätze sind dem Ganzen dabei zwar nicht abzustreiten, meine Motivation zur Vorstellung des hiesigen 3-Trackers rührt jedoch vor allen Dingern von der Größe der beiden Remixarbeiten, welche das Original für meinen Geschmack in jeglicher Hinsicht übertreffen und daher im Folgenden im Mittelpunkt einer kleinen Rezension stehen sollen. ;)

    Den Anfang macht dabei der niederländische Landsmann und Nachwuchsproduzent Arjuna Schiks, welchem es in seinem Remix vorzüglich gelingt, die Groove-Affinität des Originals mit dem gewissen Etwas einer subtil-sphärischen Note zu versehen, und so der geneigten Hörerschaft demonstriert, wie beide Seiten – anders als bei Francesco Pico - auch ein gesundes Miteinander führen können. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk der Überarbeitung zunächst ebenfalls auf der progressiven Entfaltung der Trackbasis, welche nicht nur mit einigen dezenten Klickereffekten ausgeschmückt wird, sondern auch eine herrlich monoton tänzelnde Bassline spendiert bekommt. Erste äußerst fragmentiert gehaltene Überbleibsel einer ehemaligen Melodielinie fügen sich alsbald in das Bild ein, halten sich jedoch noch recht sporadisch im Hintergrund des Ganzen auf, der nun deutlicher von der zunehmend wandiger gestalteten Bassline dominiert wird und in einem ersten Kurzbreak zudem seine Flexibilität unter Beweis stellt, indem zu einer angedeuteten Anschwellaktion von Tonfragmenten und Effekthaschereien kurzzeitig der Bassverlauf aus dem Original inklusive elektroider Alternativtöne auf einen Besuch vorbeischaut. Die progressive Ader geht dem Ganzen im Rückgriff auf die etablierten Groove-Vorzüge jedoch keinesfalls verloren, vielmehr taucht im weiteren Verlauf hinter jeder Biegung eine neue Zusammensetzung der Element auf, ehe im Mittelteil die bisherige melodische Beschränkung auf aufblitzende Fragmente endlich abgelegt und stattdessen in hervorragend subtiler Manier eine in winterlicher Melancholie badende Alternativmelodielinie initiiert wird, wobei das Stück dafür zunächst gar kein Break benötigt, sondern schleichend Effekteinsatz und Drumming auf das Wesentliche herunterfährt. So kann die fragile Tonfolge alsbald ihre erfolgreich verdichtende Allianz mit düster schimmernden Klangflächen auf einem spannend auf- und abwogenden Untergrund feiern, ehe schließlich doch noch ein Break den roten Teppich ausrollt. Im Anschluss übernimmt zwar das groovend schäkernde Drumming wieder die Hauptrolle, die Abstinenz der Melodieebene ist jedoch nur von kurzer Zeit und beschert dem Remix im Folgenden eine weitere Intensitätssteigerung, bevor das Ganze sich auf den letzten Metern wieder auf subtile Klangfetzen konzentriert und schließlich mit Bassline-Sololauf und verdienten 5,5/6 im Gepäck in die Nacht entlassen wird. :yes:

    Noch eine gute Prise atmosphärischer präsentiert sich dagegen der Melodic Wave Remix des Ungarn Dániel Méhes, welcher im hiesigen Trackpaket die meisten Melodieelemente um sich schart, jedoch ebensowenig um einen groovenden Untergrund verlegen ist. So steht bereits das kurze Intro ganz im Zeichen der nuancenartig veränderten sowie leicht verlangsamten Bassline aus dem Original, in dessen Schatten in Kooperation mit einer druckvollen Kickdrum schon die ersten wehenden Melodieandeutungen auszumachen sind, welche mit jedem weiteren neuen Anlauf gestärkter die große Bühne betreten, allerdings in guter Regelmäßigkeit wieder in sich zusammenbrechen. Fast gänzlich unbemerkt hat sich währenddessen nun auch das Drumming komplettiert und sich mit einigen unaufgeregten Klickerelementen sowie elektroid inspirierten Tonschleiern umgeben, sodass die zunehmend intensiver agierende heranwehende Melodiesequenz nicht nur beste Voraussetzungen für die sphärische Verdichtung des Remixes vorfindet, sondern diese zusammen mit alternativen Wabermelodiefolgen auch eingehend zu nutzen weiß. Ihren Platz als Herzstück des Ganzen verteidigt diese Melodiesequenz auch in Phasen, in denen eher der experimentelle Charakter der Begleittöne im Vordergrund steht, da sie sich im Anschluss stets umso gestärkter irgendwo zwischen sanfter Melancholie und nebliger Düsternis des hiesigen Remixes annimmt. Dafür reicht es schon, wenn immer mal wieder für einige Momente die Kickdrum ins Jenseits befördert wird, ehe im letzten Drittel des Ganzen noch einmal die volle subtile Schönheit des eigenwilligen Melodiebogens zugegen ist und den gemeinen Hörer durch ihr beständiges Spiel aus Zusammenschrumpfen und heranrollender Verdichtung um den Finger wickelt. Summa summarum eine im Vergleich nicht minder überzeugende Überarbeitung, welche ich mit ihren 5,5/6 allen Progressive-Liebhabern nur wärmstens ans Herz legen kann. :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Zitat

    Original von Blackhole Traveller
    Ans Original kommt aber keine der Damen ran.

    Hätte noch eine Dame zur Auswahl, welche meiner Meinung nach nicht nur das enorm pathosgeschwängerte und zudem auch noch überspielte Original mit ihrer melancholisch-reduzierten Interpretation übertrifft, sondern auch die seichte Sämigkeit von Laura Jansen und Pixie Lott ganz alt aussehen lässt. Ihr Name: Bat For Lashes bzw. Natasha Khan im wahren Leben, ihre Stimme: gottgebenen, hier nachzuhören - und wer auf den Geschmack gekommen ist, da und dort gibt's weiteres Anschauungsmaterial.

    Von Armin will ich lieber erst gar nicht anfangen, da würde ich mich um Kopf und Kragen reden... ;)

    Mit dieser ausgezeichneten EP von Aux N Morris setzt ihr auf jeden Fall wieder ein eindrückliches Ausrufezeichen hinter No Border Recordings, nachdem ich euer Label zuletzt etwas aus den Augen verloren hatte. Dass bald auch ein Album der beiden talentierten Jungs ansteht, für das Easy People den ersten Vorgeschmack darstellt, untermauert meinen positiven Eindruck nur umso mehr. :yes:

    Der Original Mix ist zwar überaus minimalistisch geraten, entfaltet jedoch mit seinem feinsinnigen Zusammenspiel aus düster behafteter Basslinewand, fragilen Melodiefragmenten sowie immer mal wieder eingeworfenen, interessant verzerrten Vocalsamples eine herrlich knisternde Atmosphäre zum Zuhören und Hinfortschweben, welche sich als gelungener Kontrastpunkt zu Tracks versteht, welche munter Schicht um Schicht auftürmen und gerade aufgrund ihrer Überladung bzw. Reizüberflutung für meinen Geschmack in keinster Weise mit Stücken wie dem hiesigen konkurrieren können. Auch dem inflationär gebrauchten "Lahm"-Argument fehlt hier wieder einmal jegliche Grundlage, da Easy People schlichtweg nicht auf die Tanzfläche schielt, sondern sich vollends seiner sphärisch-entspannenden Wirkung verschrieben hat, welche bereits mit der Ankunft der ersten zurückgelehnten Tonfolgenanleihen auf dem auf das Wesentliche reduzierten Untergrund unverkennbar ihre Kreise zieht. Mehr und mehr unterstützt von weiteren Melodieelementen - wärmende Synthieflächenstücke, Rhodes-Pianoklänge sowie einige helle Tonstrahlen - weiß sich das Ganze im weiteren Verlauf nun in angenehm progressiver Manier zu verdichten, ehe ein Break der sphärischen Ader des Stücks schließlich endgültig für einige Momente einen verdienten Freifahrtsschein ausstellt. Schließlich dürfen sich im Anschluss in Kooperation mit dem minimalistischen Untergrund zur Abwechslung auch einmal die verwirrend verzerrten Vocalsamples in den Vordergrund spielen, wobei bereits nach kurzer Zeit auf den hinteren Plätzen des Tracks erneut die ersten bekannten Pianoklänge heranschleichen und damit den Startschuss für eine weitere subtile Verdichtung der Melodieebene für sich beanspruchen. Damit das Ganze sich aber nicht zu sehr in seiner Vorliebe für zurückgelehnte Gefilde verzettelt, brummelt auch in dieser Phase im leicht klickernd geratenen Untergrund unentwegt die Basslinewand nach vorn, bevor im Folgenden leider schon die Zielgerade in Sichtweite gerät, denn nach nur etwa fünfeinhalb Minuten und einem schimmernd arrangierten Outro ist hier der letzte Ton am Horizont entwichen. Die feierliche Verleihung unverschämt gut aussehender 5,25/6 schmälert das jedoch glücklicherweise kaum... ;)

    Von den drei Überarbeitungen ist mir dann vor allen Dingen der Lanny May Remix, welcher das Original eine gute Runde druckvoller, aber nicht minder sphärisch begabt angeht, im Gedächtnis geblieben. Zu Beginn schleift uns der Gute zwar in einem Intro noch eine monotone Bassline um die Ohren, alsbald im Zusammenhang mit einer eklektisch klackernden Kickdrum entlarvt das Ganze jedoch zunehmend deutlicher seinen Hang zum herrlich knochentrockenen Groove, indem auch die Bassline mit ihrem stetigen Auf und Ab nicht mehr wegzudenken ist. Eine subtile Anschwellaktion aller bisher beteiligter Elemente führt das Drumming nun heraus aus seiner akuten Monotonie und hinein in eine nicht für möglich gehaltene vielseitige Tonführung, welche zudem eine unentbehrliche Druckentfaltung unter dem Arsch erster alternativer Synthietöne in wabernd-verspieltem Arrangement darstellt, ehe im weiteren Verlauf in lässiger Manier immer wieder ein anstehendes Break angedeutet, aber erst im x-ten Anlauf auch wirklich in die Tat umgesetzt wird. Jenes hat es jedoch vor allen Dingen in sphärischer Hinsicht in sich, entlädt sich die Melodieebene hierin doch in wunderbar halliger Art und Weise und schickt der geneigten Hörerschaft neben den aus dem Original bekannten Tonstrahlen auch einige mehr als gelungen zu bezeichnende Alternativmelodiefragmente in die Ohrmuscheln, sodass die hiesige Atmosphäre im direkten Vergleich nun noch eine gute Prise wärmender auf den Plan tritt. Diese Wirkung geht auch in Zusammenarbeit mit dem groovenden Untergrund keinesfalls verloren, vielmehr erhält die melodische Ader des Ganzen weitere Unterstützung durch die verspielten Synthietöne vom Beginn, welche es erneut besonders auf den besten Platz auf der schwofenden Bassline abgesehen haben. Der anschließende Rückbau der Melodieebene gönnt letzteren zwar einen kleinen Sololauf, in und im Anschluss an ein letztes Kurzbreak wird jedoch noch einmal eine Zusammenkunft aller Elemente gefeiert. Summa summarum ein überzeugender Remix, der mit seinen nicht minder verdienten 5,25/6 das Original imho am nachdrücklichsten ergänzt. :yes:

    Da Kollege Guitar mit seinen Effektverschnörkelungen im Untergrund, einer leicht veränderten Kickdrum sowie einigen Faderziehern recht subtil unterwegs war, weise ich auch gern darauf hin, dass die großartige Vorlage von den Crystal Castles und Cure-Frontmann Robert Smith (wobei Not In Love genau genommen ebenfalls schon ein Cover eines Songs aus den Achtzigern ist) von hier völlig legal und kostenfrei bezogen werden kann. Das hat sich meine Wenigkeit auf jeden Fall nicht zweimal sagen lassen... ;)

    N’Abend zusammen!

    Solch eine vielversprechende Kombination möchte ich euch nun wahrlich nicht vorenthalten: Ryan Davis alias Sebastian Waack, seines Zeichens eine Hälfte des mittlerweile für meinen Geschmack etwas zu ruhig gebetteten Magdeburger Duos Davis & May, mittlerweile in Berlin residierend und mit einer Vorliebe für ausgefeilt melodieselige elektronische Musik gesegneter Produzent, wurde jüngst das Privileg zuteil, auf Natura Sonoris, dem im Bereich Atmospheric Techno nicht minder begabten Label von Henry Saiz, veröffentlichen zu dürfen. Herausgekommen ist dabei eine äußerst überzeugende EP mit zwei frischen Tracks, welchen zudem zwei Remixarbeiten von Künstlern aus dem Backkatalog des Labels zur Seite stehen, infolgedessen sich das Gesamtpaket den Vorwurf mangelnder Vielseitigkeit sicherlich nicht gefallen lassen dürfte. Wie zumeist bei meinen Rezensionen rückt natürlich wieder einmal der Tellerrand des hiesigen Forums rechtmäßig kurzzeitig in die Mitte des Interesses - im Trüben gekeschert wird hier schließlich schon genug… ;)

    Den Anfang macht dabei das leicht verspulte Asteroids, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, in interessanter Manier um diffus wirkende Melodiebögen zu kreisen und dabei eine ganz eigene Anziehungskraft zu entfalten. Letzte zeigt sich bereits im Intro, in welchem mystisch anmutende Melodiefragmente durch den Raum tingeln und immer wieder bei krächzenden Effekten und verschwommenen Kickdrum-Klickereien Station machen, ehe in das subtil anschwellende Geflecht ein herrlich groovender Basslineverschnitt eindringt und sich zunehmend als elektroid beeinflusste Melodiealternative präsentiert. Auch in Zusammenarbeit mit dem alsbald komplettierten und angenehm nach vorn stapfenden Untergrund lässt sich diese Entwicklung zunächst weiter verfolgen, ehe ein anstehendes Break wieder etwas Fahrt aus der Geschichte herausnimmt und anstatt der elektroid-verpeilten Synthietonfolge lieber einige exotische Tonklänge heraufbeschwört und in ein zunehmend organischer trommelndes Drumming eintauchen lässt. Derweil werfen die Melodiefragmente vom Beginn einige bewusstseinserweiternde Drogen ein, um sich mehr und mehr in eine flächige Instrumentierung hineinzubeten, allein die Nachhaltigkeit dieser Ausformung scheint jedoch alles andere ausgeprägt zu sein, sodass jene im Anschluss zusammen mit der nach vorn stapfenden Bassline erneut stakkatiert auftreten und die Hauptbühne den Synthietönen sowie einer bisher noch nicht in Erscheinung getretenen Melodiefolge aus trancigen Versatzstücken überlassen. Die sphärische Verdichtung hält allerdings nur kurz an, da im Folgenden bereits der Rückbau des Ganzen ansteht, schließlich soll hier schon nach fünfeinhalb Minuten sowie einem Finale voller Tonverwirrungen Schicht im mit gesunden 5/6 aufgefüllten Schacht sein. :D

    Das wortspielverliebte Raindeers zeigt sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger dann etwas geradliniger und besänftigender, sodass der geneigte Hörer im Intro mit recht lässig auftretenden Stakkatotönen konfrontiert wird, welche sich jedoch auch in einigen avantgardistischen Ausflügen sowie unterschiedlichen Stakkatointensitäten gut gefallen. In Kollaboration mit einem für Ryan Davis charakteristischen Drumming scheint das Ganze zwar zunehmend hektischer zu agieren, wobei insbesondere die Melodietöne alles andere als kontrollierte Bahnen beschreiten, eine mit der nötigen Portion Groove ausgestattete Bassline sorgt jedoch alsbald für eine Entspannung der Verhältnisse: Die stakkatierten Töne vom Beginn sind dabei angehalten, sich dezent im Hintergrund im Zaum zu halten, sodass der Weg frei ist für die subtile Entfaltung einer mehr als gelungen zu bezeichnenden Synthiemelodielinie, welche sich nun langsam aber stetig aus ihrem Nebenschauplatz herausschält. Mit der Unterstützung stakkatierter Subbässe weiß der Track im weiteren Verlauf zudem etwas mehr Druck zu entwickeln, ehe ein Kurzbreak schließlich die sphärischen Vorzüge der nun noch etwas ausgefeilter auftretenden Melodielinie in den Vordergrund stellt. Von dieser erweckte, leicht melancholische Gefühle nimmt das Ganze jedoch auch in die anschließend eine gute Prise zwingender wirkende Drummingphase gern mit, welche sich nun vollends ihrer Vorliebe für eine progressive Trackgestaltung hingeben kann. Melodierückbau und zurückhaltend fragmentiertes Kurzbreak bilden im weiteren Verlauf wiederum den Vorlauf für eine alternative Drummingphase, welche ein wesentlich trägeres Rhythmusgefühl birgt und sich etwas zu sehr an die Stakkatotöne vom Beginn anschmiegt. Ein weiteres Kurzbreak fungiert dann schließlich als Bindeglied zu einer letzten Verdichtung der hiesigen Atmosphäre, für welche sich erneut vor allen Dingen die wunderbar verträumte Synthietonfolge verantwortlich zeigt. Abgeschlossen von einem überaus kreativen Rückbau des Drummings kann ich hier insgesamt gesehen auf jeden Fall nicht weniger als überzeugende 5,5/6 verteilen. :yes:

    Kommen wir zum Abschluss noch zu einer kurzen Abhandlung der ebenfalls auf der EP enthaltenen Tracküberarbeitungen, wobei für Asteroids ein Sistema Remix vorgesehen ist, der sich im direkten Vergleich zwar wesentlich minimaler inspiriert zeigt, jedoch dabei keinesfalls die melodische Vielfalt des Originals außer Acht lässt. Vielmehr präsentiert sich selbige hier ein gutes Stück fragmentierter sowie mit ätherischen Vocalsamples angereichert, welche trotz des kühlen Charmes des Unterbaus ihre wärmende Ausstrahlung kontrastreich einbauen können. Neben stakkatierten Tönen sowie allerhand durch den Effektwolf gedrehter Melodiebögen sind es zudem mit laufender Spielzeit vor allen Dingen die leicht exotisch anmutenden Toneinwürfe, welche die sphärische Komponente dieses Remixes präsenter wirken lassen. Alles in allem reicht das Ganze zwar meines Erachtens nur in einigen Momenten an die Qualität des Originals heran, mehr als solide 4,5/6 sind als Grundvergütung jedoch ebenfalls alles andere als von schlechten Eltern. Letztere Einschätzung trifft auch auf den Cora Novoa Remix von Raindeers zu, welchem es gelingt, die Essenzen des Originals in ein angenehm retrobehaftetes Arrangement zu teleportieren, das mit eindringlich inszenierten Alternativflächen nicht nur in sphärischer Hinsicht auf einer Stufe mit diesem rangiert, sondern durch den Einsatz zusätzlich eingespielter Vocals der spanischen Electropop-Formation Self-Delusion auch noch ein gutes Stück tiefer in eine gehaltvolle Düsternis eindringt. Die teilweise an Dave Gahan von Depeche Mode erinnernde Stimme verleiht der synthieverliebten Klangauswahl den letzten Schliff, sodass man dem Ganzen auch den recht simpel gestrickten Unterbau verzeiht, welcher aber immerhin mit einer wunderbar mürrisch-drückend aufspielenden Bassgitarre zu verzücken weiß. Auch einige Synthietöne aus dem Original sind hin und wieder sachte eingebettet zu entdecken und verleiten mich summa summarum zu einem nicht minder verdienten 5,5/6er-Stempel-Aufdrücken. :)


    Greetz,
    :: der hammer ::