Beiträge von hammer

    N’Abend zusammen!

    Wer sich regelmäßig mit dem durch die Bank empfehlenswerten Stuttgarter Label Parquet Recordings beschäftigt, welches mit seinen Veröffentlichungen einen breiten Bereich zwischen atmosphärischen Techno-Stücken, elegant groovendem Techhouse oder düsterem Progressive House abdeckt, dem dürfte sicherlich auch der Name Sivesgaard schon einmal über den Weg gelaufen sein. Allen anderen sei an dieser Stelle nahegelegt, dass sich hinter dem skandinavisch anmutenden Namen der dänische Produzent Jacob Sivesgaard steckt, welcher zwar (noch) keine allzu ausladende Diskographie aufweisen kann, mit dem vor zwei Jahren erschienen Vitek sowie dem im April veröffentlichten Nachfolger Unorthodox jedoch einen für meinen Geschmack mehr als gelungenen Grundstein gelegt hat, um in nicht allzu ferner Zukunft aus seinem Nischendasein bzw. seinem Status als Geheimtipp herausgelöst zu werden. Dafür spricht allein schon sein traumwandlerisch anmutender Umgang mit minimalistischen Melodieextrakten, welcher beim hiesigen Track einmal mehr zu Tage tritt. Vorhang auf!

    Nur wenige Sekundenbruchteile vergehen, dann wird die geneigte Hörerschaft im Original Mix bereits mit interessanten Unterwassereffekten konfrontiert, welche auf dem reduzierten Untergrund zwar in wunderbar dezenter Manier ihre mystischen Runden ziehen, dennoch zunächst noch dominant genug auftreten, um eine im Hintergrund herannahende Basslinewande groovendster Bauart in Schach zu halten. Ist letztere dann nicht mehr vom verdienten Siegeszug innerhalb des Drummings abzuhalten, legen auch die nautischen Melodiespritzer an Intensität und Vielseitigkeit zu, sodass sich mehr und mehr ein kontrastreiches Zusammenspiel zwischen den beiden Ebenen etabliert, bei dem sowohl die nötige Portion Druck als auch eine Dosis des gewissen sphärischen Etwas nicht zu kurz kommen. Die Verdichtung der Melodieebene ist zu diesem Zeitpunkt trotzdem noch einige Stufen von der Ausschöpfung ihres Potenzials entfernt, mit mehreren stakkatierten Synthietonfolgen sowie zunehmender Verschnörkelung der bisherigen Melodiefragmente ist das Ganze im weiteren Verlauf allerdings auf einem guten Wege dorthin. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang zudem der Einsatz unaufgeregter Subbässe sowie immer mal wieder aufbegehrender Knarzandeutungen, welche den Untergrund noch etwas geschmeidiger grooven und die leicht melancholisch zu charakterisierende Atmosphäre zu wahrhaft subtiler Schönheit anwachsen lassen. Die progressive Vielfalt der Melodiestücke scheint mittlerweile zwar nicht mehr abzureißen, in Richtung des letzten Drittels findet dennoch peu à peu eine Verlagerung der Toneffekte in den Hintergrund statt, sodass sich nun die Bassline deutlicher nach vorn spielen und von ihrer Affinität für knarzige Instrumentierungen künden kann. Abgerundet wird der Track schließlich durch auftauchende, flächige Alternativmelodielinien, welche langsam aber sicher ein sphärisches Outro heraufbeschwören und überdurchschnittliche 5,25/6 in Empfang nehmen. :yes:

    Wesentlich housiger geht im Anschluss dann der Oliver Schories Remix zu Werke und lässt zunächst wenig von der minimalistischen Eleganz des Originals übrig. Vielmehr versteht es der Produzent aus Norddeutschland, ein unerhört groovig stampfendes Drumming vom Stapel zu lassen, welches – alsbald mit unaufgeregten Rhodes-Piano-Klängen verziert – mit entspannter Miene seine Kreise zieht und im weiteren Verlauf auch um weitere Ingredienzen eines typischen Housetracks (bis aufs Skelett geschredderte Vocalfetzen, weitere verspielte Pianoeinwürfe sowie ein permanent zwielichtig auftretendes Untergrundsirren) keinen Bogen macht. In dieses schlüssig wirkende Gemisch schleichen sich vor dem anstehenden Break sogar noch einige Melodietöne aus dem Original, bevor in der Drummingunterbrechung zunächst die leicht grummelnd agierende Bassline ihr Innerstes nach außen kehren und anschließend in gelungener Manier majestätisch heranschwebende Streicher, welche in dieser Form auch in einem Track von Solomun auftauchen könnten, unterstützen darf. Trotz der Unnahbarkeit der neu hinzugekommenen Melodieelemente ist die sphärische Komponente in der Lage, in Kooperation mit den bekannten Pianotönen und Vocaleffekten eine gute Schüppe an Intensität hinzuzugewinnen, was sich insbesondere auch zusammen mit dem im Folgenden deutlicher nach vorn ausgerichteten Untergrund inklusive Originalknarz zeigt. Weitere alternative Melodiefragmente sowie ein leicht verzweifelt zerhackstückelter Vocalfetzen entpuppen sich schließlich als letzter Beweis für die Ebenbürtigkeit der hiesigen Überarbeitung mit dem Original, sodass ich summa summarum um nicht weniger als 5,25/6 herumkomme. :D

    Deutlich experimenteller geht es zum Abschluss im Ricardo Tobar Remix zugange, in welchem ebenfalls nicht mehr allzu viele Assoziationen mit dem Original möglich sind und die vorherrschende, überaus verspielte Klangästhetik zudem mit einigen unerwarteten 90er-Drum&Bass-Partien versetzt wird. Davon ist zu Beginn zwar nur wenig zu hören, das Drumming präsentiert sich jedoch bereits hier als interessant klöppelnde Untermalung fragmentierter Klangflächen. Repetitiv und progressiv setzen sich letztere dabei Schicht um Schicht zusammen, ehe nach einem ersten Kurzbreak die aus dem Original bekannte Bassline zitiert wird, hier jedoch immer wieder in spielerischer Manier aus ihrer nach vorn ausgerichteten Fortbewegungsart flüchtet. Die Melodieebene dagegen hat sich mittlerweile zu einem wahren Ton- und Effektdschungel entwickelt, in der allerhand Melodieschlieren durch den Raum geistern und von Zeit zu Zeit sogar einige bekannte Strukturen durchscheinen lassen. Unbeeindruckt zeigt sie sich auch von den sporadischen Verwandlungen des Drummings in ein retrobehaftetes Drum&Bass-Geläuf, sodass sich vielmehr währenddessen noch der Eindruck eines undurchdringbaren Melodiegeflechts, welches von oben betrachtet dennoch in sphärischer Hinsicht Sinn ergibt, verstärkt. Mit seinen aberwitzigen Windungen und Ausflügen steht die Trackdichte dabei zwar ununterbrochen unter Strom, könnte beim „Hörgenuss“ in einem ungeeigneten Moment jedoch auch als recht nervig empfunden werden. Meines Erachtens kommt dieser überladene Remix dadurch insgesamt gesehen nicht an die Qualität seiner beiden Vorgänger heran, muss sich mit seinen gesunden 4,75/6 jedoch keinesfalls verstecken… ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Wie ich jüngst erfahren habe, befinden sich seit der Anfang Mai veröffentlichten Jubiläums-Remix-Compilation zum Elfjährigen von Cocoon Recordings insgesamt drei neue Überarbeitungen dieses Klassikers von Extrawelt im Umlauf, welche für meinen Geschmack zwar nicht durchweg zu überzeugen wissen, dem Original jedoch teilweise überaus spannende neue Facetten abzugewinnen wissen.

    Den größten Beitrag daran leistet meines Erachtens der Petar Dundov Remix, für welchen der kroatische Produzent einmal mehr seine Vorliebe für psychedelisch anmutende Klangwelten herausgekramt hat und nun aus einem nicht versiegenden Fluss voller Melodielinien schöpft, um den "Titelhelden" mit einer überaus trancig zu charakterisierenden Neuorientierung zu konfrontieren. Dass das Ganze durch diese Umwandlung kaum minder druckvoll unterwegs ist, zeigt das Stück bereits im Intro, wenn sich dem geneigten Hörer nebst ersten Tonfetzen eine düster rollende Bassline vorstellt und im Anschluss in Kooperation mit einer saftigen Kickdrum die hiesige Treibjagd für eröffnet erklärt. Ergänzt durch verspielte Subbässe macht sich im Untergrund im Folgenden allerdings auch eine gewisse groovende Komponente bemerkbar, während die Melodieebene mehr und mehr aus der rollenden Bassline entfaltete Anleihen um sicht schart und mit alternativen Flächenstücken in subtiler Art und Weise vermählt. Dass in dieser Entwicklung jedoch auch deutlich offensiver ausgestaltete Melodielinien keineswegs vor verschlossenen Türen stehen müssen, zeigt sich mit der Initiierung einer dunkel schwelgenden Synthieflächen-Tonfolge, welche zudem in ihrer Akkordwahl die Brücke zum Original schlägt und auch in stakkatierter Form im anstehenden Kurzbreak nichts von ihrer einnehmenden Intensität verliert, sondern zusammen mit den restlichen Tonstücken ein dichtes Schauspiel voller mystischer Querverweise durch die Lautsprecher/Kopfhörer schickt. Bläst der rollende Untergrund dann wieder zur Aufbruchsstimmung, können sich die Stakkatotöne allerdings nur noch für einige wenige Momente an der Spitze des Tracks halten, im Hintergrund rauscht schließlich bereits eine Wand mit den bekannten, repetitiven Melodiefragmenten heran, um das Ruder an sich zu reißen. Dass mit diesem fliegenden Wechsel die sphärische Ausdrucksstärke des Remixes nun ihre besten Zeiten hinter sich hat, bestätigt sich dennoch glücklicherweise nicht, bedient sich die Melodieebene doch recht schnell wieder am reichlich gefüllten Flächengabentisch. Nach einem hysterisch-trancigen Höhepunkt wird dabei zum Abschluss auch noch einmal der an das Original angelehnten Synthiestrecke Raum und Zeit zur Entfaltung gegeben, ehe das Ganze sich zwielichtig zurückbaut und schlussendlich mit überzeugenden 5,5/6 seine Meriten einfährt. :yes:

    Eine bekömmliche Dosis druckvoller agiert dann der Patrick Kunkel Remix, wenngleich diese Überarbeitung sich nicht annähernd so kreativitätsüberbordend präsentiert wie sein Vorgänger. Der Ton der Fortbewegungsart, welcher von einer dumpf wummernden Basslinewand angeführt wird, ist dennoch nicht zu verachten, ist die omnipräsente Düsternis des Ganzen doch schon in den ersten Momenten förmlich greifbar. Setzt der Untergrund alsbald zu einer dezenten, aber äußerst wirkungsvollen Anschwellaktion an, dürfte auch dem letzten Optimisten klar werden, dass man hier von positiv gestimmten Gefühlswelten in etwa so weit entfernt ist wie Facebook von transparenter Datennutzung. Umgeben von allerhand effektierten Schwaden tauchen hier und da sogar einige Reminiszenzen an bekannte Originalbauteile des "Titelhelden" auf, verschwinden jedoch zumeist schnell wieder im brodelnden Basswand-Untergrundsumpf, welcher sich auch in einem ersten Kurzbreak nicht wirklich von fehlender Drumming-Unterstützung aus der Ruhe bringen lässt. In der daran anschließenden Phase fehlt es dann für meinen Geschmack zwar etwas an Abwechslung, selbige wird im nächsten Break allerdings wieder mehr als wettgemacht, wenn sich - zunächst nur zaghaft, aber zunehmend bestimmender - flirrende Melodielinien aus dem düsteren Untergrund aufmachen, die sphärische Ader des Ganzen in der folgenden Verdichtung zu integrieren und einen mehr als gelungenen Intensitätshöhepunkt heraufzubeschwören. In Kooperation mit dem Drumming liegt der Fokus zur Beruhigung der erregten Gemüter dann erneut auf der unaufgeregt düster und monoton wabernden Bassline, welche erst langsam die abhanden gekommenen, alternativen Tonschichten wiederentdeckt, dann aber zusammen mit den noch einmal aufbegehrenden Melodieansätzen nicht umherkommt, einen zweiten höhepunktsverdächtigen Abschnitt aufs Parkett zu legen. Summa summarum ergo ein verdächtiger Anwärter für mehr als verdiente 5,25/6, wie ich finde. :D

    Einzig der Dexter Remix fällt im Vergleich mit dem Original und seinen beiden Remix-Vorgängern ab, auch wenn das Stück zu Beginn eigentlich kaum etwas falsch macht, sondern vielmehr interessante Anleihen der markanten "Titelheld"-Melodielinie in spritzig-acidlastiger Instrumentierung auf ein minimalistisch anmutendes Drumming inklusive dunkel schwelender Bassschwaden losschickt, um die hiesige sphärische Komponente und die gemeine Hörerschaft für sich zu gewinnen. Durch allerhand Effektgeräte gezogen schleicht sich dabei zwar schnell eine psychedelisch anmutende Note ein, durch die zunehmende Vernachlässigung der Tonfolge und der Konzentration auf eine eigenartig seelenlose Effektdichte gerät das Ganze jedoch nun immer deutlicher in einen gefährlichen Strudel voller plätschernder Assoziationen, der auch mit Hilfe einer alsbald initiierten, sirrenden Synthietonfläche zunächst nicht erfolgreich bekämpft werden kann. Erst als letztere sich mehr und mehr Gestaltungsfreiraum erarbeitet, steht der erfolgreiche Sprung aus dem Abgrundsog kurz bevor, wird jedoch schlussendlich von einer weiteren Phase voller uninspirierter Effekteinwürfe torpediert, von der sich der Track bis zum Schluss kaum noch erholen imstande ist, auch wenn die markanten Melodietöne noch einmal einen sehnsüchtig erwarteten Kurzauftritt hinlegen. Zudem ohne erkennbaren roten Faden ausgestattet sind insgesamt gesehen somit nicht mehr als 3,5/6 in der Verlosung dabei... :hmm:

    N’Abend zusammen!

    Einem Track schlichtweg den Titel ID zu verpassen trägt verständlicherweise nicht wirklich dazu bei, Wiederauffindbarkeit und Alleinstellungsmerkmale zu fördern – das russische Produzentenduo Alexej Monachow (dem geneigten Progressive-Freund aus dem früheren Umfeld von Markus Schulz bekannt) und Sergej Ljubarskij alias Monaque ist vor zwei Jahren dennoch dieses Wagnis eingegangen und mit dem so getauften Stück zunächst einmal munter an mir vorbeigerauscht. Erst mit einer Anfang Mai auf microCastle veröffentlichten Remix-EP ist mir aufgefallen, welch ein hervorragend eindringlicher Track aus dem Bereich düsterer Progtechno-Gefilde mir hier entgangen ist. Zudem entpuppen sich die zwei mitgelieferten Überarbeitungen der aufstrebenden spanischen Produzenten Luis Junior und Marc Marzenit als ebenbürtige Mitstreiter des Originals, sodass ich euch die hiesige Trackzusammenstellung keinesfalls vorenthalten möchte. MAZ ab!

    Dass der Original Mix in Sachen Druckentfaltung nicht auf den Kopf gefallen ist, beweist dieser bereits von der ersten Sekunde an, wenn im Untergrund ein monoton nach vorn ausgerichtetes Basslinefragment in Begleitung einer surreal schimmernden Fläche sowie zunehmendem Radiorauschen sein mantra-artiges Groovepotenzial unter Beweis stellt und mit einer gelungen subtilen Anschwellaktion im ersten Kurzbreak die Trommelfelle der geneigten Hörerschaft zum Wallen bringt. Letzteres lässt sich auch in Kooperation mit dem peu à peu verdichteten Drumming beobachten, während parallel dazu einige Alternativtöne vom Sog der Basstöne infiltriert werden und eine weitere, klickernd angerichtete Melodielinie mit dem gesunden Hang zum Nachhall die mystische Atmosphäre des Ganzen weiter auszubauen imstande ist. Wenn im Folgenden dann noch mehr und mehr zusätzliche Flächenstücke sowie eine spannend fragmentierte Alternativtonfolge auf den Plan treten und mit ihrer deutlich optimistischer geprägten Stimmungslage die bekannten Melodieelemente konterkarieren, sind der sphärischen Intensitätssteigerung schließlich Tür und Tor geöffnet, sodass man kaum bemerkt, dass der Track sich zwischenzeitlich klammheimlich in ein Quasi-Break gewandet hat. Die markante Bassline lässt sich allerdings glücklicherweise auch in dieser Phase keineswegs abschütteln und untergroovt die Melodieebene gekonnt, ehe im Anschluss der komplette Untergrund zurückkehrt und eine kurze drummingorientierte Phase einleitet. In Form der fragmentiert sprudelnden Melodiestücke lässt sich die sphärische Ader des Ganzen aber nicht lang bitten, gekonnt auf dem druckvollen Drumming zu tänzeln und lotst den Track für meinen Geschmack äußerst souverän zu verdienten 5,5/6. ;)

    Der Luis Junior Remix geht seine Sache im direkten Vergleich dann weitaus deeper an und dehnt das Thema sogleich auf eine Spieldauer von knapp 11 Minuten aus. Leider ist die hiesige Überarbeitung trotz dieses Zeitbonus nicht in der Lage, das Spannungsniveau konstant hochzuhalten, sondern verliert sich meines Erachtens immer wieder in Phasen, in denen sie um sich selbst kreist und zu wenig Bewegungsanzeichen offenbart. Geerdet auf einem knisternden Flächenbeet mit sporadisch im Hintergrund eingestreuten Telefonfreizeichen als Tonflächen ist das zurückhaltende Drumming zunächst damit beschäftigt, die Gunst einer schön unaufgeregt groovenden Bassline zu gewinnen, bevor sich das Ganze nach dieser getanen Arbeit erst einmal offensichtlich auf seinen „Lorbeeren“ ausruht und nur zwischendurch kurz aufschaut, um auch die Originalbasstöne im Dunstkreis des Remixes willkommen zu heißen. Erst mit der Implementierung zaghafter Fragmente der bekannten sprudelnden Melodielinie setzt sich der Track endlich mit der Möglichkeit einer sphärischen Komponente auseinander und beginnt damit, Raum und Zeit mit einer überaus subtilen Mystik zu versehen, die im Vergleich zum Original jedoch deutlich verstörender zu Tage tritt. Im Hintergrund sorgen derweil Besenwischer-Effekte für die Verstärkung der groovenden Note, ehe sich in einem anstehenden Break die Basslinien durch den Fleischwolf drehen lassen und eine brodelnde Masse hinterlassen, auf der die düster schimmernden Toneffekte noch etwas gehaltvoller von ihrer sphärischen Intention künden können. Selbige Entwicklung wiederholt sich dann auch in Zusammenarbeit mit dem restlichen Drumming noch einmal in Superzeitlupe, das anschließende Zurückdrängen der Melodieebene nutzen dann aber stattdessen bedrohliche Effekteinwürfe, die jedoch nicht wirklich imstande sind, das Stück der nun mehr und mehr vorherrschenden Monotoniefalle zu entlocken. Die restlichen vier Minuten hätten dann getrost in einem Viertel dieser Zeit zusammengefasst werden können, passiert doch neben einer subtilen Annäherung der Originalbassline an ihr Groove-Pendant sowie einem betont unwirklich effektiert gehaltenen Outro nicht allzu viel. Summa summarum sollte es trotz der beschriebenen Abzüge aber für mehr als solide 4,75/6 sicherlich reichen. :yes:

    Wesentlich ausgereifter wirkt für mich dagegen der Marc Marzenit Remix, welcher nicht nur die Energie des Originals mit eigenen Mitteln noch einmal leicht steigern kann, sondern auch hinsichtlich sphärischer Dichte in meinen Ohren das vielseitigste Stück der EP darzustellen vermag. Zu Beginn darf zwar zunächst wieder die (in Watte gepackte) Originalbassline in einem Intro bewundert werden, wird der Kickdrum dann Leben eingehaucht, taucht jedoch sogleich eine überaus charakteristische Alternativtonfolge auf, welche in ihren geheimnisvollen Klangfarben nicht lange nach der Aufmerksamkeit der gemeinen Hörerschaft suchen muss. Während der Untergrund nun zunehmend detailverliebter ausstaffiert wird und mit einer überaus finster agierenden Subbasswand ergänzt gleichzeitig anschiebend und grooveaffin agiert, erarbeiten sich die Melodieeinwürfe langsam aber sicher eine Vormachtstellung oberhalb des Drummings, mit welcher sie alsbald das Privileg genießen können, zusätzliche Flächenschichten zur sphärischen Verdichtung des Ganzen zu ordern und von der FDP liefern (neue Lieblingsbeschäftigung dieser Splitterpartei) zu lassen. Angereichert mit allerhand perkussiver Begleitung spielt sich das Ganze dabei in einen eigenartigen, aber vereinnahmenden Rausch, welcher auch im Zusammenhang mit interessanten Akkordwechseln keine Skrupel kennt und Abwechslungsreichtum somit stets groß schreibt. Alternative Instrumentierungen, zusätzliche Arpeggios, Sägezähne und singende Flächenwogen sind da nur noch die Spitze des Eisbergs und lassen die atmosphärische Intensität im weiteren Verlauf langsam aber sicher in Gefilde klettern, für die jeder herkömmliche Tranceproduzent sein Leben aufs Spiel setzen würde. Dass auch das anstehende Break hinsichtlich dieser Entwicklung seine Hausaufgaben gemacht hat und desweiteren zeigt, wie eine gelungene Sägezahn-Anschwellaktion mit der nötigen Portion Erhabenheit aufs Parkett gelegt wird, passt ins Bild – ebenso wie das nicht minder überzeugende letzte Drittel, in dem die vielschichtige Melodieebene auf dem markanten Drumming mit der in Watte gepackten Originalbassline noch einmal alle Register zieht und die 5,75/6 schon von weitem am Horizont erkennt. :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Danke für die Vorstellung der "Hope Recordings"-Jubiläumsveröffentlichtung, summer.sun! Hatte zwar auch in den letzten Tagen vorgehabt, Buenos Aires einen verdienten Thread zu gönnen, war aber auf der Zielgerade meiner Diplomarbeit dann doch zu beschäftigt gewesen. Dennoch lasse ich es mir jetzt natürlich nicht nehmen, eine kleine Rezension der insgesamt vier Mixe nachzureichen, Nick Warrens Qualitätslabel zum Hundertsten (Greise sehen anders aus) zu gratulieren und im gleichen Atemzug die Originalversion der argentinischen Hauptstadt über den grünen Klee zu loben - so viel sei vorweg schon mal verraten... ;)

    Schließlich versprüht der Original Mix von Beginn an ein solch herrlich deepes Atmosphärengemisch, dass selbst ein eingefleischter Proghouse-Sympathisant wie meine Wenigkeit ohne Einwände zugeben muss, dass das hiesige Stück runtergeht wie Öl. Im Zusammenhang mit den Produktionen und Sets eines Nick Warren gehört diese Bemerkung zwar zum Standardrepertoire, sollte aber für meinen Geschmack trotzdem hervorgehoben werden, sieht man an gestandenen und ehemals vorwegdenkenden Künstlern im klassischen Trancegenre doch, dass Alter selbstverständlich keinesfalls vor Torheit schützt (dafür 10 Öcken ins Phrasenschwein). Der sympathische Familienvater aus Bristol würde über solche Entwicklungen sicherlich nur müde hinweglächeln (wenn er sie denn wahrnehmen würde), konzentriert sich der Gute doch viel lieber auf das Zusammenbasteln von atmosphärisch würdevollen sowie groove-injizierten Stücken wie "Buenos Aires", welches bereits in den ersten Sekunden mit der Vermählung fragmentiert brodelnder Flächenstücke und deephousiger Tonfetzen auf einem unaufgeregten Untergrund aufmerkenswerte Hinweise auf die weitere Trackentwicklung streut. Zu letzterer zählt dann im weiteren Verlauf nicht nur die Initiierung einer wunderbar zurückgelehnt schunkelnden Bassline, auch weitere spannende Melodieanleihen in Form von alternativen Flächeneinwürfen oder Synthiewolken sind mit von der Partie und verdrängen die wogende Flächenpartie vom Beginn zusehends. Der dabei entstehende Raum wird jedoch stets intensiv weitergenutzt, sodass hinter den folgenden Takten schon das nächste prägende Melodieelement darauf wartet, seine Fußstapfen in der zunehmend dichter gestalteten Klangwelt eindrücklich zu hinterlassen. Der sommerlich entspannte Charakter dieser Tonfolge hat es mir dabei besonders angetan, wobei auch die harmonische Zusammenarbeit mit dem groovenden Untergrund sowie den immer wieder eingeworfenen Flächenstücken nicht unerwähnt bleiben sollte, spielt sich das Ganze doch dadurch mehr und mehr in einen Schweberausch, welcher erst durch die Hinzunahme leicht zerhackstückelter Vocalschnipsel wieder etwas mehr Bodenhaftigkeit zurückgewinnt. Selbige beschwören schließlich nicht ganz umsonst einige deutlich melancholischer anmutende Melodieflächen herauf und verpassen dem Stück eine gute Portion mehr Tiefe, mit welcher die bisherigen Melodieelemente jedoch keineswegs nachhaltig aus ihren angestammten Positionen vertrieben werden, sondern den Track in trauter Eintracht ab dem kommenden Kurzbreak in atmosphärischer Hinsicht noch einmal deutlich intensivieren lassen. Mystische Hintergrundflächen, Synthiewölkchen und die bekannte Hauptmelodiefolge geben sich sodann auf den letzten Metern ein weiteres Mal die Klinke in die Hand und runden "Buenos Aires" in meinen Ohren mehr als gelungen ab - äußerst vielversprechende 5,75/6 sind da nur die logische Folge... :yes:


    Führe ich mir im Anschluss die insgesamt drei Überarbeitungen zu Gemüte, muss ich zwar einerseits zugeben, dass keine einzige wirklich an das Original heranreichen kann, andererseits ist festzuhalten, dass auch hier stets mehr als solide Kost geliefert wird, welche mit Herz, Seele und Verstand ausgestattet sicherlich nicht nur meine Gehörgänge zu schmeicheln imstande ist:

    Unverkennbar einige Gänge heruntergeschaltet wird beispielsweise im Mike Griego Deep Mix, dessen unaufgeregt repetitive Ader sich nicht nur in einer Spieldauer von mehr als zehn Minuten, sondern auch in der gekonnt entschleunigten Verquickung einiger Originalmelodielelemente mit deephousig inspirierten Alternativtonfragmenten, -flächen und -stücken widerspiegelt. Zudem besitzt der Mix das seltene Privileg, trotz nicht wirklich ausgeprägt gehaltenem Abwechslungsreichtum einen überaus großen Bogen um diverse Plätschervorwürfe zu machen und stattdessen in angenehm progressiver Manier immer mal wieder einige unscheinbar wirkende, aber entscheidende sphärische Verdichtungen vorzunehmen. Mir kommt beim Hören das Bild einer über einem Abgrund gespannten, aber überaus einladenden Hängematte in den Kopf - für alle, die es griffiger mögen, verteilte ich auch gerne überdurchschnittliche 5/6 für dieses Machwerk. Ebenfalls in deepen Gefilden nascht dann der Terry Lee Brown Jr. Remix, der sich im Gegensatz zum Original einer konstanten Vocalfragment-Untermalung bedient, welche der mystischen Ausrichtung interessanter Alternativklangfetzen kaum nachsteht. In gelungener Zusammenarbeit mit einer monotonen Stakkatobassline wird auch hier unverkennbar großer Wert auf die Erkundung progressiver Klanggestade gelegt, welche die bekannten Melodieflächen nur in einem Kurzbreak äußerst subtil und kurzweilig zu Wort kommen lassen, ehe die Vorliebe für geheimnisvoll entrückte Stimmungen wieder die Oberhand gewinnt und die Vergabe imho verdienter 5/6 manifestiert.

    Mit einer wesentlich druckvoller gestalteten Überarbeitung weiß der Applescal Remix (Hörprobe hier) zum Abschluss dann all diejenigen, die in den bisher vorherrschenden, deepen Weiten elektronischer Musik kurz davor waren, sich zu verirren, in überzeugender Manier auf den richtigen Pfad zurückzuführen. Denn auch wenn zunächst mit einigen bekannten Elementen angebandelt wird, die im Vergleich zum Original etwas verschrobener fragmentierten Vocalschnipsel geben schließlich den Startschuss für die Entfaltung eines aus den Versatzstücken der Originalflächenstücke zusammengeschraubten Loop-Basslineverschnitts, auf welchem die Vocals sich in immer neuen Zerhackstückelungsposen sichtlich wohlzufühlen scheinen. Ausgenommen von einigen Momenten, in denen eine trockene Alternativbassline an die Stelle des ansonsten dominierenden Untergrundantriebs antritt, hält sich die Abwechslung hier jedoch leider in Grenzen, sodass ich im Endeffekt kritisieren muss, dass Applescal das Potenzial seines Remixes nicht wirklich auszuschöpfen vermag. Gut angefangen, aber nicht konsequent zu Ende gedacht - für mehr als 4,5/6 reicht's somit nicht! :hmm:

    N’Abend zusammen!

    Schon vor wenigen Monaten verdichteten sich die Vorzeichen für ein neues Album von Dominik Eulberg, in der darauffolgenden Phase geriet diese freudige Nachricht bei mir jedoch völlig zu Unrecht in Vergessenheit, sodass ich in diesen Tagen auf einmal vor vollendete, aber euphorisierende Tatsachen gestellt wurde: Nach „Flora & Fauna“ (2004), „Heimische Gefilde“ (2007) und „Bionik“ (2007) ist mit Diorama am vergangenen Freitag das mittlerweile vierte Album des Westerwälder Naturburschen offiziell erschienen. Nachdem das vorherige bei Cocoon veröffentlicht wurde, hat sich Eulberg mit Traum Schallplatten nun wieder für das Label entschieden, welches ihm seit jeher zur Seite steht und eine mehr als geeignete Plattform für seine vor überbordender Kreativität nur so strotzende Auffassung von elektronischer Musik darstellt. Stets angereichert mit einer gehaltvollen Portion feinsinniger Melodielinien und -extrakte spinnen die elf neuen Stücke auf „Diorama“ eine zwischen Club und Wald changierende Klangwelt voller zeitlos schöner Momente, welche sich im Gegensatz zum minimalistisch-technoider beeinflussten „Bionik“ auch wieder in wunderbar atmosphärische Electronica/Ambient-Gefilde („Aeronaut“, „Täuschungs-Blume“, „Metamorphose“ oder „Wenn es Perlen regnet“) verirren. Dass es nicht immer so entrückt zugeht, dafür sorgen mitunter wesentlich druckvoller gestaltete Stücke wie der Drum&Bass-Verschnitt „Die 3 Millionen Musketiere“, das herrlich knarzend geratene „H2O“ oder die mystisch-technoide „Echomaus“. Einzelne Tracks herauszuheben ist jedoch bei solch einem überragend gelungenen Album eines Ausnahmekünstlers (Pflichtkauf, anyone!?) gar nicht meine Intention, vielmehr lade ich die gesamte TF-Userschaft herzlichst dazu ein, mal zu vergleichen, wie viel Trance im hiesigen Werk und dem, was diverse Szenegrößen auf der Zielgerade ihres Schaffens dafür halten, steckt. Zum Gesamtkonzept des Albums, das bei einem wie Eulberg natürlich keinesfalls fehlen darf, verweise ich zudem gerne auf folgende Beschreibung, die jenes, wie ich finde, sehr treffend auf den Punkt bringt:

    Zitat

    Für „Diorama" suchte Dominik Eulberg in Kooperation mit dem NABU die elf größten Naturwunder unserer heimischen Gefilde. Denn nicht nur an den exotischen Orten der Erde gibt es fantastische Errungenschaften der Natur: Auch vor unserer eigenen Haustür existieren verblüffende Wunder, deren Existenz jedoch meist verborgen bleibt. Nur bei genauem Hinschauen und dem Bewusstsein ihrer Geheimnisse, erblicken wir eine mirakulöse Welt. Zu dieser verborgenen Welt der Wunder wurde eigens ein grafisches Diorama konzipiert, eine bekannte Welt voller unbekannter Phänomene. Zu jedem Wunder komponierte Eulberg eigens ein Stück, bei dem die Dynamik bzw. die Klänge direkten Bezug auf das Wunder nehmen. Zudem beschreibt er die elf Phänomene, schon fast traditionell, mit lehrreichem Text auf der Innenseite des Covers.


    Quelle


    -> Höreindrücke in voller Länge:

    01. Täuschungs-Blume
    02. Echomaus
    03. Das Neunauge
    04. Teddy Tausendtod
    05. Islandmuschel 400
    06. Die 3 Millionen Musketiere
    07. H2O
    08. Der Tanz der Glühwürmchen
    09. Aeronaut
    10. Wenn es Perlen regnet
    11. Metamorphose

    -> Schnelldurchlauf: hier


    :huebbel:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Kann mich hier meinem Vorgänger nur anschließen - der Gabriel & Dresden Remix zum einen kommt auch für meinen Geschmack nicht wirklich an die Großtaten vergangener Tage heran, stellt allerdings dennoch eine gelungene erste Kostprobe des jüngst unter großem Jubel wiedervereinigten Duos dar. Das Ganze ist dabei konzipiert als druckvoll nach vorn ausgerichtete Melange aus progressiven, trancigen und elektroiden Versatzstücken, welche sich nur ungern dem Diktat der säuselnden Andain-Vocals hingeben und stattdessen kontrastreich-druckvolle Wertarbeit im Untergrund verrichten. Besonders der Wechsel zwischen fragmentierten Basslinewellen während der Strophe und dem breitwandiger inszenierten Pendant während des Refrains sowie der weniger ausdrucksstarken "Ah-Ah-Ah"-Sequenzen (um es mal nicht allzu negativ zu formulieren) unterstreicht die Vielseitigkeit des Drumming, welches im obligatorischen Break sogar kurzzeitig in deutlich triphoppigere Gefilde abdriftet. Der anschließenden Anschwellaktion kann ich ebenfalls nicht widerstehen, auch wenn der Vocalpart im weiteren Verlauf meines Erachtens wieder immens zu wenige Konsonanten bereithält, vom elektroid schiebenden Untergrund sowie unterstützenden Alternativmelodiefetzen jedoch glücklicherweise nicht allzu sehr in den Vordergrund gestellt wird. Abgerundet durch ein weiteres Break festigt sich somit der positive Eindruck dieser überaus soliden Überarbeitung. Myon & Shane 54's Summer Of Love Remix mag man im direkten Vergleich dann zwar das Gros an atmosphärischer Entfaltung zusprechen, da sich die beiden ungarischen Produzenten hier jedoch in völlig bedenkenloser Manier einer Klangwahl und eines Trackaufbaus bedienen, welche in den letzten Jahren so ziemlich jeder Hinz und Kunz bis fast zum Erbrechen durchgenudelt haben, sind deutlichere Abstriche vonnöten. Mal ganz davon abgesehen, dass Myon & Shane 54 dafür bekannt sind, sich immer wieder äußerst rabiat von "angesagten" Tracks und Trends inspirieren lassen - die sommerliche Leichtigkeit, in welche die Vocals hier mittels standardisierter Alternativmelodielinien entführt wurden, lässt auch meine Wenigkeit nicht ganz kalt. Angereichert mit einem knarzigen Basslinefragment, welches sich im Laufe der Zeit zu einer gelungen groovenden Vocaluntermalung mausert, weiß der Track zudem eine gehörige Portion Druck zu entfalten, alles in allem hapert es aber dennoch deutlich am "Eigenanteil" dieser zu vocallastigen Überarbeitung... :yes:

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich irgendwann einmal einen von Markus Schulz zusammengeschusterten Track in einem Bereich auf unserer TF-Skala einordnen würde, aus welchem dieser auch mittels Division oder Multiplikation durch/mit jede/r andere/n reelle/n Zahl nicht mehr herauskommt. Ich ereifere mich hier ja äußerst selten über den Zustand der heutigen Tranceszene, da ich aufgrund vieler anderer musikalischer Präferenzen nur recht spärlich über die aktuellen Entwicklungen dieses einst so von mir geschätzten Genres informiert bin; wenn allerdings jemand, den ich jahrelang als Lichtgestalt im Umfeld von Progressive und Uplifting erlebt und hochgeachtet habe, nun mit einem solchen Unfug wie Sleepwalkers (noch dazu unter seinem integren Projektnamen Dakota) dahergetrottet kommt, habe auch ich das Recht, meine kaum in Worte zu fassende Enttäuschung kundzutun. Die goldene Zeit eines Markus Schulz ist sicherlich längst vorüber, das ist mir nicht erst seit gestern klar, mit der hiesigen Dorfdisco-Sirenen-Hommage bewegt er sich aber nun auf solch einen musikalischen Tiefpunkt zu, dass es mir buchstäblich gleichzeitig aus beiden Ohren blutet, die Schuhe auszieht und die Zehennägel aufrollt. Kreativitätbefreit, nervtötend, anbiedernd und belanglos fungieren die Schlafwandler in der Tat als Abrissbirne - und zwar für den Status, den sich Schulle über Jahre in der Szene erarbeitet hat. Ich will jetzt bei weitem nicht von einem Auszug auf die Qualität des kommenden Albums schließen, ein Totalausfall-Track ist allerdings schon einmal in trockenen Tüchern... :no:

    N’Abend zusammen!

    Wie versprochen möchte ich heute wieder einmal eine frische Platte eines überaus sympathischen, in Produktionshinsicht aber dennoch recht perfektionistisch veranlagten Künstlers aus deutschen Landen rezensionstechnisch durchpflügen. Wenn ich jetzt noch hinzufüge, dass der Gute früher besonders dem Acid-Genre zugetan war, mittlerweile aber bodenständiger, progressiver, sphärisch wertvoller sowie bisweilen technoider Housemusik frönt, sein blondes Haupthaar zudem äußerst charakteristisch gescheitelt trägt und in einem gewissen Millionenkaff südlich von Düsseldorf residiert, sollte die Antwort doch zumindest dem gewieften Freund elektronischer Musik auf der Zunge liegen. Mit der Ende April auf seinem vor wenigen Monaten gegründeten eigenen Label erschienenen Nektar EP ist dem Gesuchten für meinen Geschmack auf jeden erneut eine mehr als gelungene Trackzusammenstellung zu attestieren, zumal sich die vier darauf befindlichen Tracks nicht nur wieder einmal einen feuchten Kehricht um Genrezuweisungen scheren, sondern in geradezu lässiger Manier den Balanceakt zwischen entspannten und clubbigeren Momenten vollziehen. Insgesamt gesehen wird das Rad dabei zwar nicht neu erfunden, aber für alle Tellerrandfetischisten und solche, die es werden wollen, sollte der hiesige Vierer sicherlich ein gefundenes Fressen darstellen. Achja, wir sprechen natürlich schon die ganze Zeit von Robert Babicz und seinem Label Babiczstyle, eh kloar! ;)

    Und ausnahmsweise zeigt sich in der Tat einmal der Titeltrack als das prägendste Stück der EP, schließlich wird dem gemeinen Hörer mit Nektar gehaltvoll groovender Progressive House aus den feinsten Anbaugebieten dieser Erde auf dem Goldtablett serviert. Angereichert mit herrlich monoton nach vorn ausgerichteten Bassline-Stakkati, flirrenden Effekten, „unmissverständlichen“ Vocalschnipseln, trancig beeinflussten Melodieandeutungen sowie einer deephousig anmutenden Flächenunterlage baut sich hierbei zwar mehr und mehr eine sommerlich entspannte Atmosphärenkultur auf, durch die Standhaftigkeit der Basstöne werden in diesem Zusammenhang allerdings glücklicherweise nicht allzu viele Klischees angesteuert, sondern ein grundsolide groovendes sowie kontrastreiches Zusammenspiel der Elemente angepeilt. Zudem möchte ich keinesfalls die sporadisch am Ende von Kurzbreaks (und davon gibt es einige) eingeworfenen, organischen Drumminghöhepunkte unerwähnt lassen, welche zuweilen im Anschluss auch ganz einfach einmal der Bassline einen verdienten Sololauf gönnen. Zu Beginn des letzten Drittels gerät das Ganze dann zwar kurzzeitig in den Sog des Plätscherns, ein daraufhin initiiertes weiteres Break, in dem die trancigen Begleittöne in verzerrte Verzückung geraten, bereitet diesem Anflug jedoch sogleich den Garaus, sodass der Track in Zusammenarbeit mit diesen auf seinen letzten Metern wieder genüsslich grooven und nicht unverdiente 5,25/6 einheimsen kann.

    Seinem Namen alle Ehre macht auch Darkroom , welches sich im direkten Vergleich zum Vorgänger wesentlich düsterer kleidet, dafür jedoch mit dem Makel eines deutlich geschrumpften Abwechslungsreichtums leben muss. Herausragend gelungen ist Robert Babicz hierbei dennoch das wellenartig inszenierte Basslinefragment, welches sich recht schnell mit allerhand zwielichtigen Effektandeutungen anfreundet und auch in Kooperation mit den ersten zaghaften Melodieandeutungen nicht aus seiner stoischen Grundhaltung gedrängt werden kann. So bleibt es von Seiten der Melodiestücke im weiteren Verlauf beim Versuch, den Track aus seiner dunkelheitsaffinen Trance zu „befreien“, denn allzu viele Steigerungsmöglichkeiten werden den Anflüge einer Melodieebene nicht wirklich gestattet. Stattdessen liegt die Konzentration des Stücks auf einem groovend zu charakterisierenden Fortbewegungsdrang, welcher zeitweise von anschwellendem Effektrauschen aus seiner Nische herausgelockt wird, den wohltuenden Basslinefragmentwellen gefällt es jedoch so gut hierin, dass auch die zaghaften Melodiefragmente alsbald das Scheitern ihrer Mission einsehen müssen. Nichtsdestotrotz geht vom hiesigen Track meines Erachtens irgendwie eine schwer zu beschreibende Sogwirkung aus, welche mich schlussendlich auch zu einer Bewertung von immer noch überdurchschnittlichen 4,5/6 hinreißen lassen. :D

    Bei Vibrating Heart wird die geneigte Hörerschaft dann in subtiler Manier an die Acid-Vergangenheit des verantwortlichen Produzenten erinnert, wenn sich in einem mystisch geratenen Intro zwischen fragilen Tonfragmenten und jähzornigen Bass-Donnerschlägen ein hörenswertes Relikt der legendären „Roland TB 303“ einnistet. Alsbald von passend eingesetzten Subbässen begleitet erhöht sich hierbei nicht nur das Druckpotenzial des Untergrunds evident, auch die sphärische Komponente weiß sich mittels einer zunehmend brodelnder agierenden Hintergrundgeräuschkulisse gekonnt zwielichtig in Szene zu setzen, ehe nach knapp zwei Minuten die Kickdrum endlich ein Einsehen mit dem hiesigen Stück hat und mit trancigen Melodiefragmenten im Gepäck deutlicher Richtung Tanzfläche zielt. In abwechslungsreicher Manier verspielt, jedoch stets um die sphärische ausdrucksstarke Klangästhetik bemüht dürfen sich letztere nun auf dem vielschichtigen Untergrund austoben und ein in meinen Ohren gelungenes Konglomerat aus Acid und Progressive House anführen, welches mit der Hinzunahme aufstrebender Synthieflächen im Folgenden noch einmal etwas an der Intensitätsschraube drehen kann. Im letzten Drittel schaltet der Track dann zwar einige Gänge zurück, mit mystischer Flächenuntermalung könnte es jedoch keine bessere Outro-Einleitung geben, sodass ich summa summarum erquickliche 5/6 vergeben möchte.

    Warum Robert Babicz der Reise From Manchester To Newcastle eine musikalische Hommage gönnt, wird wohl nur er selbst wissen, ganz unspektakulär dürfte dieser Trip in Nordengland wohl nicht am Kölner vorbeigegangen sein. Davon zeugt bereits ein herrliches Wobble-Basslinefragment, welches sich anfangs mit einigen techigen Toneinwürfen um den Preis für die minimalistischste Pose des hiesigen Stücks streitet. Angereichert mit schimmernden Hintergrundflächen sowie einem schön in Retromanier gehaltenen Drumming hat die Zeit des eigentlichen Hauptdarstellers dabei noch gar nicht begonnen, denn erst nach der Komplettierung des Untergrunds schält jener sich langsam aber sicher aus den imaginären Federn und überzieht die vorhandenen Trackelemente sporadisch mit einer verträumt geratenen Kaskade stakkatierter Wohlfühlmelodietöne. Dezent eingesetzte Vocal- und Begleitmelodieschnipsel sorgen dabei für die gesunde Dosis sphärischer Wärme in den Phasen zwischen den Einsätzen der Tonkaskade, zudem zeigt sich die bekannte Flächenuntermalung zwischendurch immer mal wieder als rastloser Wanderer zwischen Hinter- und Vordergrund des Ganzen, ehe nach einem angedeuteten Kurzbreak schließlich noch ein weiteres herrlich entspannt geratenes Melodiefragment in den frühlingshaft anmutenden Reigen mit einbezogen wird und die interessante Klangreise willkommen abrundet. Da der hiesige Track zudem mit seinem wabernden Untergrund und den techigen Toneinwürfen zu keinem Zeitpunkt seine Ecken und Kanten höflich nach draußen bittet, sondern simpel und effektiv aus dem Vollen schöpft, komme ich schlussendlich auch nicht um die Vergabe verdienter 5,25/6 herum. :yes:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Schön zu hören, dass Gabriel Ananda mal wieder die Muße gefunden hat, seine melodieorientierte Ader in eine in der Tat ziemlich gelungene neue Platte zu investieren, welche ohne summer.sun möglicherweise völlig zu Unrecht an mir vorbeigeschlichen wäre...

    Besonders angetan hat es mir bei Love Attack die interessante Entwicklung des Ganzen von einer überaus zurückgelehnten, sphärischen Hängematte, bei der die melodischen Schwebepartien ein zurückhaltend agierendes Electronica-Drumming feinsinnig zu übertrumpfen wissen, hin zu einer deutlich druckvolleren Umgebung, welche mittels knarziger sowie acid-inspirierter Einflüsse das Stück in progressiver Manier in angenehm kontrastreichere Gefilde manövriert, ohne dass die hiesige Melodieebene allzu sehr in den Hintergrund gedrängt wird. Dazu kommt die Detailverliebtheit eines Gabriel Ananda, die dem gemeinen Hörer beispielsweise von Beginn an einen subtil klöppelnden Untergrund zur Seite stellt, welcher sich im weiteren Verlauf unscheinbar, aber effektiv zu verdichten weiß, ehe ein anstehendes Break schließlich die ersten Flächenschlieren heraufbeschwört und den Track damit unaufhaltsam mit einer herrlich entrückten, sphärischen Komponente bekannt macht. In diesem Zusammenhang muss zudem darauf aumerksam gemacht werden, dass der Untergrund sich keineswegs über die gesamte Spielzeit als Four-to-the-Floor-Ableger präsentiert, sondern während der weiteren melodietechnischen Anbandlungen in einen leichtfüßig wippenden Breakbeat-Verschnitt wechselt, von welchem sich die Palier stehenden Alternativflächenstücke scheinbar noch stärker angezogen fühlen und alsbald zur Freude aller Technoromantiker mehr und mehr extraterrestrische Gefilde ansteuern. Pünktlich zur Halbzeit des Stücks ist dann die Initialzündung für die im Folgenden anvisierte Druckerweiterung des Drummings zu konstatieren, wenn sich die traumwandlerischen Melodieschönheiten in den Hintergrund zurückziehen und einer knarzig nach vorn ausgerichteten Bassline die große Bühne überlassen. Auch der Abschied von der breakbeat-beeinflussten Phase ist damit vollzogen, während die Bassline sich zunehmend markanter in Richtung Acid bewegt und zusammen mit der wiedererstarkten Melodieebene ein - verglichen mit der ersten Hälfte des hiesigen Stücks - furioses Finale voller progressiver Verstrickungen einläutet. Abgerundet durch einen weiteren sphärisch dominierten Breakbeat-Outro-Abschnitt könnten meine 5,5/6 nirgendwo besser angelegt sein als hier. :D

    Das im Original wesentlich clubbiger arrangierte Open Up kann da meines Erachtens nicht wirklich mithalten, auch wenn das Ganze als gehaltvoll düstere Mischung aus zwielichtigen Bassline-Anflügen und perkussiver Monotonie aus dem undurchschaubaren Universum belangloser Techhouse-Wirren hervorzustechen vermag. Dafür sorgt im weiteren Verlauf nicht nur die Unterstützung des Untergrunds durch einige groove-orientierte Stakkato-Basstöne, auch immer wieder durchscheinende Melodieandeutungen (beginnend im ersten Kurzbreak) sowie allerhand einfließende Weirdo-Tonstücke bewahren den Track in überzeugender Manier vor dem ominösen "Langeweile"-Stempel. Als überraschender und gleichsam seltsamer Höhepunkt dieser Entwicklung fungieren dabei ein äußerst positiv gestimmtes Pianomelodiefragment sowie einige Katzenschnurren-Effekte, welche sich kurzzeitig sorgsam um den Kontrast zum düster bemantelten Untergrund kümmern, ehe ein weiteres Break scheinbar eine verschlüsselte Nachricht aus dem Jenseits empfängt. Dass das sonstige Drumherum den leicht wahnwitzigen Effekteinwürfen betont gelassen entgegentritt, lässt den Hörer zwar leichter in die reizvolle Kontrastwelt des hiesigen Stücks eintauchen, ein wenig verwirrt ob dieser Klangreise Marke 4,5/6 bleibt jener dennoch zurück. Da Gott am achten Tag jedoch den Remix erschuf, erfährt das Original doch noch, welch atmosphärisches Potenzial in ihm schlummert und von Till Krügers "The Unknown Artist Remix" nun in wunderbar deephousig-verträumter Manier zum Leben erweckt wird. Den Ausgangspunkt bilden dabei die bekannten subtilen Flächenandeutungen, welche die stimmungsvolle Ausrichtung der Überarbeitung bereits in einem Intro unter Beweis stellen, bevor eine mit Samthandschuhen angefasste Kickdrum mitsamt eines nicht minder groovenden Bassline-Fragments das Ruder zu fassen bekommen und als erste Amtshandlung die Effektdichte deutlicher fördern, sodass sich schnell ein anschaulich brodelndes Elementgewirr über die Flächenstücke vom Beginn legt. Auch die Pianofragmente aus dem Original dürfen in dieser Umgebung natürlich nicht fehlen, werden von Till Krüger allerdings dermaßen gekonnt erweitert, dass der gemeinen Hörerschaft in rasender Geschwindigkeit das Herz aufgehen dürfte. Versetzt mit der passenden Portion Nachhall und ausgestattet mit einem stilvoll in Szene gesetzten, überaus wärmeausstrahlenden Charakter spielen sich die Klaviertöne dabei geradezu in einen sommerlich-melancholischen Rausch, welcher auch von einem Kurzbreak mit Soloeinlage keinesfalls aus dem Rhythmus gebracht werden kann. Subtile Alternativflächen sowie tribalartige Stimmen als Unterstützung der Melodielinie lassen dieser Entwicklung auch im letzten Drittel kaum Platz für eine sphärische Ruhepause, sodass ich summa summarum die 5,5/6er-Bewertung meiner Vorgänger vorbehaltlos bestätigen kann. :yes:

    Mein(e) Wort(e) zum Sonntag:

    1. Von meiner Seite gibt's keine Glückwünsche zur Meisterschaft mehr, habe meine bereits Ende Februar (nach dem Sieg in München) in Richtung Dortmund verschickt (vgl. mein Beitrag vom 27.2. im hiesigen Thread), auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt keiner annehmen wollte. Viel wichtiger: Noch 4 Punkte aus den letzten beiden Spielen, dann kann mit der Untermauerung des 3. Tabellenplatzes endlich ein Schlussstrich unter diese ungenießbare Saison gezogen werden - auf geht's ihr Roten!

    Zitat

    Original von Aiiwa
    Wie wurde es gesagt: "Endlich ein Meister nach vielen Jahren der es sich wirklich verdient hat!"


    2. Eine Aussage, mit der man sich in äußerst imposanter Geschwindigkeit selbst disqualifiziert. Jede Mannschaft, die am Ende einer Saison ganz oben steht, hat den Meistertitel verdient. Diesmal gilt dies selbstverständlich für die Lüdenscheider, letztes Jahr für die Bayern, davor für die Wolfsburger etc. pp. q.e.d.

    Zitat

    Original von Ikarus
    Dieses ewige Rumgeheule wegen der 5-Jahres-Wertung und "Bayern dafür besser!"ist einfach nicht zum Aushalten. :rolleyes:


    3. Die Wahrheit kann manchmal schwer zu ertragen sein... ;)

    Meine favorisierten Zehn im Aprilsommer Zwanzigelf:

    [01] Petar Dundov - Quinta --- Music Man Records
    ]02[ Guy J - Azimuth --- Bedrock Records
    [03] Max Cooper - Metaphysical EP --- Traum Schallplatten
    ]04[ Aril Brikha - Forever Frost --- Art Of Vengeance
    [05] Moby - Victoria Lucas [Sasha Remix] --- Little Idiot
    ]06[ Solee - Reflect --- Parquet Recordings
    [07] Spooky - Deep Space [Nhar Remix] --- Silence Through Music
    ]08[ Exoplanet - Even Impermanence Is Transient --- Proton Music
    [09] Stephen J. Kroos - Micrsh --- Anjunadeep
    ]10[ CoMa - Playground Altona --- Kompakt

    :huebbel:

    Danke für deine lobenden Worte, summer.sun, zwei solch überragende "Space Techno"-Stücke (trifft's eigentlich ziemlich gut) kann ich dir/euch doch wahrlich nicht vorenthalten. Die "Nektar EP" steht zudem auf meiner Prioritätenliste für die hiesige Tracksrubrik mittlerweile ebenfalls recht weit oben - schaun mer mal, wie bald ich Lust dazu habe, dem Babicz mal wieder eine Rezension zu verpassen oder ob mir da letztendlich vielleicht doch jemand anderes noch zuvorkommt...!? :D

    N’Abend zusammen!

    Dass es im Umfeld des israelischen Produzenten Guy J einige Zeit erstaunlich ruhig zuging, bis der zur Zeit in Antwerpen residierende Sympathisant atmosphärisch gehaltvoller Melodieebenen mit dem gewissen Etwas Ende letzten Jahres eine neue EP sowie vor einigen Wochen eine noch überzeugendere Remix-Kollektion (inklusive des herausragenden Azimuth) unter das gemeine Volk warf, sollte keineswegs als eine ausgedehnte Urlaubsphase voller hochgelegter Beine gedeutet werden. Mit einem sonnengebräunten Teint ist der Gute schließlich von Haus aus bereits versorgt, vielmehr dürfte Herr Judah in der Zwischenzeit deutlich mehr mit Bildschirmlicht in Berührung gekommen sein, denn nach seinem Debütalbum „Esperanza“ aus dem Jahre 2008 gibt es seit dieser Woche nun das überaus gelungene Endprodukt seiner arbeitsintensiven letzten Monate käuflich zu erstehen: 1000 Words, mit insgesamt 3 CDs ein Monstrum von einem zweiten Album, welches natürlich erneut auf John Digweeds qualitätsbewusstem Label Bedrock Records das Licht der Welt erblickt. Wagemutige würden das Ganze ein Konzeptalbum nennen, wühlt Guy J auf dem ersten Silberling doch zunächst in herrlich seelenvoller Manier in spannenden Ambient/Downtempo/Electronica-Territorien (u.a. das herausragende „Lamur“ in einer Synthapella-Version), welche immer mal wieder mit Progressive und Deep House gewürzt werden, ehe das Ganze seine trancig inspirierte Klangreise in einen anständigen Breakbeat-Stück („Fly“) ausufern lässt. Auf der zweiten CD wiederum widmet sich der Gute clubbigeren Gefilden, welche der mit den Soundvorlieben eines Guy J vertrauten Hörerschaft deutlich bekannter vorkommen dürften, reihen sich hier doch auch die gelungenen Stücke der letzten EP („Azimuth“, „Easy As Can Be“ und „Heliscope“) in eine ganze Ladung frischer Tracks irgendwo zwischen Progressive House und Atmospheric Techno ein. Abgerundet wird das Paket schließlich mit einem dritten Silberling, auf dem ausgewählte Stücke der vorigen beiden CDs noch einmal in ungekürzter Länge zusammengefasst werden. Insgesamt gesehen ein Album, das ich mir definitiv nicht entgehen lassen werde, denn die Hörproben in den einschlägig bekannten Downloadläden im Netz sowie der hier zu findende Mix aus Ausschnitten der ersten CD präsentieren sich für meinen Geschmack auf jeden Fall äußerst vielversprechend – empfehlenswert sicherlich auch für eine Vielzahl derer, die sich im dazugehörigen Thread (zu Recht) über den „Anspruch aktueller Tranceproduktionen“ mokieren… ;)


    CD 1 - mixed (58:16)

    01. Intro (3:40)
    02. Moderate (4:46)
    03. You (with Miriam Vaga) (4:12)
    04. Fall Star [Rising Mix] (5:04)
    05. The Right Place (4:48)
    06 .My Organ Friend (2:57)
    07. Spica (4:49)
    08. Electric Tale (4:05)
    09. Lamur (6:38)
    10. I Lost My Head [AM Mix] (4:56)
    11. Stay Cow (5:49)
    12. Fly (with Miriam Vaga) (6:31)


    CD 2 - mixed (1:16:46)

    01. Intro (2:44)
    02. Doves (4:14)
    03. Limbo (5:15)
    04. Easy As Can Be (5:44)
    05. My Thought Of You (5:51)
    06. Sahara (9:59)
    07. Teva (5:50)
    08. No Under But You (with Miriam Vaga) (7:02)
    09. Heliscope (6:54)
    10. Personal Haze (7:45)
    11. Azimuth (7:35)
    12. I Lost My Head [PM Mix] (4:30)
    13. Whirlpool (3:03)


    CD 3 - unmixed (1:19:02)

    01. Doves (5:06)
    02. Limbo (6:22)
    03. Easy As Can Be (7:07)
    04. My Thought Of You (7:28)
    05. Sahara (7:34)
    06. Teva (7:12)
    07. No Under But You (with Miriam Vaga) (8:43)
    08. Heliscope (7:32)
    09. Personal Haze (8:46)
    10. Lost My Mind (5:34)
    11. Azimuth (7:38)


    :huebbel:

    Greetz,
    :: der hammer ::

    N’Abend zusammen!

    Wie der ein oder andere wissen dürfte, breche ich immer wieder gern eine Lanze für Produzenten und Künstler, welche sich mit ihrem Klangspektrum zwar überaus heimisch in den vielgliedrig ausufernden Randgebieten der musikalischen Ausrichtung unseres Forums fühlen, dennoch für meinen Geschmack viel zu wenig Aufmerksamkeit für ihre facettenreiche Arbeit erhalten. Zu dieser unterrepräsentierten Kategorie gehört leider auch der aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb stammende Petar Dundov, welcher schon seit zig Jahren im Zirkus der elektronischen Musik mitturnt und mit seiner hypnotisch veranlagten Mischung aus Progressive House, Detroit Techno und der gelebten Vorliebe für das gewisse atmosphärisch-melodische Etwas stets kleine Epen erschafft. Da der Gute mit seinen Stücken zudem stets Klanglandschaften zu erschaffen weiß, die der eigentlichen Bedeutung des Wortes „Trance“ meines Erachtens recht nahe kommen, möchte ich dem hiesigen Forum natürlich den in dieser Woche auf dem belgischen Label Music Man Records erscheinenden, neuen Two-Tracker, auf dem Dundov sich einmal mehr in Bestform zeigt, keinesfalls vorenthalten. Nur eines sollte der (hoffentlich) unvoreingenommene Hörer aufgrund der recht opulent geratenen Spieldauern dann doch unbedingt mitbringen: Kondition im konzentrierten Zuhören - et voilà! ;)

    Besonders Tenth Plateau, welches entgegen der fast 13 Minuten der Hörprobe laut eines einschlägig bekannten Möchtegern-Downloadmonopols sogar noch zwei länger dauert, tut sich hierbei hervor und schickt den gemeinen Hörer auf eine herrlich psychedelische, teilweise schon fast spirituell anmutende Reise durch mäandernde Melodiebögen, repetitive Basslinefiguren und mehr als gelungene Huldigungen an progressive Trackstrukturen. Den Anfang macht dabei ein subtil verspieltes Tonfolgenfragment, welches zusammen mit einer einsamen Kickdrum durch die Lande zieht und alsbald die ersten Echoschnörkel und Basslinenandeutungen anzuziehen vermag, sodass im weiteren Verlauf nicht nur langsam aber sicher eine interessante, weil überaus undurchsichtig wirkende Melodieebene aus ihrer Frühjahrsmüdigkeit erwacht, sondern auch der Untergrund des Ganzen zunehmend eine konkretere Form annimmt. Angetrieben von einem monotonen sowie leicht acid-inspirierten Rollmechanismus räumt der Track sich hierbei zwar enorm viel Zeit für seinen Aufbau ein, wenn selbiger dann aber erst einmal solch hypnotisierende Gefilde erklommen hat, dass die geneigte Hörerschaft sich ab dem Auftritt subtil hymnisch agierender Hintergrundflächen (dritte Minute der Hörprobe) schon beginnt, sich in der Vielschichtigkeit des Ganzen angenehm zu verlieren, kann man davon ausgehen, dass hier nicht allzu viel falsch angegangen wird. Mit der Emporreichung der leicht epischen Flächen, welche sich in ihrer bedrohlichen Bauart durchdringend in den Gehörgängen festzusetzen imstande ist, nimmt der Track zudem Schritt für Schritt weitere Stufen auf der Skala für sphärische Intensität ein, sodass auch der Reißwolf, durch welche einige Melodieelemente im Folgenden geschickt werden, der eindringlichen Stimmung des Stücks kaum etwas anhaben kann. Ein anstehendes Kurzbreak schickt die bekannten Klangstücke im Anschluss vielmehr auf einen kleinen Soloausflug, welchen diese auch sogleich nachhaltig für sich nutzen können und nach einer dezenten Anschwellaktion erneut mit dem Untergrund und dabei insbesondere mit der schön monoton nach vorn rollenden Acid-Bassline anbandeln. Die Flächenuntermalung tritt in dieser Phase zwar wieder deutlicher in den Hintergrund, dafür dürfen an deren Stelle weitere alternative Melodiefragmente vorspielen und von den bekannten Elementen in ihrer Eignung für die hiesige psychedelische Atmosphäre auf Herz und Nieren getestet werden, ehe sich allmählich eine stakkatierte Tonfolge herauskristallisiert, die restlichen Klangstücke zu Nebendarstellern degradiert und sich in Kooperation mit der immer wieder an- und abschwellenden Bassline schließlich einige spannende Duelle liefert. Abgerundet durch ein letztes Stelldichein der wohlbekannten, spannungsgeladenen Flächen lässt der Track dann auch in seinem letzten Drittel nichts von seinem Abwechslungsreichtum vermissen und die Untermauerung imho verdienter 5,5/6 wie ein Kinderspiel aussehen. :D

    Man mag es kaum für möglich halten, doch Quinta auf der B-Seite der EP ist nicht nur in der Lage, das Niveau des Vorgängers mühelos zu halten, sondern dieses mittels etwas mehr Geradlinigkeit in den Melodiebögen für meinen Geschmack sogar noch leicht zu steigern. Zu Beginn des Zehnminüters bekommt der gemeine Hörer hierbei erst einmal eine gelungene Einführung in die Veranstaltungsreihe „Wie konzipiere ich erfolgreich eine süchtig machende Bassline?“ geboten, wenn sich selbige im Untergrund des Ganzen mit dezenten Wabertönen sowie immer wieder eingeworfenen Subbässen inklusive leicht düster erscheinendem Groove-Potenzial häuslich einrichtet und alsbald ihre Premiere als Gegenpol zur Melodieebene feiert. Letztere hat sich schließlich in der Zwischenzeit galant einen entspannten Arpeggio-Ansatz geangelt, welcher betont optimistisch auf den grummelnden Basstönen tänzelt und noch nichts von der verträumten Epik in sich vereint, welche sich bereits heimlich und leise hinter der nächsten Trackecke versteckt, um diesen mitsamt ihres umwerfenden Charmes (angesammelt in bezaubernden Flächenstücken) für sich zu gewinnen. Unnachahmlich melancholisch angehaucht beginnt dieses Schauspiel zwar äußerst behutsam, die Frequenz der Flächeneinwürfe soll jedoch im weiteren Verlauf des Tracks nicht dieselbe bleiben, wenn der „freie Raum“ zwischen den Melodieschüben alsbald mit kaum minder begabten Alternativflächen beglückt wird und die hiesige Atmosphäre postwendend immer schwebender zu beschreibende Gefilde erreicht. Auch ein anstehendes Quasi-Break lässt sich von dieser Entwicklung zunächst nicht ausnehmen, präsentiert jedoch zur Überraschung der im Folgenden wieder in den äußersten Hintergrund verbannten Flächen einige interessante Alternativmelodiefragmente, namentlich eine unverkennbar himmelwärts strebende Synthietonfolge sowie ein exotisch anmutendes Fragment, welche sich in spannender Manier vermählen und auch in Zusammenarbeit mit dem wunderbar groovend geratenen Drumming ihre sphärische Ader bestens zu platzieren wissen. Die Rechnung haben die neu eingeführten Melodieelemente allerdings glücklicherweise im weiteren Verlauf nicht ohne die alteingesessenen gemacht, denn zunächst der Arpeggio-Ansatz vom Beginn und alsbald endlich wieder die verträumten Flächenschübe setzen sich in der Folge erneut überaus gekonnt atmosphärisch in Szene. Eine Vereinigung aller Melodieelemente im letzten Drittel und der unvermindert herrlich unaufgeregt Wabergroove-Untergrund setzen dem Track dann schlussendlich endgültig die 6/6er-Krone auf. Chapeau, Herr Dundov! :yes:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    N’Abend zusammen!

    Kleiner Gegenpol zum ausufernden Aprilsommer gefällig? Für alle Freunde von atmosphärisch geprägtem Techno Detroiter Schule dürfte Aril Brikha mit seiner in dieser Woche veröffentlichten, neuen Scheibe – dem ersten frischen Material seit seinem großartigen Remix für "The Less You Have To Carry" von Tiger Lou im Jahre 2008, einer gefühlten Ewigkeit also - sicherlich mehr als in Schwarze treffen. Die drei überaus gelungene Stücke umfassende Forever Frost EP wirft schließlich mit melancholisch bis düsteren Melodiebögen nur so um sich und stellt definitiv die Weiterführung der für meinen Geschmack herausragenden „Winter EP“ von 2007 dar, mit welcher der Stockholmer Produzent mit iranischen Wurzeln mir (zusammen mit dem darauffolgend erschienenen Album Ex Machina) zum ersten Mal mit seiner überaus beseelt und behutsam klassisch gehaltenen Interpretation von Detroit Techno imponieren konnte. Entsprechend euphorisch gestalteten sich meine Gesichtszüge, als ich letzte Woche entdeckte, dass der Gute auf seinem Label Art Of Vengeance (benannt nach seiner Debüt-EP) nun endlich ein neues Lebenszeichen unter das gemeine Volk wirft - dafür nehme ich auch gerne eine musikalische Frostpartie im April in Kauf… ;)

    Mit dem Titelstück Forever Frost nimmt Aril Brikha auf jeden Fall sogleich dermaßen Fahrt auf, dass man glauben könnte, er sei nie für einige Zeit aus dem Blickfeld der elektronischen Musikszene verschwunden gewesen, und setzt dem geneigten Hörer fast von Beginn an ein wunderbar groovend geratenes Drumming als Festschmaus vor. Dass selbiger zudem mit einer Extraportion an subtilen Melodiefragmenten und -spielereien serviert wird, sollte jedoch keinesfalls unerwähnt bleiben, ist der Track doch somit schon in der Frühphase seines Schaffens in der Lage, eine herrlich melancholisch anmutende Atmosphärenschicht mit dem druckvollen Untergrund zu vereinen. Leuchtturmartiges Melodieblitzen paart sich hierbei in unnachahmlicher Weise mit einer stakkatiert sowie gelegentlich verschmitzt-knarzig ausbrechenden Bassline, sodass sich das Stück in bester progressiver Manier im weiteren Verlauf peu à peu zu weiteren dezenten Intensitätssteigerungen verhilft, wobei sich hier vor allen Dingen die lasziv auf der Bassline drehenden Alternativtöne hervortun. Unterbrochen von einigen Verschnaufpausen, in denen entweder der wunderbar rollenden Bassline gehuldigt wird oder die Melodietöne vom Beginn ihre leicht verträumte Ader in Solomanier atmosphärisch wertvoll verbreiten dürfen, weiß sich das Ganze jedoch stets wieder gelungen zu verdichten, wenn der Untergrund sanft in Richtung knarziger Gefilde gestupst wird und die lasziven Alternativtöne sogleich ihr Stelldichein fordern. Mit jeder weiteren subtilen Anschwellaktion erarbeitet sich das Stück dabei mehr Hypnosepotenzial, ehe in einem Break schließlich doch noch kurzzeitig einige Gänge heruntergeschaltet werden. Dies geht einher mit einem interessanten Instrumentierungswechsel der Melodieebene, welche nun noch eine Portion geheimnisvoller zu agieren scheint, bevor die aus den Untiefen des Tracks heranschleichende Bassline die Melodieelemente wieder deutlich offensiver zu gestalten weiß. Eine letzte gelungene Anschwellaktion in Kooperation mit dem nicht müde werdenden Untergrund rundet das Ganze im Folgenden schlussendlich formidabel ab, sodass der Höchstwertung in meinen Ohren nichts mehr im Wege steht: einmal die 6/6 bitte, aber ohne Pauken und Trompeten! :D

    Mit der Tundra beliefert uns Aril Brikha im Anschluss mit einer Hommage an eine Landschaft, die in ihrer Weite und kargen Schönheit eine visuelle Verbindung zu seinen bevorzugten Klangwelten darzustellen vermag, mal ganz abgesehen von den dort vorherrschenden Permafrostböden. Das musikalische Ergebnis charakterisiert auf jeden Fall ein ähnlich druckvoll gestalteter Untergrund, in welchem sich eine Bassline in feinsinnigen Waberbewegungen in spannender Manier immer wieder nach oben schraubt und anschließend herabstürzt, dabei jedoch keinesfalls als Sisyphosarbeit abgestempelt werden sollte, bildet jene zusammen mit stakkatierten Subbässen doch eine herausragend repetitiv gestaltete Basis für die alsbald heraufbeschwörten Melodiefragmente. Selbige setzen sich zusammen aus heimatlos irrlichternden Tonkaskaden sowie einer gemütlich auf der Bassline stolzierenden Melodielinie und können sich insbesondere während der immer wieder inszenierten, dezenten Anschwellaktionen des Untergrunds gekonnt atmosphärisch platzieren, wenn ihnen der große Wurf wie im Vorgänger insgesamt auch verwehrt bleibt. Ein anstehendes Kurzbreak nutzen die Melodieelemente dennoch, um spannend fragmentiert durch die borealen Nadelwälder der Tundra zu streifen, ehe im Anschluss die Drumming-Falle schnell wieder zuschlägt und diese für einige Momente in zartbesaitete Flächenstücke verwandelt, ehe aus dem Hintergrund heraus die altbekannten Instrumentierungen langsam aber sicher erneut an Land gewinnen und das sphärische letzte Drittel einläuten. An Abwechslung mangelt es dem hiesigen Track somit keineswegs, nur in Sachen zwingend gehaltener Umsetzung fehlt dem Ganzen etwas – verdienten 5,25/6 im Abgang tut dies allerdings keinen Abbruch… :yes:

    Ins ewige Gletschereis (inklusive musikalischer Liebeserklärung!?) entführt uns schließlich Glaciar / For Minou, welches konsequenterweise zwar den unaufgeregtesten Part der hiesigen EP darstellt, von Beginn an jedoch mit allerhand Ton- und Effektfragmenten hantiert und diese in düsterer, teilweise hallverliebter Umgebung in leicht verstörende Auferstehungsgeschichten verwickelt. Minimal arrangiert, aber mit dem Maximum an mystischer Stimmung gesegnet schlägt sich das Ganze durch verwegene Ecken der elektronischen Musik, ehe endlich ein stakkatiert auftrumpfendes Basslinefragment etwas mehr Struktur in die ganze Geschichte zu transportieren vermag. Die atmosphärisch dunkelheitsaffine Trackgestaltung lässt sich dadurch allerdings keinesfalls zurückdrängen, erst durch die Initiative einiger deephousig entspannter Flächenstücke ist die hiesige Melodieebene in der Lage, die vorherrschende Düsternis mehr und mehr mit einem Wärmepol zu kontrastieren, welcher im weiteren Verlauf ganz unauffällig die sphärische Hoheit an sich reißt und die verzwickten Elemente vom Beginn als brodelnde Kraft in den Untergrund versetzt. Dass diese sich nach wie vor als eine gefährlich züngelnde Trackschicht präsentiert, lässt sich besonders gut an den immer mal wieder an die Oberfläche hervorschnellenden Tonfragmenten erkennen, durch welche das Ganze zumindest nicht in seiner zweiten Hälfte nicht allzu sehr in Lethargie verfällt. Alles in allem sicherlich keine Detroiter Offenbarung, für überdurchschnittliche 4,75/6 sollte es meines Erachtens aber allemal reichen. :)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    N'Abend zusammen!

    Oscar Thomas van der Knaap - wer immer noch denkt, dass hinter diesem unscheinbaren Namen aus unserem calvinistischen Nachbarland nicht mehr Substanz steckt als in einer Tüte Vla, sollte den Niederländer unbedingt einmal unter seinem Pseudonym Exoplanet erfahren, mit dem er seit einigen Jahren in für meinen Geschmack hervorragender Manier die Vermählung der Attribute "deep" und "progressiv" voranzutreiben weiß. Etliche EPs, auf denen die Tracks stets um die Trophäre für das Stück mit der ertragreichsten Tiefenentspannung wetteifern, haben in diesem Zusammenhang im Dunstkreis der für alle Progressive-Sympathisanten nicht minder zu empfehlenden Labels Proton Music bzw. Proton Particles das Licht der Welt erblickt, mit Nothing Divides Us Here wagt sich der aus Groningen stammende Produzent nun jedoch erstmals an eine Trackzusammenstellung in Albumlänge. Prall gefüllt mit der sphärischen Stahlkraft feinsinnig ausgearbeiteter Melodielinien, psychedelischer Klangfetzen und düsterer Bassfiguren sind auch die darauf enthaltenen zehn neuen Stücke erneut mit dem Potenzial ausgestattet, die geneigte Hörerschaft mitzunehmen auf einen alles andere als gesundheitsgefährdenden Trip voller surrealer Klangbilder. Es gehört sich zwar normalerweise nicht, nur einen Track des Albums herauszupicken und in den folgenden Fokus dieses Threads zu verfrachten, aber ich pfeife heute einfach mal auf die üblichen Konventionen... :p

    ...und schubse einfach mal das in meinen Ohren hochkarätigste der zehn Stück namens Even Impermanence Is Transient galant auf die große Bühne. Als Ausgangspunkt dient hierbei ein kurzes Intro, in welchem bereits die ersten spannenden Fragmente der hiesigen Melodieebene in die Runde geworfen werden, ehe langsam aber sicher eine entspannte Kickdrum die Rhythmusmaschine anwirft und sogleich mit wunderbar zurückgelehnt agierenden Hintergrundflächen subtiler Natur aufwarten kann. Ebenfalls mit von der Partie ist ein dezent drückendes Bassline-Stakkato, welches sich irgendwo zwischen Offbeat-Manier und Trampolincharakter einreiht und alsbald als Kontrast der fragil wirkenden Klanggebilde nicht mehr aus dem Track wegzudenken ist, während sich parallel dazu die sphärische Dichte mittels interessanter Vocalsamples, mit Liebe fürs Detail arrangierter Klickereffekte, alternativen Deephouse-Flächenanleihen und der immer wieder engelsgleich melancholisch an- und abschwellenden Melodielinien vom Beginn zunehmend mächtiger ins Zeug legt. Doch damit längst nicht genug, die progressive Trackentwicklung fördert in der folgenden Phase bereits das nächste überaus unaufdringlich tänzelnde Tonfolgenfragment hervor, welches die von den bisherigen Elementen initiierte, erhabene Traumfahrt in erfolgreicher Art und Weise weiterführt, da das Ganze den einzelnen Melodiezutaten auch immer mal wieder verdiente Verschnaufpausen gönnt, in denen die übrigen sich dezent in den Vordergrund schleichen können. Durchzogen von Kurzbreaks entpuppt sich im Mittelteil des Stück schließlich ein solches als bestens präparierter Helfershelfer der sphärischen Ebene, welche nach einem kurzzeitigen Flächenbad im Anschluss zusammen mit den Drumming schließlich noch eine weitere Melodielinie geschenkt bekommt. Selbige zeigt sich in ihren Synthieklangfarben zwar besonders verspielt, ist jedoch insbesondere durch ihre vielfältigen Melancholiewanderungen im weiteren Verlauf imstande, in Kooperation mit den peu à peu nachrückenden, bekannten Elementen und Effekten die sphärische Intensität des Ganzen in herrlich progressiver Manier in ungeahnte Hören zu verschieben. Entspannung durch Reduktion heißt es dann im Folgenden wieder, wenn dem mäandernden Tonfolgenfragment aus dem ersten Drittel eine kleine Solofahrt gegönnt wird, ehe eine letzte dezente Intensitätssteigerung mit Hilfe der verspielten Melodielinie inszeniert wird. So ist meinen 5,75/6 bereits vor dem anstehenden und in einem gelungenen Outro endenden Rückbau so euphorisch und entspannt zugleich zumute, dass sie nicht länger mit ihrer Bewertung hinter dem Berg halten können und wollen. ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Mit den vor einigen Tagen eingetrudelten Namen nimmt die Vervollständigung des diesjährigen Melt!-Line-Ups nun eine mehr als konkrete Form an, auch von offizieller Seite wird mittlerweile die Beschreibung "fast komplett" benutzt. Leider bestätigt sich beim Studium der Neuankömmlinge jedoch der Eindruck, der mich seit der Veröffentlichung der ersten Acts begleitet: Fehlende Genrevielfalt und Newcomer-Vorschusslorbeeren kann man der diesjährigen Line-Up-Zusammenstellung zwar sicherlich nicht vorwerfen, insgesamt gesehen fällt das Ganze aus meiner subjektiven Sichtweise allerdings im Vergleich mit den letzten Jahren doch um Einiges ab, wenn ich daran denke, was der Andru und meine Wenigkeit immer wieder für einen Konzertmarathon vom späten Nachmittag bis weit in die Nacht hinein hingelegt haben und dabei aufgrund von unvermeidlichen Überschneidungen dennoch nicht alles sehen/hören konnten, was wir eigentlich hätten sehen/hören wollen. Gepflegte Kost ist mit den Electropop-Filigranschraubern von The Hundred In The Hands, der Indie-Blues-Truppe der Cold War Kids, der bereits beim Melt! 2009 sowie erst letzte Woche im Gebäude 9 in Köln erlebte Indie-Exzentriker und Multiinstrumentalist Patrick Wolf, den schnörkellosen We Have Band oder den etwas folklastigeren Noah & The Whale auch im Zusammenhang mit der letzten Zwanzigelfer-Fuhre unterwegs, nichtsdestotrotz wird die gute alte Schaufelradbagger-Halbinsel in diesem Jahr - ob sie es will oder nicht - ohne uns auskommen müssen...


    Die (fast) letzten Bestätigungen im Überblick:

    Addison Groove | Azari & III (live) | Chase & Status | Cold War Kids | Crocodiles | Dadub (live) | Duchess Says | Edit Select | Fake Blood (live) | José González | Richie Hawtin | The Hundred In The Hands | The Knocks | Jacob Korn (live) | Lucy | Miss Fitz | Gadie Mizrahi | The Moroders | Mutter | Maayan Nidam | Noah & The Whale | No Regular Play | Nôze (live) | Christopher Rau | Smallpeople aka Dionne & Julius Steinhoff | The Sound Of Arrows | These New Puritans | Albrecht Wassersleben | We Have Band | When Saints Go Machine | Patrick Wolf

    :shy:

    N’Abend zusammen!

    Dass seit Anfang April mal wieder Feiertagsstimmung im Hause Traum Schallplatten vorherrscht, kann nur einen triftigen Grund haben: Der mittlerweile vom Geheimtipp zum Zugpferd des Kölner Labels avancierte britische Produzent Max Cooper schickt eine weitere seiner stets herausragenden EPs voller ätherischer und mit Liebe fürs Detail arrangierter Klangwelten ins Rennen. Obwohl dem Waschzettel zur Veröffentlichung der Metaphysical EP zu entnehmen ist, dass den Tracks des Guten diesmal etwas optimistischere Gedanken beigerührt wurden, braucht sich kein Sympathisant der bekannten erhabenen Cooper‘schen Düsternis fürchten, dass selbige bei den insgesamt drei neuen Stücken (plus zwei Remixen) allzu sehr ins Hintertreffen gerät. Vielmehr erstrahlt die hiesige Trackzusammenstellung in einer solchen Klang- und Genrevielfalt, dass es mir beileibe einmal mehr schwerfällt zu glauben, dass dieser Max Cooper keine übersinnliche Fähigkeiten beim Produzieren zu Hilfe nimmt. :D

    Als zugänglichstes der neuen Stücke entpuppt sich dabei gleich der Eröffnungstrack Gravity’s Rainbow, welcher für Cooper-Verhältnisse fast schon luftige Gefilde ansteuert. Gesegnet mit einer unverkennbaren Vorliebe für minimalistische Arrangements klickert und zirpt das Ganze hierbei von Beginn an durch den Raum, während im Hintergrund einzelne Tonfetzen entrückt im Kreis tänzeln und von einer zunehmend druckvoller nach vorn monotonisierenden Bassline kontrastiert werden. Entdeckt letztere im weiteren Verlauf dann auch ihren groovenden Charakter und legt ein herrlich unterkühltes Solo aufs Parkett, dürfte dem geneigten Hörer einmal mehr die Bedeutung der Redewendung „Weniger ist oft mehr“ wie eine Fata Morgana vor dem geistigen Auge erscheinen, ehe die bisherigen Elemente sich nun immer markanter mit elegant stakkatierten Tonstücken sowie sporadisch eingeworfenen Flächenwellen ergänzen. Indem die neu hinzugewonnenen und wie selbstverständlich auf der schroffen Bassline thronenden Elemente sich im Folgenden wie von selbst zu spannenden Fragmenten einer nur leicht mystifizierten Melodielinie zusammenfügen, erwächst dem Track eine alsbald nicht mehr wegzudenkende atmosphärische Ebene, welche sich ab dem anstehenden Break zudem mit einem verschmitzten Tonglitzern in mehr als passabler Art und Weise zu unterstützen vermag. Wenn im Anschluss alle vorgestellten Elemente schließlich zu einem minimalistischen Ganzen verschmelzen, dürfte schließlich auch dem letzten Bedenkenträger die Erleuchtung kommen: Sogar in der Klangwelt eines Max Cooper gibt es nicht nur Grauabstufungen, sondern weiß sich ab und an ebenfalls ein kurz zwischen den Wolken aufblitzender Sonnenstrahl akustisch in Szene zu setzen. Summa summarum eine willkommene Abwechslung, welche mir nicht weniger als 5,5/6 wert ist.

    Damit die positiv gestimmten Inspirationen jedoch nicht Überhand nehmen, ist es nun die Aufgabe von Heresy, sogleich in bestimmender Manier zurückzurudern. Gekleidet in ein druckvoll gestaltetes Dubstep-Gewand übt sich der Track somit zunächst einmal im detaillierten Aufbau eines feinsinnig austarierten Drummingrückens, welcher im Hintergrund alsbald zwar die ersten düsteren Flächenstücke anwachsen sieht, diesen jedoch mit dem jähen Einsetzen einer wunderbar grummelnd geratenen Basslinewand wieder für einige Augenblicke die Luft abschnürt, ehe sie zusammen mit einigen tröpfelnden Alternativtönen dann doch noch in den Genuss einer harmonisch dunkelheitsaffinen Zusammenarbeit mit der Basslinewand kommen. Majestätisches Anschwellen der Elemente bildet dann den Vorlauf für ein Break, in welchem sirenenartig durch Raum und Zeit geisternde Tonfolgenfragmente auf den Plan treten und im Anschluss in Kooperation mit den bekannten Elementen die sphärische Intensität enorm verdichten können. Daran ändert auch die im weiteren Verlauf immer prägnanter inszenierte progressive Aneinanderreihung von Elementzusammensetzungen, mit der schlussendlich sogar eine melancholisch inspirierte Melodielinie als i-Tüpfelchen auf das herrlich drückend geratene Dubstep-Konglomerat gelockt werden kann, nichts. Da letztere auch den langsam aber sicher anstehenden Rückbau des Tracks fast vollständig überlebt, darf die gemeine Hörerschaft abschließend sogar bis zur endgültigen Vergabe hochtrabender 5,75/6 an der beseelten Schönheit der hiesigen Melodietöne teilzuhaben. :yes:

    Solace als Dritter im Bunde hat sich dann ganz auf die vielschichtigen Ausschweifungen einer überaus mystisch geratenen Atmosphäre fokussiert, welche jedoch nie mit der Abkehr vom Cooper auszeichnenden Hang zur Subtilität einhergeht. So gerät dann auch gleich der Einstieg in das Intro so gluckernd, zirpend, verstörend und fragmentiert, dass die nicht darauf gefasste Hörerschaft – bei entsprechender Lautstärke konsumierend – entweder der akustischen Untermalung eines Horrorstreifens oder ganz profan des Weltuntergangs beizuwohnen meint. Das leicht apokalyptische Szenario kann sich jedoch nicht allzu lang an der Oberfläche behaupten, erwachsen doch im Folgenden die ersten neblig umwaberten Flächenandeutungen und stakkatierten Melodieschnipsel aus dem tiefschwarzen Untergrund, um dem Ganzen etwas mehr Leben einzuhauchen, ehe nach knapp zwei Minuten auch die ersten Gehversuche des Drummings beobachtet werden können. Zunächst noch in eine gehörige Portion Watte gepackt ist selbiges im weiteren Verlauf in der Lage, zusammen mit einer monoton stakkatierten Basslinefragment den Einfluss der Melodieebene weiter zu forcieren und zunehmend irgendwo zwischen mystischer und verträumter Gefilde zu ankern. Ist den stakkatierten Tonkaskaden vom Beginn dabei eine der sphärischen Hauptrollen zugedacht, welche sie in Kooperation mit einem düster fragmentierten Flächenmeer in herrlich subtiler Manier meistern, so dürfen auch die spannenden Effekte aus dem Intro immer mal wieder kontrastreich im Untergrund des Ganzen die sphärische Ader konterkarieren. Im Anschluss an ein Kurzbreak erlebt die beschriebene Entwicklung schlussendlich ihren intensitätsgeladenen Höhepunkt, bevor der subtile Rückbau des Tracks die verdienten 5,25/6 untermauert.

    Zwei recht unterschiedlich geratene „Four-to-the-Floor“-Überarbeitungen des Dubstep-Geflechts Heresy runden die EP nachfolgend in gelungener Art und Weise ab, wobei der unscheinbare, aber gehaltvolle Dosem Remix eindeutig für die entspannendere Umgestaltung zuständig ist. Dafür verantwortlich zeigt sich allerdings nicht ein aus der düsteren Basslinewand des Originals geschnittenes Fragment, während die Melodieebene zunächst nur von einigen schwebend agierenden Überbleibseln der melancholischen Tonfolge bevölkert wird. Mit der Entfaltung tranciger Alternativtöne sowie deephousig durch den Untergrund geisternder Flächenstücke ist der Remix allerdings schnell imstande, seine sphärische Ader entscheidend zu intensivieren, ehe im Break weitere fragmentierte Rückstände der Melodieebene aus dem Original ins Geschehen eingreifen, welche im weiteren Verlauf auch in Kooperation mit dem Untergrund immer mal wieder die wunderbar subtile i-Tüpfelchen-Melodie zu unterstützen wissen. Insgesamt gesehen ist das Ganze ist für meinen Geschmack zwar nicht annähernd so zwingend wie das Original geraten, hat sich seine 5/6 aber aufgrund der gelungenen, alternativen Herangehensweise jedoch redlich verdient. Noch etwas weniger vom Original übrig lässt dann der französische Matthys Remix, welcher seine Sache deutlich experimenteller angeht und das düster-drückende Urbild in ein interessant verschachteltes Minimalismus-Epos verwandelt. Klimprige Melodiebauklötze im Intro sowie die Initiierung eines Drummings mit einer herrlich wabernden Bassline lassen von der intensitätsreichen Spielart des Originals kaum mehr etwas erkennen, ehe in und im Anschluss an ein erstes Kurzbreak in Form der sirenenartigen Flächenstücke doch noch einige bekannte Klänge eingeladen werden. Ergänzt durch eigenartig herumschwirrende Synthiebögen sowie arpeggierte Alternativtöne, welche sich in einem weiteren Break unter die bisherigen Elemente schleichen, nimmt das Ganze jedoch mehr und mehr Fahrt auf und verzückt die Hörerschaft mit einer spannenden Irrfahrt durch einen vielfältig arrangierten, melancholischen Klangkosmos. Da dieser hinter wirklich jeder Trackecke eine weitere interessante Alternativstrecke auslotet, ist bisweilen dann doch noch einmal kurzzeitig eine Erinnerung an die atmosphärische Ausrichtung des Originals möglich. Alles in allem ein angenehm kurzweiliges 5/6er-Vergnügen! ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Überzeugend deep und abwechslungsreich geratene EP von Stephen J. Kroos, welcher mir mit seinen Tracks immer mehr zuzusagen pflegt, nachdem er seine in den Anfangstagen noch überaus präsente, techige Komponente zunehmend subtiler einzusetzen vermag. Deutlich unflätiger präsentiert sich da schon der Link vom Sternenjäger, welcher mir ein dreifach gepfeffertes "in deinem Land nicht verfügbar"-Blabla vorsetzt, hier dürfte es dagegen für meine Landsleute und mich weniger Probleme geben, gepflegt in die Hörproben einzusteigen... ;)

    Nicht nur als Eröffnungstrack der "Anjunadeep:03" verströmt EP-Namensgeber Micrsh äußerst erfolgreich seinen in atmospärischer Hinsicht wunderbar zurückgelehnt agierenden Charme, auch als Alleinunterhalter weiß das gute Stück mit seinen tiefergelegt-minimalistischen Ingredienzen und den progressiv anmutenden Toneinwürfen unterschiedlichster Couleur den Sympathisanten formvollendeter Deepness in seinen Bann zu ziehen. Fragil fragmentierte Melodieschnipsel und monoton zerhackstückelte Tonfolgenendprodukte geistern hierbei mit einer solchen Selbstverständlichkeit durch den Raum, dass es eine wahre Freude ist, ihre dezenten Tanzbewegungen auf der entspannt groovenden Bassline zu verfolgen. Im Break erweitert durch eine dezent sirrende Flächenebene, wird im Anschluss zusammen mit dem Untergrund schließlich sogar noch eine herrlich entrückte Melodielinie in den Vordergrund gebeten, um mit ihrem melancholischen Schlingern endgültig die sphärische Komponente des hiesigen Stücks in Erhabenheit baden zu lassen. Ganz großes Kopfkino, welches der Herr Kroos hier mit seiner Tiefgang-Huldigung auf die geneigte Hörerschaft einwirken lässt und meiner Wenigkeit keine Chance erteilt, weniger als herausragende 5,75/6 zu verteilen.

    Bis When Autumn Comes wieder einigermaßen zeitgemäß klingt, dauert es zwar - untertrieben formuliert - noch einige Tage, solange die musikalische Umsetzung sich allerdings dermaßen zeitlos präsentiert, kann das Ganze mit seiner Vermischung von Progressive House und Detroit Techno sicherlich auch im Lenz die Gemüter der Hörerschaft bewegen. Eine stakkatiert auftretende Bassline in einem betont auf das Wesentliche reduzierten Drumming bildet hierbei den Unterbau für unscheinbar, aber effektiv wabernde Flächenwolken Detroiter Schule, welche sich mit zunehmender Dauer intensiver in die Gehörgänge schrauben können. Fragmentiert und verschnörkelt ausgestanzte Alternativflächenstücke als atmosphärische Unterstützer der nicht minder zurückgelehnt ausgelegten Melodieebene bringen in ihren vielschichtigen Instrumentierungswechseln dabei die nötige Abwechslung in das Geschehen, sodass alsbald auch einige subtile Streichereinlagen kurzzeitig vorbeischauen sowie im weiteren Verlauf eine Verbindung diverser Flächenelemente zu einem zurückgelehnt frühlingshaft schimmernden, großen Ganzen vonstatten geht. Insgesamt gesehen zwar nicht ganz so zwingend wie sein Vorgänger, da hier doch deutlich luftigere Gefilde angepeilt werden, für meinen Geschmack sollte es dennoch ein Leichtes darstellen, überdurchschnittliche 5,25/6 aus dem Lostopf der Bewertungen für dieses sommerbrisenumwehte Stück zu fischen. :D

    Mit Encode bewegt sich die EP nun mehr und mehr in Richtung techhousiger Hoheitsgebiete, wenn auch die sphärisch entspannte Grundhaltung keinesfalls über Bord geworfen wird. Stakkatierte Toneinwürfe prägen hier zunächst das Bild über einer minimalistisch austarierten Kickdrum, welche in Kooperation mit einem alles andere als anbiedernd geratenen Offbeat-Basston nur nuancenhaft mehr Druck zu entfalten imstande ist als im unmittelbaren Vorgänger geschehen. Klickernde Zusatzeffekte, sporadisch eingesetzte Flächenstücke voller einladend warmer Frühlingluft im Schlepptau sowie allerhand weitere melodieversiert agierende Begleithappen verdichten im weiteren Verlauf zunehmend die Bandbreite der Melodieebene, ehe vermehrtes Aufbegehren des zischend speienden Untergrunds den Weg in ein anstehendes Break einläutet. Entgegen der bisherigen Achtung subtil ausgearbeiteter Trackstrukturen besinnt sich selbiges auf die Herausforderung einer gelungenen Anschwellaktion, welche mittels elektroid angehauchter Aufplusterung einer alternativen Tonfolge auch prompt erfolgreich in die Tat umgesetzt wird, bevor im Anschluss erneut die minimalistische Ader des Ganzen das Ruder an sich reißt und die stakkatierten Melodiefetzen vom Beginn gekonnt unaufgeregt im Vordergrund zu platzieren weiß. Eine weitere Anschwellaktion dürfte zwar sicherlich folgen, solide 4,75/6 werden dadurch für meinen Geschmack allerdings nicht mehr zu Höhenflügen überredet werden können.

    Safe Radiation als Absacker ist dann noch am ehesten die frühere Kroos'sche Neigung zu techigen Melodiestakkati anzuhören, wenngleich selbige hier immer noch mit angezogener Handbremse zu agieren scheinen, während das Drumming im Gegensatz zu den vorherigen Tracks mit seiner monoton sowie deep stolpernden Bassline nicht nur Grooveaffinitäten, sondern auch ein nicht zu verachtendes Hypnosepotenzial aufweist. Im Hintergrund wabern dazu einige Flächenfragmente in Auf-und-Ab-Manier durch die düster anmutende Szenerie, welche den optimalen Nährboden für eine sich alsbald entfaltende sowie nicht wirklich positiv gestimmte Tonfolge darstellt und die atmosphärisch tiefergelegte Melange aus progressiven, techoiden, deephousigen und trancigen Versatzstücken in gelungener Art und Weise verkörpert. Durch die Beliebigkeit der entwickelten Melodielinie schafft es das Ganze jedoch leider nicht, den Schalter in Richtung gemeiner Hörerschaft hinzulegen, sodass der erwartete Kontrast zwischen Melodieebene und Untergrund sich nicht als der entpuppt, der dem Track den Pfad zum gewissen Etwas zeigen könnte. Daran ändern sowohl eine im Break initiierte (und in dieser Form leider schon tausendfach gehörte) Anschwellaktion als auch im weiteren Verlauf zur Unterstützung freigegebene Alternatitvtöne nur noch wenig, sodass ich summa summarum nicht mehr als 4,5/6 vergeben und die "Abwärtsspirale" meiner Bewertungen passend zu Ende führen möchte... ;)

    N’Abend zusammen!

    Dass der Stuttgarter Produzent Normen Flaskamp alias Solee regelmäßig in der hiesigen Tracksrubrik erfolgreich seine Nische findet, dürfte den eingefleischten Kenner melodieorientierter elektronischer Musik nicht verwundern, zeigt sich der Gute doch seit mehreren Jahren immer wieder für eine gesunde Vermischung elektroider, progressiver, technoider und tranciger Versatzstücke in seinen Tracks verantwortlich. In dieser Hinsicht zeigt sich glücklicherweise auch seine neueste, auf dem hervorragenden hauseigenen Label Parquet Recordings erschienene Vinyl-EP keinesfalls als (negativer) Ausreißer, sondern führt die angeführten Komponenten in überzeugend atmosphärischer Manier unter einen spannenden gemeinsamen Hut. Zudem hat sich der Klangkosmos von Solee seit seinem Durchbruch mit „Different“ vor vier Jahren für meinen Geschmack mittlerweile noch ein gutes Stück produktionstechnisch verfeinert, wie auch an den beiden frisch geschlüpften Tracks, welche im Folgenden im Mittelpunkt stehen sollen und möchten, erkennbar wird. Vorhang auf!

    Reflect auf der A-Seite stellt dabei eindeutig die unaufgeregtere Seite der EP dar und zeigt sich zu Beginn dann auch mit einem repetitiven Tonfolgenfragment, welches langsam aber sicher an seiner Intensitätsschraube dreht, sowie dem Einzug einiger minimalistischer Drummingeffekte noch recht zurückhaltend. Mit alsbald einsetzenden und mächtig düster aufplusternden Basslinefetzen mit dem gewissen Hang zum bedrohlichen Nachhall ist es im weiteren Verlauf allerdings schon vorbei mit dem gemütlichen Eingrooven, erobern jene doch in Sturmeseile die atmosphärische Komponente des Stücks sowie die gebannte Aufmerksamkeit der gemeinen Hörerschaft, welche das kontrastreiche Zusammenspiel zwischen Tonfolgenfragment und Basslinefetzen hinter der nächsten Ecke allerdings schon von einer Melancholieinitiative ablösen sieht. Letztere speist sich vor allen Dingen durch eine dezent auftretende Synthiemelodielinie, welche in dieser Form beispielsweise auch dem Studio eines Gui Boratto hätte entweichen können und zusammen mit aufkommenden Alternativflächen die Melodieebene derart zu inspirieren weiß, dass kurzzeitig auch das Tonfolgenfragment vom Beginn in passender Manier dazustößt. Der progressiven Entwicklung des Ganzen entsprechend ziehen sich die Melodieelemente zwar im Folgenden bis auf die repetitiven Stakkatotöne zurück, klickernde Alternativtöne sowie sporadisches Zusatzgrummeln innerhalb der Bassline weisen jedoch den Weg in ein spannendes Break, in welchem wiederum die schäumenden Flächenstücke auf den Plan treten und in Kooperation mit monotonen Subbässen insgesamt zwei ansprechende, leicht elektroid anmutende Anschwellaktionen durchziehen dürfen. Setzt sich der Untergrund mit den charakteristischen Basslinefetzen wieder in Bewegung, kommt es schließlich erneut zu einer Wachablösung in der Melodieebene, da sich hier abermals die melancholische Synthiemelodielinie durchsetzt, um sich im letzten Drittel noch einmal gehörig vom vielschichtig düsteren Untergrund den Rücken massieren zu lassen. Abgerundet durch die schäumenden Flächenstücke überlebt von den sphärischen Elementen zwar ausschließlich das Tonfolgenfragment bis fast zum letzten Lebenszeichen des Stücks, überzeugenden 5,5/6 tut das allerdings natürlich keinen Abbruch. :yes:

    Deutlicher nach vorn ausgerichtete Gefilde peilt im Gegenzug der elfminütige Titeltrack Aragorn an, wenn seine Fortbewegungsart auch nicht annähernd so geschmeidig wirkt wie bei seinem Vorgänger. Verantwortlich dafür zeigt sich nicht nur eine wesentlich saftiger anmutende Kickdrum, auch die obligatorische Stakkato-Bassline mit ordentlich düsterem Schmackes darf hier nicht fehlen und immer mal wieder eine gelungene Anschwellaktion aufs Parkett liegen, während parallel dazu einige interessant verschachtelte Tonfetzen (ebenfalls als Stakkatogeflecht) nach vorn rollen und zusammen mit alsbald verstärktem Effekteinsatz sowie irrlichternden Flächenandeutungen in stetig leicht verdichteter Auf-und-Ab-Manier in Richtung eines ersten Breaks marschieren. Auch dort entpuppt sich das Tonrollen als würdiger Hauptdarsteller, welcher mit düsterer Melodieerweiterung und allerhand durch den Untergrund geisternden Effekteinwürfen die atmosphärische Komponente des Ganzen peu à peu zu intensivieren imstande ist und dies auch in Zusammenarbeit mit dem im Folgenden wieder dazustoßenden, schreitenden Untergrund in gelungener Art und Weise fortzuführen weiß. Im Hintergrund treten darüber hinaus nun vermehrt trancige Tonanleihen auf, mit welchen die Melodieebene zudem den Kontrast zum leicht diabolisch stampfenden Drumming erhöhen kann, ehe im Mittelteil harmonisches Alternativtonsirren die bisherigen Melodieelemente ersetzt und die Atmosphäre des Tracks in ungewohnt schwebende Gefilde verfrachtet, welche mit dem druckvollen Untergrund allerdings stets genug Bodenhaftung injiziert bekommen, sodass das Ganze hier nicht allzu positiv gestimmt seine Runden weiterdreiht. Vielmehr verstärken die aufkommenden Stakkatotöne und ihr flächiges Pendant im weiteren Verlauf schnell wieder die düster schwelende Komponente der hiesigen Atmosphäre, welche sich auch im kommenden Kurzbreak herzhaft niederschlägt, ehe im Anschluss die ersten interessanten Vorbereitungen für den anstehenden Rückbau getroffen werden. Übrig bleiben vom tosenden Sturm der Elemente schließlich nur noch die verschachtelt rollenden Tonfetzen, welche sich nun mehr und mehr vom Stakkatobass zu Grabe tragen lassen, einige scheue Blicke auf die verdiente 5/6er-Bewertung können selbige aber dann doch noch erhaschen… ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Einem solch sommerlich entspannten Stück wie Julien Jabre - Swimming Places [Jerome Sydenham Remix] dürfte selbst der hartnäckigste Winterfreund nicht widerstehen können, doch auch Denis A - Cuba [Robert Babicz Sunshine Remix] sollte deinen gewünschten Assoziationen sicherlich reichlich Nährboden geben. Nicht minder zurückgelehnter, aber ein wenig melancholischer geht's bei Gold Panda - Marriage zu, während Four Tet - This Unfolds in Sachen Wärme jeglichem Südwestwindgebläse Konkurrenz machen dürfte. Das sind so die Schmuckstücke, die mir jetzt auf Anhieb in den Sinn gekommen sind... ;)

    Ergänzend zur "Heliscope EP" hat übrigens in der letzten Woche (ebenfalls) bei Bedrock Records ein 3-Tracker das Licht der digitalen Welt erblickt, welcher nicht nur mit zwei ansprechenden Remixarbeiten, sondern zudem mit einem einem ganz frisch aus dem Studio von Guy J entwichenen Stück aufwartet. Vorhang auf für eine kleine rezensionstechnische Abhandlung!

    Fühlte sich das Original von Heliscope ja bereits in einer technoiden Umgebung recht heimisch, so packt den Egbert Remix sogleich unverhohlen der Gedanke, das Ganze in dieser Hinsicht noch eine Portion ausgeprägter zu entwickeln. Die Herangehensweise an das Thema zeichnet sich damit nicht nur durch eine signifikante Druckerhöhung aus, wenn das Drumming von Beginn durch den Untergrund dieser Überarbeitung überfallartig auf den geneigten Hörer zurollt, auch der zusätzliche Effekteinsatz zeigt sich äußerst subtil, aber effektiv in seiner Umrahmung des treibenden Trackcharakters. Mit der Einladung des bekannten Offbeat-Basstons sowie einem neblig verschleierten Kurzbreak im Anschluss inklusive Flächeneinwürfen und stakkatiertem Tonraspeln erklingen dann zwar alsbald die ersten Elemente aus dem Original, geben sich jedoch ausschließlich als sphärisch veranlagte Pausenuntermalung zu erkennen, schließlich übernimmt im weiteren Verlauf recht schnell das druckvoll-technoide Drumming wieder das Regiment. Eine weitere Amtshandlung stellt in diesem Zusammenhang die progressive Einbindung einzelner Fragmente der zuvor initiierten Melodieelemente dar, wenn die monotone Solofahrt des Untergrunds allzu deutlich in Richtung belangloser Gefilde abzudriften droht, ehe ein zweites Break noch einmal eine spannende Flächenherumgeisterei heraufbeschwört. Da auch im anschließenden letzten Drittel dem Drumming nur äußerst vage Auflockerungen aus dem Break mitgegeben werden und in den letzten drei Minuten schließlich einfach gar nichts mehr passiert, komme ich nicht umher, diese Überarbeitung bei durchschnittlichen 4/6 einzuordnen. Vom aufstrebenden niederländischen Egbert hatte ich mir nach seinen letzten überzeugenden Remixtätigkeiten hier schlicht mehr Rafinesse erhofft... :hmm:

    Das wunderbar atmosphärisch-progressive Easy As Can Be hat derweil einen Tom Middleton Liquitech Mix verpasst bekommen, durch welchen die entspannte Stimmungslage des Originals zwar keinesfalls in die nächste Wertstofftonne verfrachtet wird, mit der Zugabe einer in verspielter Manier mit Breakbeats kokettierenden Kickdrum sowie einer im Schlepptau subtil grummelnden Basslinewand werden die frühlingshaft anmutenden Melodiebögen hier allerdings mit einem eigensinnigen Untergrund kontrastiert. Die sphärischen Elemente bewegen sich dazu - in einem entrückten Intro beginnend - stets in einem Umfeld aus sanftmütigem Knistern aus der Retroeffektkiste, schleichen dabei immer wieder von einer Kopfhörerecke in die andere und zeigen sich zudem mit alternativen Effektschlangen von ihrer unaufgeregtesten Seite. Diese interessante und überaus progressiv gestaltete Entwicklung setzt sich auch in Kooperation mit dem erwähnten Untergrund fort, sodass das Ganze von nun an zwar eine etwas zwingendere Ausrichtung erhält, den gemeinen Hörer allerdings weiterhin in seinem gut bekömmlichen Schwebezustand bei Laune hält. Nachhallinfizierte Melodieflächen und kaskadenförmige Alternativtonspritzer bestimmen hdas Bild, während der bisher mal mehr, mal weniger deutlich in Richtung Breakbeats schielende Untergrund im Folgenden zu einer Kunstpause einlädt, in welcher auch die verträumte Melodielinie aus dem Original markanter das Feld betritt. Wiedereinsetzende Basslinetöne grooven und bewegen die Melodieelemente hierbei nach einer kurzen Ambientphase schließlich zu einem mehr als gelungenen Endspurt, in welchem sogar die atmosphärische Komponente auf dem verspielten Untergrund in intensiverer Manier als zuvor das Geschehen beeinflussen kann. Abgerundet durch ein wunderbar schaukelndes Bassline-Outro darf sich das Ganze somit über mehr als solide 5/6 erfreuen. :yes:

    Das für meinen Geschmack überzeugendste Drittel der nachgeschobenen EP kommt jedoch von Guy J persönlich, welcher sich mit dem frisch geschlüpften Azimuth wieder einmal auf seine gekonnte Vereinigung progressiver Trackstrukturen, infektiöser Melodiebögen und druckvoller Untergrundgestaltung besinnt. Als Eckpunkte charakterisieren sich dabei ein bereits im Intro zitiertes, repetitives Tonfolgenfragment, eine herrlich düster schäumende Basslinewand sowie allerhand Effektgezirpe heraus, welches in die davor genannten Elemente in gelungener Art und Weise integriert ist. Vor allen Dingen die zunächst noch recht optimistisch dahinschippernde Stimmungslage, welche von den Melodietönen in dezenter Manier befeuert wird, zeigt sich beeindruckt von der prachtvollen Statur der dunkelheitsaffinen Basslinewand, wenn sich letztere alsbald zunehmend prägender in den Untergrund des Ganzen mit einbringen kann. Dieser Moment ist allerdings nur von kurzer Dauer, verbreitert das Melodiefragment doch im weiteren Verlauf nun mehr und mehr seine musikalische Bandbreite, um der düsteren Natur des Untergrunds Paroli bieten zu können, doch auch letzterer zeigt sich im Gegenzug keinesfalls zufrieden mit seinem bisherigen Auftritt und veranlasst allmählich nicht nur eine Intensivierung seines Arrangements, sondern auch den wiederkehrenden Auftritt einiger klackend geratener Zusatzeffekte und tribalesker Vocalschwaden. Ergänzt durch einige Quasi-Breaks schafft es das wunderbar progressiv ausgestaltete Stück in diesem Zusammenhang, die Hörerschaft mit jeder weiteren Minute stärker in seinen Bann zu ziehen und genuss- sowie druckvoll in Richtung des atmosphärischen Höhepunkts zu treiben. Im Rückbau kaum minder hypnotisch kehrt erst im allzu sehr in die Länge gezogenen Outro wieder mehr Ruhe ein, um noch einmal alle hiesigen Zutaten für die Zubereitung überzeugender 5,5/6 rekapitulieren zu lassen... ;)

    Meine Favoriten im dritten Zwölftel von Zwanzigelf:

    no.01. Microtrauma - Contrast [Max Cooper Remix] --- Traum Schallplatten
    no.02. deadmau5 - HR 8938 Cephei --- mau5trap
    no.03. Ellen Allien - My Tree [Ripperton Backlash Remix] --- Bpitch Control
    no.04. Giorgos Gatzigristos - Rehearsal 1 --- Wolfskuil Records
    no.05. James Zabiela - Blame --- Hope Recordings
    no.06. Namito - Marathon [Petar Dundov Remix] --- Kling Klong
    no.07. Alessandro Diga - Kroxldyphvic --- Outside The Box Music
    no.08. Xenia Beliayeva - Know Me --- Shitkatapult
    no.09. Burial + Four Tet + Thom Yorke - Mirror --- Text Records
    no.10. Cirez D & Acki Kokotos - Tomorrow --- Mouseville

    :huebbel:

    N’Abend zusammen!

    Nachdem Dust, das insgesamt fünfte Album des Berliner Techno-Urgesteins Ellen Allien, im letzten Jahr mit seiner für meinen Geschmack außerordentlich interessanten Gratwanderung zwischen entspannten Indiegitarren, feinsinnig gewebten Electronicaklängen sowie dem mal mehr, mal weniger entrückt wirkenden Sprechgesang von Frau Fraatz nicht nur innerhalb der elektronischen Musikszene seine Anhänger fand, ist nun mittlerweile mit dem gewissen Abstand zum Veröffentlichungsdatum die Zeit reif für die obligatorische Remixzusammenstellung, welche sich glücklicherweise nicht minder genregrenzenverachtend präsentiert. Die Bandbreite reicht hierbei schließlich von Münchner Newdisco-Klängen von Munk über experimentell inspirierte Retro-Grooves von Nicolas Jaar bis hin zu zurückgelehntem Deephouse von Adultnapper, um nur drei interessante Überarbeitungskünstler des natürlich auf Bpitch Control erschienenen 13köpfigen Track-Sammelsuriums beim Namen zu nennen. Nichtsdestotrotz konnte sich in meinen Ohren überaus rasant ein Remix als glasklarer Favorit herauskristallisieren, welcher sich mit dem im Original eigensinnig knarzigen IDM-Klängen von My Tree, das für sich gesehen in Kooperation mit mystischen Vocalfetzen und geerdeten Klarinettenklängen schon ein kleines Kunstwerk darstellt, beschäftigt. Der Schweizer Produzent Raphaël Ripperton hat es sich dennoch nicht nehmen lassen, das Ganze in ein gleichzeitig noch atmosphärischer und druckvoller auftretendes Gewand zu kleiden, welchem ich in den folgenden Zeilen einige warme Worte widmen möchte. :yes:

    In voller Ausführlichkeit nennt sich das Schätzchen auf jeden Fall Ripperton's Blacklash Remix und zeigt sich bereits zum vogelzwitschernden Beginn mit einem aus dem äußersten Hintergrund herannahenden Synthieton sirrender Natur, welcher sich alsbald mit den mystischen Vocalfetzen aus dem Original sowie einem organisch trommelnden Drummingansatz zusammenrottet, in spielfreudiger Laune. In dem Moment, in dem dem Synthieton dann scheinbar die Luft ausgeht, wird dem geneigten Hörer mit dem ersten Auftritt der nuancenhaft flächiger ausgearbeiteten Klarinettenmelodie aus dem Original auch der Ursprung der bisher im Untergrund in Szene gesetzten Tonebene klar. In guter Regelmäßigkeit darf besagtes Melodieelement von nun an sogar die atmosphärische Speerspitze des Ganzen bilden und steigt damit von seiner Nebenrolle bei Ellen Allien zum leicht verträumt geratenen Aushängeschild beim hiesigen Remix auf, welcher sich währenddessen zudem mehr und mehr klassisches Drummingzubehör um sein hypotisches Trommeln schart. In dieser Formation fühlt sich zunehmend auch das aus dem Original bekannte aufgeregte Tonkribbeln wieder und mutiert dabei zu einem weiteren Eckstein des leicht düster schaufelnden Untergrunds, auf welchem immer wieder anschwellende Klarionetteklänge und Vocalfetzen kontrastreich sphärisch ineinander übergreifen. Eine unmissverständliche Druckerhöhung steht dann im Anschluss an ein zwischenzeitlich herbeigeführtes Quasibreak an, sodass die bekannten Melodieelemente inklusive sporadischer Fragmentierungen im Folgenden einer düster groovenden Basslinewand gegenüberstehen, welcher sie zwar mit dem nötigen Respekt begegnen, jedoch mehr und mehr als Herausforderung für den progressiven Charakter des Stücks. Davon zeugen nicht nur in einem weiteren Break heraufbeschwörte Hallanbandlungen, auch einige alternative Gitarrenzupfer schleichen sich unter die unvermindert eingeworfenen, frühlingshaft anmutenden Klarionettenklänge. Erst ein finales Outro ist dann in der Lage, das Ganze wieder in ruhigeres Fahrwasser aus immer noch flüsternden Vocaleinspielern und zurückgelehnten Klaviertönen zu lenken und schlussendlich mit verdienten 5,5/6 im Gepäck in einen Wald voller Vogelgezwitscher zu entlassen. ;)


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Immer her mit der atmosphärischen Kälte! Nachdem die 16 Bit Lolitas mit dem bereits Ende des letztes Jahres veröffentlichten ersten Two-Tracker unter ihrem Projektnamen Bug Report noch eine gute Stufe tiefer als sonst schon in minimalistisch-technoiden Grenzgebieten voller atmosphärisch düsterer Leckereien einzutauchen gedachten, fällt ihre neueste EP meines Erachtens nun noch eine weitere Nuance dunkelheitsaffiner aus, ohne dass dabei die progressive Grundausrichtung in irgendeiner Form in Frage gestellt wird. :D

    Als Favorit kristallisiert sich in meinen Ohren dabei Low Density heraus, welches nicht nur vom ersten Moment an mit einer herrlich zwielichtig durch den Untergrund geisternden Bassline aufwartet, sondern diese auch sogleich mit einigen verstörenden Industrial-Toneinwürfen sowie einem Effektschwarm, welcher sich irgendwo zwischen Vinylknistern und Vogelgeflatter einfindet, interessant zu kombinieren weiß. Alsbald passend ergänzt durch stakkatierte Bassgitarrenzupfer plustert sich der hiesige Untergrund nun mehr und mehr in seiner Vorliebe für neblige Atmosphärenschwaden auf, wovon in einem anstehenden Quasi-Break vor allen Dingen die Bassline profitiert und munter weiter nach vorn schreitet, ehe zusammen mit dem restlichen Drumming zur Abwechslung die organischen Begleitbasstöne kurzzeitig das Heft an sich reißen, im weiteren Verlauf allerdings erneut von den Industrial-Effekten sowie den immer wieder aggressiv nach vorn ausfahrenden Pranken der wunderbar düster groovenden Bassline aufmerksam belauert werden. Nach einem weiteren Kurzbreak, in welchem einige techig stakkatierte Alternativtöne die Szenerie belagern, ist der Untergrund dann wieder in der Lage, in gekonnt grummelnder Manier den Antrieb des hiesigen Tracks zu mimen. Aufkommende Alternativtöne werden durch eine alsbald erneut inszenierte Unterbrechung für einige Momente gelähmt, sodass sich der Untergrund noch einmal in aller Ruhe Schicht für Schicht aufbauen kann, die gelungen düster-groovende Zusammenarbeit mit den techigen Stakkatotönen rundet das Ganze im Anschluss aber entgegen der von der Bassline zur Schau getragenen Abscheu gegenüber diesen in unverschämt progressiver Größe ab. Alles in allem sicherlich kein sphärisches Feuerwerk, der Weg zur reinen Monotonie ist jedoch glücklicherweise noch ein weiter - da reichen auch die nahrhaften 5/6 als Wegzehrung sicherlich nicht... :p

    Tilted gestaltet sich im Gegenzug dann noch eine gute Portion minimalistischer geprägt, wovon nicht nur die vom Start weg vorgelebte Verstrickung in klickernd beeinflusste Effektbewegungen erzählt, auch die im weiteren Verlauf nicht wirklich als lohnenswertes Beiwerk des Stücks erachtete Verdichtung der Trackelemente zeugt von dieser Grundhaltung. So ist es kaum verwunderlich, dass das Ganze nach einer gewissen spannungslosen Dauer immer mehr in Richtung dümpelnder Gefilde voranschreitet, ehe im Untergrund dann doch noch langsam aber sicher eine Neuanschaffung ihre Runden zieht und sich im anstehenden Break schließlich als repetitiv angelegtes Vocalfragment offenbart, welches mit einigen in die sphärische Komponente emporwachsenden Tonflächen im Handgepäck nun eine dezente, aber gelungene Anschwellaktion aufs Parkett legt. Leider entpuppt sich in Kooperation mit dem minimalistischen Untergrund einzig eine monotone Synthiemelodieandeutung als Überbleibsel der Breakentwicklung, sodass im Folgenden auch die Vocalfragmente wieder mehr und mehr ihren Unmut darüber kundtun und in einem zweiten Break ein weiteres, ansehnlich progressives Flächenbad nehmen, welches im Vergleich mit dem vorherigen sogar noch etwas ausgereifter wirkt. Eine Anschwellaktion weiter kann dann zudem das klickernde Drumming endlich seine kontrastreiche Wirkung besser entfalten, einzig die faden Synthietöne als "Schlussakkord" hätte sich das niederländische Produzentenduo für meinen Geschmack ruhig sparen können. So reicht es insgesamt gesehen dann auch leider nur zu soliden 4/6 aus der Mottenbewertungskiste. :yes:

    N'Abend zusammen!

    Dass der schwedische Ausnahmeproduzent Eric Prydz nicht erst seit gestern unter diversen Pseudonymen in überzeugender Manier auf mehreren Hochzeiten der elektronischen Musikszene herumgeistert, während die kommerziell angepasste Masse ihn ausschließlich als Urheber alles andere als innovativ gestalteter Coverstücke wie Call On Me oder Proper Education kennt, dürfte sicherlich nicht nur hinlänglich bekannt sein, sondern als vom Skandinavier selbst gewähltes "Schicksal" durchgehen. Und solange der Gute als Cirez D auch weiterhin solch starke Sachen wie das jüngst in digitaler Form erschienene und alsbald ebenfalls auf Vinyl erhältliche Tomorrow aus seinem Studio heraushaut, möchte ich dieses Geschäftsmodell auch gar nicht verurteilen, zumal sich seine hitparadenaffine Schiene in der Tat sehr in Grenzen hält. À la "Pryda & Friends" soll der in diesem Thread zu gelobende Track zwar zusammen mit dem mir bisher noch nicht untergekommenen Namen Acki Kokotos (anscheinend aus dem Dunstkreis der Swedish House Mafia) produziert worden sein, eine andere Handschrift als die von Prydz selbst lässt sich von meiner Wenigkeit in diesem keineswegs melodiescheuen Grenzgänger zwischen treibend-technoiden und progressiven Housegefilden jedoch wahrlich nicht heraushören. Es gibt auf jeden Fall schlechtere Voraussetzungen für ein auf dem hauseigenen Label Mouseville veröffentlichtes Stück - siehe die meines Erachtens nicht annähernd so begeisterungswürdige B-Seite mit ihrer groovend veranlagten "Sirtos Madness"... ;)

    Wesentlich mehr zu bieten hat dagegen das zu Recht im hiesigen Mittelpunkt befindliche Tomorrow, welches bereits in einem Quasi-Intro eine mystisch sirrende Tonfläche aus dem Effeff zitiert, während im Untergrund noch eine wohldosierte Watteportion die Kickdrum in Zaum hält. Mit zunehmender Dauer ist diese Entwicklung jedoch zum Wohle des Tracks zum Scheitern verurteilt, schleicht sich nach und nach doch eine herrlich druckvoll groovende Bassline aus den Untiefen des Stücks, um sich mit einigen überaus interessant geratenen Effekten, welche wohl etwas zu intensiv ihren letzten Tauchurlaub am Vänernsee noch einmal aufleben lassen wollen, zu vereinen und schließlich in ihrer ganz eigenen nach vorn schnappenden Art und Weise endlich aus ihrer Watteumhüllung befreien zu können. Und auch wenn die schwelende Tonfläche sich als Leidtragende der Eruption dieses enorm aufgestauten Druckpotenzials opfert und in der kommenden, drummingorientierten Phase eine künstlerische Pause einlegt, in der sich die geneigte Hörerschaft ganz und gar der treibenden Wirkung des hiesigen Unterbaus widmen kann, in den äußersten Gestaden des Stücks bereitet sich schon bald das nächste entscheidende Element konstruktiv auf seine geplante Enterung der bisher recht überschaubar anmutenden Melodieebene vor. Dass dieses ausgerechnet eine aus der Tonfläche vom Beginn hervorgegangene sowie fast schon trancig wirkende Melodielinie darstellt, welche in ihren mystischen und nachhallverliebten Windungen die atmosphärische Komponente des Ganze zusammen mit einigen minimalistischen Klickereien nun zunehmend zu verdichten weiß, mag für den gemeinen Cirez-D-Sympathisanten zwar eine kleine Überraschung darstellen, vermutet er solch eine Entwicklung doch eher bei Pryda-Stücken, etabliert sich hier jedoch mehr und mehr als weiterer, nicht minder antreibend geratener Motor des Stücks. Ab und an schaut dabei sogar die bekannte sirrende Tonfläche als unterstützendes Melodieelement vorbei, ehe das Ganze auf dem Weg zu allzu viel Schwebegefühl eine Zäsur mittels eines Kurzbreaks, in welchem die Melodielinie langsam aber stetig durch eine Effektwolke ersetzt wird, heraufbeschwört. Eine daran anschließende, drummingorientierte Druckphase, in der noch einmal das überzeugende Retrogewand der immer wieder nach vorn ausufernden Bassline in aller Ausgiebigkeit vom Tanzbein begroovt werden darf, täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass die Hassliebe zur kontrastreich agierenden Melodielinie alsbald noch ein letztes Mal ausgiebig in einer Intensitätsanschwellaktion par excellence zelebriert wird, bevor das Ganze schließlich allmählich in Richtung Rückbau einschwenkt. Summa summarum mal wieder ein hervorragender Track aus dem Hause Prydz, welcher sich mir nicht unter verdienten 5,5/6 hinfortstehlen kann. :D


    Greetz,
    :: der hammer ::

    N’Abend zusammen!

    Nachdem mir das deutsche Produzentenduo Microtrauma, bestehend aus Ricardo Linke und Daniel Päßler, bisher nur als anständige Remixer diverser Veröffentlichungen des nimmermüden Kölner Labels Traum Schallplatten ein vager Begriff war, schicken sich beiden nun an, mit ihrer dortigen ersten eigenen EP für Furore im Kreise aller Atmospheric-Techno-Sympathisanten zu sorgen. Schuld daran sind eindeutig drei frisch aus der heimischen Klangschmiede entlassene Tracks, welche alle irgendwo im illustren Grenzbereich zwischen progressiven, technoiden und trancigen Territorien mäandern und dabei meines Erachtens nur die besten Zutaten für ihre sphärisch äußerst beeindruckenden Klangbilder zusammengesucht haben. Zudem war man sich beim Label nicht zu schade, der Colorblind EP betitelten Trackzusammenstellung eine nicht minder überzeugende Überarbeitungsfraktion zu spendieren, in welcher sich mit Max Cooper, Ryan Davis und Richie G sicherlich einige der derzeit umtriebigsten Pferde des labeleigenen Stalls befinden. Während die Remixe letzterer ausschließlich digital erhältlich sind, gibt es die drei Originalversionen natürlich auch wieder für alle Freunde des schwarzen Golds auf Vinyl zu ergattern. Vorhang auf!

    Saturation auf der A-Seite legt die Maßstäbe für seine Vorgänger auf jeden schon einmal recht hoch an, wenn sich aus einem zaghaften Stakkatoton/Klickerdrumming-Gemisch in gelungen progressiver Manier ein überaus atmosphärisch veranlagter Track entfalten kann, welcher nicht nur aufgrund der Vielseitigkeit seiner Melodieelemente, sondern auch durch das fiebrige Zusammenspiel jener mit dem düster effektierten Untergrund bei mir punkten kann. Langsam, aber stetig weiß sich die sphärische Komponente dabei aus ihrer Mauerblümchen-Situation herauszubewegen, um schließlich auf der grummelnden Basslinewand mit mystischen Flächenstücken, nach vorn stakkatierenden Melodiefragmenten sowie allerhand Effektzugaben zum entscheidenden Motor des Stücks avancieren, der im Mittelteil sogar einigermaßen deutlich mit trancigen Melodiestrukturen kokettiert. Durch ihre spannende Fragmentierungen besitzen letztere jedoch genug Understatement, um sich nicht allzu euphorisch vom Rest des Tracks abzuheben, sondern mit diesem eine äußerst abwechslungsreiche Melange einzugehen, welche in den Breaks ihre geheimnisvoll wabernden Flächenstücke einzusetzen weiß, während in Kooperation mit dem Untergrund die stakkatierten Melodiebögen deutlicher im Vordergrund ihre entrückt-düsteren Kreise ziehen dürfen. Gepaart mit einem herrlich progressiven Trackaufbau, welcher hinter jeder Ecke neue Zusammensetzungen der Melodieelemente parat hält, führt summa summarum für meinen Geschmack somit kein Weg an mehr als verdienten 5,5/6 vorbei. ;)

    Dekoriert mit zwei Überarbeitungen darf sich Saturation trotz seines bescheidenen Charakters dennoch insgeheim als König dieser EP fühlen, setzt sich doch auch im Ryan Davis Remix die wunderbar neblige Stimmung des Originals fort. Im Gegenzug präsentieren sich die Kontraste hier noch etwas schärfer ausgearbeitet, was sich besonders niederschlägt in der Aufeinanderfolge recht minimalistisch inspirierter Phasen, in denen sich das interessant monoton nach vorn stolpernde Drumming sowie einige bekannte Flächenstücke in dezenter Zurückhaltung üben und alternativ tröpfelnden Toneinwürfen die Hand geben, und leicht episch anwachsender Melodie-Intermezzi, die die wabernden Flächenanleihen in ungekannt verdichtender Manier anwachsen sehen. In den Kurzbreaks erreicht letztere Entwicklung dann stets ihren atmosphärischen Höhepunkt, wenn es die Melodieebene – subtil unterstützt vom monotonen Basslinerotieren – in herrlich entrückter Manier in fast schon extraterrestrisch anmutende Gefilde verschlägt. Im Laufe der Zeit gesellen sich zudem immer wieder neue Toneinwürfe sowie eine mystische Alternativmelodielinie hinzu, sodass im letzten Drittel auch zusammen mit dem Drumming die im Vergleich mit dem Original noch etwas intensiver gestaltete Atmosphäre zelebriert wird, ehe das Ganze nach einem wunderbar subtilen Rückbau nicht minder gut gebaute 5,5/6 in Empfang nehmen darf. Sich gegen solch übermächtige Vorgänger durchzusetzen ist dem Richie G Remix im Anschluss dann zwar nicht gegönnt, jedoch zeigt sich auch dieser gewandt im Umgang mit alternativen Melodieanleihen, welche sich an die bekannten Flächenstücke in galanter Manier anzuschmiegen und mehr und mehr zusätzlich tröpfelnden Klickereien heraufzubeschwören wissen. In und nach einem kurzen Break gesellen sich dann auch die Stakkatotöne aus dem Original immer mal wieder hinzu, um sich nun - mal mehr, mal weniger intensiv – unter das hiesige Melodievolk zu mischen, welches meines Erachtens allerdings mehr als nur einen simpel daherschreitenden Offbeat-Untergrund verdient gehabt hätte. Dafür zeigt sich die Melodieebene durchweg in sphärisch wertvoller Erregung (inklusive Outro), wenn auch in dieser deutlicher in Richtung Progressive House tendierenden Überarbeitung insgesamt gesehen nicht die Intensität von Microtrauma und Ryan Davis erreicht werden kann, sodass ich wohl nicht mehr als 4,75/6 zu vergeben in der Lage bin. :)

    Diffusion als einzig remixloses Stück der EP entpuppt sich dann zwar als etatmäßiger Herausforderer der A-Seite, hat sich anders als diese jedoch eine etwas verstörendere Schale zugelegt, welche bereits nach wenigen Momenten in Form von scharfen Effektstrahlen und einem monoton um sich selbst kreisenden Tonfolgenfragment mit der geneigten Hörerschaft Bekanntschaft macht. Seltsam zerhackstückelte Vocaleinspieler, welche einem Max Cooper nicht besser aus dem Studio hätten rutschen können, verstärken die äußerst diffus wirkende Atmosphäre, welche im weiteren Verlauf zwar mit mystisch agierenden Tonflächenstücken etwas mehr Zielgerichtetheit erhaschen kann, in Kooperation mit aggressiv fragmentierten Stakkatotönen sowie einer repetitiv wabernden Basslinewand jedoch stets ein Pulverfass im Untergrund bereithält, um bei allzu harmonischer Entwicklung entscheidend einwirken zu können. Ab einem weiteren Kurzbreak, welches erneut die verwirrenden Vocalfragmentierungen aus seiner Schublade holt, gehört die Hauptbühne dann schließlich zunehmend den Flächenornamenten, welche sich erstaunlich intensiv verdichten können und die folgenden Kurzbreaks hindurch in erhabener Art und Weise eine außergewöhnliche Klangreise unternehmen. Wunderbar kontrastreich abgeschmeckt durch Stakkatotöne, Basslinegrummeln, Effektfetzen und Vocaleinspieler entsteht dabei etwas ganz Eigenes, das sich schwer beschreiben lässt und schlussendlich von meiner Seite mit nicht weniger als überdurchschnittlichen 5,5/6 bekrönt wird. :D

    Contrast als Letzter im Bunde zeigt sich dann nicht ganz so zwingend und düster wie seine beiden Vorgänger, ist allerdings in der Lage, auch mit seinen melancholisch anmutenden Melodieanleihen ein sphärisch nachwirkendes Stück zu erschaffen, welches zudem durch seine immer mal wieder eingestreuten, interessanten Breakbeat-Ausflüge von sich reden macht. Klickernde Effekteinsätze, acidlastige Basstöne sowie einige geheimnisvoll hereinwehende Flächenwinde bilden dabei den Rohbau für die alsbald von statten gehende Verdichtung, welche sich nicht nur durch eine herrlich brodelnd inszenierte Basslinewand, sondern auch durch den zunehmenden Einsatz hoffnungsvoll atmender Melodielinien speist. Lassen sich selbige im Mittelteil auch von einem dunkelheitsaffinerem Pendant unterkriegen, so erwachsen sie spätestens im anstehenden Kurzbreak erneut zu bekannter Ausdrucksstärke und erfüllen den hiesigen Track als Gegenpol des stetig grummelnden Untergrunds mit einer gut portionierten Dosis Wärme. Durch den Raum geisternde Zeitlupen-Vocalflächen und feinsinnig austarierte Effekthappen unterstützen diesen Kurs in wunderbar subtiler Manier und lassen im Endeffekt nicht weniger als verdiente 5/6 aus meinem Bewertungskeller in die Tracktaschen wandern. Wie kaum anders zu erwarten setzt der Max Cooper Remix dem Ganzen dann aber die Krone auf. Allein dieser bis ins feinste Detail ausgearbeitete Untergrund mit dem nun omnipräsenten Effektraspeln aus dem Original, einiger alternativer Tontropfen sowie einer jeglichen Begleitumständen berechnend monoton entgegenschaukelnden Bassline reicht schon, um den gemeinen Hörer in gewohnt charmanter Manier um den Finger zu wickeln. Dabei ist bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Wort über die nahtlose Einbeziehung der Vocalflächenstücke aus dem Original, welche dort nur eine Nebenrolle auszuüben pflegten, oder die Verstärkung der von selbigen angeführten, sphärischen Komponente durch eine zurückhaltend surrende Tonfläche verloren worden. Mit zunehmender Dauer erobern die Vocalschwaden schließlich solch lustvoll düstere Gefilde, dass auch die in selbigen immer wieder gezeigte Tendenz zur typisch Cooper’schen Flächenverzerrung beinah untergeht. Durch die zunehmende Überlagerung von Vocalflächen und alternativ verzerrten Tonstücken profitiert dann im weiteren Verlauf nicht nur immer deutlicher die sphärische Intensität, auch das kontrastreiche Zusammenspiel mit dem hypnotisch groovenden Untergrund weiß sich in dieser Entwicklung hervorzuheben. Alles in allem eine herrlich minimalistisch-epische Erkenntnisfahrt durch die abgründige Welt entrückter elektronischer Musik, welche mit ihren 5,75/6 für meinen Geschmack nur denkbar knapp an der Höchstnote vorbeischrammt. :yes:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Überaus gelungenes Stück vom Herrn Zimmerman, der es immer wieder schafft, seine Klangcharakteristika in unterschiedliche Genrezusammenhänge einzufädeln, während ein Großteil seiner unflätigen Soundplagiatoren mittlerweile schon längst wieder rechtmäßig vom Erdboden verschluckt worden sind. Nach spannenden Dubstep-Ausflügen auf seinem letzten Album kokettiert deadmau5 mit HR 8938 Cephei (hört sich für mich wie der "kreative" Name einer fernen Galaxie an...) zwar nun mit der melodieverliebteren Trackarmada, mit welcher er vor einigen Jahren wie Phönix aus der Asche seinen Platz am Firmament der EDM-Szene einnahm, das Endergebnis präsentiert sich jedoch keinesfalls wehmütig nostalgisch, sondern geht sein atmosphärisches Potenzial vielmehr selbstbewusst progressiv an. Das beginnt bereits beim mystisch gestalteten Intro, in welchem sich zaghaft agierende Synthietöne fernab von Raum und Zeit mehr und mehr in die Gehörgänge bewegen und in Zusammenarbeit mit einer saftigen Kickdrum alsbald zunehmend Verstärkung in Form von sporadischen Klackereinwürfen, verzerrten E-Gitarren-Flächen sowie einer trancigen Alternativtonfolge erhalten, wobei auch die herrlich subtil wabernde Basslinewand keinesfalls unerwähnt bleiben sollte, kann sich die aufkommende sphärische Tiefe doch erst in Kooperation mit dieser in einer solch galanten Art und Weise wie hier geschehen etablieren. Leidtragende dieser Entwicklung sind allerdings die dezenten Synthietöne vom Beginn, welche sich unter der zunehmenden Dominanz der stakkatierten Tonfolgen in den Hintergrund verschoben sehen, während sich letztere immer deutlichere Avancen in Richtung einer Anschwellaktion erlauben können, ohne dass sich das Ganze dabei für meinen Geschmack zu sehr an unsägliche Bigroom-Gefilde anbiedert. Dazu trägt nicht nur unverkennbar die hiesige Vorliebe für eine progressive Trackgestaltung bei, auch die Initiierung immer neuer Alternativmelodieandeutungen rühmt sich zu Recht für ihre Variabilität. Erst ein Break ist in der Lage, dem eingespielten Ganzen etwas Schwung zu nehmen, woraufhin die trancigen Melodiebögen sich sogleich zusammenschließen und ein entspanntes Flächenmeer heraufbeschwören, welches seinen mystischen Charakter zwar im weiteren Verlauf zugunsten des wiedereinsetzenden Drummings kurzzeitig wieder etwas verstecken mag, dafür aber auch den subtilen Synthietönen von Beginn noch einmal einige wunderbar sphärische Momente gönnt. Vermehrte E-Gitarren-Einwürfe sowie das langsame Anschwellen der trancigen Alternativtonfolgen machen dem Track jedoch alsbald erneut mehr und mehr den Weg frei für eine letzte markante Verdichtung seiner progressiv gestalteten Melodieelemente, welche sich bis fast kurz vor Toreschluss in herrlich kontrastreicher Manier auf der wabernden Basslinewand austoben dürfen. Summa summarum fast 11 Minuten Hochgenuss, welche einmal mehr die Lebendigkeit der toten Maus unter Beweis stellen und mir nicht unter 5,75/6 aus den Ohren geraten... ;)

    Vielleicht wird's ja heuer auch für mich endlich mal wieder was mit dem Juicy Beats Festival - nachdem ich mit dem Andru bereits 2007 und 2008 zahlreiche musikalische Leckerbissen im herrlich fruchtig dekorierten Dortmunder Westfalenpark genießen durfte und eine Teilnahme im letzten Jahr nur an der zeitgleich gestarteten Alpenüberquerung mit dem Radel gescheitert war, stehen die Chancen für meinen insgesamt dritten Besuch dieses stets lohnenswerten Eintagesfestivals sicherlich nicht schlecht. Mit Beth Ditto, welche jüngst in Zusammenarbeit mit Simian Mobile Disco ihre elektronische Seite nach außen kehrte, hat man für meinen Geschmack auf jeden Fall bereits einen schlagkräftigen Headliner ins östliche Ruhrgebiet geholt, welcher allerdings keineswegs von den restlichen vielversprechenden Namen ablenken soll. Schließlich wären da nicht nur der melancholische Singer/Songwriter-Poet Gisbert zu Knyphausen, sein nicht minder begabter Genrekollege ClickClickDecker sowie der wesentlich elektronischer agierende Norman Palm, auch die von mir sehr geschätzten Weilheilmer Elektronikpioniere The Notwist werden sich nicht zu schade sein, das ehemalige Bundesgartenschaugelände kräftig zu beschallen. Wem nach so viel Purismus der Sinn wieder vermehrt nach Klängen steht, welche den geneigten Festivalgänger frontal von vorn entgegensprinten, dem seien vor allen Dingen die sich scheinbar auf einer seit Jahren nicht enden wollenden Tour befindenen Krawallbrüder von Bonaparte, die Ravepunk-Kapelle Saalschutz, feinster Indierock mit The Thermals oder ganz einfach Boys Noize in Reinform wärmstens ans Herz gelegt. Schnell noch einen großen Bogen um K.I.Z. gemacht und schon lockt am Abend Deep/Progressive House mit Jimpster und/oder natürlich die alljährlich überaus hörenswerte Drum&Bass-Sause mit Radiolegende Klaus Fiehe sowie die stets dazugehörige Frage, ob er es auch diesmal schafft, einen Großteil seiner Übergänge galant in den Sand zu setzen... ;)

    Die (wohl vorletzte) Wagenladung an Melt!-Namen kann auch meine Wenigkeit nicht so wirklich in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen, fehlt mir dort zwar nicht die gewohnte Genrevielfalt, aber doch ähnlich wie bei Aiiwa die Acts, die mir zu Recht schon beim Lesen ein großes Paket Vorfreude aufschwatzen wollen. Die Jungs von Beady Eye (also Oasis minus Noel Gallagher) hauen mich mit der kompromisslosen Weiterführung des Erbes des mächtigen Britpop-Vorgängers, der ja bereits 2009 das Festival beschließen durfte, beispielsweise nicht großartig vom Hocker, die Electroclash-Fanatiker Crystal Castles finden irgendwie auch in jedem Jahr ihren Platz im Line-Up und die im letzten Jahr ordentlich gehypten The Drums mit ihrer Mischung aus Surfmusik aus den 60ern und 80ergeschwängertem New Wave, welche mich noch ansatzweise hinterm Ofen hervorlocken könnten, sollen zudem eine recht maue Liveband sein, wie ich leider in diversen Konzertnachberichterstattungen lesen durfte. Dagegen sind der warmherzige Indiefolk der bärtigen Iron & Wine sowie der umtriebige Apparat mit seiner Band und Electronica/Soul-Geheimtipp Jamie Woon sicherlich sehenswerte Gäste im ehemaligen Bitterfelder Braunkohlerevier, aber keinesfalls allzu schlagkräftige Argumente, um den Melt!-Jahrgang 2011 die bisherigen Zugpferde streitig zu machen. Die Hälfte aller Tickets sind bis dato auf jeden Fall nichtsdestotrotz schon mal an den Mann bzw. die Frau gebracht worden...

    Zitat

    FCB 2011/12. Mehr muss man dazu gar nicht sagen. Ab dem 2:2 hab ich gewusst, dass es passiert

    Dito, als dann auch noch Robben und van Buyten, der "Defensivkünstler" Breno heute wenigstens ansatzweise etwas Stabilität beizubrigen versuchte, ausgewechselt wurden, lief mal wieder nicht mehr viel zusammen und das Unheil nahm fast schon erwartungsgemäß seinen Lauf. Mal ganz davon abgesehen, dass bei den ganzen Hundertprozentigen man zur Halbzeit mit 4:1 führen muss - ich denke mit Schrecken an diese kuriose Szene zurück, in der der Ball kurz vor der Torlinie die Puste ausgeht und bei der anschließenden Klärungsaktion von Müller nur an den Pfosten abgelenkt wird - mit Defensivleistungen, die wiederholt an Arbeitsverweigerung erinnern, kann man eben keinen Blumentopf gewinnen. Gut, dass diese Brechreiz-Saison in acht Spielen endlich vorbei ist, das Wort "Sommerpause" könnte nie verlockender klingen... X(

    N’Abend zusammen!

    Nachdem ich im Herbst letzten Jahres bereits der ersten Veröffentlichung von Alessandro Diga auf Outside The Box Music, dem Label des niederländischen Ausnahme-Progressive-Künstlers Eelke Kleijn, an dieser Stelle einige lobdurchwebte Zeilen widmete, möchte ich mich nun auch hinsichtlich dieser jüngst in die zweite Runde gegangenen Zusammenarbeit nicht aus der Verantwortung stehlen. Schließlich taucht der ebenfalls aus den Niederlanden stammende und auf den bürgerlichen Namen Martijn van Dijk hörende Produzent hierbei einmal mehr in für meinen Geschmack faszinierende Klangwelten ab, welche starren Genregrenzen nicht nur von ganzem Herzen die Pest an den Hals wünschen, sondern zudem stets nach dem gewissen Etwas für ihre atmosphärische Komponente streben, sodass aus dieser auf den ersten Blick noch recht eigenartig wirkenden Kombination einzigartige progressive Kleinode erwachsen können, die (sicherlich nicht nur) von der hiesigen Tellerrandfraktion mit offenen Ohren empfangenen werden möchten. Denn wenn die größte Hürde der Kroxldyphvic EP die Aussprechbarkeit bzw. Buchstabierung des titelgebenden Stücks, welches übrigens an den Buchstabierwettbewerb aus South Park angelehnt ist, darstellt, sollte der Hörgenuss doch ein leichter sein, oder!? ;)

    Besagtes Kroxldyphvic gibt sich dann auch schon nach wenigen Sekunden ähnlich mysteriös wie seine Bezeichnung, wenn sich in einem rastlos klickernden Ambiente aus rasselnden Minimaleffekten und einem repetitiven Toneinwurf alsbald eine herrlich verdunkelte Basslinewand die Ehre gibt und den Untergrund mit ihrer erhabenen Lichtscheue ausfüllt. Zunächst nur durch sporadische Ausbrüche gekennzeichnet gerät selbige in einem ersten Kurzbreak zusammen mit den Toneinschüben dann wesentlich deutlicher in spielfreudigere Gefilde, ohne dabei infolge des Heranpirschens einer nicht minder druckvollen Flächenmelodielinie an düsterer Ausstrahlung zu verlieren, sodass sich das Ganze im Anschluss in Kooperation mit dem restlichen Drumming zu einem ansehnlichen Zwitterwesen aus elektroiden, progressiven, technoiden und trancigen Versatzstücken entwickelt. Von letzterem zeugen nicht nur die vielen spannenden Melodieandeutungen, welche nach dem vorübergehenden Rückzug der Flächenstücke auf der omnipräsenten Basslinewand mehr und mehr ihre Runden ziehen dürfen, auch die sphärische Dichte zeigt sich oftmals begeistert von der Vielfalt der progressiven Tonfolgen, welche den mystischen Charakter des Stücks zu unterstützen wissen. Als Fragmente getarnte Klangwellen, glöckchenartige Instrumentierungen und subtiles Hintergrundrumoren lassen den Freund feinsinniger Melodiebögen auf jeden Fall zunehmend mit der Zunge schnalzen, während das Zusammenspiel zwischen der getriebenen Dunkelheit des Untergrunds und der sich verstärkenden Wärme der Melodieelemente immer kontrastreicher gestaltet wird und schließlich in ein weiteres Kurzbreak mündet, welches die bekannten Toneinwürfe mit einem interessanten Pendant überrascht und die bisherige Melodieentfaltung wieder etwas zurückfährt. Nichtsdestotrotz büßt das Stück auch mit dieser Entwicklung nichts von seinen progressiven und sphärischen Stärken ein und rundet sich somit in mehr als gelungener Manier ab, ehe ein schleichender Rückbau allmählich die herausragende Basslinebasis des Ganzen noch einmal an vorderste Front schickt und schlussendlich mit verdienten 5,5/6 im Schlund entschwindet. :D

    Damit Not A Word im Anschluss nicht sogleich als Alptraum eines jeden Rhetorikers abgestempelt wird, komme ich auch bei diesem progressiv veranlagten Track nicht um einige blumig rezensierende Sätze umher. Jener bewegt sich meines Erachtens zwar nicht in der gleichen Qualitätsliga wie sein Vorgänger, wäre allerdings mit der Umschreibung als „B-Seite“ ebenfalls alles andere als geeignet eingeordnet – die Wahrheit liegt vielmehr wie so oft in der Mitte, in welcher sich das wortkarge Stück als glühender Verehrer des Anjunadeep-Klangkonsortiums zu verstehen gibt. Im Intro zunächst noch umgeben von monotonen Toneinwürfen, entfaltet sich aus selbigen in Zusammenarbeit mit einem düster groovenden Untergrund, welcher vor allen Dingen mit seiner wunderbar wabernd geratenen Basslinewand bei mir punkten kann, sowie einer anschwellenden Effektböe ein ansehnlich schlurfendes Melodiefragment. Dass dieses nicht minder die Kunst des gekonnten Auf und Ab innerhalb des Spannungsbogens beherrscht, wird der gemeinen Hörerschaft recht schnell klar, denn auch in reduzierter Form strahlt ihm mehr und mehr ein sphärisches Wohlgefühl entgegen, welches in Kooperation mit einigen alsbald sich dazugesellenden Stakkatotönen zudem ein stets faires Duell mit der leicht düster steuernden Bassline aufs Parkett legt. Unterstützende Flächen injizieren dem Ganzen im weiteren Verlauf sogar eine Prise Melancholie, welche besonders in den Momenten in dezenter Manier zum Vorschein kommt, die sich unaufgeregt minimalistisch geben. Eine solche Phase nutzen die Stakkatotöne dann schließlich aus, um den Track in ein Break zu führen, in dem die Hauptmelodielinie zunächst nur eine äußerst untergeordnete Rolle spielt, in zunehmend flächigerer sowie präsenterer Instrumentierung jedoch erwartungsgemäß eine weitere Anschwellaktion initiiert, ehe zusammen mit dem Drumming anschließend noch einmal sämtliche Melodieelemente in trauter Eintracht auf der wabernden Bassline gastieren und das sphärische Finale dieses 5/6er-Stücks einläuten. :)

    Als Dritter im Bunde stellt sich schlussendlich One Thing Missing im betont zurückgelehnt betitelten Friday Afternoon Mix vor, welcher meines Erachtens in dieser Form beispielsweise auch von einem Gui Boratto stammen könnte. Dafür spricht nicht nur eine Bassgitarre, welche in ihrer druckvollen Monotonie die Fortbewegung des Stücks in Gang hält, betont fragmentiert gehaltene Melodieelemente sorgen zudem dafür, dass die hiesige Atmosphäre stets präsent, aber keinesfalls aufdringlich auftritt, ohne dabei in allzu luftige Gefilde abzudriften. Als klassischer roter Faden prägt die markante Bassline das Geschehen dabei schon in einem kurzen Intro, ehe im Schlepptau einiger Effektfetzen Kickdrum, passend eingesetzte Subbässe sowie ein immer wieder eingeworfener Tonschub im hiesigen Stück Platz nehmen und eine gewisse frühlingshaft anmutende Groove-Affinität nun mit jeder weiteren Sekunde zu etablieren wissen. Ist vor dem nächsten Kurzbreak bereits eine Einsatzhäufung des Toneinwurfs zu beobachten, so stellt der geneigte Hörer im Folgenden eine weitere unverkennbare Vermehrung der Klangelemente fest, welche dem Ganzen in stakkatierter Manier atmosphärische Leichtigkeit einimpfen und im Mittelteil schließlich solch einen Vorreiterstatus genießen, dass sich nun sogar die Bassline von ihrer bisherigen Sympathie für monotone Griffigkeit verabschiedet und zusammen mit einigen trancigen Alternativtönen eine Schwebepartie gönnt. Dass letztere dabei keineswegs in belangloses Strandgeplätscher ausartet, ist dann auch im weiteren Verlauf der Tiefe des Untergrunds geschuldet, in welcher die Bassline ihrer wavigen Reminiszenzen treu bleibt und der sommerlich inspirierten Melodieebene einen mehr als gelungenen Gegenpol zur Seite stellt. Die Rückkehr zur monotonen Spielweise leitet im Anschluss zwar die letzten Meter des Tracks ein, zufriedenstellende 5/6 sind zu diesem Zeitpunkt jedoch längst im Kasten… :yes:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    N’Abend zusammen!

    Mit seiner insgesamt neunundneunzigsten (in Zahlen: 99) Veröffentlichung steht das renommierte Label Hope Recordings zwar mittlerweile vor einem ziemlich runden Geburtstag, welcher übrigens alsbald standesgemäß mit einer neuen Platte von niemand Geringerem als Chefkurator Nick Warren persönlich begangen werden wird, doch bereits der just erschienene Vorreiter dieses Jubiläums sollte für meinen Geschmack keineswegs nur als Appetithappen abgestempelt werden. Schließlich hat man sich dort mit dem Briten James Zabiela einen überaus begnadeten Produzenten aus der weiten Welt progressiver elektronischer Musik ins Boot geholt und diesem zudem noch die Herren Robert Babicz und Tom Budden als Remixer an die Seite gestellt, sodass dem gemeinen Hörer einmal der Luxus gegönnt wird, schon vor dem allerersten Lebenszeichen von Blame entspannt zurückgelehnt die Kenntnis zu erlangen, dass mit solch einer Kombination nichts, aber auch wirklich gar nichts schiefgehen kann. Es sei denn, die fünfzehnte, ebenfalls von Zabiela zusammengestellte Ausgabe der Renaissance Masters Series (R.I.P., wir werden sie nach der Insolvenz des Labels im vergangenen Herbst schmerzlich vermissen!) befindet sich im hauseigenen CD-Regal, denn dort bestand der Track schließlich furios seine Feuertaufe… ;)

    Die Spielfreude ist dem Original Mix auf jeden Fall von Beginn an in die Visage tätowiert, posiert selbiger doch als äußerst umtriebiger Zwitter aus Breakbeats und Progressive House auf dem Basar melodiebeseelter Klanggefilde, welcher seinen Facettenreichtum mit jedem neuen Hördurchlauf etwas nachhaltiger aufzustellen weiß und somit auch in die sagenumrankte Kategorie der Grower eingestuft werden könnte. Der Einstieg in das Stück über ein gelooptes Vocalfragment gerät dann auch sogleich leicht verstrahlt, ehe sich im Untergrund die ersten Breakbeatandeutungen festsetzen und in Kooperation mit einigen vagen Flächenassoziationen in Richtung eines ersten Kurzbreaks deuten, in welchem in herrlich kontrastreicher Manier tiefergelegte Knarzbassattacken auf ein helles Melodieornament losgelassen werden. In Kooperation mit dem gebrochenen Rhythmus im Untergrund setzen sich im Folgenden zwar wesentlich subtiler agierende Subbässe durch, entpuppen sich jedoch recht schnell als passende Groove-Begleitung der nun immer gefestigter auftretenden Melodiefolge, welche insbesondere in einigen immer wieder eingeworfenen Alternativtönen, deren Instrumentierung zuweilen sogar von jener imitiert wird, sowie dezent schwebenden Flächenstücken ihre unterstützenden Kompagnons findet. Die Knarzbässe werden schließlich im weiteren Verlauf nicht locker lassen, immer mal wieder das Regiment des Tracks an sich zu reißen – so geschehen beispielweise im nächsten Kurzbreak, an dessen Anschluss sich das Ganze zudem dazu entscheidet, sein Beatgerüst nun erst einmal geradlinig weiterzuführen. Vor allen Dingen das vorhandene Druckpotenzial weiß diese Entwicklung zu schätzen, während auf den vorderen Plätzen das progressive Zusammenspiel der Melodieelemente weiter seine Kreise zieht und alsbald in atmosphärischer Hinsicht von minimalistischen Effekten, Vocalflächen sowie einer repetitiven Begleitmelodie verstärkt wird, ehe aufkommende Knarzbasseinwürfe ein weiteres Kurzbreak einläuten, in welchem eine bisher noch nicht auf den Plan getretene Melodielinie initiiert wird und im Anschluss in Kooperation mit den erneut forcierten Breakbeats in mystische Wallung gerät. Allerhand Variationen dieser Tonfolge prägen dann den weiteren Verlauf, sodass die sphärische Dichte auch in die erneute Zusammenarbeit mit dem geradlinigen Drumming hinübergetragen werden kann und mit den restlichen Melodieelementen ein nie langweilig werdendes Klangszenario auffährt. Dem ein oder anderen mögen die vielen kleinen Breaks und Tempowechsel sicherlich in die Parade fahren, ich für meinen Teil genieße jedoch gern solch eine wunderbar ausufernde Kreativität und möchte daher summa summarum nicht weniger als 5,75/6 für dieses wieder einmal hervorragende Zabiela-Stück aus zehn epischen Minuten verteilen. :yes:

    Noch eine weitere zusätzliche Minute wird dem Thema anschließend im Robert Babicz Remix gegönnt, welcher sich sodann auch das Privileg zugesteht, der geneigten Hörerschaft erst nach knapp zwei Minuten Intro-Reise die ersten Beats auf dem Silbertablett zu servieren. Zuvor gehört das Hauptaugenmerk ganz klar den Melodiefäden und Vocalanleihen aus dem Original, welche in fragmentierter Form einigen deephousigen Flächen überaus subtiler Bauart begegnen und ein ambientes Katz-und-Maus-Spiel aufs Parkett legen, welches auch von den bekannten, sporadisch eingesetzten Knarzbasseinwürfen nicht aus der Ruhe gebracht werden kann. Erst das zunehmende Minimalgeknister sowie der immer dichter geratende Einsatz der Originalmelodieelemente beschwört schließlich einige in Watte gewandete Breakbeats herbei, aus welchen sich nun peu à peu ein geradliniger Untergrund herauskristallisiert, der sich zunächst einmal von der großen Melodiegeste befreit und stattdessen in groovender Manier - besonders gestärkt durch eine deutlich dezenter knarzend angelegte Bassline - auf die deephousigen Flächen baut. Im weiteren Verlauf erhöht sich jedoch auch in dieser Umgebung wieder die Einsatzzeit der Melodiefragmente aus dem Original, sodass sich erneut ein kontrastreiches Zusammenspiel aus leicht mystisch agierender Melodieebene und grummelnd nach vorn ausgerichtetem Untergrund einstellt, wobei sich die hiesige Überarbeitung zudem eine gute Portion mehr Druck auf die Fahnen geschrieben hat und die Bassline langsam aber sicher immer prägnanter auftreten lässt. Die durch Raum und Zeit schwirrenden Tonfolgenanleihen lassen sich davon allerdings glücklicherweise nicht wirklich beeindrucken, sondern tragen mit ihrer unaufgeregten Ader nicht unerheblich dazu bei, dass das Ganze mehr und mehr in Richtung hypnotischer Gefilde schielt, ohne dabei seine progressiven oder atmosphärischen Stärken aufs Spiel zu setzen. Denn auch wenn sich repetitive Vocalfragmente in das Gesamtbild einschleichen und ein Quasi-Break dem Ganzen kurzzeitig etwas Wind aus den Segeln zu nehmen versucht, die hiesige groovende Prärie wähnt sich schier unaufhaltsam – erst der subtile Rückbau des Stücks ist in destruktiver Hinsicht erfolgreich und lässt dieses in einem mehr als gelungenen Outro mit 5,5/6 im Schlepptau im Morgengrauen entrückt entschwinden. :D

    Tom Budden’s Alive Remix dagegen kann die Qualität seiner Vorgänger für meinen Geschmack leider in keinem Moment erreichen, konzentriert sich diese Überarbeitung doch viel zu sehr darauf, ihre hochfliegenden Sympathien für groovende Techhouse-Tracks auf Teufel komm raus in die Weltgeschichte zu posaunen. Dadurch entfernt sich das Ganze zwar am weitesten vom Original (für einen Remix keinesfalls per se als Nachteil zu werten), wenn letzteres allerdings wie im hiesigen Falle bereits einen Knaller vor dem Herrn darstellte, erwarte ich als Remixarbeit aber zumindest nicht ein solch halbgares Mittelmaß-Geschunkele, welches mich theoretisch hinter jedem zweiten Beatport-Link erwartet. Interessante Vocalspielereien sowie ein schön groovend angelegter Untergrund in Kooperation mit einem sirrenden Hintergrundton und einem ständig eingeworfenen Glitscheffekt können in meinen Ohren sicherlich zu einer soliden Basis für einen techhousig inspirierten Track gezählt werden, stellen hier jedoch schon fast das Ende der Fahnenstange dar, denn ein äußerst dezent eingesetzter Ton als einziges Überbleibsel der Originalmelodiefolgen kann die magere Ausbeute in Sachen progressiver, atmosphärischer und spannungsgeladener Kriterien nun wahrlich nicht wettmachen. Da auch in der zweiten Hälfte auf überraschende Wendungen verzichtet wird und stattdessen ein lahmes Duell zwischen Vocalspielereien und Effektschwaden angezettelt wird, komme ich insgesamt gesehen nicht an der Vergabe müde dreinschauender 2,5/6 vorbei. :no:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Nachdem mir bis bis zuletzt eine deutlich aussagekräftigere Hörprobe als jene im Eingangspost als Fundament für einige rezensierende Zeilen zugunsten der zweihundertsten Veröffentlichung von Anjunabeats gefehlt hatte, ist die Zeit nun reif, das kollaborative Machwerk der britisch-russischen Verbindung aus Mat Zo und Arty etwas detaillierter unter die Lupe zu nehmen. Ersterer Produzent zählt ja nicht erst seit gestern zu den allerletzten Vertretern des (mehr oder weniger klassischen) Trance-Genres, welche meine Gehirnwindungen noch in Wallung bringen können, auch wenn der Gute seinen letzten Two-Tracker gepflegt in den Sand gesetzt hat, wohingegen dem derzeitig grassierenden Hype um die Tracks des Osteuropäers Artem Stoljarow für meinen Geschmack einfach die Substanz fehlt, da mir von dem Jungen bislang ausschließlich sauber produzierter, aber zumeist herzblutbefreiter Durchschnitt untergekommen ist. Von solch einer Charakterisierung scheint das Rebound betitelte Endergebnis dieser ungleichen Zusammenarbeit jedoch weit entfernt zu sein, haben wir es hierbei doch mit einem schön rassig nach vorn stapfenden Powerprog-Verschnitt zu tun, welcher sich schon zu Beginn mit Zohar-typischen Vocal- sowie Melodiespielereien zu schmücken weiß, ehe nach einem ersten melodiebeseelten Kurzbreak in ungeahnt kraftvoller Manier eine Sägezahn-Bassline in die vorfrühlingshaft entspannte Stimmungslage platzt, in herrlich ungezähmter Instrumentierung das Stück regelrecht nach vorn peitscht und erst einmal jegliches Harmoniebedürfnis geschmackvoll mit Füßen tritt. Da die Melodieschnipsel vom Beginn jedoch alles andere als bereitwillig ihren Platz geräumt haben und im Hintergrund alsbald erneut energisch anklopfen, einigt man sich zeitnah zunächst auf einen Kompromiss, welcher die Bassline zwar weniger dominant, allerdings immer noch prägend genug auftreten sieht, um die wiederaufkommenden Melodieschnipsel mitsamt flächiger sowie stakkatierter Begleitung in für den geneigten Hörer spannender Art und Weise zu konterkarieren. In dieser Konstellation peilt das Ganze dann auch sein anstehendes Break an, in welchem sich gewohnheitsgemäß die Melodieebene auf dem Silbertablett servieren sowie geeignet verstärken lässt, sodass sich aus einem anfangs noch recht bedächtig schaukelnden Flächenmeer schließlich langsam aber sicher eine bisher noch nicht auf den Plan getretene Tonfolge herauskristallisieren kann, welche ihre Mitstreiter nicht nur hinsichtlich des atmosphärischen Potenzials mehr und mehr in den Schatten zu stellen vermag. Schließlich scheint selbige zudem nicht ganz uneigennützig vom ominösen gewissen Etwas genascht zu haben, welches bei Mat Zo doch schon etwas häufiger beim Mittagsbüffet gesichtet worden sein soll, wenn sie immer deutlicher mit einem leicht verzerrten Arrangement schäkert, zusammen mit einigen Drumminganleihen sowie Subbässen jedoch zum Ende des Breaks wieder in den Untergrund verschoben wird. Den freigewordenen Raum übernehmen stattdessen einige harmonische Alternativflächen à la Arty, auch wenn diese in Kooperation mit dem Untergrund und den Melodieschnipseln vom Beginn nicht die Begeisterung der Melodiefolge aus dem Break ausstrahlen können. Entwickelt sich die Bassline im Anschluss allerdings wieder zunehmend knarziger, darf auch die charakteristische Tonfolge noch einmal die ungezwungene Atmosphäre des hiesigen Tracks entscheidend intensivieren, ehe das letzte Drittel als gelungene Abrundung den ungefilterten Sägezahn ausgepackt und somit imho verdiente 5,25/6 endgültig für sich gewinnt. :D

    N'Abend zusammen!

    Der britische Produzent Nick Warren mag zwar mittlerweile seit einer gefühlten Ewigkeit in der elektronischen Musiklandschaft unterwegs sein, hat sich jedoch keineswegs wie einige seiner Kollegen in einem spezifischen Genre festgefahren, sondern strahlt heute mehr denn je eine für meinen Geschmack großartige Souveränität im Umgang mit unterschiedlichsten Stilen aus, welche er durch seine Sets (nicht nur dramaturgisch stets ein akustischer Hochgenuss), sein erfolgreiches Label Hope Recordings (bald steht die hunderste Veröffentlichung an) sowie seine Produktionen, Kollaborationen und Mix-CD-Zusammenstellungen (man denke insbesondere an die zahlreichen herausragenden GU-Ausgaben) immer wieder neu unter Beweis stellt. Angefangen hat der Gute ja in der Tat in äußerst oldschooltrancigen Gefilden, arbeitete sich im Laufe der Jahre durch Breakbeats, Progressive Trance, Progressive House und Techhouse, bis er sich in jüngster Zeit immer mehr dem Atmospheric Techno widmete, welcher wohl auch als sein derzeitiges Wohnzimmer, in welchem der Gute allerdings immer wieder hocherfreut Besucher der zuvor genannten Genres empfängt, bezeichnet werden kann. In diesem Zusammenhang wundert es mich kaum, dass eine derart umtriebige Lichtgestalt nun auserwählt wurde, eine Folge der Mix-CD-Reihe des renommierten australischen Labels Balance Music zusammenzubasteln und in die Fußstapfen von Timo Maas, Joris Voorn, James Holden, Jimmy van M, Paolo Mojo und Agoria zu treten, um nur die bekanntesten Treter zu nennen. Für die insgesamt achtzehnte Ausgabe soll sich Nick Warren zwar deutlich deeper und technoider als bisher ausgetobt haben, doch auch sein imho außergewöhnliches Gespür für das gewisse melodiegetriebene Etwas wird natürlich nicht wirklich unter den Tisch gekehrt, sodass alle hiesigen Tellerrandsympathisanten von progressiv sowie atmosphärisch veranlagten Tracks abseits ausgetretener Pfade sicherlich auf ihre Kosten kommen dürften. Dafür sprechen bereits solch illustre Namen wie Eelke Kleijn, Ormatie, Solee, Lank, Steve Mill, Giorgos Gatzigristos oder Spieltape, neben denen sich der Mixschöpfer selbst mit drei Eigenproduktionen einreiht und zudem in bewährter Manier eine Reihe unbekannter Namen in die Runde wirft. Mit diesem Konzept und dem Namen Nick Warren kann meines Erachtens eigentlich nichts schiefgehen, sodass ich der in Europa am 25. April erscheinenden Balance 018 bereits jetzt den Stempel "Pflichtkauf" aufdrücken möchte. :yes:


    Tracklists:

    >> CD1 <<
    01. Ormatie – Only
    02. Spieltape feat. Shamil – Morning Paper
    03. Underset – Berlin
    04. Fiord – The Tribe Has Spoken
    05. Paul Hazendonk – My Addiction
    06. Eelke Kleijn – Monkey Movin'
    07. Jamie Anderson & Owain K – Without Sound
    08. Nick Warren – Buenos Aires [Terry Lee Brown Jr. Mix]
    09. Nomad In The Dark – Drones (Send Me)
    10. Franck Orff – Hibiscus
    11. Giorgos Gatzigristos – Tickless

    >> CD2 <<
    01. Tripswitch – Collider [Nick Warren Mix]
    02. Julio Largente – Darkened Underpass
    03. Beat Factory feat. Stamina – Let's Take A Walk
    04. Lank – Ain't No Problem
    05. Yamil Colucci – Bristol Warm
    06. Victoria R – Cosmos
    07. Solee – Aragorn
    08. Steve Mill – Someday
    09. Steven Libby – 80D Test
    10. Nick Warren – Flowers [Solee Remix]
    11. Pablo Acenso – Bread

    :huebbel:


    Greetz,
    :: der hammer ::

    Und immer noch scheint die Beachtung dieser für meinen Geschmack mehr als gelungen zu bezeichnenden Trackzusammenstellung von Andrew Bayer zu Wünschen übrig zu lassen, führe ich mir die bisher äußerst überschaubare Anzahl an Antworten in diesem Thread zu Gemüte. Dabei schickt der amerikanische "Signalrunners"-Mitbegründer doch mit seiner Distractions EP gleich vier taufrische Stücke in die Manege, welche zwar allesamt auf demselben Melodiethema aufbauen, jedoch mit einer nicht für möglich gehaltenen Vielseitigkeit an diese Aufgabe herangehen, dass dem geneigten Hörer die Kenntnis über die gemeinsame Basis zuweilen fast vollständig abhanden kommt. Von Plagiaten kann hier also keinesfalls - ich betone keinesfalls - die Rede sein... :p

    Die unvoreingenommenste Herangehensweise an die hiesige EP gebührt überraschenderweise dem Movement 1, welches die Hörerschaft bereits in einem entspannt geratenen Intro an eine Melodieebene aus leicht mystisch agierender Flächenarbeit sowie nach vorn stolzierender Stakkato-Tonfolge heranführt und diese im Anschluss in Zusammenhang mit einem minimalistisch anmutenden Untergrund an diverse Intensitässzenarien ausliefert. Dazu gehören sowohl erhaben arrangierte Anschwellaktionen als auch mehrere Kurzbreaks, in denen sich das Ganze immer wieder atmosphärisch aufplustert, ehe das sich dazugesellende Drumming zumeist nur die repetitiv nach vorn zeigenden Stakkato-Melodietöne in seiner Nähe duldet, wenn im Hintergrund auch immer wieder einige interessante Annäherungsversuche der Flächenstücke initiiert werden. Erst im letzten Drittel, wenn die bisher überaus konstant auf den besten Plätzen des Tracks gehaltene Melodiefolge ins Abseits gedrängt wird, darf die sphärische Komponente wieder etwas ausgiebiger ihre Kreise in den unaufgeregten Tonebenen vom Nebenschauplatz ziehen, bevor ein subtiler Rückbau gestandene 4,5/6 am Horizont erspäht und das Ruder schließlich weitergibt an das Movement 2, welches zudem als einziges Mitglied der EP das Privileg genießt, in den erlesenen Kreis der gerade erschienenen Anjunadeep:03 erhoben worden zu sein. Deutlich tranciger gehalten als sein Vorgänger baut diese Variante nun das sphärische Dichtepotenzial deutlich aus, ohne allzu viel von der vorherrschenden progressiven Grundhaltung verloren geben zu müssen. Das beginnt bereits bei der wunderbar beruhigenden Einleitung der bekannten Flächen, welche sich nicht nur mit leicht scheppernden Drummingeffekten, sondern auch mit einer schön wabernden Bassline sowie einem immer mal wieder eingeworfenen, herausragenden Alternativmelodiefragment bestens zu arrangieren wissen. Desweiteren schnellen alsbald die ersten Tonzungen einer auf der bekannten Stakkatotonfolge aufbauenden Melodieabwandlung in den Vordergrund, welche in Kooperation mit einer Elektrisierung der Bassline schließlich ein entrückt flächiges Break heraufbeschwören - umgeben von solch einer schwebenden Umgebung üben sich erstere jedoch wieder in Zurückhaltung und übergeben das Zepter lieber an die nun stetig offensiver eingesetzten Alternativmelodiefragmente. Eine gute Wahl insbesondere hinsichtlich der atmosphärischen Dichte und Wärme, welche zusammen mit dem Untergrund auf der Zielgeraden noch einmal aus dem Vollen schöpfen und schlussendlich nicht weniger als verdiente 5,5/6 auf die Stirn tätowiert bekommen. :D

    Movement 3 indes geht seine Sache dann nicht nur eine gehörige Schüppe düsterer an, sondern probiert sich auch in einer drückend-progressiven Manier an der Melodiebasis aus, sodass beispielsweise die bekannte Stakkatotonfolge nun in wunderbar verspulten Fragmenten durch den Raum geistert und dabei Tor und Tür für den Empfang einer schiebenden Basslinewand aus elektroiden Gefilden öffnet. Die Melodiestücke lassen sich zudem von den sporadisch inszenierten Anschwellaktionen des Untergrunds nicht unterkriegen und bieten munter in der Verdichtungsentwicklung des Stücks mit, ehe auf dem anvisierten Höhepunkt für ein anstehendes Break erst einmal wieder etwas Druck herausgenommen wird. Der brodelnde Charakter bleibt dem Ganzen dort allerdings in jedem weiteren Moment erhalten, sodass sich aus dem sumpfigen Basslinewand-Morast alsbald immer deutlicher einige sägende Synthietöne herausschälen können, welche in Zusammenarbeit mit einer zufällig anwesenden Effektwolke sowie den wiedergenesenen Melodiefragmenten eine weitere gelungene Anschwellaktion aufs Parkett legen. Kontrastreich minimalistisch präsentiert sich das Ganze dann in den ersten Augenblicken der Kickdrum-Rückkehr, wenn nur die verstrahlten Melodieandeutungen in herrlich ungenierter Art und Weise auf dem düster grummelnden Untergrund schwimmen, sodass eine letzte etwas weniger stark zu charakterisierende Intensitätssteigerung das Stück mit überdurchschnittlichen 5,25/6 entlässt und schließlich Platz macht für das EP-Finale in Person von Movement 4. Da dieses jedoch alles andere als einen Rausschmeißer darstellt, sollte auch hier unbedingt noch einmal die volle Aufmerksamkeit des gemeinen Hörers gefordert werden, wenn sich nach einem entspannt dahingleitenden Intro aus leicht alternativen Flächensegmenten voll atmosphärischen Wohlgefühls ein Breakbeat-Untergrund aus dem Ei pellt und mitsamt allerhand schluffiger Effekte immer deutlicher die Melodieebene herausfordert. Dies lässt sich selbige zudem nicht doppelt auf die Nase binden, sodass langsam aber sicher immer mehr begleitende Synthietöne in flächiger sowie stakkatierter Instrumentierung und einige subtile Glockenspielklänge auf den Plan treten und den Vorfrühlingscharakter der hiesigen Melodiebasis gekonnt unterstreichen. Als atmosphärisches Schmankerl darf im weiteren Verlauf dann sogar die Kiste mit den ätherischen Vocalflächen kurzzeitig aufgemacht werden, ehe ein kleines Break die Elementdichte wieder deutlich zurückfährt, wobei diese Entwicklung allerdings nicht allzu lang aufrechterhalten werden kann. Die Durchsetzungskraft der schwebenden Melodieelemente kennt schließlich im letzten Drittel kaum noch eine Grenze (außer der Kitschgrenze, versteht sich), sodass ich nach einer überaus sommerlichen Klangreise sowie einem wieder etwas wehmütiger inszenierten Outro trotz einer Spieldauer von nur knapp 4 Minuten hier nicht um die Verteilung gerechter 5,5/6 herumkomme... ;)

    Auch zum Ende des Monats mit der schlechtesten Kondition zeigt sich die traditionelle Zusammenstellung meiner elitären Zehn alles andere als schlecht aufgestellt...

    $01€ Pig & Dan - Prism --- Balushi
    €02$ Phil Kieran - Le Carrousel [Egbert Remix] --- Phil Kieran Recordings
    $03€ Egostereo - Plastic --- McGroove Records
    €04$ Andrew Bayer - Distractions Movement 2 --- Anjunadeep
    $05€ Damabiah - The Landscapes Dessinateur [Ian O'Donovan's Skyscape Remix] --- Natura Sonoris
    €06$ Exoplanet - Static Substance --- AlterImage Recordings
    $07€ Ioan Gamboa - Hope --- Sudbeat
    €08$ David Lynch - I Know [Sasha Remix] --- Sunday Best Recordings
    $09€ Carl Craig - At Les [Christian Smith's Tronic Treatment Remix] --- Tronic
    €10$ Rex Mundi - Sandstone --- Coldharbour Recordings

    :huebbel:

    Meine obligatorischen Glückwünsche zum Gewinn der Meisterschaft 10/11 an die uringelbe Kindergartengruppe, ihr dürft euch jetzt endgültig von eurer lustigen "Wir denken von Spiel zu Spiel"-Faselei verabschieden und das böse M-Wort in den Mund nehmen, alles andere wäre de facto lächerlich! Ich hätte ja zu gern erlebt, wie das Spiel weitergegangen wäre, wenn der Gomez in der ersten Halbzeit nicht die fünf Zentimeter im Abseits steht und das 2:2 (regulär) erzielt, aber auch das hätte unserer Defensive womöglich alles andere als Sicherheit gegeben, wie ich aus leidlicher Erfahrung in dieser Saison vermuten darf... Nun denn, jetzt kann die Devise nur noch heißen: irgendwie den zweiten Platz auf seine Seite bringen, in der CL so weit wie möglich nach vorn preschen, den Pokal nach München holen und im Sommer schließlich den Transfermarkt hinsichtlich der Minimierung der eklatanten Abwehrschwächen sinnvoll durchforsten!

    Schön entspannt geratener Two-Tracker vom Kanadier Soundprank, welcher für meinen Geschmack zwar teilweise etwas zu deutlich die Charakteristika des typischen Anjunadeep-Klangspektrums verinnerlicht hat, mit seiner Extraportion sphärischer Wärme jedoch eine solch einladende akustische Hängematte heraufzubeschwören weiß, dass ich ihm nicht wirklich böse sein kann... ;)

    Zunächst gebühren The Far Side, welchem auf dem Weg auf die ganz frische Anjunadeep:03 verdientermaßen keine Steine in den Weg gelegt wurde, hier einige lobende Worte, da es diesem Track immer wieder in ansprechender Art und Weise gelingt, das Progressive-Trance-Gefühl von 2004 ins Hier und Jetzt zu teleportieren, auch wenn das Endprodukt mit der Düsternis von einst nicht mehr allzu viel gemein hat. Einzig ein grummelndes Basslinefragment zehrt alsbald noch etwas von dieser und wehrt sich gegen die allumfassende Leichtigkeit, welche bereits von den ersten subtilen Melodieanleihen unverkennbar in die Umlaufbahn gebracht werden. Zaghafte Pianotöne, beschwingte Flächenstücke und zurückhaltende Arpeggios geleiten schließlich schon nach wenigen Momenten die geneigte Hörerschaft in äußerst entspannte Gefilde, welche sich allerdings vor allen Dingen durch die immer wieder an- und abschwellende Melodieebene von jeglichen Langeweilevorwürfen befreien kann, während das Basslinefragment im Untergrund im weiteren Verlauf nun auch seine elektroide Seite nach außen kehrt und das kontrastreiche Spiel zwischen schlecht gelauntem Untergrund und frühlingshafter Melodieanbandlungen weiter verschärft. Erst das anstehende Break nimmt dieser Entwicklung wieder Wind aus den Segeln und lässt den sphärischen Elementen genug Zeit und Raum, um sich anfangs mit weiteren alternativen Tonfolgen zu verdichten und im Anschluss schlussendlich auf eine Art "Hauptmelodie" zu einigen, welche von den Pianotönen getragen genau ins Herz jedes Entspannungsfanatikers treffen dürfte. Auch zusammen mit dem Drumming setzt sich diese stimmungsvolle Reise fort, ehe in und nach einem Kurzbreak wieder etwas mehr Demut angesagt ist, sodass auch die Bassline sich erneut für einige Augenblicke nach vorn knarzen kann. Bis der Rückbau einsetzt, bleibt jedoch immer noch genug Zeit für ein letztes Aufbäumen der Melodieelemente, welche dem Track noch einmal ihre sphärische Tiefenentspannung ins Stammbuch schreiben. Summa summarum eine runde Sache für jeden Progtrance-Genießer, welche mir trotz ihrer zuckrigen Momente saubere 4,75/6 wert ist. :yes:

    Ein überaus ähnlich gestricktes Schema peilt auf der imaginären B-Seite Cloudsound an, sodass auch hier die atmosphärische Ausrichtung keinen Hehl aus ihrer Vorliebe für sonnenscheindurchflutete Sommertage macht. Insgesamt gesehen verzichtet das Stück allerdings auf eine solch zugespitzte Form der Melodieentwicklung, wie sie noch im Vorgänger zu bestaunen war, sondern konzentriert sich stattdessen darauf, dass die gewisse Portion Deepness niemals verloren geht oder in Anbetracht epischer Flächenstücke gleich von sich aus Reißaus nimmt. Die etwas subtiler gestaltete Ausrichtung der Melodielinien lässt sich vor allen Dingen an einer schwebenden Tonfolge erkennen, welche nach der unvermeidbaren Einwirkzeit des minimalistisch schunkelnden Drummings aus ersten Hintergrundflächenandeutungen erwächst und alsbald in Kooperation mit einem erstaunlich groovend geratenen Basslinefragment schäkert. Im Folgenden weiß sich die Melodieebene dann zwar in Form von eruptiven Flächeneinwürfen sowie allerhand alternativem Tongetier als schmuckem Beiwerk passend zu verdichten, aufgrund des immer noch recht unaufgeregt daherkommenden Arrangements erhält sich das Ganze jedoch auch weiterhin seinen leicht melancholischen Unterton, welcher auch im anstehenden Break seine Runden dreht und die prägende Melodiefolge erst einmal etwas monotoner auftreten lässt. An deren Stelle erobern sich in dieser Phase die interessanten Flächeneinwürfe ein sphärisches Übergewicht, sodass auch dem letzten Hinterwälder bald die Vorliebe des hiesigen Stücks für progressive Strukturen in den Ohren klingeln dürfte. Setzen die Melodietöne im letzten Drittel dann noch einmal auf ihre variableren Klangpfade, scheinen die finalen Sekunden des Tracks zwar bereits geschlagen, doch auch auf dem langsam aber sicher in sich zurückbauenden Untergrund lässt die wunderbar zwischen frühlingshaft-leichter Kost und sanfter Melancholie changierende Atmosphäre nichts auf sich kommen. Ergo führt schlussendlich kein Weg an der Vergabe verdienter 5,25/6 vorbei, welche diesem im direkten Vergleich noch eine gute Runde gehaltvolleren Stück finalmente von meiner Seite zu Gute kommen. :D