Ich bin seit fast genau 14 Jahre am Start (minus 5 Tage). Hab mal nachgeguckt. So bis 2016 hab ich hier recht regelmäßig gepostet. Danach kaum noch.
Die faire Frage ist, ob es heute noch wirklich jemanden interessiert, Songs vorzustellen und zu bewerten? Ist ein totales Nerd-Ding. Kann und muss man alles in Zahlen ausdrücken? Ist es wichtig, ob ich irgendwas toll finde oder der Mehrheitsmeinung angehöre? Seit 2009 hat sich ein gigantischer technologischer Wandel vollzogen. Damals hatte man noch Mühe, an Liveshow Sets (sei es sie zu finden, sei es wegen dem Downloadspeed) und an Tracks zu kommen. Heute wird mir jede Woche alles in mein Feed gespült. Man hat jederzeit Zugriff auf quasi jedes Set und jeden Track. Jeder hat Zugriff auf Milliarden von Liedern, immer weniger Leute hören das Gleiche. Gilt auch für Serien und weitgehend auch für Filme. Ist halt die Entwicklung der Zeit.
Ich brauche ehrlich gesagt keine Empfehlungen von niemandem jemals wieder. Wenn ich was brauche, suche ich es mir. Dafür gibt es mittlerweile Algorithmen oder "artists like" Playlists. Ansonsten steht meine persönliche Musiksammlung/Musikgeschmack nach über 25 Jahren Musikhören felsenfest. Und es ist eh schon viel zu viel, als dass ich es alles jemals regelmäßig hören könnte. Dazu konkurrieren ohnehin alle Sozialen Medien und Streaming-Anbieter und Youtube um Aufmerksamkeit, für Musik bleibt dann selbst bei mir nur nicht mehr zu viel Zeit, da ich unterwegs seit ein paar Jahren sehr gerne bevorzugt Podcasts konsumiere. Letztens habe ich einem Bekannten erklärt, dass jene Musik der er erwähnte an sich ganz gut sei, ich aber schlichtweg keine Zeit dazu hätte, sie zu hören. Genauso wenig Bedarf bestünde. Vielleicht höre ich mal rein. Klar suche ich auch nach neuer Musik, aber das ist ehrlich gesagt recht mühselig und zeitintensiv. Lieber ne gute selektierte Playlist anmachen und einfach laufen lassen und genießen.
Dazu kommt für mich der Fakt, dass man auch aus dem Alter rauskommt, wo es wichtig ist, was andere über den eigenen Musikgeschmack denken und sich darüber zu definieren. Ich bin Trancer, ich höre hochwertige elektronische Musik, welche quasi die moderne Form der klassischen Musik ist. Keinen so schlechten Hands Up oder Big Room oder Electro House wie die Masse. Wo es nicht mehr wichtig ist, seine Musik höher zu heben und vom z.B. Hands Up abzugrenzen. Wenn man mal rückwirkend hier im Forum liest und damit meine ich auch meine eigenen Postings, dann wird einem ganz anders. Kindergarten halt.
Es ist mir zumindest schon lange müßig geworden ist, mich über schlechte Armin Tracks zu beschweren, über schlechte Interpolationen oder wenn irgendjemand mal wieder einen Klassiker verwurschtelt (aktuelle hörte ich in der Klangküche Lizot, Priska's Version von Barthezz' "On The Move", wo auf die Melodie irgendwelche Vocals gepackt wurden). Oder wenn mal wieder alle auf einen Hypetrain springen (im EDM ganz besonders stark verbreitetes Phänomen). Ich halte es mittlerweile wie The Big Lebowski: 'Well, that's just, like, your opinion, man...' Genauso stimme ich Brie Larson (Captain Marvel) zu: "I don't need a 40-year-old white dude to tell me what didn't work about A Wrinkle In Time" says Brie Larson. "It wasn't made for him! Kann man dann umformulieren zu: Ich brauche keinen 35 jährigen Trance-Fan der mir erzählt, was ihm an David Guetta "I'm Good (Blue)" nicht gefällt. Es wurde nicht für ihn gemacht! Irgendwann setzt die Vernunft ein und man akzeptiert einfach, dass es immer viel (was man persönlich als solchen erachtet) Schrott geben wird, dass es ums liebe Geld geht, dass sich Genre wandeln, dass Artists überleben wollen. Dann hört man einfach was man mag und schenkt dem was man nicht mag keine Aufmerksamkeit mehr, denn man kann diese Zeit besser nutzen. Ich habe fertig.