Ankunft
Das Wonderland-Festival war einfach der Hammer ! Um halb 11 morgens am Sonntag traf ich mich mit Vasaris in Porta Westfalica und wir sind dann zusammen weiter nach Stemwede-Wehdem. Das ländlich geprägte Dörfchen lag in einem hübschen und gemütlichen Hügelland, den Stemmer Bergen.Wir waren erstmal erstaunt darüber wie riesig das Camping - Areal war. Der Mainfloor selbst war gar nicht mal so dermaßen groß, aber wenn man überlegt das - wie wir es dort erfahren haben - die Wonderland tatsächlich von Freitag nachmittag an 72 Stunden Nonstop bis Sonntag durchging konnte man sich vorstellen, dass sich die Massen gut über die verschiedenen Zeiträume verteilten. Auf den meisten 3 Tage - Festivals ist normalerweise morgens Schluss und es geht abends weiter, aber hier lief tatsächlich nonstop Musik und was uns auffiel war die Tatsache, dass man hier auch durchgehend laute Musik spielen konnte, denn in den Camps war die Anlage nur noch ganz leise zu vernehmen, im Dorf selbst gar nicht mehr. Diese war übrigens sehr angenehm: Sie brachte den nötigen Druck mit sich, ohne je zu übersteuern oder ein unangenehmes Gefühl in den Ohren zu erzeugen.
Location
Mitten am Stemweder Berg in einem kleinen Wäldlchen, lag das alternative Veranstaltungszentrum "Waldfrieden", das überregional und sogar international für gute Goaparties bekannt ist. Das Gebäude trug eine bunte Bemalung, unter Anderem mit der Grinse-Katze aus "Alice im Wunderland".
Die Toiletten waren nicht nach Männchen und Weibchen sondern nach "Elfen" und "Trollen" unterteilt. Um den Waldfrieden herum fand das Wonderlandfestival auf einer Lichtung statt.
Der Mainfloor auf der großen Lichtung wirkte wie ein großer Sandkasten, muß wohl am dortigen norddeutschen Geest-Boden gelegen haben. Zwar war der Sand längst nicht so weiß und fein wie am Strand von Zandvoort, aber dennoch war es schon cool Beachfeeling mit dem Tanzen im Wald zu verbinden und ganz klar mit eine der besten Locations die ich dieses Jahr überhaupt besucht habe.
Bunte asiatisch anmutende, künstlersich äußert interessante Sonnensegel waren über den Floor gespannt. Schaumkanonen versprühten in bestimmten Abständen Flocken auf die Tanzfläche und es sah aus als würde es schneien. Direkt neben dem Floor befand sich eine große Bergwiese, auf deren steilen Hängen mit Decken und kleinen Sonnenzelten gechillt wurde. Manche der Hippies waren dabei sogar ganz enstpannt am stricken. Von dort oben hatte man einen wunderbaren Blick auf den Floor und das Stemweder Umland.
Neben dem Waldfriedengebäude selbst gab es einen kleinen Floor "Backyardfloor" auf dem dann zusätzlich auch Musik wie Progressive House und Tech House lief.
Das ganze Gelände wirkte wie eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und Kunstausstellung. Es gab aus Holz gebaute Aussichtspunkte, von einem führte eine Rutsche hinunter.....Alles war bis ins Detail durchdacht. Sein Geld mußte man in Waldmark, einer 1:1 Währung des Euros umtauschen. Zusätzlich gab es einen kleinen Hippiemarkt, wo man z.B. Räuchterstäbchen, Tee sowie Hippiekleidung kaufen und Chai trinken konnte. Das auf dem Festival verkaufte Essen war aus biologischem Anbau. In Sachen Toiletten konnten die eben genannten Räumlichkeiten des Waldfriedens genutzt werden ( dadrin gabs wohl sogar ne Dusche
) als auch genügend Dixie-Klos, sowie für die Männer eine etwas ungewöhnliche Pinkelrinne am Waldweg.
Das dort alle Leute vorbeigingen - natürlich auch die Mädels - hat anscheinend Niemanden interessiert. 
Überhaupt war dort alles einfach nur locker/lässig. Niemand hat den Anderen schief angeguckt und wenn sich Blicke begegneten, gab es meistens nur ein sehr freundliches Lächeln zu sehen.
Djs & Acts
Jensson
Als wir auf das Gelände kamen spielte Jensson von Iono Music bereits recht melodiösen flotten Psy-Sound. Hat mir gut gefallen.
Analogue Drink live
Ich habe von ihm einen Track bei Soundcloud geladen und den Sound des Brasilianers sofort an seinen äußerst prägnanten Beats erkannt.
Hat mir gut gefallen !
Phaxe live & als Dj.
Der Oberhammer war dann Phaxe live aus Dänemark. Er glänzte mit schön melodischem, emotionalen Trance / Progressive Trance und war für mich einer der Knaller des Tages. Eigentlich war es zeitweise schon kein direkter Psy mehr, dafür aber dennoch verdammt schöner Trance der sehr gut vom Publikum angenommen wurde. Er legte einen wahren Spannungsbogen hin und später gab es seinen hier bereits von mir vorgestellten wunderschönen Remix zu Querox & Lumbago - Last Day Of Sun zu hören, den mehr als gelungenen Remix zu Infected Mushroom - Dracul, seine progressiven Versionen von Depeche Mode - Enjoy The Silene, Michael Jackson - Thriller sowie seine Trancehymne "Who Cares" als auch andere schöne Sachen aus seinem Produzenten-Repertoire. Nachdem er seinen 2 stündigen Liveact beendete, gab es direkt von ihm im Anschluss noch eine weitere Stunde lang ein sehr schönes Psy-Set als DJ.
Neelix live
Wahnsinn ! Der Floor war urplötzlich völlig überfüllt und die Leute feierten wie der Teufel als Neelix loslegte. Sein prägnanter Hüpfbeat und eine geile Bassline nach der Anderen. Party-Goa würde ich sagen ! In seine Psybeats integrierte er gekonnt Stilelemente aus anderen Musikrichtungen wie z.b. auch House. Ich glaube sogar ein dubsteppiges Element war dabei. Auch Musik aus dem Popbereich wurde zu Neelix-Sound umgewandelt. Gekonnt veränderte er den Chart-Hit Gotye - Somebody Used To Know ohne das es der Stimmung schadete - im Gegenteil: Alles drehte durch ! Natürlich fehlte nicht sein Hit "Expect What". Die Leute haben ihn wie einen Superstar gefeiert. Spätestens nachdem sich ein Mädel und ein Typ um eine CD von Neelix nach Set-Ende stritten und sie dabei fast zerbrochen wäre, war für mich klar, dass es auch in der Goaszene schon sowas wie Groupies gibt
Neben Phaxe und E-Clip für mich sicherlich eines der größten Highlights des Tages.
Djoanna & Alice D.
Die Waldfrieden-Djanes heizten dann wieder mit typischen recht verspulten Psy-Sound ein. Nicht richtig schnell, aber ordentlich treibend. Teilweise etwas monotoner, recht freaky und nicht immer so sphärisch, aber dennoch irgendwie höchst interessant und mit ner ordentlichen Portion Coolness. Hat man sich da einmal reingetanzt, kommt man auch nicht so schnell von der Fläche.
E-Clip live
Zum Schluss kam dann nochmal ein richtig toller einstündiger Abschluss. Man kennt ihn von Iono Music oder spätestens von John 00 Flemings Label"Joof Recordings" auf dem ein ganzes Album des Serben erschien. Sein Psy war äußerst sphärisch und magisch. Es ging gut nach vorne und war doch irgendwie entspannend und hypnotisch. Eben auch das, was man von Joof öfters kennt. Jetzt nachdem die Sonne weg war und die Nacht einbrach offenbarte sich durch die sphärische Musik, die vielen Lichter, sowie die bunten jetzt illuminierten Sonnensegel und der großartigen Lage im Wald eine geradezu mystische Stimmung. Auch einige Bäume des Waldes am Berghang wurden mit Lampen angestrahlt. Größere Leinwände zeigten den Dj. Kann man alles sehr schwer beschreiben: Es waren andere Bilder, Lichtspielereien als man es von normalen Events gewohnt ist. Man muß es gesehen haben.
Als wir Richtung Dorf gingen, wurden am Wegesrand sogar noch Baumkronen mit äußerst interessanten Lichtern angestrahlt. Um es zu beschreiben: Es sah aus als würden sich in den Baumkronen tausende von Glühwürmchen bewegen. An den Camps war es erstaunlich ruhig. Überhaupt war das Publikum verdammt gelassen und friedlich. Kein lautes prolliges Gegröhle - Gepöbel schon gar nicht - und immer sehr locker. Ich denke mit Ruhestörung wird das Dorf nicht so schnell Probleme haben, was sicher bei anderen Festivals eher der Fall wäre.
Ich will gar nicht wissen, was ich an schönen Bildern schon alles wieder vergessen habe. Es waren zuviele Eindrücke, um sie zu behalten. Mit eine der besten Goaparties ever. Das nächste Mal nehme ich das ganze Wochenende mit. Auch unser Vasaris ist so geflasht, dass er sich sofort nach dem Event ans Producing machte und jetzt an Psy arbeitet.
......und achja: Müll machte auch kaum Jemand und als ich die neue Waldfrieden CD öffnete schaute mich gleich ein "Atomkraft Nein Danke" Banner an. Auch hierbei wurde mir wieder klar, dass ich am richtigen Ort war. 