Was ist von der Piratenpartei (im Plural) zu halten?
Ich denke zwar nicht, dass die Piratenpartei einfach zu ignorieren ist, zumindest nicht, wenn man politische Analyse betreibt. Da gilt es zu fragen, inwiefern der Erfolg der Piraten Ausdruck einer Krise der etablierten Parteien und der bürgerlichen Demokratie ist. Immerhin rumort es umso stärker im Gebälk, je autoritärer und undemokratischer die Regierungspolitiken der EU-Staaten werden.
Allerdings denke ich, dass die "Piraten" intern ziemlich widersprüchlich sind und bis auf einige Variablen (männlich, jung, internetaffin etc.) schwer gefasst werden und im Gesamten auch nicht auf das Label "kleinbürgerlich" reduziert werden können (was sie in gewissen Teilen sicherlich sind), aber sie bergen m.E. durchaus auch ein paar progressive linksorientierte Potentiale in sich. Längerfristig werden sie, aufgrund ihrer inneren Heterogenität und der kaum mit Erfolg möglichen Positionierung im ideologischen Feld (Zitat von einem österreichischen "Piraten" auf derstandard.at: "Die Piraten sind urliberal, aber nicht neoliberal, sie sind sozial, aber keine Schulbuch-Sozialisten"), vermutlich keine Bestandsaussichten haben.
Irgendwie sind sie liberal, also grundsätzlich pro-kapitalistisch, andererseits stellen sich gerade viele ihrerer Forderungen gerade den aktuellen Einhegungen globaler Konzerne (mittels geistiger Eigentumsrechte) entgegen (wofür der Kampf gegen ACTA ein Ausdruck ist). Auch die vereinzelten Forderungen wie jene nach einem bedingungslosen Grundeinkommen oder der Freifahrt auf öffentlichen Verkehrsmitteln sind - zumindest im Vergleich zu ihren bewegungsorganisatorischen Vorgängern, den Grünen - auf der fortschrittlichen Seite. Natürlich darf nicht übersehen werden, dass es in deren Reihen auch -ich nehme an vereinzelt - antifeministische und rechte Reaktionäre gibt.
Schließlich muss - und das ist die Schattenseite - noch gesagt werden, dass die Emergenz der Piratenpartei nicht zuletzt nicht nur auf das Versagen der bürgerlichen Parteien (Sozialdemokraten, Volksparteien) aufmerksam macht, sondern genauso auf das Versagen der Linken, die es nicht geschafft haben, sich in den entsprechenden Themenfeldern erfolgreich zu positionieren.