Vor zwei Tagen habe ich meinen ersten Durchlauf von Dragon Age 2 auch abgeschlossen, aber gelang mit einem deutlich positiveren Gefühl zum Abspann als mein Vorschreiber.
Zugegeben, das Herumgesplattere wirkt im Gegensatz zum Vorgänger wirklich ein wenig albern und unecht und die Massen, die einem da in einfachen Straßengefechten entgegenkommen, sind auch ein wenig unglaubwürdig. Ständig springen aus dem Nichts neue Gegnerwellen ins Gefecht, so dass zum Einen vorher nie abzuschätzen ist, wie lange und schwierig ein Kampf nun wirklich wird. Wenn die fünfköpfige Schlägergang, die einen auf der Straße um Schutzgeld erpressen will, von meinem Charakter mit einer sarkastischen Bemerkung ungespitzt in den Boden gerammt werden soll, springen aus der Luft auf einmal ungelogen 60 neue Kollegen dazu, praktischerweise aufgeteilt in 3 Wellen. Dafür machen die Kämpfe aber mindestens genausoviel Spaß wie die des Vorgängers. Der etwas simplifizierte Zauber- und Fertigkeitenpool wird schön animiert umgesetzt. Da schlägt der Schurke mit den Messerechen Räder und ein Rückwärtssalto, um dem Pfeilhagel der Gegner zu entgehen, da springt der Krieger mit seiner Zweihandaxt über ihn hinweg und wirbelt die lästigen Bogenschützen gekonnt aus den Latschen. Wie man mit einem Vollplattenpanzer und einer zweihändigen Axt zwei Meter hoch springen kann wird mir zwar ein Rätsel bleiben, aber hey - Zauberei ist ja auch Firlefanz.
Das Gebietsrecycling stieß mir garnicht so sehr negativ auf. Es gibt ein paar größer angelegte "Standardzonen", die aber je nach wirklichem Gebiet anders abgegrenzt sind, so dass immer nur bestimmte Bereiche "bespielt" werden. Aber meistens spielt man gute zwei Stunden, bis einem der Grundriss eines Gebiets irgendwie bekannt vorkommt. Vorteil hierbei ist, dass viel schon in den Prefetch geladen wird, so dass die reellen Ladezeiten deutlich kürzer sind als die des Vorgängers.
Der größte Pluspunkt war in meinen Augen, dass viele der schön individualisierten NPCs deutlich größere Rollen in der Geschichte entwickeln, als das beim Vorgänger der Fall war. Außer dem Ritual von Morrigan und der obskuren "Herkunft" von Alistar war die Mehrheit der Gefährten für den Hauptverlauf der Geschichte wenig relevant. Bei Dragon Age 2 ist es nun anders, wobei ich da wenig verraten kann, ohne zu spoilern. Etliche alte Bekannte findet man auch, deren Verbleib und Rollen abhängig davon sind, welche Entscheidungen man im Vorgänger getroffen hat. Der Spielstand kann importiert werden, die Welt wird dann auf einen entsprechenden Stand gesetzt. Da soll man mal für die Antivan Crows einen abtrünnigen Attentäter aufspüren, worüber sich Isabela sehr freut (die "Duellant"-Lehrmeisterin wird hier zu einem vollwertigen Gefährten) und von dem der Veteran natürlich schon eine Ahnung hat, wer sich dahinter verbirgt. Die "Agentin" der obersten ehrwürdigen Mutter aus Val Royeaux plaudert auch mit einem vertrauten Akzent daher und der von mir im ersten Teil ins Exil gejagte Alistar betrinkt sich munter in einer Taverne in Kirkwall wo er behauptet, er sei der Prinz von Ferelden...
Das neue Design der Elfen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, und auch die Qunnari und Flemeth haben eine Generalüberholung erhalten. Insbesondere bei Letzterer wird aufgeklärt, was mit ihr passiert ist, nachdem ihr sie im ersten Teil im Auftrag von Morrigan umgeholzt habt (oder eben auch nicht). Optisch wirken die Charaktere und Gesichter aber deutlich lebendiger und glaubwürdiger, und auch die Stadt Kirkwall fühlt sich deutlich "stadtlicher" an, als das beispielsweise in Denerim der Fall war. Wenn man sich erst einmal an das neue Kampfsystem gewöhnt hat, wird man mit einem zwar etwas anderem, aber trotzdem sehr guten Spiel belohnt, das nicht ganz so epische Ausmaße annimmt wie der Vorgänger, aber dafür in meinen Augen mindestens genauso gut inszeniert ist.