Hayden
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| Die Hand Gottes Herrsche und teile aus Marc Schürmann Wenn Sie dies lesen, halten Sie eine der letzten freien Ausgaben einer deutschen Zeitung in den Händen. Es kommt eine Macht, die sich alles untertan macht, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender, Internetseiten, Weblogs. Es gibt nun noch eine Meinung, eine Welt, selbst das Wetter und Gott müssen sich IHM unterwerfen, und das hat mit einer Eisenstange angefangen. Erinnern Sie sich noch an Tonya Harding? Das ist die Eisläuferin, die sich so sehr wünschte, die Beste zu sein, dass sie einen Schläger anheuerte, der ihrer Konkurrentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange das Knie malträtierte. Nun würde Oliver Kahn natürlich keinem Schläger so einen brutalen Auftrag geben. Er wuchtet die Stange selbst, nachts, in den dunklen Gassen von London, gegen Jens Lehmanns rechtes Knie. Aber nun steht Kahn vor zwei neuen Problemen. Erstens könnte Jürgen Klinsmann auf die Idee kommen, Timo Hildebrand zur Nummer eins im Tor zu machen. Denn auch der ist ein besserer Feldspieler als Kahn. Zweitens könnte irgendein findiger Reporter enthüllen, welche Hände die Eisenstange führten. Beide Probleme löst Kahn mit der gleichen, gewinnend einfachen Lösung: Er reißt die Weltherrschaft an sich. Also zwingt er jeden Journalisten, fortan nur noch Zusammenschnitte seiner früheren Glanzleistungen zu senden, sodass es aussieht, als würde er Spieltag für Spieltag halten wie der junge Jesus. Wenn sich einer weigert, haut Kahn ihn. Die Zuschauer im Stadion werden am Computer simuliert, es gibt also keine Zeugen, wie die Spiele tatsächlich gelaufen sind. Außer den Spielern. Denen aber sagt Kahn, sie würden nie mehr ins TV kommen, wenn sie ihn verpfeifen. Als Nächstes setzt Kahn, der inzwischen zurückgezogen in seinem Hauptquartier unter dem Meeresgrund lebt und eine weiße Perserkatze streichelt, Gott unter Druck. Wenn der nicht dafür sorge, dass er auf jeden Fall den FC Bayern zur Meisterschaft und die deutsche Nationalmannschaft zum Titel führe, dann, drohe Kahn, gründe er eine Religion, in der Sünden wurscht sind. Gott wird nervös und lenkt ein. Auch überlasst er ihm, wie von Kahn gefordert, alle Regierungsgeschäfte der Welt und richtet den Strahl der Sonne allein auf Kahn Haupt. Sie werden verstehen, dass wir Journalisten uns fürchten. Ach, und noch etwas, haben Sie gesehen, wie großartig Kahn am Samstag gehalten hat, beim herrlichen 3:0 für die Bayern gegen Bremen? Weltklasse, sag ich Ihnen. |
Quelle: Financial Times Deutschland, Montag 10. April 2006, Seite 36